10. September 2014
Frisch und frei

Frisch und frei

Kaum ein Beauty-Produkt ist im Sommer so wichtig wie das richtige Deodorant. Dabei können wir mit unserem Lebensstil viel beeinflussen.

Das richtige Deo finden
© Yuri / iStock
Das richtige Deo finden
Vor allem in den Sommermonaten ein selbstverständlicher Akt, ebenso gewohnt und unverzichtbar wie das Zähneputzen: duschen, abtrocknen und zum Deo greifen. Eine Beiersdorf-Studie mit 8 250 Frauen aus elf Ländern bestätigte dies: Drei Viertel der Befragten wappnen sich jeden Morgen gegen unerwünschte Schweißerlebnisse; die Hälfte der Frauen outete sich sogar als Intensiv-Nutzer – sie greifen mindestens zweimal täglich zu Stick, Roller oder Spray. Und das ist mitnichten eine neuzeitliche Gewohnheit aus unserer auf Idealkörper fixierten Gesellschaft.

Deo ist keine neue Erfindung

Bereits in der Antike kamen Parfumöle zum Einsatz, um den Körpergeruch zu tarnen. Und schon 3000 vor Christus verwendeten die Ägypter ein Salzgemisch aus Kalium und Aluminiumsulfat zur Verbesserung des Körperduftklimas. Das erste „richtige“ Deodorant wurde dann im Jahr 1888 entwickelt – eine wachsartige Creme aus antibakteriell wirkendem Zinkoxid. „Mum“ – wie der Doktor aus Philadelphia seine Erfindung nannte – sorgt bis heute nicht nur in Achselhöhlen, sondern auch an Fußsohlen für angenehme Geruchsumstände. 1952 wurde „Mum“ erneut zum Vorreiter auf dem Deo-Markt: Inspiriert von der gerade entwickelten Technik des Kugelschreibers, entstand das erste Roll-on-Produkt. Inzwischen können wir aus den unterschiedlichsten Rezepturen und Formen wählen, es gibt Stick, Spray, Creme, Puder, Roll-on, Kristall, Tücher etc., die auf die individuellen Bedürfnisse eingehen.
Frau sonnt sich
© Thinkstock / iStock / Alliance
Noch mehr Artikel finden Sie hier: Die Klassiker der KosmetikDie Deo-TypenDeo für die Handtasche
Warum schwitzen wir eigentlich? Zunächst ist die Schweißbildung eine lebenswichtige Funktion zur körpereigenen Temperaturregelung: Wie eine Klimaanlage schützen über zwei Millionen Schweißdrüsen den Körper vor Überhitzung, indem sie „Kühlflüssigkeit“ an die Haut abgeben. Das Kühlsystem, über das im Normalfall täglich zwischen einem halben und einem Liter, in hitzigen Situationen bis zu sechs Liter Schweiß abgegeben werden, hat gleichzeitig eine entgiftende Wirkung: Mit der Flüssigkeit werden Abfallprodukte des Stoffwechsels entsorgt. Abbaureste von Alkohol, Arzneimitteln und anderen Substanzen, die der Körper nicht verarbeiten und nicht z. B. über die Niere loswerden kann, finden so ihren Weg nach draußen. Aufgrund seines pH-Wertes bildet Schweiß außerdem einen wichtigen Baustein der schützenden Hautbarriere: Im sauren Milieu können sich schädliche Keime weder vermehren noch haben sie so eine Chance, in den Körper einzudringen. Dabei ist der Schweiß zunächst geruchlos. Und wer schon einmal ein Baby im Arm gehalten hat, weiß, wie wohlriechend es schwitzt ...
Das richtige Deo finden
© Yuri / iStock
Das richtige Deo finden

Was verhindert Schweiß?

Verantwortlich dafür, dass sich das mit dem Erwachsenwerden ändert, sind zwei unterschiedliche Arten von Schweißdrü- sen, mit denen der Körper arbeitet. Wäh- rend die „ekkrinen“ sich von Geburt an fleißig um die Regulation des Wärmehaus- haltes im Körper kümmern, managen die „apokrinen“ Schweißdrüsen, die hormonell gesteuert werden und sich erst in der Pu- bertät entwickeln, die zwischenmenschliche Kommunikation. Sie sondern Duftstoffe ab, die andere Menschen anlocken sollen. Oder eben nicht. Sobald der Schweiß auf der Haut angekommen ist, wird er von Bakterien zersetzt, wobei die Bestandteile der apokrinen Flüssigkeit den als unangenehm empfundenen Geruch entstehen lassen kann.

Lebensmittel steuern den Geruch

Wie intensiv und in welche Richtung sich der Geruch individuell entwickelt, wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Während der pH-Wert der Haut, die Art des zersetzenden Bakterienstammes und Hormone eine große Rolle spielen, die nicht steuerbar ist, gibt es Einflüsse, die wir natürlich vermeiden oder positiv verändern können. Genussmittel wie Alkohol, Nikotin und Koffein, deren Giftstoffe mit dem Schweiß ausgeschwemmt werden, haben ebenso Einfluss auf das Duftbild eines Menschen wie eine andauernde ungesunde oder auch fleischlastige Ernährung. Wie sich Knoblauch, Zwiebeln oder starke orientalische Gewürze im individuellen Eigengeruch widerspiegeln können, hat wohl jeder schon mal wahrgenommen.
Aber über die Ernährung kann nicht nur das Aroma, sondern auch das Ausmaß des Schwitzens positiv reguliert werden. Vor allem scharfe und sehr salzhaltige Nahrungsmittel kurbeln den Stoffwechsel an und sorgen für überflüssige Hitze auf der Haut. Gegen dieses sogenannte „gustatorische Schwitzen“ helfen basische Lebensmittel, die sich ausgleichend auf den Stoffwechsel auswirken. Reis gilt als potenter Schweißhemmer, weil er Wasser im Körper bindet. Der bekannteste Kühlungsexperte aber ist Salbei: „Ausreichend hoch dosiert als Tee oder Tabletten eingenommen, kann Salbei einen antihydrotischen Effekt auf den Körper ausüben und die Schweißproduktion hemmen“, weiß Dr. Katrin Kipper von Vichy. „Verantwortlich für diese gleichzeitig antiseptische Wirkung sind ätherische Öle wie Kampfer, Salviol, Salven, Pinen und Rosmarinsäure.“ In der Phytotherapie werden außerdem die Traubensilberkerze und Thymian gegen übermäßiges Schwitzen eingesetzt.

Schwitzt man bei Stress?

Als weiteres hitziges Phänomen gilt das „emotionale Schwitzen“. Seine Auslöser sind zum Beispiel Stress und Angst, die unseren Körper zur Ausschüttung von Adrenalin veranlassen. Sie befeuchten zunächst Handflächen und Fußsohlen – dann den ganzen Körper. Yoga-Expertin Annika Isterling rät: „Als Soforthilfe eignet sich die Atmung Shitali. Dabei atmet man mit ausgestreckter, gerollter Zunge ein und lässt sich so abkühlen – ähnlich wie Hunde es machen.“
Ansonsten gilt an heißen Sommertagen: lauwarm duschen und häufiger mal ausruhen – und unseren Körper die lebenswichtige Aufgabe ausführen lassen. Das Gehirn sendet dabei Signale an die Drüsen, Schweiß zu produzieren, um uns abzukühlen – „thermales Schwitzen“ genannt. Und das ist die vollkommene und natürlichste Art der Wärmeregulierung.
Das richtige Deo finden
© Yuri / iStock
Das richtige Deo finden

Welches Deo ist das Richtige?

Deo oder Antitranspirant?

Deodorants enthalten neben Duftstoffen und Alkohol antibakterielle Zusätze, die das Wachstum schweißzersetzender Bakterien bremsen und so unangenehmen Körpergeruch verhindern. Sie werden nach Bedarf aufgetragen, vorzugsweise nach dem Duschen. Ein Antitranspirant (auch „Deo“ genannt) enthält Aluminiumsalze, die die Schweißdrüsen verengen und Schweißbildung reduzieren. So verlieren die Bakterien ihren Nährboden, unangenehmer Geruch kann nicht mehr entstehen. Das Antitranspirant lagert sich in den Schweißdrüsen an und baut sich langsam ab, weshalb es nicht täglich erneuert werden muss. Antitranspirant sollte am besten abends auf der trockenen Haut und nicht direkt nach der Rasur verwendet werden.

Annika Isterling lebt und arbeitet als Yoga-Lehrerin und Personal Trainerin in Hamburg.

Britische Forscher fanden heraus, dass manche Europäer keinen Achselgeruch produzieren – und dennoch regelmäßig zum Deo greifen! An einer Studie der University of Bristol nahmen 117 Frauen teil, die als geneti- sche Besonderheit „Einzelnukleotid-Polymorphismus“ haben, was dafür sorgt, dass kein Schweißgeruch entsteht. Mehr als drei Viertel gaben an, regelmäßig ein Deo zu benutzen, obwohl sie es nicht bräuchten.

Yoga-Übungen

Drei wirksame Asanas, die das Nervensystem ausbalancieren.

1. Vorwärtsbeuge
Für die stehende Beuge (Uttanasana) werden die Füße hüftbreit aufgestellt und Oberkörper, Kopf und Arme nach vorn unten gebeugt. Die Oberschenkelmuskulatur wird die gesamte Zeit angespannt. Bei Unwohlsein im unteren Rücken die Knie ein wenig beugen. Für 5 tiefe Atemzüge halten.
2. Beuge fürs Büro
Die sitzende Vorwärtsbeuge lässt sich ganz unauffällig auf dem Schreibtischstuhl ausführen, z. B. vor einem aufregenden Telefonat. Die Füße im Sitzen etwas breiter als hüftbreit aufstellen; Oberkörper, Kopf und Arme locker hängen lassen. 5 tiefe Atemzüge lang.
3. Kleiner Twist
Ein kleiner Dreh wirkt harmonisierend auf den Energiefluss. Dafür seitlich auf einen Stuhl setzen, Füße hüftbreit fest auf den Boden stellen. Den Oberkörper zur Stuhllehne twisten und diese mit beiden Händen festhalten. Für 5 tiefe Atemzüge bleiben.
Das richtige Deo finden
© Yuri / iStock
Das richtige Deo finden

Deo-logisch

vital: Frau Dr. Kipper, Roller, Stick, Creme, Spray – welches Produkt passt zu wem?
Dr. Katrin Kipper: Einerseits lässt sich das Deo über den Roller und den Stick schnell auftragen, andererseits zieht die Deocreme jedoch besonders gut in die Haut ein. Bei behaarten Achseln hingegen sollte auf Creme verzichtet werden. Hier bietet sich Deospray an. Letztendlich ist es auch eine Frage des individuellen Geschmacks.
Was muss ich beachten, wenn ich nach dem Rasieren Deo benutzen will?
Nach der Rasur ist die Haut empfindlich und gereizt. Häufig sind es Mikroverletzungen, die in Verbindung mit Deos brennen. In vielen Fällen wirkt Alkohol aus den Deos nach der Rasur störend. Entweder man wartet einige Zeit ab, bis das Deo aufgetragen wird, oder nimmt spezielle Deos für empfindliche Haut.
Was verursacht die weißen Flecken auf der Kleidung?
Häufig ist es der Schweiß, der in Verbindung mit Rezepturen mit Aluminiumsalzen reagiert und zu Verfärbungen führt.
Muss es heute Deos aus der Sprühdose noch geben – und wenn ja, was können die, was andere nicht können?
Die Deos aus der Sprühdose erzeugen besonders feinen Sprühnebel. Sie verteilen sich also besonders gut. Aber natürlich gibt es Alternativen mit manuellen Pumpsprays, Sticks, Rollern und Cremes.
Wie stehen Sie zu der seit einiger Zeit laufenden Debatte über Aluminiumsalze?
Dr. Katrin Kipper forscht in den Laboren der Firma Vichy an immer wirksameren und verträglicheren Kosmetikprodukten für gesunde und schöne Haut.

Es konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass Aluminiumsalze aus Deos Brustkrebs auslösen. Die US-amerikanische Krebsgesellschaft (American Cancer Society) sowie das deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg bezweifeln einen Zusammenhang. Mit der Nahrung (Backwaren, Teeblätter, Gewürze) und mit Medikamenten werden deutlich mehr Aluminiumsalze aufgenommen, als es über Deos überhaupt möglich ist.

Und warum wird Aluminium eigentlich eingesetzt?
Aluminiumsalze sind sehr effektive Mittel gegen übermäßige Schweißabsonderung. Sie verhindern hocheffektiv unangenehmen Körpergeruch. Sie lassen sich in Rezepturen gut verarbeiten und werden im Allgemeinen gut vertragen.
Sind denn natürliche Stoffe bekannt, die den gleichen Effekt haben?
Es gibt verschiedene Deos, die keine Alu- miniumsalze enthalten, sondern Zinksalze, die adstringierend wirken und die Schweißdrüsen verengen.
Welchen Sinn ergeben z. B. 72-Stunden- oder 7-Tage-Deos? Duschen wir nicht mehr genug zwischendurch?
Wenn man stark schwitzt oder länger unterwegs ist, sind 72-Stunden-Deos be- sonders hilfreich, ebenso im Urlaub in warmen oder gar tropischen Ländern, weil diese Hochleistungs-Antitranspirantien auch nach dem Duschen nicht erneut aufgetragen werden müssen.
Lade weitere Inhalte ...