15. Februar 2010
Essen gegen Falten? Anti-Aging-Produkte im Test

Essen gegen Falten? Anti-Aging-Produkte im Test

Löffeln statt liften, knabbern statt cremen: Klingt eigentlich zu gut, um wahr zu sein. Können Beauty-Jogurts und Anti-Aging-Pralinen tatsächlich schön machen? Wir haben Anti-Aging-Produkte getestet.

Anti-Aging-Produkte
© jalag-syndication.de
Anti-Aging-Produkte

Zum Anbeißen sieht er aus, der schwarze Trüffel mit dem Schnörkel obendrauf. Doch sein Geschmack ist ganz schön überraschend: „Felice“, die erste Anti-Aging-Praline der Welt, ist so herb und säuerlich, dass einem das Wasser in den Mund schießt – aber dann lässt sie einen kurz lächeln. „Das liegt an der Füllung mit Aroniafrüchten, die durch ihre Säure über die Zunge ein Feuerwerk an Glück spendenden Endorphinen im Gehirn entfacht“, sagt Lars Andersen, Geschäftsführer der Konditorei Andersen in Hamburg, die die Trüffel herstellt. „Aroniabeeren sind natürliche Anti-Aging-Produkte, die mit extra viel Vitamin C die Kollagenbildung anregen. Wichtigste Anti-Aging-Zutat ist aber die Schokolade mit 92-prozentigem Kakaoanteil, die durch ihre Polyphenole bewiesenermaßen freie Radikale fängt“, sagt Andersen. Ein Konzept, das aufgeht: Obwohl das Aroma dieser zuckerfreien Praline gewöhnungsbedürftig ist, geht sie weg wie warme Semmeln. Kann man mit speziellen Anti-Aging-Lebensmitteln tatsächlich was für seine Schönheit tun?

Functional Beauty Food

Anti-Aging-Drinks
© jalag-syndication.de
Anti-Aging-Drinks

Früher war der Fall klar: Creme kommt aufs Gesicht, Marmelade aufs Brot. Schokolade macht Pickel und Bier dick. Doch plötzlich gibt es immer mehr Produkte, die diese Denkweise auf den Kopf stellen: Functional Beauty Food. Ähnlich wie Margarine, die mit Phytosterinen den Cholesterinspiegel senkt, gibt es jetzt plötzlich Jogurts, Smoothies und Mineralwässer, die durch Zusätze wie Spirulina- Algen oder Coenzym Q10 für schöne Haut sorgen sollen.

Dabei ist die Auswahl in Deutschland noch relativ unspektakulär. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass Beauty Food im Ausland noch kuriosere Blüten treibt. In französischen Apotheken gibt es z. B. die Hautstraffungsmarmelade „Norelift“ mit Tomaten und grünem Tee. US-Schauspielerin Reese Witherspoon nascht „Borba’s“-Anti-Falten-Kekse, während amerikanische Teenies mit „Fructel“- Bonbons ihre Pickel weglutschen. In Japan schwört man auf Kollagen- Marshmallows und Deo-Kaugummi.

Leere Versprechen?

Schummeln verboten

Den Geschmack der Zeit trifft Functional Food auf jeden Fall. Das Angebot an Nahrungsmitteln mit Zusatznutzen wird in den nächsten Jahren um 20 Prozent wachsen, schätzt das Zukunftsinstitut in Kelkheim. Was allerdings auffällt: Gerade bei Beauty Food handelt es sich oft um Lebensmittel wie Schokolade oder Bier, mit denen wir eher Genuss als Schönheit assoziieren. Wirkt das nicht irgendwie unglaubwürdig?

Fakt ist: Weder Kosmetik noch Functional Food mit Gesundheits- Benefit darf das Blaue vom Himmel versprechen. Die Wirkung muss bewiesen und die Formulierung darf nicht irreführend sein. „Welche gesundheitlichen Aussagen auf Lebensmitteln stehen dürfen, wurde Ende 2006 in der Health-Claims-Verordnung vom Europäischen Parlament festgelegt“, erklärt Andreas Tief, stellvertretender Pressesprecher beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Berlin. Während Aussagen wie „hilft, den Cholesterinspiegel zu senken“ leicht zu beweisen sind, ist das bei „macht schöne Haut“ nicht so einfach, denn das ist subjektiv. Hinzu kommt, dass die Grenze zwischen Gesundheits- und Beauty- Behauptung oft fließend ist. Hier herrscht zur Zeit eine Grauzone, die allerdings bald geregelt werden soll.

Vorsicht: Zucker!

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Obwohl es bei gesundheitlichen Versprechen von Lebensmitteln bereits klare Vorschriften gibt, glaubt nur ein Viertel der Deutschen, dass diese Aussagen auch stimmen. Das hat eine Umfrage des Forsa-Instituts für Meinungsforschung ergeben. Solche Zweifel sind bei Beauty Food auch berechtigt. Die „Apothekenschokolade“ von Stollwerck unterscheidet sich z. B. kaum von der aus dem Supermarkt, auch wenn sie in Form von Dragees in einer Pillendose steckt und durch ein spezielles Herstellungsverfahren doppelt so viele Polyphenole enthält wie herkömmliche. Ihr Haken ist vor allem der Zucker, der zumindest bei der Vollmilchvariante Hauptinhaltsstoff ist. Zu viel Zucker kann die Hautalterung aber fördern, sodass ein Teil der positiven Wirkung der Polyphenole wieder aufgehoben wird. Da dürfte so manche normale Zartbitterschokolade geeigneter sein, um die Faltenbildung zu bremsen. Ähnlich ist es mit dem Alkoholgehalt des „Anti-Aging Biers“ der Klosterbrauerei Neuzelle – weswegen sich bereits die Gerichte damit beschäftigt haben, ob es seinen Namen zu Recht trägt. Entschieden ist das noch nicht.

Das hilft wirklich!

Was Sinn macht

Unbestritten ist dagegen, dass unsere Ernährung den Zustand von Haut und Haaren beeinflusst. „Das erkennt man besonders deutlich, wenn ein Nährstoff fehlt“, sagt Dr. Birgit Kunze, Hautärztin aus Hamburg. „Zinkmangel kann z. B. Pickel fördern, die aber schnell wieder verschwinden, wenn man das Defizit ausgleicht.“ Gesund und vitaminreich zu essen, ist deshalb die beste Beauty-Garantie. Wer das schafft, braucht auch kein extra Beauty Food, zumal der meist hohe Preis oft einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Beauty-Drink Tausendschön

Schmeckt lecker, liefert alle wichtigen Nährstoffe für schöne Haut und ist günstiger als die meisten fertigen Schönheitsdrinks: 1 Banane zerdrücken, mit 400 ml Milch, 2 EL Naturjogurt, dem Saft 1/2 Zitrone und 100 ml Möhrensaft mixen. 1 EL Weizenkeimflocken und 1 Tropfen Traubenkernöl zugeben. Auf Wunsch mit Honig süßen und mit Zitronenmelisse garnieren. Reicht für zwei Gläser, die Sie täglich trinken sollten. 

Trotzdem gibt es durchaus sinnvolle Produkte, mit denen man in stressigen Phasen nachhelfen kann. Vorteil ist z. B., dass der Mix stimmt. Alle wichtigen Beauty- Wirkstoffe sind drin und werden so zusammengestellt, dass unser Körper sie optimal nutzen kann. Trotzdem sollte man wirklich nur die angegebenen Mengen nehmen, sonst kann es auch mal zu einer Überdosierung kommen. Dr. Birgit Kunze: „Aber ab und zu eine Anti-Aging- Praline? Warum nicht! Damit können Sie Ihre Hautpflege zwar nicht ersetzen, aber unterstützen.“

Produktempfehlungen

PRODUKTE

  • „FELICE ANTI-AGING-TRÜFFEL ARONIA“ VON KONDITOREI ANDERSEN mit Bitterschokolade, Soja und Aroniabeerenpüree, ohne Zuckerzusatz, 10 Stück ca. 7 Euro.
  • „PERFEKT SKIN BEAUTY DRINK“ VON SANTAVERDE mit Aloe vera und Fruchtkonzentraten aus kontrolliert biologischem Anbau, 500 ml ca 28 Euro.
  • „SHOT BEAUTÉ 1“ und „SHOT BEAUTÉ 2“ VON DANIELE DE WINTER, Säfte für morgens und abends, mit Fruchtextrakten und Coenzym Q10, 250 ml je ca. 9 Euro.
  • „ANTI-AGING BIER“ AUS DER KLOSTERBRAUEREI NEUZELLE mit Sole, Spirulina-Algen, Flavonoiden und Vitaminen, 4,8 % Alkohol, 6-mal 500 ml ca. 14 Euro.
  • „ALOE VERA SENSITIVE JOGURT GRANATAPFEL“ VON EMMI, 150 g ca. 1 Euro.
  • „BEAUTYWATER Q10“ VON BEAUTYWATER, Mineralwasser mit Coenzym Q10 und Vitamin E, 6-mal 500 ml ca. 20 Euro.
  • „APOTHEKENSCHOKOLADE CALLETS“ VON STOLLWERCK, 120 g ca. 3 Euro.
  • „BEAUTY SNACK HIMBEERE“ VON MAGIC FRUITS, getrocknete Himbeeren, 10-mal 12 g ca. 20 Euro.

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