21. Oktober 2011
Beauty-Lügen

Beauty-Lügen

Zitrone hellt die Haare auf, Schlaf vor Mitternacht macht schön ... Vergessen Sie’s. Zusammen mit drei Experten entlarvt VITAL die größten Mythen rund um die Schönheit und verrät Ihnen, was wirklich stimmt.

Lippenpflege
© iStockphoto
Lippenpflege

Lipbalm macht süchtig
Quatsch. Lippenpflegestifte machen genauso wenig süchtig wie Cremes für die Haut. Wenn die Lippen trocken sind, brauchen sie diese Extrapflege.
Aber: Das ständige Nachfetten kann zur Gewohnheit werden. Am besten mal der Versuchung widerstehen und prüfen, ob die Lippen wirklich permanent einen Balm benötigen. Und ob sie wirklich trocken werden, wenn Sie mal einen Tag nicht nachfetten.

Zahnpasta hilft gegen Pickel
Zahnpasta hat zwar eine leicht austrocknende Wirkung, Fluoride & Co. haben aber auf der Haut nichts zu suchen und können sogar Reizungen auslösen.
Besser: Antibakterielle Spot-Gele. Sie enthalten oft Salicylsäure und beruhigende Substanzen, die die Haut leicht schälen und Rötungen und Entzündungen lindern.

Haarkuren reparieren
Spliss Kuren und Spitzenfluids kitten die ausgefransten Haarspitzen nur und lassen sie optisch gesünder wirken. „Letztlich besteht unser Haar aus aneinandergereihten toten Keratinzellen – und deren Struktur lässt sich durch Pflege nicht entscheidend verändern“, sagt Haarstylist Sascha Galow.
Besser: Alle acht bis zwölf Wochen beim Friseur mindestens einen Zentimeter opfern. So gewinnt das Haar an Länge, bleibt aber gleichzeitig gesund.

Nagellack trocknet schneller, wenn man ihn anpustet
Klappt leider nicht. Weder durch Pusten noch durch Händewedeln lässt sich die Trocknungsdauer der Lackschichten verkürzen.
BESSER: Ein bisschen Geduld haben. Staubtrocken sind die Nägel meist schon nach einer Viertelstunde. Bis aber zwei oder drei Schichten Farblack vollkommen durchgetrocknet und -gehärtet sind, vergeht mindestens eine Stunde. Kosmetikerin Judith Nathan: „Beschleunigen kann man das Ganze mit Schnelltrockner-Sprays oder -Tropfen. Sie lassen den Lack wirklich schneller aushärten.“

Nur Dicke kriegen Cellulite
Nein, die relativ labile Struktur des weiblichen Bindegewebes ist die Grundursache für Cellulite. Diese Struktur ist genetisch bedingt und trifft sowohl dünne als auch dicke Frauen.
Aber: Bei einigen Pfunden zu viel sind die Fettzellen praller gefüllt und können sich deutlicher durch die Haut durchdrücken – das typische Orangenhaut-Muster. Mit Abnehmen lässt sich zumindest das Aussehen der Haut ein wenig verbessern. Und: Viel Vitamin C hilft beim Aufbau von Kollagenfasern, die das Bindegewebe wieder etwas straffen.

Seife trocknet die Haut aus
Nicht unbedingt. Nur aggressive Tenside wie etwa Natrium-Laurylsulfat haben eine austrocknende Wirkung.
Besser: Seifenfreie Waschstücke (Syndets) verwenden, die auf den pH-Wert der Haut abgestimmt sind. Auch gut: Seifen mit rückfettendem Oliven- und Lorbeeröl oder milden Tensiden aus Zucker oder Kokos. Die eignen sich sogar für die zarte Gesichtshaut. Hautarzt Dr. Duve: „Menschen mit sehr trockener Haut oder Neurodermitis sollten auf Seifen aber besser verzichten.“

Sonne heilt Hautunreinheiten
Das scheint so, aber dank der zunehmenden Bräune der Haut fallen die rötlichen Pickelchen nur weniger auf. Durch UV-Strahlen verdickt sich die Hornschicht der Haut, und in Kombination mit einem fetthaltigen Sonnenschutzprodukt können sich die Unreinheiten sogar verstärken.
Besser: Fettfreie und sogenannte nicht- komedogene Sonnengele verwenden. Und gerade im Sommer regelmäßig ein sanftes Peeling machen, um verhornte Hautschüppchen zu lösen.

Dunkle Augenringe deuten auf eine Krankheit hin
Meist steckt hinter einem permanenten Pandabär-Look eine relativ dünne Haut, durch die die Blutgefäße oder die bläuliche Knochenhaut durchschimmern.
Aber: „Gehen die Augenringe jedoch mit einer permanenten Schwellung der Unterlider einher, sollte man das vom Arzt abklären lassen. Das kann nämlich auf Herzprobleme, eine Nierenschwäche oder eine Allergie hinweisen“, so Hautarzt Dr. Duve.

Haare wachsen schneller, wenn man sie regelmäßig schneidet
Schön wär’s, aber das Wachstum lässt sich durch häufiges Schneiden nicht beeinflussen. Genetisch bedingt wachsen die Haare – so oder so – rund 1,2 bis 1,5 cm pro Monat.
Besser: Die Haare gut pflegen, damit wenig Spliss entsteht. „Das regelmäßige Schneiden bewirkt allerdings, dass die Haare auf einer Linie enden und nicht dünn und abgefressen aussehen. Denn das Haar wächst nicht überall gleich schnell, sondern unterschiedlich je nach Wachstumsphase des einzelnen Haars“, so Haarstylist Sascha Galow.

Vorbräunen im Solarium schützt vor Sonnenbrand
„Leider nicht, denn im Solarium kann die Haut keine schützende Lichtschwiele (Verdickung der Hornschicht) wie in der echten Sonne auf- bauen. Die Bräune ist also äußerst trügerisch“, sagt Hautarzt Dr. Duve.
Besser: Sonnenschutzkapseln mit Anti-Oxidantien schlucken, die in der Haut einen Schutzwall gegen Attacken der Freien Radikale aufbauen. Das ersetzt aber keine Sonnencreme. Dr. Duve: „Noch gesünder gerade für die empfindliche Haut ist es natürlich, im Schatten zu bleiben und einen Sunblocker mit einem Lichtschutzfaktor von 50+ zu benutzen.“

Zitronensaft hellt die Haare auf
Finger weg, „die Säure im Zitronensaft bedeutet sogar eine Strapaze fürs Haar, kann es trocken und brüchig machen“, warnt Haarstylist Sascha Galow.
Besser: Ein Gemisch aus 1 Teil Honig und 5 Teilen Wasser hellt das Haar ganz natürlich und sehr schonend auf. Die Mischung in einer Sprühflasche ansetzen und eine Stunde stehen lassen. In dieser Zeit entwickelt sich ein kleines bisschen bleichendes Wasserstoffperoxid. Den Mix ins Haar sprühen, nach 60 Minuten gründlich ausspülen. Außer dem helleren Ton bekommt das Haar auch einen tollen Glanz.

Rasierte Haare an den Beinen wachsen schneller nach
Das Rasieren hat keinerlei Einfluss auf das Wachstum der Haare. Allerdings wirken die nachwachsenden Stoppeln durch ihre stumpfe Spitze härter, dadurch spürt man sie deutlicher als längere, weichere Haare.
Aber: Wer epiliert oder wachst, hat länger Ruhe vor lästigem Nachwuchs, weil das Haar mit der Wurzel ausgerissen wird. Und auf Dauer wachsen die Haare bei diesen Methoden sogar spärlicher nach.

Mit Naturkosmetik treten keine Allergien auf
Leider reizen auch viele Naturstoffe heftig die Haut. Hautarzt Dr. Duve: „Die meisten Allergien verursachen Arnika, Kamille, Schafgarbe, Propolis, Wollwachs und ätherische Öle aus Zimt, Nelke, Zitrone, Bergamotte, Thymian und Rosmarin.“
Besser: Bei ohnehin sensibler Haut duftstofffreie Bio-Kosmetik verwen- den, ohne ätherische Öle und mit möglichst wenig Inhaltsstoffen (bieten viele Firmen an).

Flecken auf den Nägeln bedeuten immer, man ist krank
In den meisten Fällen handelt es sich bei den weißen Flecken um Mikroverletzungen des Nagels durchs Feilen oder Schneiden – und die sind harmlos.
Aber: Wenn sich Nägel gelblich verfärben und brüchig wirken, steckt evtl. ein hartnäckiger Nagelpilz dahinter. Dagegen kann der Hautarzt Speziallacke verschreiben. Bei dunklen Flecken sollte man unbedingt einen Dermatologen zu Rate ziehen, weil schwarzer Hautkrebs auch unter der Nagelplatte vorkommt.

100 Bürstenstriche täglich lassen das Haar glänzen
Dieser Tipp stammt noch aus Zeiten, in denen man sich sehr selten das Haar wusch. Damals musste der Talg von der Kopfhaut im gesamten Haar verteilt werden, weil sonst eine Ölkrise drohte.
Besser: Dem Haar morgens und abends einige wenige Bürstenstriche gönnen – und zwar mit einer Bürste mit Naturborsten (am besten vom Wildschwein). Das regt die Durchblutung der Kopfhaut an, und das Fett vom Ansatz nährt gleichzeitig die meist trockeneren Spitzen.

Tägliches peelen macht die Haut zarter
Bloß nicht, tägliche Abreibungen sind einfach des Guten zu viel. Die Haut verliert ihren wichtigsten Schutz, weil die Barriereschicht angegriffen wird. „Ein Großteil der losen Hornschüppchen wird sowieso schon bei der üblichen täglichen Gesichtsreinigung entfernt“, erklärt Hautarzt Dr. Duve.
Besser: Es reicht völlig aus, einmal pro Woche zu peelen. Besonders schonend und ideal für sensible Haut oder bei Neigung zu Couperose sind Enzym-Peelings, die den Teint nicht mit Rubbelkörnchen klären (und ihn dabei mechanisch reizen), sondern biochemisch.

Schönheitsschlaf vor Mitternacht ist der effektivste
Wichtig ist nicht die Uhrzeit, sondern ausreichend ungestörter Schlaf. Visagistin Judith Nathan: „In der Nacht startet der Körper sein Regenerationsprogramm: Zellen werden repariert, Bindegewebsfasern gebildet, Hornschüppchen abgestoßen. Wer diese Zeit ständig stark beschränkt, sieht irgendwann alt aus.“
Aber: Studien haben gezeigt, dass der Körper Regelmäßigkeit besonders mag. Geht man täglich etwa zur gleichen Zeit ins Bett, wacht man erholter auf und fühlt sich tagsüber fitter.


Hämorrhoidensalbe hilft gegen Augenfalten
Auf diesen „Geheimtipp“ setzen seit Generationen Hollywoodstars – auch Jennifer Aniston. Hämorrhoidensalben enthalten zwar Stoffe, die die Haut zusammenziehen, aber leider auch Öle und Lokalanästhetika. Hautarzt Dr. Duve: „Diese Kombi kann buchstäblich ins Auge gehen, zu Reizungen, Allergien und Störungen des Tränenfilms führen.“
Besser: Eine reichhaltige Augenpflege mit Hyaluronsäure oder Peptiden verwenden. Die polstert kleine Fältchen von innen auf und ist so konzipiert, dass sie nicht ins Auge kriechen und Probleme bereiten kann.

Parfum gehört hinters Ohrläppchen
Nein, fettreiche Stellen wie die Zone hinter dem Ohrläppchen sind kein guter Platz für Düfte, weil das Hautfett und das Parfum dort manchmal seltsame Duft-Mixturen eingehen.
Besser: Das Parfum in die Luft sprühen, sich unter die Wolke stellen. So bekommen die Haare viel ab, und die sind ein toller Duftträger.

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