7. November 2016
Dünnes Haar pflegen und stylen

Dünnes Haar pflegen und stylen

Dünnes Haar ist besser als sein Ruf: Mit ein bisschen Geschick und den passende Produkten sieht es sofort und dauerhaft nach viel mehr aus. Ohne viel mehr Aufwand.

Styling Tipps für Dünnes Haar
© stanley45/iStock
Styling Tipps für Dünnes Haar

„War Ihr Haar schon immer so dünn?“, „Fühlt sich an wie Babyflaum“ oder „Der Schnitt ist nichts für Sie!“

Diese Sätze ken­nen Frauen mit dünnem Haar zur Genüge. Sie ärgern sich – und vergessen all die positiven Seiten. Vor allem tut es gut zu wissen, dass sie sich in guter Gesellschaft befinden: Feines Haar mit einem Durchmesser bis 0,04 Millimeter gehört hierzulande zur Mehr­heit – etwa jeder zweiten deutschen Frau wurde es vererbt. In Spanien, Griechen­land oder der Türkei hat die Mehrheit der Frauen dagegen 0,08 bis 0,1 Millimeter dickes Haar.

Als Ausgleich ist das feine Haar zahlenmäßig überlegen: Während Afrikanerinnen beispielsweise etwa 161 Haare pro Quadratzentimeter Kopfhaut zählen, wachsen bei Frauen mit feinem Haar auf der gleichen Fläche 226. Auch sonst haben feine Haare jede Menge Vor­züge. Nicht nur die, dass sie sich schneller kämmen und föhnen lassen oder der Fri­seur weniger Foliensträhnen braucht. Auch beim Styling ist es gegenüber kräfti­gem Haar oft im Vorteil: „Bei feinem Haar lässt sich der Stand am Ansatz besser aufbauen“, sagt Jennifer Heinz, Friseur­meisterin bei „Noon Individual Hair“. „Au­ßerdem hängen sich Locken durch ihr geringeres Gewicht nicht so rasch aus. Insgesamt geht das Styling etwa dreimal so schnell.“ Während dickes Haar stunden­ lang drapiert werden muss, um dann früh schlapp zu machen, sitzen die Wellen in feinem Haar oft bis in den späten Abend.

Styling Tipps für Dünnes Haar
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Styling Tipps für Dünnes Haar

Waschen, Stylen & Färben

Waschen: So wird feines Haar gleich ein wenig dicker

Das Aufbauprogramm beginnt für feines Haar schon beim Waschen: In vielen Volumen-Shampoos steckt zum Beispiel flüssiges Keratin – grundsätzlich ein Hauptbestandteil der Haare. Beim Waschen dringt die Extraportion in die äußere Hülle ein und kräftigt jedes einzelne Haar.

Auch gut: Panthenol, ein optimaler Feuchtigkeitsspender, von dem die Haare nur so viel aufnehmen, wie sie wirklich brauchen – „Überpflegen“ ist also unmöglich. Lassen Sie das Shampoo ruhig zwei Minuten einwirken, damit sich die Wirkstoffe optimal ans Haar anlagern können.

Zwei- bis dreimal im Monat befreien sogenannte Peeling- oder Pre-Shampoos feines Haar von beschwerenden Styling-Rückständen. Empfehlenswert sind Produkte mit hochwertigen Inhaltsstoffen, die Kopfhaut und Haar gründlich, aber dennoch schonend reinigen. Zum Beispiel kann Tonerde besonders viele Schmutzpartikel und reichlich Talg aufsaugen. Im Anschluss tut eine leichte (Schaum-)Pflegespülung oder Sprühkur gut: Sie entwirren Kletten etwa mit Baumwollextrakten und ummanteln jeden einzelnen Haarschaft mit Weizenextrakten oder Sojaproteinen, was mehr Fülle und Halt gibt. Bringen Sie in jedem Fall etwas Geduld mit: Der Effekt verstärkt sich jedes Mal und wird erst nach mehreren Wäschen sichtbar.

Stylen: unbeschwert ans Werk

Spezielle Produkte geben feinem Haar nach dem Waschen mehr Kraft. Dazu gehören zum Beispiel Volumenschaum und -sprays ohne beschwerende Inhaltsstoffe wie etwa Silikone. Die legen sich wie ein Film um jedes einzelne Haar und belasten es dadurch Schicht um Schicht. Dann hilft nur das erwähnte Peeling-Shampoo. Neue Produkte enthalten wasserlösliche, also beim Waschen ausspülbare Silikone.

Schnell und unkompliziert bringt ein Trockenshampoo mehr Stand und Volumen. Es wird direkt unter das Deckhaar in den Ansatz gegeben. Die feinen Puderpartikel absorbieren Talg und plustern plattes Haar auf. Wer möchte, toupiert zusätzlich gezielt die Ansätze. Marco Arena, Friseur und International Artist der Firma Redken, rät: „Nicht zu viel der Haarlänge toupieren! Eine dünne Partie Deckhaar aussparen und nach dem Toupieren locker über die anderen Haare legen. Am Schluss etwas Haarspray erst auf die Ansätze sprühen, dann mit mehr Abstand auch auf das übrige Haar.“

Für mehr Glanz können Sie Trockenöle auf natürlicher Basis nehmen – die funktionieren auch bei feinem Haar (z. B. „Huile Divine“ von Caudalie, 50 ml ca. 16 Euro).

Färben: am liebsten hell und dunkel nebeneinander

Ein natürlicher Mix aus hell und dunkel lässt feines Haar optisch voller erscheinen. Bei dunklem Blond gelingt das mit hellen Strähnchen. Auch ein etwas dunkler nachwachsender Ansatz verleiht mehr Fülle. Wichtig ist, dass der Übergang weich und natürlich wirkt. Noch ein Pluspunkt: Färben und Bleichen raut die Schuppenschicht leicht auf – dadurch vergrößert sich der Durchmesser, und schon sieht’s nach mehr aus. Außerdem flutschen die Haare nicht mehr so leicht aneinander vorbei und fühlen sich sofort griffiger an.

Styling Tipps für Dünnes Haar
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Styling Tipps für Dünnes Haar

Schneiden, Fönen & Tricksen

Schneiden: mehr Auswahl als gedacht

Dünnere Haare haben den großen Vorteil, dass viele schöne Schnitte infrage kommen. Roberto Gruber, Experte bei Schwarzkopf Professional: „Einerseits sind stumpf geschnittene Frisuren wie Pagenköpfe ideal, um das Haar dichter aussehen zu lassen. Andererseits können Stufen mehr Volumen bringen – wenn die Frau sie geschickt mit einer Rundbürste föhnt.“ Je länger das Haar, desto dünner und platter wirkt es oft. Also lieber auf ein paar Zentimeter verzichten und einen Long Bob bis zu den Schultern oder Schlüsselbeinen wählen.

Föhnen: den Profis abgeguckt

Weil feines Haar aufgrund seiner Beschaffenheit meist nah an der Kopfhaut anliegt, wirkt es platter als dickeres Haar. Aber schon das Föhnen über Kopf und entgegen der Wuchsrichtung kann das verhindern. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich zumindest dann und wann die Haare beim Friseur professionell föhnen und stylen zu lassen – und sich nebenbei die besten Tipps und Tricks für feines Haar abzuschauen oder sie zu erfragen. Manche Salons bieten sogar spezielle Föhn-Kurse an, in denen Frauen zum Beispiel das richtige Föhnen über die Rundbürste oder mit ein paar großen Lockenwicklern im Ansatz lernen können.

Unabhängig von der Technik sollten Sie die Haare vor allen Dingen immer vollständig trocken föhnen. Sonst werden sie von der Restfeuchtigkeit beschwert und fallen gleich wieder in sich zusammen.

Wer morgens nicht so viel stylen möchte, sich aber für mehrere Wochen etwas mehr Volumen im Ansatz wünscht, lässt sich beim Friseur eine spezielle Ansatz- oder Volumenwelle machen. Die basieren allerdings auf einem chemischen Prozess, den nicht jede Haarstruktur verträgt. Lassen Sie sich unbedingt vorher umfassend von Ihrem Friseur beraten.

Tricksen: mehr Haar fürs Haupt

Ein anderer Weg, um die Haare längerfristig oder zu einem besonderen Anlass zu unterstützen, führt ebenfalls über den Besuch beim Friseur: Professionelle Extensions können nicht nur das Haar verlängern, sondern auch verdichten. Das muss nicht aussehen wie bei Carmen Geiss. Speziell ausgebildete Friseure beraten Sie (z. B. bei Great Lengths, mehr Informationen und Salonfinder unter www.great lengths.de), das Ergebnis sieht supernatürlich aus: angefertigt mit Echthaar und atmungsaktiven Clips. Das Ganze hält sechs bis acht Monate.

Wenn also nächstes Mal jemand einen Spruch macht, sagen Sie einfach: „Ich habe feines Haar, und das ist auch gut so.“

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