25. Oktober 2010
Bio-Make-up

Bio-Make-up

Kirschrote Lippen, kastanienbraune Lider – das geht auch ohne chemische Farbstoffe: In immer mehr Make-ups erzeugen neuerdings Früchte, Mineralien und Edelsteine den guten Ton. 

Natürlicher Look mit Naturkosmetik
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Natürlicher Look mit Naturkosmetik

Vulkanasche? Da denken die meisten eher noch an das Flugchaos nach dem Vulkanausbruch auf Island als an Wimperntusche. Doch jetzt steckt sie tatsächlich als Natur-Farbstoff in der neuen „Volcano XXL Mascara“ von Manhattan. Make-up mit Pigmenten, die aus Gestein, Obst oder Kräutern gewonnen werden, sind in, denn synthetische Farben haben ein ähnlich negatives Image wie chemische Duft- und Konservierungsstoffe. „Dabei besteht gerade bei Make-up nur ein geringes Allergierisiko, weil die Kosmetikverordnung in Bezug auf Farbstoffe, die auf der Haut verbleiben, sehr streng ist“, sagt Birgit Huber, Pressesprecherin des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel (IKW). „Probleme verursachen eher Farbstoffe, die in Haar-Colorationen eingesetzt werden dürfen.“

Natürliche Pigmente bieten aber einen Vorteil: Sie haben oft von Natur aus eine Funktion, die sich auch für die Haut nutzen lässt. Der Möhrenfarbstoff Karotin schützt zum Beispiel vor alt machenden freien Radikalen, das weiße Mineral Zink lindert Hautreizungen. Wir stellen Ihnen drei Make-up-Varianten mit Naturfarben vor – die Ihnen alle gefallen werden.

BIO-MAKE-UP: TRUE COLOURS

Neue Technik für neue Farbtöne So intensiv Mohnblumen oder Rapsfelder auch leuchten: Dekorative Bio-Kosmetik reichte lange Zeit nicht an die Farbenpracht der Natur heran. Nach viel detektivischer Tüftelei ist dieses Problem nun gelöst. „Das verdanken wir vor allem verbesserten Herstellungsverfahren“, erklärt Sabine Kästner, Pressesprecherin von Lavera. „Zum einen können wir die Farbpartikel jetzt in vielen unterschiedlichen Größen erzeugen und dadurch völlig neue Schattierungen kreieren. Zum anderen wurden auch die Grundrezepturen optimiert.“ Früher erschienen Lippenstiftfarben zum Beispiel oft nur deswegen so grau verschleiert, weil sich die Sheabutter abgesetzt hatte. Heute werden Lippenstifte maschinell abgeflammt, was sie versiegelt und die Farben intensiver strahlen lässt. Blütenbutter aus Malven, Lindenblüten und Rosen wirkt in Kombination mit Schellack wie eine Art Bio-Silikon – und schon haftet die Wimpern tusche länger. Auch in puncto Farbstoffe tut sich was im Naturkosmetikregal. Bislang wurden sie meist aus pulverisierten Kräutern, Tee oder Fruchtextrakten gewonnen. Für ein feuriges Rot verwendeten die Hersteller oft Karmin, das von Schildläusen stammt. Weil viele Frauen diesen Farbstoff ablehnen, kommen jetzt öfter vegane Alter - nativen wie etwa Rote-Bete-Saft zum Einsatz. Neu im Regal steht nun auch Öko-Mineral-Make-up.

PRODUKTE: z. B. „Eye Shadow Duo“ von Angana, ca. 11 Euro; „Crayon b. green Bio Lidstift“ von agnès b., ca. 10 Euro; „Double Black Mascara“ von Lavera mit Blütenbutter, ca. 11 Euro; „Bio-Mineral Make-up“ von Couleur Caramel ohne Talkum, 13 g ca. 25 Euro; „Compact Powder“ von Sante mit Talkum und Mineralien, ca. 12 Euro; „Lippenstift“ von Logona, ca. 12 Euro; „Couleur Lipgloss“ von Alva ohne Karmin, ca. 13 Euro

Mineral Make-up
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Transparenz ist wichtig! Das gilt für ein natürlich geschminktes Gesicht genauso wie für die Angabe der Inhaltsstoffe

Bitte nicht so verstaubt! Das wünschen sich viele nicht nur am Putztag, sondern auch von ihrem Make-up auf Mineralbasis. Da Foundations, Lidschatten und Rouge meist als loses Pulver angeboten werden, tragen Frauen es oft fälschlicherweise wie Puder auf – und sehen hinterher ganz mehlig aus. „Das liegt daran, dass Mineral-Make-up zu etwa 90 Prozent aus konzentrierten Mineralpigmenten besteht“, erklärt Miriam Holzkamp, Mitarbeiterin der wissenschaftlichen Direktion bei L’Oréal Paris. Das erfordert eine besondere Schminktechnik (siehe Tipps rechts). Bei klassischem Puder dagegen funktioniert dieses „einfach drüberpinseln“, weil es entgegen dem Augenschein eine leicht cremige Basis aus Talkum hat – das wirkt auf der Haut nicht so pulverig. Im Talkum stecken aber wesentlich weniger Farbpartikel, darum deckt klassischer Puder nicht so stark. Trotzdem hat Mineral-Make-up Vorteile, denn viele der darin eingesetzten Pigmente tun der Haut nebenbei etwas Gutes. Zinkoxid etwa mildert Hautreizungen, und Titandioxid, bekannt aus Sonnenmilch, wirkt als Lichtschutz. Gemahlene Edelsteine wie Rosenquarz oder Lapislazuli spenden der Haut Energie. Um die Anwendung zu erleichtern, haben sich viele Beautyhersteller zusätzliche Tricks einfallen lassen. L’Oréal Paris bietet zum Beispiel eine Mineral-Foundation an, die durch den Zusatz von speziellen Silikonverbindungen und Wachs auch ohne Talkum eine feste Konsistenz hat und die sich leicht mit einer kleinen Malerrolle auftragen lässt. Jane Iredale mischt in ein Aloe-vera-Gel mit Mineralien gefüllte Kügelchen, die erst beim Auftragen zerplatzen.

PRODUKTE: z. B. „Perfect Match Roll’on Make-up“ von L’Oréal Paris, ca. 16 Euro; „Liquid Minerals“ von Jane Iredale mit Aloe-vera-Gel, 30 ml ca. 65 Euro; „Marvelous Mineral Mascara“ von Kiehl’s, ca. 16 Euro; „Smooth Minerals Mineral Lippenstift“ von Avon, ca. 8 Euro; „Mineral Powder Foundation“ von Babor, ca. 20 Euro

FRUCHTPIGMENTE: NUR EIN DECKNAME?

Gummibärchen machen uns froh, Kosmetikhersteller ebenso! Damit die Gelatine-Figürchen ein gesünderes Image bekommen, ersetzen immer mehr Süßwarenfirmen künstliche Farbstoffe durch natürliche aus Spinatextrakt, Apfel- oder Karottensaft. Gute Idee, finden nicht wenige Beautyfirmen und übernehmen dieses Konzept, um den Kundinnen ihre Schminkprodukte schmackhaft zu machen. Allerdings wird mit den Zutaten manchmal ein wenig getrickst, indem die Fruchtpigmente durch Untermischen anderer Farbstoffe verstärkt werden. Macht aber nichts, denn meist handelt es sich bei den „blinden Passagieren“ um Mineralien, Edelsteine oder ähnlich verträgliche Varianten. „Wir verwenden neben Holundersaft und Süßkartoffelextrakt nur Farbstoffe, die auch für Nahrungsmittel zugelassen sind“, sagt Lisa Gaynor, Leiterin des Marken- Managements bei The Body Shop. „Dadurch können wir sagen, dass unsere Inhaltsstoffe Lebensmittelqualität haben.“

PRODUKTE: z. B. „Fruit d’Eclat Mineralpuder“ von Ella Baché mit Bio-Tomatenextrakt, Mineralien und Edelsteinen, 10 g ca. 35 Euro; „Cranberry Glow Lip & Cheek Tint“ von 100 % Pure mit rein natürlichen Pigmenten aus Kirschen, Cranberrys und Karotten, ca. 18 Euro; „Delipscious Sheer Lip Colour“ von The Body Shop mit Holunderextrakt und Lebensmittelfarbstoffen, ca. 11 Euro

Farbtherapie: Schummeln mit Schminke

Fürs Mogeln gab’s früher in der Schule eine Sechs. Wer aber Beautyproblemchen geschickt mit Mineral-Make-up vertuscht, bekommt fürs Aussehen eine Eins.

  • Verwenden Sie pudrige Mineral-Foundations äußerst sparsam. Für einen makellosen Teint reicht eine Messer spitze! Auf die Handfläche geben, mit kreisenden Bewegungen in den Pinsel einarbeiten. Pinsel umdrehen, ein paar Mal mit dem Griff auf Ihre Hand klopfen, dann übers Gesicht streichen. So gehen Unregelmäßigkeiten in Deckung, und der Teint wirkt trotzdem natürlich.
  • Wer zu Hautunreinheiten neigt, ärgert sich oft schwarz. Greifen Sie stattdessen lieber zu Grün, denn diese Farbe wirkt wie eine Tarnkappe für Pickel: Erst einen Hauch mattgrünen Lidschatten auf die gerötete Stelle geben, danach dünn Mineral-Make-up darüberstäuben.
  • Da Mineral-Make-up durch seinen hohen Gehalt an glimmernden Mineralpartikeln das Licht reflektiert, ist es ein Highlight gegen Augenschatten. Um der Ringe Herr zu werden, tragen Sie Ihr Mineral-Make-up unter den Augen mit einem feuchten Wattestäbchen auf, das erhöht die Deckkraft. Nach dem Trocknen den Rest des Gesichts grundieren.
  • Auf ähnliche Art können Sie Schlupflider kaschieren. Dafür das bewegliche Lid in einer helleren Farbe als die Haut oberhalb der Lidfalte – den Lidbogen – schminken. Bei Mineral-Make-up klappt das sogar mit einem einzigen Lidschattenton, wenn Sie das Lid trocken und die Partie unter den Brauen mit einem angefeuchteten Applikator bemalen. Sofort wirken Ihre Augen größer und Ihr Blick schön offen.

Bio-Make-up
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Wer dekorative Bio-Kosmetik verwendet, hat gut lachen: Nicht nur die Farbstoffe stammen aus der Natur, sondern auch die Basiszutaten wie Öle und Wachse

Make-up und Marmorkuchen haben neuerdings oft eins gemeinsam: Sie werden im Backofen zubereitet. Die hohen Temperaturen entziehen Rouge, Puder oder Lidschatten so viel Feuchtigkeit, dass man sie hinterher von Hand zusammenpressen kann. Auf Bindemittel, sonst hinzugefügt, damit nichts zerbröselt, können die Firmen durch das Backen verzichten – und Hautreizungen gucken in die Röhre. Hinzu kommt, dass die Farben ohne diese Füllstoffe oft besonders intensiv leuchten und sich das Make-up seidiger anfühlt als gewohnt.

PRODUKTE: z. B. „Mineral Baked Eyeshadow“ von Artdeco, ca. 9 Euro; „Coleur Baked Rouge“ von Alva, ca. 15 Euro; „Gebackener Lidschatten“ von Alverde, ca. 4 Euro; „Mineralize Skinfinish Puder“ von Mac, ca. 26 Euro

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