9. Februar 2010
Drogerieprodukt oder Luxuscreme?

Drogerieprodukt oder Luxuscreme?

Woran erkennt man, ob die Pflege ihr Geld wert ist?

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Krisenstimmung im Bad: Die gab’s bis jetzt höchstens mal, wenn uns der gute Parfümflakon ins Waschbecken gefallen ist. Seit die Weltwirtschaft aber baden geht, kann sie einen auch schon beim Blick ins leere Beauty-Täschchen packen. „Trotzdem sparen nur 16 Prozent der deutschen Frauen beim Kosmetikkauf“, sagt Martin Ruppmann, Geschäftsführer des VKE-Kosmetikverbands in Berlin.

Wir kaufen nicht weniger, aber anders

Jede zweite deutsche Frau gibt allerdings auch an, seit der Wirtschaftskrise genauer hinzusehen, was sie für ihr Geld bekommt. Anders als zur „Geiz ist geil“-Phase nach der Euro- Umstellung, während der nur noch Hauptsache, billig!“ galt, wird heute gleichzeitig auf Qualität geachtet. Das zeigt sich z. B. an Slogans wie dem Syoss, der genau an diesem Bedürfnis ansetzt: „Professionelle Haarpflege, die man sich leisten kann!“ Friseursalon- Feeling zum Drogeriepreis also.

Dieses veränderte Kaufverhalten sorgt für Bewegung im Beauty-Markt. Während 65 Prozent der Kosmetikfirmen im ersten Halbjahr 2009 Einbußen hatten, konnten immerhin 30 Prozent Zuwächse verzeichnen. Zu den Gewinnern gehören vor allem etablierte Marken wie Kneipp. „ unseren Bädern ist der Umsatz um 28 Prozent gestiegen“, bestätigt Pressesprecherin Angela Kreipl. „Wir vermuten, dass wir durch den Mix von natürlichen Inhaltsstoffen und medizinischem Know-how punkten konnten.“ Am wenigsten sparen deutsche Frauen übrigens an Pflegeprodukten fürs Gesicht – denn das ist ihnen lieb und teuer. Lohnt es sich eigentlich, dafür ein paar Euro mehr hinzublättern? Welche Faktoren bestimmen überhaupt den Preis einer Creme?

Hochkarätige Zutaten

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LACHSKAVIAR GILT ALS INBEGRIFF VON LUXUS, DENN ER KOSTET ZWISCHEN 100 UND 500 EURO PRO KILO. KEIN WUNDER, DASS AUCH KOSMETIK MIT KAVIAR TEUER IST

Wer sich die Zutaten von Luxuscremes anguckt, entdeckt schnell den ersten Grund für die höheren Kosten. Die Wirkstoffe darin sind meist vom Feinsten: Gold, Diamanten und Kaviar liegen voll im Trend – und sind natürlich teure Rohstoffe. Klar, dass sich das auch im Preis niederschlägt. Hinzu kommt, dass Edelkosmetik oft in Designer-Tiegeln steckt, und auch das Marken-Image muss mitbezahlt werden. So viel Hollywood- Flair tröstet über manche Horrormeldung zur Weltwirtschaft hinweg. Aber tun Luxuswirkstoffe der Haut genauso gut wie der Seele?

Fakt ist, dass Gold – ähnlich wie Silber, das sogar in Neurodermitikerpflege eingesetzt wird – gegen Entzündungen und freie Radikale wirkt. Diamantenstaub reflektiert das Licht, so dass Falten gemildert werden, und hat eine peelende Wirkung. Kaviar strafft reife Haut durch seinen hohen Eiweißgehalt. Tatsache ist aber auch, dass es eine Menge günstiger Wirkstoffe gibt, die das Gleiche können. Bewährt hat sich z. B. Coenzym Q10, das heute zentraler Wirkstoff vieler erschwinglicher Anti-Age-Cremes ist. Das war aber nicht immer so.

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„HEUTZUTAGE  KENNT EIN MENSCH VON ALLEN DINGEN DEN PREIS UND VON  KEINEM DEN WERT“ Oscar Wilde, irischer Schriftsteller (1854–1900) 

Wer 1997 sein Gesicht mit der Q10- Pflege „Rejuven“ von Juvena glätten wollte, musste dafür 60 Mark berappen. Wie kam es zu diesem stolzen Preis? „Das lag vor allem daran, dass wir die Allerersten waren, die diesen Wirkstoff eingesetzt haben“, erklärt Inge-Maren Risop, Brand Director International bei Juvena. Zehn Jahre Entwicklungsarbeit und über 1 Million Mark Forschungskosten waren nötig, bevor der neue Star am Anti-Falten-Himmel aufgehen konnte. Hinzu kamen hohe Kosten für Aufklärung und Werbung. Inge-Maren Risop: „Als wir ,Rejuven‘ auf den Markt gebracht haben, wusste ja noch niemand, was Coenzym Q10 überhaupt ist und wie es wirkt.“

Heute hat sich der Wirkstoff etabliert, wird auch synthetisch und in größeren Mengen produziert, so dass die Produkte damit günstig sind. Juvena dagegen hat „Rejuven“ nicht mehr im Sortiment, sondern konzentriert sich weiter aufs Entdecken von neuen Creme-Inhaltsstoffen – aktuell z. B. solchen, die die hauteigene Stammzellaktivität zur Bildung neuer Zellen unterstützen.

Gewinnung

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Ein Anti-Falten-Wirkstoff, der in den letzten Jahren Karriere gemacht hat, ist Orchideenextrakt. Was auffällt, ist die große Preisspanne. Spitzenreiter ist mit über 300 Euro die Creme „Orchidée Impériale“ von Guerlain. Der Clou: Verwendet werden die Wurzeln von vier Orchideenarten, aus denen ein Molekularextrakt“ hergestellt wird – ein Konzentrat mit extrem kleinen Wirkstoffteilchen. Um 1 Gramm zu produzieren, braucht man Kilo Orchideenwurzeln, so dass die Gewinnung sehr kostspielig ist.

Für die „Vital Aufbau Pflege“ von Garnier, die schon für 10 Euro zu haben ist, werden dagegen die Samen einer Orchideenart eingesetzt, die auch an deutschen Waldrändern wächst, – und in die Mikrowelle gelegt. Durch dieses Verfahren lassen sich schnell und kostengünstig Polyphenole extrahieren, die super vor faltenfördernden freien Radikalen schützen.

Merkmale einer guten Creme

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SCHÖNE HAUT IST KOSTBAR. DESHALB SIND VIELE FRAUEN BEREIT, IN KOSTSPIELIGE CREMES ZU INVESTIEREN. SEHR GEFRAGT IST ZUR ZEIT KOSMETIK MIT GOLD, DAS GEGEN FALTEN WIRKEN SOLL

Die Preisargumente der Kosmetikhersteller sind zwar einleuchtend, haben aber einen Haken: Obwohl die Zutaten einer Creme in der Reihenfolge ihrer Menge auf der Packung aufgelistet werden müssen, kann man daran nicht erkennen, wie viel Kaviar oder Coenzym Q10 als Wirkstoff genau drinstecken. Wenn eine 50-ml-Creme mit einem exquisiten Wirkstoff wie Diamanten nur 5 Euro kostet, sollte man auf jeden Fall stutzig werden. Einfacher ist es für Sie, die Basis Ihrer Creme zu beurteilen, die immerhin etwa 80 Prozent ausmacht. Tauchen im oberen Viertel der Zutatenliste die Begriffe „Paraffinum Liquidum“ oder „Dimethicone“ auf, enthält Ihre Creme viel Paraffin und Silikon, die zwar billig sind, aber kaum eine eigene Pflegewirkung haben. Die müssen dann die hinzugefügten Wirkstoffe liefern.

Hochwertiger ist eine Grundlage mit viel Pflanzenöl, das von Natur aus reich an hautverwandtem Fett und Vitamin E ist. Einige, wie z. B. Olivenöl, haben auch einen hohen Gehalt an Polyphenolen, so dass sie aus sich selbst heraus die Hautalterung bremsen. Wenn die Basis stimmt, handelt es sich um eine gute Creme. Ob Sie darin preiswertes bewährtes Coenzym Q10 oder teures Gold als Wirkstoff bevorzugen, bleibt dann Ihnen überlassen.

Welches Öl kostet wie viel?

Durchschnittspreise für Kosmetik-Rohstoffe pro Liter:

SILIKON & PARAFFIN: ca. 1 Euro. OLIVENÖL: ca. 3 Euro. MANDELÖL: ca. 4 Euro. BIO-MANDELÖL: ca. 20 Euro. SANDDORNÖL: ca. 160 Euro

Auf die Umwelt achten

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In fast allen Seifenstücken und vielen Körperpflegeprodukten steckt PALMÖL. Allein für Kosmetika werden jedes Jahr 29 Millionen Tonnen produziert, da es durch seine pflegenden Inhaltsstoffe wie z. B. PALMITOLEINSÄURE super für die Haut und obendrein unschlagbar billig ist: 1 Liter kostet im Schnitt 70 Cent! Doch leider geht das oft auf Kosten unserer Umwelt: Um Ölpalmen anzubauen, werden große Flächen REGENWALD abgebrannt, der 30 Prozent des Sauerstoffs auf unserer Erde liefert. TIPP: NATURKOSMETIK und Bio-Seifen sind zwar teurer, verwenden aber kein Palmöl aus Regenwaldgebieten.

Produkte für jeden Geldbeutel

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»QUALITÄT IST, WAS ÜBRIG BLEIBT, WENN DER PREIS LÄNGST VERGESSEN IST« Sir Frederick Henry Royce,  britischer Industrieller (1863–1933) 

MIT DIAMANTEN: z. B. „Refining Facial“ von La Mer, 100 ml ca. 103 Euro, www.cremedelamer.de; „Eyemulsion Augenpflege“ von Julisis, 30 ml ca. 215 Euro, www.breathe-cosmetics.com; „Cellular Microdermabrasion Cream“ von La Prairie, 125 ml ca. 240 Euro; „Diamant de Beauté Crème“ von Carita, 50 ml ca. 500 Euro, www.carita.com

MIT GOLD: z. B. „Diadermine Age ExCellium Gold Tagespflege“ von Schwarzkopf & Henkel, 50 ml ca. 15 Euro; "Gold Tages Creme“ von Aquabio***, 50 ml ca. 45 Euro; „Acti-Vita ProCGen Gold Serum“ von Monteil, 30 ml ca. 125 Euro, www.monteil.com

MIT ORCHIDEEN: z. B. „Bio Anti-Aging Tagescreme Orchidee mit Q10“ von Alterra, 50 ml ca. 4 Euro; „Vital Aufbau Revitalisierende Pflege Nacht“ von Garnier, 50 ml ca. 10 Euro; „Huile Orchidée Bleue“ von Clarins, 40 ml ca. 39 Euro; „Orchidée Impériale“ von Guerlain, 50 ml ca. 335 Euro

MIT COENZYM Q10: z. B. „Anti-Falten Tagescreme Q10“ von Florena, 50 ml ca. 7 Euro; „Q10 Plus Anti-Falten Tagespflege“ von Nivea Visage, 50 ml ca. 11 Euro; „Pura Soft Q10 Anti-Falten- Creme“ von Annemarie Börlind, 75 ml ca. 16 Euro; „Q10 Age Control Creme“ von Declaré, 50 ml ca. 35 Euro, www.declare-beauty.com; „Power Eye Glow“ von Laveré, 15 ml ca. 35 Euro, www.lavere.de

MIT KAVIAR: z. B. „Caviar Maske Aquamarin“ von Fette**, 15 ml ca. 2 Euro; „Caviar Nail Serum“ von Microcell, 9 ml ca. 10 Euro; „Caviar Gel“ von Biomaris, 15 ml ca. 31 Euro; „Perle de Caviar Night-Anti-Wrinkles- Creme“ von Ingrid Millet, 50 ml ca. 114 Euro

** Apotheke *** Reformhaus

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