2. Januar 2014
Die richtige Pflege für empfindliche Haut

Ich fühl mich besser ...

… ohne Duftstoffe, Emulgatoren, Tenside und Konservierungsstoffe. Fast jede zweite deutsche Frau klagt über empfindliche Haut. Ihr auch? Lest hier, wie die Haut wieder in Balance kommt.

Gesicht einer Frau
© Thinkstock
Gesicht einer Frau
Schaumschlachten, heftiges Reinigen und Creme im Überfluss – bei den meisten von uns hält die Haut so einiges aus. Durch ihre „saure“ Schutzmauer aus Hornzellen und Lipiden (den Säureschutzmantel) kann sie sich relativ gut gegen Angriffe von außen schützen und die Feuchtigkeit im Inneren bewahren. Doch manchmal wird es ihr zu viel. Etwa wenn Duftstoffe sie irritieren oder Tenside die Barriereschicht attackieren.

Wissenswertes zum Thema Öle

Umstrittene Mineralöle: Keine Sorge, Sie werden zwar aus Erdöl gewonnen, doch Mineralöle für die Kosmetik sind hochgereinigte, geruchlose Öle, die die Haut nur selten irritieren oder Allergien auslösen. Neuesten Erkenntnissen von US-Dermatologen zufolge provozieren sie auch keine Mitesser. (Pflanzenöle wie Sesamöl, Kokosöl oder Kakaobutter dagegen können durchaus Pickel fördern.)
Ihr Nachteil gegenüber pflanzlichen Ölen: Mineralöle haben nichts mit den Lipiden der Haut gemein, können deshalb nicht einziehen und liegen eher wie ein Schutzfilm auf der Haut.

Dann funkt die Haut SOS – und reagiert mit Rötungen, Schüppchen, Brennen, Pickelchen, schlimmstenfalls mit einer allergischen Reaktion. Ob ihr zu Allergien neigt, könnt ihr mit einem simplen Test herausfinden: Kratzt euch etwas stärker an der Innenseite des Unterarms. Zeigen sich eher weiße als rötliche Spuren, habt ihr vermutlich eine Veranlagung, allergisch zu reagieren. Eine Allergie (außer die vom Soforttyp) tritt oft zeitverzögert nach frühestens 24 Stunden auf und steigert sich über die nächsten 48 Stunden noch. Eine Irritation hingegen zeigt sich schon bald nach Verwendung eines bestimmten Produkts und klingt auch schnell wieder ab.

Mögliche Unverträglichkeitsreaktionen

Die folgenden Stoffgruppen (Details auf der Packung) lösen besonders häufig Unverträglichkeitsreaktionen aus:

Duftstoffe

Ob Bodylotion, Shampoo, Spülmittel, Kerzen, Kaufhäuser oder Autositze: Heute duftet fast alles. Dieser Geruchs-Overkill führt bei ein bis zwei Prozent der Bevölkerung zu Unverträglichkeiten und Allergien. Duftstoffe gelten neben Nickel als stärkste Kontaktallergene. Das gilt nicht nur für künstliche Duftstoffe, sondern auch für natürliche wie Eichenmoos, Zimtaldehyd, Citral (in Zitronen- und Orangenöl), Citronellol (in Rosen- und Geraniumöl), Eugenol (in Gewürznelken- und Zimtblätteröl) oder Geraniol (z.B. in Lavendel, Jasmin, Geranien, Rosen, Orangenblüten, Zitronenschalen). Falls ihr einen dieser Stoffe als Haut-Stressor im Verdacht habt: Steigt eine Weile auf komplett duftstofffreie Kosmetik um.

Nur das Beste für die Haut

Emulgatoren

Inhaltsstoffe wie Lezithin, Lanolin, Cetyl Alcohol oder Glyceryl Stearate stellen sicher, dass sich Öl und Wasser in einem Kosmetikprodukt dauerhaft verbinden. Meistens werden diese Emulgatoren relativ gut vertragen, Probleme verursachen eher die häufig in der Grundsubstanz enthaltenen Verunreinigungen. So finden sich in Lanolin (Wollwachs) oft Spuren von Nickel. Die Alternative: emulgatorfreie Kosmetika mit sogenannter DMS (Derma-Membran-Struktur). In diesen Cremes und Lotionen werden Öl und Wasser unter hohem Druck und durch sehr langes Rühren miteinander vermischt. Die DMS (z. B. in Produkten von Bepanthen, Bio- droga, dermaviduals, Optolind, Physiogel) ähnelt im Aufbau der Barriereschicht der Haut, stärkt sie und bewirkt zudem, dass andere Wirkstoffe besser in die Haut eindringen können.

Silikone

Umstrittene Silikone: Silikonwachse und -öle sind die Wunderwaffen der Kosmetikindustrie. Die vollsynthetischen Substanzen bewirken, dass ein Make-up seidig über die Haut gleitet, sie füllen Falten auf und machen strohiges Haar geschmeidig. Reiz- oder sogar Allergiepotenzial haben sie keines, allerdings ist auch ihr Pflegeeffekt gleich null. Sie helfen eher, Haut und Haare gesund und makellos aussehen zu lassen – sogar, wenn die es nicht sind.

Das große Minus der Silikone in Sachen Umwelt: Sie lassen sich nur zum Teil abbauen, der Rest landet in Gewässern und im Grundwasser.

Tenside

Zwar lösen sie meistens keine Allergien aus, haben aber mitunter hohes Reizpotenzial. Allen voran Sodium Lauryl Sulfate (SLS), ein besonders starker Schaumschläger, der immer noch in einigen Shampoos steckt. Auch sein verträglicherer Bruder, das Sodium Laureth Sulfate (SLES), kann die Haut irritieren. Ausgerechnet Babyshampoos enthalten es oft aufgrund seiner besonderen Wirkung: Es betäubt kurzzeitig den Augapfel, deshalb brennt das Shampoo nicht. Zu den milderen Waschsubstanzen gehören Kokostenside (z.B. Coco Glucoside, Caprylyl Glucoside).

Ihr Nachteil: Sie schäumen weniger und können ohne zusätzliche Rückfetter die Haut austrocknen. Ein eher mildes Tensid, das schönen Schaum bildet, ist das vom BDIH für Naturkosmetik zugelassene Sodium Lauryl Sulfoacetate (SLSA). Trotz der Namensähnlichkeit mit SLS und SLES reinigt es sanfter: Seine deutlich größeren Moleküle dringen nicht so leicht in die Haut ein, darum reizt es weniger.

Konservierungsstoffe

Sie werden Kosmetikprodukten zugesetzt, um sie vor der Verunreinigung durch Keime zu schützen. Die berüchtigten Parabene stehen nicht nur wegen ihrer möglichen hormonverändernden Wirkung in der Kritik, sie können auch sogenannte Pseudoallergien auslösen: So nennen Ärzte Überempfindlichkeiten, die stark einer allergischen Reaktion ähneln, aber nicht durch ein überschießend reagierendes Immunsystem zustande kommen.

Echtes Allergie-Potenzial haben Konservierungsstoffe wie Formaldehyd oder die häufig verwendeten Formaldehydabspalter (Methylisothiazolinon, Chlormethylisothiazolinon). Sie rangieren auf der Sensibilisierungs-Hitliste weit oben. Experten schätzen, dass bereits zwei Prozent der Bevölkerung auf diese Stoffe allergisch reagieren. Eine Alternative zu Parabenen und Formaldehydabspaltern ist beispielsweise Alkohol als Konservierungsstoff. Er kann die Haut jedoch austrocknen. Milder verhalten sich seine chemischen Verwandten Glycerin oder Sorbitol (Zuckeralkohol).

Auch sinnvoll: Cremes, die in Tuben statt in Tiegeln abgefüllt wurden. Sie kommen mit weniger Konservierungsstoffen aus, weil die Benutzerin nicht jedes Mal mit dem Finger in die Creme langt.

Interview mit einer Hautärztin

VITAL: Was unterscheidet eine Hautirritation von einer Allergie?
Dr. Runnebaum: Bei einer Irritation reizen zu viele oder falsche Wirkstoffe oder auch zu häufiges Waschen die Haut. Die Symptome gehen zurück, wenn Sie die Pflege umstellen. Bei einer Allergie wehrt sich das Immunsystem gegen bestimmte Substanzen mit Schuppung, Juckreiz, Rötung und Entzündung.
Welche Inhaltsstoffe führen besonders häufig zu Hautreaktionen?
Grundsätzlich können alle Inhaltsstoffe Irritationen oder Allergien auslösen. Besonders häufig tun das aber Duftstoffe. Ein hohes Allergiepotenzial haben außerdem Emulgatoren, Konservierungsstoffe und der sogenannte Perubalsam, der häufig in Wundsalben steckt. Auch Lanolin sowie Pflanzenwirkstoffe aus Arnika, Kamille oder Teebaumöl.
Wie kommt die Haut dann wieder ins Gleichgewicht?
Wenn Sie einen „Übeltäter“ entlarvt haben, sollten Sie ihn unbedingt weglassen. Falls die Haut sogar auf Wasser irritiert reagiert, können Sie sogenannte Mizellenlösungen zum Reinigen verwenden. (Anmerkung der Redaktion: Dabei lösen spezielle Tenside die Schmutz- und Make-up-Partikelchen leicht und schonend von der Haut, starkes Rubbeln ist nicht nötig.) Manchmal hilft auch eine Nulltherapie: überhaupt nicht pflegen, bis die Irritation abgeklungen ist.
Kann hinter Irritationen auch eine Hauterkrankung stecken?
Das ist nicht selten. Kleinste Pickelchen um Augen und Mund deuten auf eine periorale Dermatitis hin. Sie entsteht durch das Überpflegen der Haut, also zu viel des Guten. Dann fühlen sich bestimmte Hautbakterien wohl, es kommt zu Unreinheiten. Rötungen, Hitzegefühle und Pickel dagegen sind klassische Symptome einer Rosacea.
Reagiert die Haut im Gesicht empfindlicher als am Körper?
Ja, weil sie dünner ist und weniger verhornt. Weil aber die Regenerationsrate auch fünfmal höher liegt als am Körper, heilt das Gesicht unter einer Behandlung trotzdem schneller ab.
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