15. März 2010
Individuelle Naturkosmetik

Individuelle Naturkosmetik

Der neueste Trend von der Bio-Fachmesse: Naturkosmetik wird jetzt noch individueller. Alles über die aktuellen Anti-Age-Cremes, fair gehandelte Zutaten und brandneue Marken.

Anti-Aging Naturkosmetik
© iStockphoto - aldra
Anti-Aging Naturkosmetik

Exotik und Ethik: Das sind die herausragenden Themen im Naturkosmetikmarkt 2010. Durch Markenzuwachs aus aller Welt oder Zutaten wie Acaibeeren, die im brasilianischen Regenwald gesammelt werden, ist das Angebot so bunt und sinnlich wie nie zuvor. Dazu passt auch das Motto „Organic&Fair“, unter dem die Bio- Beauty-Messe Vivaness vom die interessantesten Neuheiten in Nürnberg vorstellt.

Auch wenn es die wenigsten geglaubt haben: Trotz Wirtschaftskrise stürmt Bio-Beauty nach wie vor die Verkaufs-Charts – wenn auch nicht mehr ganz so kometenhaft. Während die Umsatzzahlen in den letzten Jahren zweistellig anstiegen, belief sich das Wachstum 2009 nur noch auf fünf Prozent, gab der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) bekannt. Immerhin fast 700 Millionen Euro des Kosmetikgesamtumsatzes von 13 Milliarden.

Fakt ist aber auch, dass sich deutlich mehr Naturkosmetikanbieter diesen Kuchen teilen müssen, denn ständig kommen Newcomer-Firmen hinzu, die auf der grünen Welle mitschwimmen wollen – vor allem aus dem Ausland. „2010 werden das erste Mal mehr als die Hälfte unserer Aussteller aus anderen Ländern kommen“, bestätigt Udo Funke, Projektleiter der Vivaness. Aber auch konventionelle Kosmetikhersteller beleben durch ihre Konkurrenz das Geschäft, indem sie ihre klassische Produkt- Range durch Öko-Serien erweitern.

Für Überraschung sorgte vor allem Garnier: Im März startet der Beautykonzern seine „Bio Aktiv“-Linie mit drei Produkten, die das Ecocert-Siegel tragen. Thalgo bietet seit Kurzem die zertifizierte Serie „Terre&Mer“ an, LCN die Hand- und Fußpflege „LCN Ognx“. Auch von Kneipp gibt es jetzt Produkte mit dem NaTrue-Logo.

Wer jetzt allerdings glaubt, dass bei dieser riesigen Auswahl auch die Zahl der Aussteller auf der Vivaness gestiegen ist, hat sich getäuscht. „Statt 205 sind es diesmal nur 188 Aussteller“, gibt Udo Funke zu. Abgesprungen sind vor allem etablierte Evergreens wie Weleda, Dr. Hauschka oder Santaverde. „So eine Messe kostet viel Zeit und Geld“, begründet Weleda-Pressesprecherin Sonja Maraslis die Absage. „Beides stecken wir lieber in neue Produkte wie die ,Citrus Hand- und Nagelcreme‘, die im März erscheint.“

Viel Geld wandert bei Naturkosmetik aber auch in gerechte Löhne für die Bauern, die die Zutaten für Bio-Beauty anbauen und ernten. Und das nicht erst, seit fairer Handel schick geworden ist. Gerade Zutaten wie Sheabutter oder Kokosöl, die zu den am häufigsten eingesetzten in der Naturkosmetik gehören, stammen schließlich aus Entwicklungsländern und werden von Naturkosmetikfirmen seit jeher angemessen bezahlt. Trotz des Themas „Organic& Fair“ sucht man das grün-blaue Siegel, das man von Kaffee oder Bananen kennt, auf der Vivaness vergeblich. Wie kommt’s? „Das liegt daran, dass wir unser Siegel nur an Produkte vergeben dürfen, die mindestens zur Hälfte aus fair gehandelten Inhaltsstoffen bestehen“, erklärt Claudia Brück, Pressesprecherin des Vereins Transfair. „Da Pflege aber bis zu 80 Prozent aus Wasser besteht, scheitert es oft schon daran. Wir tüfteln aber bereits an Sonderrichtlinien, um das in Zukunft besser berücksichtigen zu können. Ich freue mich trotzdem, dass die Bio-Hersteller ihr Engagement schon jetzt auf der Vivaness bekannt machen können, auch wenn sie noch kein Siegel haben.“

Von zwei Anbietern gibt es übrigens schon Kosmetik mit dem Transfair-Siegel: Es prangt auf einem Zuckerpeeling des dänischen Bio-Beauty-Herstellers Urtekram* und auf der Pflege der französischen Marke Themis*, die es jetzt auch in Deutschland gibt (siehe „Neue Marken“, Seite 28). Nur einer davon, nämlich Urtekram, wird auf der Messe vertreten sein. Wir haben uns deshalb nicht nur vorab auf der Vivaness, sondern auch schon bei den Herstellern umgehört, um Ihnen die interessantesten Neuheiten vorzustellen!

Jetzt wird’s richtig spannend: die Anti-Age-Cremes der Zukunft

Von allen Pflegesparten im Biosegment legte am meisten die Gesichtspflege zu, und zwar um zwölf Prozent. Kein Wunder, dass es hier die meisten Entwicklungen gibt. Das gilt besonders für Anti-Falten-Produkte. Die Wirkstoffe sind heute so modern und wirksam, dass sie es durchaus mit den konventionellen aufnehmen können. Eine echte Entdeckung ist z.B. das ätherische Öl, das aus rosafarbenen Geranien gewonnen wird. Es beschleunigt die Zellerneuerung um 30 Prozent und ist damit genauso effektiv wie Retinol – bloß besser verträglich. Auch für den Anti- Age-Hit Pro-Xylane gibt es jetzt eine Bio-Alternative: Rotbuchenextrakt, der von Natur aus reich an diesem Faltenglätter ist und zudem viele Mineralien enthält. Auch sonst treffen wir auf gute Bekannte, die sowohl in herkömmlichen als auch in Bio-Produkten ein glatter Erfolg sind. Direkt aus dem brasilianischen Regenwald kommt z.B. die Acaibeere, deren Polyphenole 15-mal besser gegen freie Radikale wirken sollen als die der Weintraube. Arganöl glättet die Haut und lindert Trockenheit. Sogar ein Anti- Age-Shampoo gibt es jetzt im Bioladen. Logona bringt ein Haarwaschmittel auf den Markt, das mit tibetanischem Gojibeerenextrakt und Koffein vor Haarausfall schützt.

PRODUKTE: z.B. „Naturalift Anti-Aging Creme“ von Melvita mit Rotbuche, 50 ml ca. 35 Euro; „Regenerierende Nachtpflege“ von Le Petit Olivier mit Arganöl, 30 ml ca. 15 Euro; „Age Energy Shampoo Bio-Coffein Goji-Beere“ von Logona, 250 ml ca. 7 Euro; „Xingu High Antioxidant Prevention Cream“ von Santaverde mit Acaibeere, 30 ml ca. 89 Euro; „Baume Volupté Fermeté“ von Sanoflore mit Geranienöl, 50 ml ca. 22 Euro

Großer Coup – oder raus bist du: die besten Biomarken und die Verlierer

Stark im Umbruch sind aber nicht nur die Zutaten, die zum Einsatz kommen, sondern auch die Marken selbst. Fans der Anti-Aging-Marke Laveré müssen ihre Lieblingsprodukte in Zukunft suchen, da das Konzept überarbeitet und nach neuen Vertriebswegen gesucht wird. Statt- dessen wird es in der Faces-Serie des Laveré-Herstellers Lavera bald eine extra Cremeserie gegen Falten geben. Außerdem überarbeitet Lavera sein Make-up – frei nach dem Motto: Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für den Lippenstift. Darüber, warum Laveré in Bioläden nicht gut lief, kann nur spekuliert werden, denn andere, ebenfalls eher hochpreisige Anti-Age-Linien verkaufen sich bestens. Ganz großer Gewinner ist die Reformhausmarke Aquabio, deren Anti-Age-Pflege mit Gold auch symbolisch die Goldmedaille einheimsen konnte. Da Aquabio erst vor zwei Jahren von Logona gekauft worden und mit komplett neuen Produkten in den Handel gekommen ist, wird es hier keine Neuerungen geben. Auch die Xingu-Produkte von Santaverde, die im Gegensatz zu Laveré in Edelkaufhäusern angeboten werden, sind ein absoluter Renner.

Sensibler Teint oder Mischhaut? Die Expertenteams aus dem Bio-Tiegel

Da Naturkosmetik keine synthetischen Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe enthält, die auf der Hitliste der Allergieauslöser ganz oben stehen, gilt sie als besonders gut verträglich. So überrascht es nicht, dass viele Anbieter diese Stärke nutzen und gezielt Produkte für sensible Haut entwickelt haben. Dr. Hauschka setzt in seiner Med-Serie, die sogar bei Neurodermitis geeignet ist, auf den Saft der Mittagsblume. Durch einen Mix an Mineralien wie Natrium und Magnesium, die wie Mini-Magnete Wasser speichern, erträgt sie selbst pralle Sommersonne, ohne zu verwelken. Das funktioniert auch auf der Haut. Gut und bewährt als Ruhestifter ist auch Aloe vera, während der Extrakt der chinesischen Schisandra-Frucht, der durch seine Schleimstoffe Rötungen lindert, gerade erst in Mode kommt. Unentschieden! Das ist das Problem bei Mischhaut. Während Stirn, Nase und Kinn zu viel Fett produzieren, ist es an den Wangen Mangelware. „Da dies immerhin 30 Prozent der deutschen Frauen betrifft, haben wir uns entschlossen, mit einer Extra-Serie darauf zu reagieren“, sagt Jenny Pohl, Pressesprecherin von Primavera. Die Lösung besteht meist aus einem ausgeklügelten Mix von Feuchtigkeitsspendern wie Algen, schnell einziehenden Fetten wie Traubenkern- oder Olivenöl und Wirkstoffen wie Johanniskraut- und Salbeiextrakt, die durch ihre Gerbstoffe sanft die Poren verengen und so den Talgfluss bremsen.

PRODUKTE: z.B. „Bio Aktiv Reichhaltige Intensivpflege Trockene und Sensible Haut“ von Garnier mit Aloe vera, 50 ml ca. 5 Euro; „Intensiv Creme Mittagsblume“ von Dr. Hauschka Med, 50 ml ca. 21 Euro; „Fluide Apaisant Hydratant“ von Kibio mit Schisandra, 50 ml ca. 23 Euro; „Balancing Cremefluid Salbei Traube“ von Primavera für Mischhaut, 30 ml ca. 26 Euro; „Fluide Vital“ von Terre&Mer mit Algen und Olivenöl für Mischhaut, 50 ml ca. 42 Euro; „Ecoface Reinigender Schaum“ von Mádara mit Johanniskraut, 150 ml ca. 15 Euro

Voll im Trend zur Körperpflege: Korallenalgen und Erdnussöl der Inkas

Wir wollen niemals auseinandergehen: Das sollten Sie nicht nur Ihrem Partner, sondern auch Ihrer Figur versprechen. Da Bio-Beauty eine Pflege ist, die Hand und Fuß hat, gehört natürlich auch Körperpflege zu den News. Wellmune, ein aus Hefepilzen gewonnener Wirkstoff, hält die elastischen Fasern des Bindegewebes fit, damit sie uns wie ein Gummiband in Bestform zurren. Korallenalgenextrakt polstert die Haut nicht nur mit Feuchtigkeit auf, sondern unterstützt durch seinen Gehalt an Kalzium auch den Zellzusammenhalt. Auch Arganöl hält Arme, Beine und Po schön straff. Streichelweiche Hände und Füße gefällig? Dann versuchen Sie es mal mit Mandel- oder Inca-InchiÖl, einem Erdnussöl der Inkas. Beide sind super gegen rissige Haut. Carnaubawachs aus Palmenblättern schützt wie ein unsichtbarer Handschuh vor dem Austrocknen.

PRODUKTE: z.B. „Intensiv Hautstraffungs-Creme“ von Alva mit Wellmune, 150 ml ca. 20 Euro; „Crème Corporelle Körpercreme“ von La Biosthétique mit Korallenalgen, 200 ml ca. 47 Euro; „Jasmin&Argan Hautöl“ von Kneipp, 100 ml ca. 10 Euro; „Ognx Foot Balm“ von LCN Ognx mit Inca-Inchi-Öl, 50 ml ca. 13 Euro; „Citrus Hand- und Nagelcreme“ von Weleda mit Mandelöl und Carnaubawachs, 50 ml ca. 6 Euro

UV-Schutz - ein schwieriges Verhältnis

Heiß erwartet werden die neuen Sonnenprodukte: Nachdem die EU letztes Jahr die Empfehlung gab, dass UV-A-Schutz und UV-B-Schutz einer Sonnenmilch in einem Verhältnis von 1 zu 3 stehen sollen, nahmen fast alle Naturkosmetikhersteller ihre Produkte vom Markt. Das Problem: Da der mineralische Filter Titandioxid das gesamte UV-Licht abblitzen lässt, ist die Bestimmung dieses Wertes schwierig. Einfacher geht das mit Zinkoxid. Deshalb werden in den neuen Bio-Sonnencremes Titandioxid und Zinkoxid trickreich gemischt und fein vermahlen, damit sie nicht weißeln.

Produkte: z.B. „Sun Lotion Soleil Family LSF 20 Nanofrei“ von Santé, 100 ml ca. 13 Euro; „Sonnenmilch Schisandra LSF 20“ von Alverde, 200 ml ca. 7 Euro; „Sun Sensitiv Anti-Age Sonnenmilch LSF 15“ von Lavera, 50 ml ca. 10 Euro

Nachwuchsförderung: Neue Marken

Mit der Pflege ist es wie mit dem Essen: Ab und zu haben wir Lust auf was Unbekanntes. Diese Bio-Beauty aus dem Ausland gibt’s jetzt auch bei uns.

  • MÁDARA kommt aus Lettland und wird nun in Filialen der Parfümerie Douglas angeboten. Da der Sommer im nordischen Baltikum rau und kurz ist, konzentrieren sich in den Blüten besonders viele Inhaltsstoffe. Verwendet werden vor allem beruhigende Kräuter wie Johanniskraut oder Schafgarbe und sanfte Fruchtsäuren aus Himbeeren, die die Hauterneuerung anregen. Neben Gesichts- und Körperpflege gibt es auch Foundations und Lipgloss.
  • MELVITA wurde 1983 von einer Imkerfamilie in Frankreich gegründet und gehört dort bereits zu den beliebtesten Bio- Beauty-Marken. Am 1. März eröffnet der erste Melvita-Shop in Karlsruhe. Weitere sollen folgen. Außerdem wird die Honig-Pflege in ausgewählten Apotheken angeboten. Die Palette reicht von Gesichtspflege für alle Hauttypen über Körperpflege bis hin zu Seifen und Männerkosmetik.
  • LE PETIT OLIVIER bedeutet nicht etwa „der kleine Oliver“, was viele denken, sondern „der kleine Olivenbaum“. Ein Bild davon befindet sich als Logo auf jedem Produkt, denn Olivenöl ist die Schlüsselzutat dieses Naturkosmetikherstellers aus der Provence. In Deutschland startet Le Petit Olivier allerdings erst mal mit den sieben Anti-Age-Gesichtsprodukten der Arganölserie – und zwar in ausgewählten Filialen der Drogerie Budnikowsky.
  • NINKASI Hopfen und Malz, Gott erhalt’s: Nach diesem Leitspruch wirken die Gesichtsund Körperpflegeprodukte der Schweizer Bio-Beauty-Marke Ninkasi, die nach der sumerischen Göttin des Bieres heißt. Während der Gerstensaft von innen eher für einen Bierbauch sorgt, wirken Hopfen, Hefe und Gerstenextrakt, äußerlich angewandt, schön straffend. Seit kurzem hat Ninkasi auch einen deutschen Onlineshop.
  • JO WOOD ORGANICS Der Name kommt Ihnen bekannt vor? Richtig, es handelt sich um die Noch-Ehefrau von Rolling- Stones-Gitarrist Ron Wood. Seit 2005 stellt das Exmodel eine glamouröse Bio-Körperpflege- Serie und Naturparfums her. Im Februar 2010 werden zwei neue Düfte gelauncht, die wie das gesamte Sortiment jetzt auch bei uns verkauft werden. Erhältlich in Bio-Beauty-Stores und über eine deutsche Webseite.
  • THEMIS hat sich nach der griechischen Göttin der Gerechtigkeit benannt. Und das aus gutem Grund: Die 14 Produkte zur Gesichts- und Körperpflege tragen nicht nur das französische Cosmebio-Logo, sondern auch das Fair-Trade-Siegel. Zutaten wie Kakaobutter, Kaffee, Zucker, Argan- und Sesamöl stammen von kleinen Kooperativen aus den ärmsten Regionen der Welt und sind obendrein ein Leckerbissen für trockene Haut.
  • BIOEMSAN „Sei Mei“, „Kao Tsuki“ und „Ka Mi“: So exotisch heißen die Produktlinien dieser Ende 2009 gegründeten Naturkosmetikmarke – obwohl sie aus Österreich kommt. Spezialität ist ein aus Japan stammender Mix aus Milchsäure-Mikroorganismen, der den Säureschutzmantel der Haut stabilisieren soll – ähnlich wie probiotische Joghurts die Darmflora. Deshalb sind die Produkte toll für empfindliche Haut. Gibt’s in Bioläden und zum Bestellen.
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