26. Mai 2011
Gepflegtes Haar

Gepflegtes Haar

Zu fein, zu störrisch – so richtig glücklich sind die wenigsten Frauen mit ihrer Haarstruktur. Wir zeigen, wie Sie die beiden häufigsten Haarprobleme lösen – damit Sie morgens zufrieden in den Spiegel gucken.

Frau mit blonden langen Haaren
© thinkstock
Frau mit blonden langen Haaren

Ob wir sie nun Bad-Hair-Days nennen oder nur innerlich schimpfend vor dem Spiegel stehen: An manchen Tagen geht in puncto Frisur überhaupt nichts. Die einen versuchen dann stundenlang, Volumen in dünnes Haar zu föhnen, nur damit es gleich wieder durchhängt. Andere mühen sich damit ab, ihr dickes Haar zu bändigen. Kaum gehen sie dann einen Schritt nach draußen, steht es schon wieder störrisch ab. Ein unlösbares Dilemma? Nein! Mit einer maßgeschneiderten Pflege, einem aufs Haar abgestimmten Styling und ein paar Tricks vom Profi können wir uns endlich neu mit unseren (gar nicht mehr so schlimmen) Problem-Haaren anfreunden.

Wunsch: mehr Volumen für feines, dünnes Haar

Gnädige Friseure nennen es auch Kaschmir-Haar, doch 40 Prozent aller Frauen, die damit rumlaufen, frustriert es. Mit 0,02 bis 0,04 mm Durchmesser ist es nur halb so dick wie ein Durchschnitts-Haar. Wächst es dann noch schnurgerade und am Ansatz flach, wirkt es sogar noch dünner.

Profi-Tricks mit Body-Building-Effekt

Genau wie den Lieblingspulli wäscht man feines Haar am besten lauwarm, mit einem Shampoo, dessen Tenside auf Weizen- oder Zuckerbasis nur den Talgüberschuss aufnehmen, ohne den Säureschutzmantel der Kopfhaut anzugreifen (z.B. „Volumen-Shampoo Ginkgo-Coffein, Neobio). Nach der Wäsche bloß nicht rubbeln oder bürsten, sonst entstehen winzige Löcher im Haarschaft, die das Haar noch platter aussehen lassen. Die haarschonendste Methode geht so: mit einem vorgewärmten Handtuch trocken drücken und mit einem grobzinkigen Kamm vorsichtig entwirren. Mindestens einmal pro Woche brauchen auch Kaschmir-Haare Verwöhnpflege. Ideal ist alles, was sie dicker aussehen lässt, ohne zu beschweren. Das funktioniert perfekt mit Inhaltsstoffen wie weißer Tonerde oder Reisprotein, weil sie jedes einzelne Haar mit einem stärkenden Film überziehen (z.B. „Schachtelhalm-Honig-Kur“, Less is more).

>> Mit diesen Tipps und Tricks wachsen eure Haare schneller.

Gut geschummelt mit Farbe

Gut geschummelt mit Farbe

Auch mit Farbe lässt sich feines Haar voluminöser tricksen: Bei der Painting-Technik werden zum Beispiel dunklere Strähnen ins untere Haar gepinselt. Besonders gut kommt der Effekt bei blonden oder dunkelblonden Haaren zur Geltung. Achten Sie aber darauf, dass die Strähnchen einen kühleren Unterton haben. Denn nach ca. vier Wochen verwäscht sich die Farbe und wird wärmer – dann kann aus Braun leicht ein Kupferton werden. Chef-Colorist Andreas Mignon vom Aveda-Salon „SchönBERLIN“ setzt auf dünne Strähnen plus Farbe, um feines Haar in üppiges zu verwandeln: „Als Grundfarbe wähle ich einen Ton, der zwei bis drei Nuancen dunkler ist als die hellste Strähnenfarbe. Als zweite Strähnenfarbe nimmt man dann eine Nuance, die zwischen den beiden ersten liegt. Diese Melierung lenkt von der feinen Haarstruktur ab.“ Auch eine Tönung, zwei bis drei Nuancen dunkler als die eigene Haarfarbe, mogelt Volumen ins Haar. Beim Schnitt gilt: Bloß nicht zu lang, weil die Schwerkraft auch hauchzartes Haar nicht verschont. Mit ein paar Stützhaaren und unsichtbaren Stufen kann ein guter Friseur die Haare ganz leicht von fisselig in ansehnlich verwandeln. Das klappt toll mit einem Bob (trendig mit abgerundeten Seiten, langem Deckhaar und Pony), einem Pixie (weich gestufter Kurzhaarschnitt mit fransigem Pony) und knapp schulterlangem Haar mit fedrigen Stufen.

In Bestform mit XXL-Styling

Obwohl sich der Tipp „über Kopf föhnen“ hartnäckig hält – er stimmt einfach nicht. „Viel mehr Volumen bringt es, wenn man den Kopf zur Seite neigt und die Haare entgegen der Wuchsrichtung bei milder Hitze trocken föhnt. So entsteht viel Volumen am Ansatz, und die Haarspitzen trocknen weniger aus. Zum Schluss den Föhn auf kalt stellen und die Haare auskühlen lassen. Die kalte Luft fixiert das Ansatz-Volumen“, erklärt Wellaflex-Stylist Sascha Breuer. Wer nicht viel Zeit, aber Lust auf viel Haar hat, nimmt Heizwickler: Die trockenen Haare strähnenweise mit Haarspray besprühen und auf die Wickler drehen. Nach 10 Minuten abwickeln und, jeweils zur Schlaufe eingedreht, mit einem Clip fixieren. Das macht die Pracht haltbar. Die Haare über Kopf vorsichtig durchwuscheln, nach hinten werfen und in Form zupfen. Und falls die Frisur doch mal schlappmacht, Haarspray auf die Handinnenflächen sprühen und den Haaransatz kreisend massieren.

Seidenschimmer für störrisches Haar

Wunsch: Seidenschimmer für dickes, störrisches Haar

Sein Markenzeichen ist das sehr ausgeprägte Eigen leben: Es fühlt sich meist trocken an und lässt sich schwer kämmen. Kommt eine Naturwelle dazu, sieht es aus wie aufgeplustert. Weil die Schüppchen der Haarfaser bei gelocktem und gewelltem Haar stärker abstehen und sich das Licht darauf nicht bricht, wirkt es oft stumpf.

Einfach glänzend gepflegt

Katzenwäsche heißt das Stichwort für dickes, störrisches Haar. Damit die Längen und Spitzen nicht noch mehr austrocknen, wird das Shampoo nur in den Ansatz massiert und der Rest beim Ausspülen automatisch mitgereinigt. Danach glättet ein Apfelessig-Guss die Haarschüppchen und bringt Glanz: Ein Schnapsglas Apfelessig mit einem Liter Wasser mixen (bei kalkhaltigem Leitungswasser Mineralwasser nehmen). Statt Trockenrubbeln, was die Haare filzig macht, ein vorgewärmtes Handtuch um den Kopf wickeln. Zum Auskämmen nur einen grobzinkigen, handgesägten Kamm benutzen: An den Spitzen beginnen und die Längen mit einer Hand festhalten, damit die ohnehin gestresste Haarfaser nicht brüchig wird und reißt. Hawaiianerinnen glätten störrisches Haar übrigens mit dem Öl der Kendi-Nuss: Als eines der reichhaltigsten Öle enthält es viele ungesättigte essenzielle Fettsäuren, repariert die natürliche Lipidschicht und bildet einen feuchtigkeitsabweisenden Film um die Haarfaser (z.B. in „Kendi Pure Treatment Oil“, Alterna Professional Haircare). Zweimal pro Woche vor dem Schlafen ins Haar kneten, morgens ausspülen. Dunkles Haar glänzt schön nach einer Spülung mit Grüntee, weil dessen Inhaltsstoff Zink eine Repair-Wirkung hat. Dafür 2 EL Grünteeblätter mit 1/4 Liter Wasser auf kochen, 15 Minuten ziehen lassen, abseihen. Über das gewaschene Haar gießen, nicht mehr ausspülen. Weil störrischem Haar Feuchtigkeit und Proteine fehlen, muss man fürs Tönen oder Färben schonende Produkte verwenden, die extra Pflege-Wirkstoffe enthalten. Besonders sanft arbeiten auswaschbare Tönungen, die einen farbigen Film ums Haar bilden. Ihre Pigmente überdecken die darunterliegenden einfach – vorausgesetzt, die neue Farbe ist dunkler als die eigene.

Cleveres Styling bändigt

Die Schnitt-Technik macht’s

Um störrisches Haar zu zähmen, schwören Friseure auf raffinierte Schnitt-Techniken: Beim Slicen gleitet die Schere am Haar entlang, um unerwünschtes Volumen zu reduzieren und die Konturen zu modellieren. Beim Pointen werden die Haare senkrecht von oben geschnitten – das gibt üppigen Mähnen mehr Leichtigkeit. Auch fedrige Konturen bringen störrisches Haar in Form, und viele kleine Stufen geben müden Naturwellen neue Sprungkraft. Wer einen Pony möchte, trägt ihn möglichst sehr lang und nicht stufig, weil er sonst leicht absteht.

Cleveres Styling bändigt

So machen es die Profis: Föhnfestiger im handtuchtrockenen Haar verteilen. Strähnenweise abteilen und vom Ansatz aus über eine Naturborsten-Bürste eindrehen. Die Bürste langsam zu den Spitzen ziehen. Dabei nicht zu heiß von oben Richtung Spitzen föhnen, damit sich die Schuppenschicht anlegt und das Licht reflektieren kann. Auf keinen Fall über Kopf! Für den angesagten Sleek-Look mit superglattem, seidigen Haar das trockene Haar strähnenweise vom Ansatz zur Spitze durch ein Glätteisen ziehen – allerdings höchstens einmal pro Woche, denn dieses Styling strapaziert das Haar ziemlich. Darum vorher unbedingt ein Hitzeschutz-Spray aufsprühen (z.B. „Heat Protector“ von biosthetics). Stehen trotz Profi-Styling vorwitzige Haare ab, zähmt man diese mit Haarwachs: in den Handinnenflächen verreiben und vorsichtig über die Haare streichen.

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