23. September 2010
Haare färben: bio oder klassisch?

Haare färben: Bio oder klassisch?

Eine andere Nuance probieren, den Naturton beleben, erstes Grau kaschieren: Die neuen Colorationen sind angeblich so sanft zum Haar wie nie. Stimmt das?

rothaarige-frau
© jalag-syndication.de
rothaarige-frau

Ein Morgen wie jeder andere, denkt Elfriede Wohlfahrt, als sie sich um 6.30 Uhr aus ihrer Bettdecke wickelt. Bis sie zum ersten Mal in den Spiegel sieht: Ihre Haare sind plötzlich quietschgrün statt grau – Elfriede traut sich kaum aus dem Haus. Obwohl es sich nur um die Figur aus einer Kurzgeschichte handelt, kann jede Frau die Achterbahn der Gefühle, die Elfriede durchlebt, nachvollziehen. Der Autor von „Die grasgrünen Haare“, Dr. Ronald Henss, arbeitet hauptberuflich als Psychologe und weiß: „Haarfarbe und weibliche Selbstwahrnehmung hängen eng zusammen. Genau darin liegt auch der Reiz des Färbens, denn unsere Haare sind der einzige Körperteil, den wir höchst effektiv und trotzdem recht unproblematisch unserem eigenen Geschmack anpassen können.“

Einer Umfrage des Beauty-Herstellers Schwarzkopf zufolge verändern drei Viertel der deutschen Frauen die Farbe, indem sie tönen, färben oder mit Strähnchen Highlights setzen. Gleichzeitig gaben 95 Prozent der Befragten an, dass sie sich schonendere Färbemittel mit möglichst wenig Chemie wünschen. Deshalb kommen immer mehr Colorationen auf den Markt, die ohne Ammoniak funktionieren oder sich dank Pflegezutaten sogar für strapaziertes Haar eignen sollen. Sind diese Produkte wirklich so sanft? Was können Bio-Haarfarben? Oder erweisen sich Produkte, die Naturfarbstoffe mit chemischen Helfern mischen, als beste Wahl?

Was ist was?

Colorationen erkennen Sie daran, dass zwei Komponenten gemischt werden müssen. Ein alkalisches Mittel, meist Ammoniak, öffnet die Schuppenschicht des Haares, sodass Farbvorstufen und Wasserstoffperoxid, das die eigenen Pigmente zerstört, ins Innere geschleust werden können. Dort reagieren sie miteinander zu einer neuen, dauerhaften Farbe. Ideal für drastische Farbwechsel und um Grau abzudecken.

Tönungen kommen fix und fertig aus der Tube. Sie enthalten Farbpartikel, die sich außen am Haarschaft anlagern und Ihren Naturton durchschimmern lassen. Der Effekt übersteht sechs bis neun Wäschen. Um graue Haare zu kaschieren, reichen Tönungen selten aus, dafür schädigen sie das Haar aber weniger, und es wird kein Ansatz sichtbar.

Intensivtönungen sind eine Mischung aus Tönung und Coloration. Sie enthalten zwar Wasserstoffperoxid, aber nur so wenig, dass sich die Naturfarbe kaum verändern lässt. Daher wird später nur ein leichter Ansatz sichtbar. Die Pigmente dringen nur minimal ins Haarinnere ein, in erster Linie ummanteln sie das Haar. Nach circa 20 Wäschen sind sie verblasst. Die Restfarbe wächst raus.

Lesen Sie auch auf fuersie.de was Experten zum Haare färben raten.

Pflege-Tipps für Colorationen, Express-Tönung und wie man graue Haare färbt

blonde-frau
© jalag-syndication.de
Blonde haben rund 150.000 Haare auf dem Kopf, schwarzhaarige nur etwa 100.000 - aber die sind dafür dicker
Colorationen: Gleicht Extrapflege Streß aus?

Wer Macadamiaöl, Gelée royale oder Coenzym Q10 hört, denkt spontan an Tagescremes. Neuerdings stecken diese Wirkstoffe auch in immer mehr Haarfärbemitteln. Das klingt sanft und natürlich, aber wer seinen Naturton dauerhaft verändern will, kommt um den klassischen Colorationsprozess nicht herum. Im Klartext: Die Schuppenschicht des Haares muss mit einer Chemikalie wie Ammoniak aufgebrochen werden, denn nur so können Farbvorstufen und Wasserstoffperoxid durch Löcher ins Haarinnere schlüpfen. Dort zerstört das Wasserstoffperoxid die natürlichen Pigmente und reagiert mit den Farbvorstufen zu neuen Farbpartikeln. Weil die etwas größer sind, können sie nicht so leicht wieder entwischen, bevor versiegelnde Inhaltsstoffe den Haarschaft, so gut es geht, erneut verschließen. Das alles bleibt Stress fürs Haar – den Pflegezutaten zwar mildern, aber eben nicht vermeiden können. Dafür sind sogar große Farbsprünge und eine perfekte Grauabdeckung möglich. Außerdem verblasst die Färbung nicht so bald, so- dass Sie zwischendurch nur den Ansatz nachcolorieren müssen.

Produkte
: z.B. „Diadem Color Nutritiv“ von Schwarzkopf mit Coenzym Q10 und Gelée royale, ca. 7 Euro; „Intensiv Creme Coloration“ von Poly Palette mit Macadamiaöl, ca. 4 Euro

Braun überholt blond: 40% der Anfang 2010 verkauften Colorationen gehörten zu dieser Farbgruppe

Schneller ist sanfter: Express-Tönungen
Coffee to go, 5-Minuten-Maske, Schnellimbiss: Zeit ist kostbar, deshalb versuchen wir, durch erhöhtes Tempo mehr Freiräume für die wichtigen Dinge des Lebens zu gewinnen. In diesen Trend passen Blitztönungen, die nur zehn statt der sonst üblichen 20 Minuten einwirken müssen. Der Trick: beschleunigende Wirkstoffe wie das Salz Ammoniumchlorid, mit dem Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen treibt es das Ammoniak zu schnellerer Arbeit an, zum anderen laugt es das Haar nicht so stark aus. Ein weiterer Speed-Wirkstoff ist Ethanolamin, ein Aminosäuren-Abkömmling, der das aggressivere Ammoniak ersetzt. Beide Varianten lassen die Schuppenschicht weniger aufquellen. Das schont das Haar, aber die Farbe hält auch nicht so lange.

Produkte
: z. B. „Excell 10“ von L’Oréal Paris mit Ammoniumchlorid, ca. 8 Euro; „Herba Shine“ von Garnier mit Ethanolamin, ca. 5 Euro

Reif für Veränderungen: So geht graues Haar in Deckung
Marathon statt Makramee: Die Generation-50-plus fühlt sich topfit. Doch leider hält das Haar mit diesem Lebensgefühl nicht Schritt. Bereits mit Ende 30, wenn die Östrogenproduktion zurückgeht, wird das Haar feiner und zunehmend grau. Anti-Age-Colorationen schleusen beim Färben nicht nur extraintensive Farbpartikel ins Haar, sondern auch Pro-Keratin, eine Vorstufe unserer Haarsubstanz.

Produkte
: z.B. „Excellence Creme 100 % Grauabdeckung“ von L’Oréal Paris, ca. 7 Euro

Tipps für Strähnchen, Blondierungen und Pflanzenfarben

bruenette-frau
© jalag-syndication.de
Die Komkurrenz abgehängt: Brünette Frauen verdienen mehr als blonde, ergab einen Studie im Auftrag von Henkel
Ganz schön helle: Stähnchen und Blondierungen
Die beliebteste Haarfarbe der deutschen Frauen ist Blond: Bis Ende 2009 gehörten immer rund 60 Prozent der verkauften Colorationen zu dieser Nuance. Trotz seiner Beliebtheit ist das Blondieren die stressigste Form des Farbwechsels, denn bleichendes Wasserstoffperoxid zerstört neben den eigenen Pigmenten auch den Haarbaustein Keratin. In modernen Blondierungen wird Wasserstoffperoxid deshalb reduziert und Zitronensaft beigemischt. Außerdem verzichten viele Anbieter auf Ammoniak.

Produkte
: z.B. „Casting Creme Gloss Glossy Blonds“ von L’Oréal Paris mit Zitrone, ohne Ammoniak, ca. 8 Euro; „Nutrisse Strahlendes Blond“ von Garnier ohne Ammoniak, ca. 6 Euro; „Viva Ultra Highlights“ von Wella, ca. 6 Euro

Seit 1950 ist der Anteil naturblonder Deutscher von 40 auf 10 Prozent gesunken

Bei Pflanzenfarben gibt die Natur den Ton an
Eine Coloration, die das Haar nicht schädigt, sondern es obendrein schön kräftigt und pflegt? Dieser Traum geht mit Bio-Farben in Erfüllung. Gefärbt wird mit pulverisierter Baumrinde, Kamillenblüten, Henna oder Granatapfelkernen, die das Haar von außen mit einem getönten Schonbezug überziehen, der es schützt und nebenbei dicker macht. Außerdem sehen die Töne sehr natürlich aus, sodass ein nachwachsender Haaransatz nicht so stark auffällt wie bei einigen klassischen Colorationen. In Sachen Sanftheit also 100 Punkte! Einzige Nachteile: Einwirkzeiten bis zu zwei Stunden, weiße Härchen schimmern durch, Aufhellungen und Farbveränderungen über mehrere Stufen sind nicht möglich – außer auf das intensive Hennarot. Unterm Strich aber die schonendste Methode, um den Naturton zu beleben.

Produkte: z.B. „Pflanzen Haarfarbe Color Creme“ von Logona*, ca. 14 Euro; „Pflanzen Haarfarbe“ von Sante* als Pulver, ca. 6 Euro; „Pflanzenhaarfarbe“ von Khadi* als Pulver, ca. 6 Euro

Chemie und Bio im Team: Mischfarben
Die Natur liefert die Farben, das Labor die nötige Power: Nach diesem Prinzip funktioniert eine neue Generation von Colorationen, die aus Bio- Zutaten mit chemischen Zusätzen bestehen. Auf diese Weise soll das Beste aus zwei Welten miteinander vereint werden. Hört sich super an, und dass einige der Produkte in Reformhäusern und Apotheken verkauft werden, weckt zusätzlich Vertrauen. Aber wie soll das konkret funktionieren? Damit trotz überwiegend pflanzlicher Farbstoffe auch echte Farbwechsel und hellere Nuancen möglich sind, steckt in fast allen Mischprodukten Wasserstoffperoxid, das die eigenen Pigmente auflöst. Aus demselben Grund enthalten sie Ethanolamin, das wie in Express-Tönungen den Haarschaft öffnet, ohne ihn so stark zu löchern wie Ammoniak. Völlig ohne Reizstoffe geht’s auch bei diesen Mischfarben nicht: Um raffiniertere Schattierungen hinzubekommen, mischen die meisten Hersteller die chemischen Farbstoffe Resorcin und Toluylendiamin unter, die manchmal Allergien hervorrufen und die Leber belasten können.

Produkte
: z.B. „Sanotint light“ von Schoenenberger***, ca. 11 Euro; „Puravera Sanfte Creme-Coloration“ von Annemarie Börlind, ca. 13 Euro; „Essential Color“ von Schwarzkopf, ca. 8 Euro; „Pharmastyle Dauerhafte Färbung“ von OTC Siebenhandl**, ca. 12 Euro

Zu Hause färben und wie man sich den Colorschutz erhält


Colorschutz: Mit dieser Waschanleitung freuen Sie sich länger über einen brillanten Farbton

  • Frisch colorierte Haare verhalten sich ähnlich wie eine neue Jeans: Die Farbe ist satt und leuchtend. Doch mit jedem Waschen verblasst sie ein bisschen mehr. Bei den Haaren liegt das daran, dass Schaumbildner und Wasser den Haarschaft aufquellen lassen. Dadurch öffnen sich die winzigen Löcher, die beim Färben entstanden sind, und die Pigmente werden ausgespült.
  • Davor schützt Buntwäsche! Spezielle Farbschutz-Shampoos enthalten extramilde Reinigungssubstanzen und kitten poröse Stellen mit Fettbausteinen, z. B. aus Avocadoöl. Außerdem liefern sie neue Farbpartikel als Ersatz für die verlorenen.

Produkte: z.B. „Farbglanz Rot Henna Rot-Reflex Shampoo“ von Guhl, 200 ml ca. 6 Euro; „Serie Expert Delicate Color Shampoo“ von L’Oréal Professionnel*, 250 ml ca. 13 Euro; „Avocado Farbschutz Shampoo“ von Rausch**, 200 ml ca. 9 Euro; „Brilliant Brunette Volume Shampoo“ von John Frieda, 250 ml ca. 9 Euro; „Color Shampoo Sensitive“ von Sebamed, 200 ml ca. 7 Euro

Die erste Blondierung wurde 1867 auf der Weltausstellung in Paris vorgestellt


Zimmerservice: Mit diesen Tipps klappt das Färben auch zu Hause

  • Bitte nicht stören Am Tag vor dem Colorieren Stylingprodukte und Kuren weglassen, weil die den Haarschaft versiegeln und so das Färben erschweren können. Direkt vor dem Färben das Haar nicht waschen, denn ein feiner Talgfilm schützt die Kopfhaut vor Reizungen.
  • Alles am rechten Fleck Damit Sie nicht versehentlich Ihre Haut mitfärben, cremen Sie Ihr Gesicht vor dem Auftragen der Coloration üppig ein. Falls es doch passiert: Farbspuren mit Gesichtswasser oder etwas Zitronensaft mildern.
  • Langstreckensieg Wenn Ihre Haare bis über die Schultern reichen, legen Sie sicherheitshalber zwei Packungen Ihres Färbemittels bereit. Sonst reicht die Menge eventuell nicht aus, und die Farbe wird scheckig.
  • Pannenhilfe Im Ton vergriffen? Dagegen hilft oft folgender SOSTrick: Waschen Sie Ihre Haare mit einem Anti-Schuppen-Shampoo, das Sie eine Viertelstunde lang einwirken lassen. Die darin enthaltenen Peeling-Wirkstoffe lösen auch frische Pigmente ab.

Auch interessant für Sie:
Lade weitere Inhalte ...