18. August 2011
Getreideprodukte zum Selbstanrühren

Getreideprodukte zum Selbstanrühren

Sechs Richtige: Weizen, Mais, Sesam, Reis, Hafer und Soja liefern Energie, wertvolle Fettsäuren und viele Vitalstoffe für eine ausgewogene Ernährung. Auch die Beauty-Industrie hat das Potenzial auf dem Acker entdeckt und Produkte aus den Naturkörnern entwickelt. Was die wichtigsten Feldpflanzen alles können – plus Rezepte zum Selbstanrühren.

Gesichts und Körperpeeling selber machen
© Voyagerix/iStock
Gesichts und Körperpeeling selber machen

Hafer sticht nicht nur. Er ist das Relax-Korn für sensible Haut

Ursprünglich stammt der energiereiche Hafer aus der nördlichen Schwarzmeerregion. Doch schon die alten Germanen sahen in ihm mehr als ein Futter- und Grundnahrungsmittel: Weil sie Pferde als heilige Tiere verehrten, galt er als „Götterspeise“. Auch die Ordensfrau Hildegard von Bingen (1098–1179) und Pfarrer Kneipp (1821–1897) erkannten die Heilkräfte des Süßgrases: Als grüner Hafertee soll es entwässern und gegen Erschöpfung helfen, im Strohbad gereizte Haut beruhigen. Unsere Großmütter müssen die Beauty-Power mehr als geahnt haben: Masken aus Hafermehl galten als Geheimtipp, um einen empfindlichen Teint zu entspannen. Das macht schön: Neben straffender Kieselsäure findet die Beauty-Industrie die sogenannten Avenanthramide (von „avena sativa“, lat. für Hafer) am interessantesten. Sie stillen Juckreiz, wirken entzündungs hemmend und entspannend. Allerdings werden sie nur unter bestimmten Bedingungen und in kleinen Mengen gebildet und deshalb für den Einsatz in Cremes synthetisch nachgebaut (z. B. als Symcalmin). Zur Pflege von Haut, Haaren und Kopfhaut wird vor allem lipid- und proteinhaltige Hafermilch in die Rezeptur gerührt: Haferproteine binden Feuchtigkeit, und aus Hafer gewonnene Zuckermoleküle straffen die Haut.

Hafer-Packungen beruhigen empfindliche Haut. 2 EL Haferflocken, 1 TL Honig und 4 EL heiße Milch zu einem Brei verrühren, abkühlen lassen und auf das Gesicht streichen. Etwa 20 Minuten einwirken lassen und dann mit feuchten Kompressen abnehmen.

Mais spendet jenseits vom Popcorn-Image Feuchtigkeit
In latein- und nordamerikanischen Legenden spielt Mais eine wichtige Rolle. Nach dem Schöpfungsmythos der Maya zum Beispiel haben die Götter den ersten Menschen aus Mais geschaffen. Nicht nur die Indios mahlten (blauen) Mais für ihre Zeremonien, sondern auch die Hopi-Indianer: Sie ehrten die Getreidegötter mit Festen und Mais-Tänzen. Die Schamanen erkannten die Heilkraft des Korns und behandelten diverse Hautkrankheiten mit Maisumschlägen. Legendär sind auch die Reinigungsrituale mit Blauem Mais, der sanft peelend wirkt. Noch heute bieten viele amerikanische Wellness-Häuser ein „Blue Corn Body Polish“ als Ganzkörperpeeling an, ein Treatment aus Mais, Salz und Ölen mit einer anschließenden Regendusche im Liegen. Das macht schön: Maiskeimöl bzw. aus Maisstärke gewonnener Zucker zieht Feuchtigkeit. Dadurch kann er Trockenheitsfältchen im Gesicht glätten und die Körperhaut schön geschmeidig halten. Mais soll (häufig in Kombination mit anderen Pflanzenextrakten wie Soja, z. B. als Fucogel) ausgetrocknete Haut aktivieren, wieder normal zu funktionieren, d. h. hauteigene Feuchtigkeit besser zu speichern und auch in tieferen Hautschichten Feuchtigkeitsdepots aufzubauen.

Maiskeimöl-Wickel pflegen den Hals. Dazu das leicht erwärmte Maiskeimöl mit einem (Back-)Pinsel auf den Hals streichen, kleines Zellophanstück und Handtuch drüberwickeln und 10 bis 20 Minuten einziehen lassen. Die Reste mit Kompressen abnehmen oder einmassieren.

Eine Portion Reis – für einen seidigen Teint und kräftige Haare

Das „Brot Asiens“ hat es in sich: Reis ist ein Energiespender, Top-Lieferant von B-Vitaminen und hilft, weil er wenig Natrium enthält, beim Entwässern. Dass auch viel Beauty-Power drinsteckt, wissen Asiatinnen längst: Sie nutzen seit Jahrhunderten rituelle Waschungen mit sanft peelender Reiskleie, um einen makellosen Porzellanteint zu bekommen: möglichst so weiß wie ein poliertes Reiskorn. Dabei hilft auch das feuchtigkeitsbindende Reiswasser, mit dem nach dem Kochen Gesicht und Hände betupft werden. Der Körper darf Reiswein trinken: Ein Schuss Sake im Badewasser lässt ihn „glänzen wie ein Juwel“. Und das Geheimnis der legendären Geisha-Blässe? Reispuder. Das macht schön: Reiskleie und -milch enthalten viele Proteine und Lipide, deren Bauplan den Ceramiden (Kittsubstanzen) unserer Haut ähnelt. Sie können Lücken im Lipidmantel schließen und die Hautbarriere stärken. Außerdem kitten sie winzige Risse in strapazierten Haaren und verleihen ihm mehr Substanz. In Reiskeimöl steckt eine Extraportion Vitamin E und Oryzanol (Pflanzenfett aus „Oryza“, Reis), eine antioxidative Power-Kombi. Reisstärke, die Kraftreserve des Korns, mattiert, ohne auszutrocknen, und saugt über schüssiges Fett auf (ideal bei Mischhaut). Neu als Beauty-Ingredienz: Puder aus Rotem Reis, der auf den tonhaltigen Böden der Camargue wächst.

Reiskleie-Abreibungen machen den Teint klar. Dafür ein Säckchen aus Seide oder Baumwolle mit (frisch gemahlener) Reiskleie füllen. Fünf Minuten in eine Schale mit warmem Wasser legen, leicht auswringen, bis sich das Wasser milchig färbt. Dann mit dem Säckchen sanft kreisend das Gesicht massieren. Mit Wasser nachspülen.

Sesam, öffne dich! Aber gern auch meine Poren!
Natürlich kennen Sie das orientalische Märchen von Ali Baba, der sich mit dem Losungswort „Sesam, öffne dich“ eine Schatzkammer erschloss. Ähnlich verhält es sich mit dem Sesamkorn, das vielerorts als Schatzkästchen der Natur gilt: Um an den kostbaren Samen einer der ältesten Ölpflanzen der Welt zu gelangen, muss man die Fruchtkapseln zum Aufplatzen bringen (z. B. mit Stockschlägen). Dann kann daraus das wertvolle Öl gewonnen werden. Es hat als tiefenreinigendes Massageöl in der ayurvedischen Medizin jahrtausendealte Tradition: Da wird es vorzugsweise für Entschlackungskuren – innerlich wie äußerlich – eingesetzt. Außerdem wirkt es erwärmend. Das macht schön: Da es reich an ungesättigten Fettsäuren wie Linolsäure ist, dringt Sesamöl gut in die Haut ein, überzieht sie mit einem samtartigen Film, wirkt rückfettend und schützt sie vor dem Austrocknen. Es soll Giftstoffe, die sich im Fettgewebe sammeln, lösen und ihren Abtransport erleichtern. Außerdem enthält das goldgelbe bis bernsteinfarbene Öl starke Antioxidantien wie Sesamolin und den Radikalfänger Vitamin E.

Sesamöl pflegt die Füße samtweich und wirkt morgens belebend, abends entspannend. Beide Füße mit warmem Sesamöl massieren, ca. 20 Minuten einziehen lassen. Reste mit feuchtem Handtuch abnehmen.

Der Legende nach brachte der chinesische Kaiser Shen Nung seinem Volk vor mehr als 5000 Jahren die Praktiken des Ackerbaus nahe und säte Jahr für Jahr selbst öffentlich aus. Als er die Gesundheitskraft der unscheinbaren, aber nahrhaften Sojabohne erkannte, ernannte er sie zu einer der „fünf heiligen Feldfrüchte“. Da die kleinen Proteinprotze die Menschen vor Hunger bewahrten, sahen sie das „Fleisch des Feldes“ als Glücksbringer an. Neben Sojaöl, das reichlich glättende Omega-3-Fettsäuren und Linolsäure enthält, soll es vor allem an den hormonähnlichen PhytoÖstrogenen (Iso flavo nen) liegen, dass Asiatinnen bis ins hohe Alter fit bleiben und jünger aussehen, als sie sind. Das macht schön: Sojaproteine gelten als exzellente Straffmacher: Sie regen die Produktion von Kollagen- und Elastinfasern an und erhöhen die Hautdichte, sodass sich die Konturen wieder festigen – ideal für reife Haut, die kaum noch über aufpolsternde Östrogene verfügt. Außerdem sollen Sojaproteine die Bildung hauteigener Hyaluronsäure stimulieren. Und Okara-Extrakt aus Sojamilch ist reich an Aminosäuren wie Cystein und Methionin, die beide das Keratin stärken – wahres Kraftfutter fürs Haar!

Andere Körner mit Beauty-Power

Das üppig vorhandene Zink und Selen in Gerste soll vor freien Radikalen schützen (z. B. in „Eubos 12% Omega 3-6-9“ von Dr. Hobein, 50 ml ca. 17 Euro). Gerstenmalz-Extrakt soll kollagene Fasern stärken und verhindern, dass die Haut vorzeitig schlappmacht (z. B. in der Decolleté-Creme „Excellence de L’Âge Concentré Cou et Decolleté“ von Decléor, 50 ml ca. 66 Euro).

Proteinreiche Hirse ist randvoll mit Kieselsäure (Silizium). Sie festigt das Gewebe, kräftigt Nägel und Haare von innen und außen. Im Öl der Goldhirse steckt Miliacin, das die Haarwurzeln kräftigt und Haare seidig glänzen lässt (z. B. „Goldhirse Glanzspray“ von Rausch, 100 ml ca. 15 Euro).

Sojamehl-Masken wirken straffend. Dazu Sojamehl mit viel warmem Wasser mischen, bis eine streichfähige Paste entsteht. Auf Gesicht und Dekolleté pinseln, etwa 20 Minuten einwirken lassen und gründlich abwaschen.

Fantastisch elastisch dank Weizen
Was den Germanen der Hafer und den Maya der Mais, war den alten Griechen (neben der Gerste) der Weizen. Auch sie verehrten eine Göttin des Getreides: Demeter (römisch: Ceres), häufig dargestellt mit einer Ähre in der Hand als Symbol für Fruchtbarkeit. Sie verkörperte als Frühjahrsgöttin das sprießende Getreide, als Erntegöttin die reife Ähre und als Wintergöttin den geernteten Weizen. Das macht schön: Weizenkeimöl, das beim Herstellen von Mehl aus den Keimen gewonnen wird, enthält neben essenziellen Fettsäuren viel Vitamin E, das freie Radikale (zellzerstörende Moleküle) in Schach hält und das Wasserbindevermögen der Hornschicht erhöht. Es bildet einen schützenden Film, der auch Narben geschmeidig hält. Weizenproteine haben einen straffenden Lifting- Effekt. Die Aminosäuren dringen auch in den Haarschaft ein, wo sie das Haar „reparieren“, ihm Feuchtigkeit zurückgeben und neue Elastizität verleihen.

Weizenkleie-Bäder glätten die Haut. Dazu 400 g Weizenkleie in ein Leinsäckchen füllen und unter den Wasserhahn hängen, während das Wasser einläuft. Beim Baden das Säckchen immer mal ausdrücken.

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