19. Januar 2017
Die beste Hautpflege im Alter

Die beste Hautpflege im Alter

Feine Linien lassen unser Gesicht lebendig erscheinen. Pflegende Cremes verhindern, dass sie sich in tiefe Falten verwandeln. Aber welche Wirkstoffe helfen tatsächlich? Und wie gehen wir Frauen das Älterwerden gelassen und glücklich an? Feiern Sie das Leben! Genießen Sie jeden Tag – denn das ist es, was wirklich zählt

Pflegeprodukte für Anti Aging
© elenaleonova/iStock
Pflegeprodukte für Anti Aging

Zum Glück tauchen in letzter Zeit mehr und mehr ältere Frauen in der Werbung und auf Laufstegen auf – Vorbilder, die allen zeigen: Nehmt uns wahr. Wir sind da. Und wir sind viele! Wir sind stolz auf uns und alles, was wir erreicht haben, was und wer wir sind. So verändert sich langsam, wie Frauen jenseits der 40 in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Und das ist gut für unser Lebensgefühl. Heute fällt es uns leichter, zu unserem Alter zu stehen. Die Fältchen im Gesicht sind ein Teil von uns – und nicht Gegner im Spiegel. Deshalb hinterfragen wir heute überteuerte Cremes mit Wunderversprechen.

„Nichts ist so sexy wie Lebensfreude“ – Susan Sarandon, 69, Schauspielerin und Gegnerin der Todesstrafe

Aber wir wissen, dass die eine oder andere Creme gegen Falten durchaus etwas be­wirken kann. Dass sich manche Frauen vornehmen, die Stirn nicht mehr hochzuziehen, um Falten vorzubeugen, oder sogar weniger zu lachen – verrückt! Manchmal kann uns schon das Lachen vergehen, zum Beispiel bei einem Ein­kaufsbummel. In grell ausgeleuchteten Umkleidekabinen stellen wir fest, dass die Frau, die wir da im Spiegel sehen, nichts mit dem inneren Bild zu tun hat, das wir von uns haben. Warum installieren die da kein sanftes, rotgelbes Licht? So ein kleiner Umbau würde die Umsätze garantiert befeuern. Doch statt uns lange zu ärgern, haben wir inzwischen den Mut, uns bei der Abteilungsleiterin zu beschweren. Das hätten wir mit 20 nie getan. Darin besteht sowieso einer der größten Vorteile des Alters: endlich selbstsicher zu sein.

Am Ende zählen nur die Glücksmomente im Leben

Klar, manchmal läuft ein Tag unrund. Dann überlegen wir abends, wie es wäre, wenn wir die Zeit zurückdrehen könnten. Ein paar Dinge anders entscheiden – und ein paar Falten wegzaubern. Doch das kann niemand. Und genau diese Tatsache fühlt sich so befreiend an: Weil es nichts bringt, sich über Dinge zu ärgern, die wir nicht beeinflussen können, können wir uns entspannen – und Frieden mit unse­ren Fältchen schließen. So wie es die Frau auf unserem Foto offenbar geschafft hat. Ohne Lifting, ohne Botox­-Spritzen. Aber stattdessen mit einer optimistischen Ein­ stellung zum Leben. Die Kunst ist, das Positive zu sehen. Das sprichwörtliche halbe Glas als voll wahrzunehmen, statt als leer. Positives zu erleben. Wer das hinbekommt, wer genie­ßen kann, strahlt innere Zufriedenheit aus – und das können alle sehen. Also: Auf der nächsten Party nicht vorzeitig gehen (Schlaf! Augenringe! Die To­-do-­Liste für morgen!), sondern ein Ereignis daraus machen, mal wieder unvernünftig sein, mit den Freunden so ausgiebig feiern, dass alle noch Jahre später davon erzählen. So eine Nacht macht das Leben lebenswert. Dazu gehört, einen Blick zurückzuwerfen und dankbar für das Erreichte zu sein. Ein einfacher, aber erfolgreicher Trick, wie psychologische Studien belegen. Was habe ich geschafft, worauf kann (und sollte) ich stolz sein? Vielleicht ist das eine Familie. Ein erfüllender Beruf. Enge Freunde, die uns begleiten. Eine schwere Zeit, die wir durchgestanden haben. Oder alles zusammen. Natürlich haben die Jahre Spuren hinterlassen – aber angesichts dessen, was wir aus unserem Leben gemacht haben, wollen wir sie nicht mehr missen. Sie sind Teil unserer Persönlichkeit. Und niemand, der uns wirklich liebt, wird wegen ein paar Fältchen mehr auch nur einen Millimeter von uns abrücken.

Schön macht, was unserer Seele guttut


Psychologen raten außerdem, gedanklich einen Schritt zurückzutreten. „Mit kritischer Distanz verstehen wir leichter, womit wir uns vergleichen. Hängt die Messlatte unrealistisch hoch? Dann ist es besser, den Maßstab zu verändern – und sich nicht anhand eines überzogenen Schönheitsideals zu beurteilen“, erklärt Bea Engelmann, Diplom-Psychologin aus Bremen. Wir wissen doch, dass sogar die schönsten Schauspielerinnen ein Team an Visagisten und Stylisten brauchen, um so beneidenswert auszusehen. Und dass trotz dieses Aufwands Filmszenen und vor allem Werbefotos digital nachbearbeitet werden, um Fältchen zu retuschieren, Nasen zu verkleinern und Haare zu verdichten. Nehmen wir uns also möglichst oft Zeit für etwas, das uns guttut: ein Spaziergang, Telefonate mit Freundinnen, ausgehen, das Hobby, ein Glas Rotwein, die Lieblings-CD – voll aufgedreht. Dann wissen wir wieder, was wirklich zählt und warum wir so viel mehr zu bieten haben als nur eine glatte Haut. Wir lassen uns den Spaß am Leben nicht von ein paar Fältchen verderben.

Drei Thesen zu Anti-Aging und Pflegeprodukten:

Übersteigerte Erwartungen an Anti-Aging-Pflege erweisen sich zwangsläufig als Illusion. Die Kosmetikwissenschaftlerin Dr. Meike Streker erklärt, warum Frustration unnötig ist:

These 1: Das sind doch nur leere Versprechungen! „Natürlich lässt keine Anti- Aging-Creme eine Frau über Nacht 20 Jahre jünger aus- sehen. Aber in unabhängigen Studien konnten wir durchaus zeigen, dass einige Anti-Falten-Wirkstoffe zum Beispiel die Erneuerung der obersten Hautzellen be- schleunigen oder die Bildung kollagener Fasern anregen. Um das zu bewei- sen, verwenden wir nicht nur Vorher-nachher-Fotos, sondern spezielle Geräte, die objektive Werte liefern: Zum Beispiel können wir mithilfe von Ultraschall die Hautdichte ermitteln – und auch die Faltentiefe und Elastizität der Haut messen. Grundsätzlich sollte nie- mand blitzartige Verbesse- rungen erwarten: Können wir nach etwa vier Wochen Anwendung erste, mit dem bloßen Auge noch nicht sichtbare Erfolge verzeich- nen, sind sichtbare Resulta- te erst nach einem Zeitraum von etwa zwölf Wochen zu erwarten.“

These 2: Das ist alles Geldmacherei!
„Sie müssen sich keine Creme für 200 Euro kaufen, eine preiswerte Pflege kann genauso effektiv sein. Es gibt natürlich exotische Inhaltsstoffe, deren Herstellung besonders kostspielig ist. Spezielle Algenarten etwa werden nicht aus dem Meer gefischt, sondern in einem Becken herangezogen – das hat seinen Preis. Es bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass diese Wirkstoffe effektiver sind. Achten Sie vor allem darauf, dass Ihre Tagescreme einen ausreichenden Sonnenfilter enthält. Immerhin 80 Prozent der Hautalterung entsteht durch UV-Schäden.“

These 3: Ständig soll ich etwas Neues kaufen!
„Die Kosmetikindustrie bringt tatsächlich regelmäßig verbesserte Produkte auf den Markt. Das liegt daran, das viel geforscht wird – und entsprechend häufig neue Erkenntnisse gewonnen werden. Sie müssen aber nicht jeden Trend mitmachen. Haben Sie eine Creme gefunden, mit der Sie zufrieden sind, bleiben Sie ihr treu. Gerade bei empfindlicher Haut rate ich von Experimenten ab.“

Pflegeprodukte und Wirkstoffe für Anti-Aging

Vitamin A: besser verträglich

Statt auf die z. B. aus Kakis gewonnene Vitamin-A-Säure (Retinol) setzen neue Rezepturen auf das sanftere Retinaldehyd oder Pro-Retinol: Diese Vorstufe des Vitamins kann unser Körper selbst umwandeln. Viele Studien belegen, dass Pro-Retinol den Aufbau kollagener Fasern unterstützt, die Zellteilung anregt und die Aktivität von Abbau-Enzymen hemmt. Und es lässt rauer gewordene Haut glatter werden: Bei einem Versuch der Universität Michigan wurden 36 Testpersonen im Durchschnittsalter von 87 Jahren am Oberarm mit einer Pro-Retinol-Creme behandelt. Nach sechsmonatiger Anwendung zeigte sich die Partie deutlich weicher und straffer – mit einem höheren Anteil wasserbindender Eiweiß-Zucker-Verbindungen und Kollagenfasern. Wer weiter eine Creme mit reiner Vitamin-A-Säure nutzen möchte, trägt die am besten abends auf, wenn die Haut nicht der Sonne ausgesetzt ist.

"Ich habe mir meine Falten ehrlich verdient" – Meryl Streep, 66, Schauspielerin und Frauenrechtlerin

Vitamin C: dreifacher Schutz

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Vitamin C nicht nur unmittelbar vor freien Radikalen schützt: Es erhöht auch die Wirkung anderer Radikalfänger wie Vitamin E, indem es ihre „verbrauchten Bindungsstellen“ neutralisiert und wieder einsatzbereit macht. So wehrt Vitamin C (z. B. aus Granatapfelkernen oder Stachelbeeren) aggressive Moleküle doppelt ab, die z. B. durch Stress, Langstreckenflüge oder ungeschützte Sonnenbäder entstehen und u. a. kollagenabbauende Enzyme aktivieren. Gleichzeitig regt hoch dosiertes Vitamin C den Zellstoffwechsel und die Kollagenbildung an und stärkt das Bindegewebe. Auch Pigmentflecken lassen sich damit aufhellen – erwarten Sie aber keine Wunder: Erste Erfolge zeigen sich frühestens nach drei Monaten und nur, wenn die Partie in der Zeit ausnahmslos vor UV-Strahlen geschützt wurde. Denn Sonnenlicht regt die Melaninbildung erneut an.

Peptide: hochwirksam und sanft

Jetzt bestätigen immer mehr Studien, was Dermatologen 2002 auf ihrem Weltkongress in Paris erstmals vorgestellt haben: Peptide wirken genauso effektiv wie Vitamin A, sind aber für Menschen mit sehr empfindlicher Haut deutlich verträglicher. Entdeckt wurde die faltenglättende Wirkung der körpereigenen Eiweißbausteine übrigens zufällig – bei einer Studie zur Wundheilung des U.S. National Institute of Health. In den letzten Jahren stießen Wissenschaftler auf immer neue, bislang unterschiedlich gut erforschte Peptid-Unterkategorien. Am besten belegt ist die Wirkung der sogenannten Palmitoyl-Pentapeptide (pal-KTTS): Sie signalisieren den Zellen, dass sie den natürlichen Regenerationsprozess der Haut starten sollen und regen die Kollagen- sowie Elastinbildung an. Große Hoffnungen wecken die jüngst entdeckten Hexapeptide, die für Muskelkontraktionen zuständige Neurotransmitter hemmen und dadurch Mimikfältchen reduzieren.

"Unser perfektes Alter ist jetzt" – Helen Mirren, 70, Schauspielerin, engagiert in der Entwicklungshilfe

Vitamin B3: neue Vielfalt

Jüngste Studien bescheinigen dem Vitamin B3 (Niacinamid) eine bislang unbekannte Vielfalt an positiven Effekten auf die Haut: Es regt nicht nur die Kollagenproduktion der Zellen an, sondern hellt auch Pigmentflecken auf und verfeinert die Poren. Frauen mit unreinem Teint profitieren von dem Inhalts- stoff, da er gleichzeitig die Talgbildung reguliert und Entzündungen hemmt. Zudem ist bereits seit Längerem bekannt, dass Vitamin B3 die Hautbarriere stärkt, indem es die Bildung von Lipiden und Proteinen anregt. Allerdings kann dieses Vitamin bei sehr sensibler Haut zu einer vorübergehenden Rötung führen, weil es die kleinen Blutgefäße kurzzeitig erweitert. In diesem Fall empfehlen Experten Cremes, die sogenannte Vitamin-B3-Derivate einsetzen – das sind leicht abgewandelte, sanftere Inhaltsstoffe. Deren glättende Wirkung lässt sich insgesamt durchaus mit dem Anti-Aging-Klassiker Vitamin A vergleichen. Wichtig für diesen Erfolg ist jedoch, dass die Produkte eine recht hohe Konzentration von mindestens zwei Prozent enthalten.

Hyaluronsäure: Geht jetzt unter die Haut

Die bisher ausschließlich verwendeten langkettigen Moleküle der aufpolsternden Hyaluronsäure konnten nur die oberste Hautschicht erreichen. Neue Cremes enthalten darum auch kurzkettige Fragmente, die Feuchtigkeit bis in tiefe Hautschichten schleusen. Hyaluronsäure bindet nicht nur das Tausendfache ihres eigenen Gewichts an Wasser und glättet so feine Trockenheitsfältchen an der Oberfläche innerhalb weniger Stunden – sie regt auch die Bindegewebszellen an, selbst Hyaluronsäure zu bilden. Auch erfreulich: Hyaluronsäure für Cremes wird heute zum Glück nicht mehr – wie noch vor etwa zehn Jahren – aus Hahnenkämmen hergestellt, sondern aus rein pflanzlichen Extrakten wie etwa von Weizen. Ursprünglich ist der gelartige Wassermagnet eine unserer körpereigenen Anti-Aging-Waffen. Ab dem 25. Lebensjahr nimmt der Hyaluronsäuregehalt jedoch langsam ab, mit 40 Jahren wird nur noch die Hälfte, mit 60 lediglich ein Zehntel der ursprünglichen Menge produziert.

"Wenn man nicht darüber nachdenkt, wie alt man ist, altert man nicht“ – Yoko Ono, 83, Künstlerin und Friedenskämpferin

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