16. Juni 2011
Gesund Braun werden

Gesund Braun werden

Gesund Braun werden ist eigentlich ja ein Widerspruch in sich – denn Bräune ist immer ein Zeichen von zu viel UV-Strahlung. Aber keine Sorge: Raffinierte Sonnenprodukte und kluges Sonnenbaden machen den Sommer für die Haut so entspannend wie nie zuvor. Und wir freuen uns über einen zart getönten Teint.

Frau mit Sonnenhut
Frau mit Sonnenhut

Sonne ist toll – allein ihr Anblick zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht. Allerdings hat die Natur unsere glühende Begeisterung für den Wohlfühl-Stern unterschätzt und uns von Geburt an nicht genug Schutz mitgegeben. Darum kann jede Art von UV-Licht ungefiltert zu Falten, schlimmstenfalls sogar zu Hautkrebs, führen. So weit, so unerfreulich. Gute Nachrichten kommen dagegen aus den Forschungslaboratorien. Zwar bringen die Firmen in dieser Saison keine neuen Filter auf den Markt – deren Technologie kann man nach heutigem Wissensstand nicht mehr verbessern –, aber neue Texturen. „Gibt man Sonnenfilter in eine Creme, wird diese schnell klebrig und lässt sich nur noch schwer verteilen“, so Dr. Olivier Doucet, Forschungsleiter bei Lancaster. Inakzeptabel!

Frau springt
Frau springt

Deshalb mussten sich die Formulierungs-Experten dieser Herausforderung stellen und noch einmal alles geben. Das Ergebnis ist so etwas wie eine Universallösung: Sonnenfilter, egal wie stark, können jetzt sowohl in Ölen als auch in leichten Emulsionen oder reichhaltigen Cremes verarbeitet werden und lassen sich trotzdem so angenehm verteilen wie die tägliche Pflege. Nur der typische Sonnencreme-Geruch verrät den Unterschied. Für die Wissenschaftler – und für uns – ein Durchbruch. Genau wie die Tatsache, dass moderner Sonnenschutz die Reparaturmechanismen der Haut unterstützt, damit sie Schäden sofort reparieren kann. Auf den nächsten Seiten haben wir die neuesten Erkenntnisse zusammengefasst – damit Sie in diesem Sommer gesund braun werden können.

Comeback der Öle

Sie waren in der Sonne lange verpönt und als „Bratmittel“ verschrien – zu Recht, denn einen nennenswerten Schutz durfte man von Sonnenölen nicht erwarten. Dank eifriger Forschung ist das Unmögliche gelungen: Hohe Filter wie 20, 30, sogar 40 stecken jetzt auch in Öl (z. B. „Solar Expertise Sonnenöle“ von L’Oréal Paris, LSF 20, 150 ml ca. 12 Euro; „Capital Soleil Sonnenschutzöl“ von Vichy**, LSF 40, 125 ml ca. 15 Euro). Moderne Sonnenöle ziehen außerdem schnell ein, fetten nicht und machen die Haut wunderbar geschmeidig.

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Hochleistungs-Zellschutz

Der Feind hat einen Namen: freie Radikale. Diese aggressiven Moleküle entstehen unter Einfluss von UV-Licht, haben es auf die DNA der Zellen abgesehen – und führen auf Dauer zu Falten und Krebs. Einzige wirksame Abwehr: Antioxidantien wie etwa die Vit amine E, C und Betacarotin. Inzwischen weiß man genau, zu welchen Teams man sie verkuppeln muss, damit sie ihren Job optimal erledigen. „In Zukunft wird man sich im Sonnenschutz noch stärker dem Thema Infrarot widmen. Diese Strahlung beschleunigt die Hautalterung, und bisher filtert man Infrarotstrahlen durch Antioxidantien. Der Schutz wird insgesamt globaler werden, wir sind ja nicht nur der Sonne ausgesetzt. Auch Tabak-, Rauch- und Schwebstoff-Exposition ist schädlich“, so Prof. Jan Krutmann vom Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf.

Maximaler Komfort

„Früher galten Lichtschutzfaktoren ab 15 schon als medizinisch“, so Dr. Helge Stege, Chefdermatologe am Klinikum Lippe in Detmold. „Heute ist das gerade mal so mittlere Liga.“ Und zum Glück, lassen sich inzwischen sogar megahohe Faktoren jenseits der 20 gut verteilen (z. B. „Bronzage Sécurité Hoch hydratisierendes Milchspray“ von Lierac**, LSF 30, 150 ml ca. 20 Euro; „Sun Sensitive Shaka-Fluid“ von Biotherm, LSF 50+, 30 ml ca. 30 Euro). Und es kommt noch besser. „Unser Ziel für die nächsten Jahre ist es, die Formulierungen noch individueller zu machen“, versprechen die Wissenschaftler. Bis dahin freuen wir uns schon mal über Extra-Light-Texturen: 100 Prozent unsichtbar, nicht fettend, schnell einziehend, mit einem tollen Hautgefühl (z. B. „Light feeling transparentes Spray“ von Nivea Sun, LSF 30, 200 ml ca. 17 Euro; „Clear Sun Spray“ von Louis Widmer*, LSF 30, 125 ml ca. 18 Euro).

Frauen im Wasser
Wir lieben Sonnenbäder - ausser zwischen 12 und 15 Uhr!

Schützendes Braun

Das schönste Accessoire des Sommers ist ein zarter Bronzeton – und den verschaffen uns Sonnenschutzmittel neuerdings noch schneller. Möglich wird das durch Wirkstoffe, die das hauteigene Pigment Melanin aktivieren – was die Haut zusätzlich schützt. „Melanin ist ein UV-Absorber und gleichzeitig ein Antioxidans. Daher kann es einerseits die DNA des Zellkerns und andererseits die Zelle vor freien Radikalen schützen“, sagt Dr. Katja Warnke von der Beiersdorf- Produktentwicklung. Ähnliche Melanin-Stimulatoren fanden Sonnenforscher im Süßholzwurzelextrakt, der dem Teint eine schöne Bräune schenkt (z. B. „protect & bronze“ von Nivea Sun, LSF 30, 200 ml ca. 10 Euro). Andere Serien nutzen diese Technik in After-Sun- Produkten (z. B. „Moisturizing After Sun Lotion“ von Marbert, 150 ml ca. 17,50 Euro).

Unterstützung von Innen

Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine Sonnencreme, aber: „Die Einnahme von Betacarotin schützt vor UVB-Strahlung. Das belegen evidenzbasierte Studien und verlässliche Daten“, sagt Prof. Jan Krutmann. „Genau so gut schützt Lycopen in jeder Form: als Tomatenmark, Tomate, Nahrungsergänzungsmittel.

Frau sonnt sich
Frau sonnt sich

Man weiß, dass es in die Systemabläufe eingreift, die durch UVA entstehen. So kann es z. B. vorzeitige Hautalterung bremsen.“ Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gab offiziell bekannt: Eine vierwöchige Betacarotin-Kur (täglich 30 mg, z. B. „Oenobiol So laire“**, 30 Kapseln ca. 25 Euro) verdoppelt den Schutz der Zellen. Neu in dieser Saison sind Kapseln, die dem Körper mit einem Extrakt aus der indischen Stachelbeere helfen, eine stärkere Bräune aufzubauen („Intensivere Bräune Anti-ox“ von Inneov**, 30 Stück ca. 18 Euro).

Das kluge Sonnen-1x1 für gesunden Genuss

Mit hohen Filtern einsteigen. Bei heller Winterhaut nie unter Lichtschutzfaktor 30 in die Saison starten, und das bitte während der ersten zwei Wochen konsequent durchhalten.

Gründlich Eincremen – auch unter der Kleidung. Daran denken, dass kein Material hundertprozentigen Sonnenschutz gewährleistet

Wasserfeste Produkte verwenden, vor allem beim Sport, damit der Schutz nicht gleich mit dem Schweiß abgewischt wird

Auch im Alltag schützen, dabei Hals, Dekolleté und Hände nicht vergessen, denn da verwelkt die Haut besonders schnell. Jeder Sonnenbrand lässt sie sechs Monate schneller altern!

Reparatur inklusive

Schön, wenn man sich um Extrawünsche nicht extra kümmern muss. Dachten wohl auch die Entwickler von Sonnnenschutz und beschlossen, gleich eine Art Werkstatttruppe in die Produkte zu integrieren. Die greift ein, falls sich trotz aller Vorsicht doch Zellschäden bemerkbar machen. „Man weiß heute, dass sich die Regenerationsfähigkeit der Haut regulieren lässt – auch für Fachleute eine unerwartete Erkenntnis“, so Prof. Jan Krutmann. „Hemmt man z. B. den Aryl-Hydrocarbon- Rezeptor, können die hauteigenen Reparatur mechanismen DNA-Schäden leichter beheben.“ (z. B. „Sun Creme“ mit LSF 30 oder LSF 50+ von Eucerin**, 50 ml ca. 12 Euro; „Aktiv-Pflege-Fluid“ von Ladival**, 200 ml ca. 12 Euro)

Frau mit Eiswürfel
Frau mit Eiswürfel
Sicherer Schutz durch hohe Filter

Lichtschutzfaktor 20 filtert etwa 95 Prozent der Strahlen weg, alles darüber noch ein paar Prozent mehr. Brauchen wir da über überhaupt LSF 50? Ja, denn das, was auf der Tube steht, landet höchstwahrscheinlich nicht auf der Haut. „Im Labor nimmt man 2 mg Creme pro 1 cm² Haut, das heißt für den ganzen Körper etwa 30 g“, so Dr. Helge Stege. Strandläufer cremen sparsamer. „Deshalb lieber hohe Faktoren verwenden, sie werden ohnehin nicht erreicht.“ Sein Kollege Prof. Krutmann ergänzt: „Im ,echten’ Leben bekommt man bei Gebrauch meist den halben Faktor hin, statt LSF 50 also nur LSF 25.“

Kind und Sonne

– auf diese Stichwörter reagieren Hautärzte nach wie vor sehr ernst. „Für Kinder unter zwei Jahren kann kein Dermatologe Sonne befürworten, nicht mal mit Lichtschutzfaktor, weil die Strahlen auch unterhalb der kritischen Grenze zu DNS-Schäden führen können“, so Dr. Helge Stege. Sein Kollege Prof. Krutmann sagt es noch drastischer: „Kindern einen Sonnenbrand zu erlauben ist Körperverletzung. Ich empfehle, sie so vollständig wie möglich anzuziehen, nicht in der Mittagssonne spielen zu lassen und sie auch im Schatten gut einzucremen.“ Die Gründe sollten sich alle Eltern einprägen: Bis zur Pubertät braucht Kinderhaut besonderen Schutz, weil die Pigmentproduktion un zu reichend und die Immunabwehr noch nicht voll ausgebildet ist. Kinder haben noch keine Eigenschutzzeit. Fest steht: Viele Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Risiko von Hautkrebs.

Was kann meine Sonnencreme? So leicht entschlüsseln Sie den EU-normierten Sonnencode:

Auf der Rückseite des Produktes finden Sie die INCI-Liste, die alle Inhaltsstoffe nennen muss.

Sonnenschutzfilter Physikalische bzw. mineralische Filter erkennen Sie z. B. in der Inhaltsstoffliste an den Bezeichnungen Titandioxid oder Zink oxid. Chemische bzw. organische tauchen u. a. als Mexoryl, Oxybenzone, Otylmet - oxyl-Zinnamate und Phenylbenzimidazol auf.

Frau mit Sonnenschirm
Frau mit Sonnenschirm

Parabene (als -parabene leicht in der INCI-Liste auszumachen) sind Konservierungsmittel, ebenso wie EDTA, Methenamine und Benzalkoniumchloride. Sie gelten als problematisch für Allergiker.

PEG-Verbindungen (alles mit Polyethylen - glykol auf der INCI-Liste) und Triethanol amine sind Emulgatoren, die zusammen mit UVA-Licht zu Hautirritationen führen können.

Der Lichtschutzfaktor gibt an, mit wie viel Sie Ihre Eigenschutzzeit multi plizieren dürfen. Schützt vor UVB-Strahlen, die verantwortlich für Sonnenbrände sind.

UVA Der meistens eingekreiste Wert meint den UVA-Filter. Er muss laut gesetzlicher Vorschrift mindestens ein Drittel so hoch sein wie der UVB-Filter.

Zellenschutz Viele Sonnencremes enthalten Antioxidantien wie Vitamin E, C und Betacarotin und schützen die Haut so zusätzlich vor freien Radikalen.

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