24. Mai 2012
Anti-Aging durch Sonnenschutz

Anti-Aging durch Sonnenschutz

Klar, mit einem zarten Cappuccino-Teint sehen wir gleich viel erholter aus. Aber bitte ohne Fältchen und Altersflecken. Doch wie schützen wir unsere Haut – in der Stadt, beim Sport oder am Meer? Zusammen mit Dermatologen beantwortet VITAL die brennendsten Fragen zum Thema Sonne und Anti-Aging.

Typischer Bürotag in Frankfurt, 21 Grad, Himmel leicht bewölkt

Reicht für die Mittagspause draußen beim Italiener eine Tagescreme mit Lichtschutz?
Für helle Hauttypen mit winterblasser Haut nicht. „Wenn die Haut noch nicht an Sonne gewöhnt ist, kann man sich sogar in der Mittagspause trotz Lichtschutzfaktor 15 einen Sonnenbrand holen“, sagt Dr. Patricia Ogilvie, Dermatologin in München. Besser morgens nach der Tagespflege Sonnencreme mit mindestens LSF 25 auftragen.

Um nicht so blass zu sein, möchte ich einmal pro Woche ins Solarium. Schadet das?
Einen Sonnenbrand bekommen Sie vermutlich nicht. Aber schlecht für die Haut ist es trotzdem. „Durch die UV-A-Power der modernen Geräte kann man sich Falten und Pigmentflecken in späteren Jahren heranzüchten“, warnt Dr. Ogilvie. RAuf mein Bürofenster scheint direkt die Sonne.

Muss ich mich hier auch schützen?
Die kurzwelligen UV-B-Strahlen können das Fensterglas nicht durchdringen, wohl aber die langwelligen UV-A-Strahlen, die die vorzeitige Hautalterung verursachen. Bei direkter Sonne möglichst die Jalousien runterlassen oder Tagespflege bzw. Make-up mit Lichtschutz auftragen. Gut zu wissen: Wer im Sommer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, sollte auch seine Hände mit Sonnencreme oder Radhandschuhen schützen. Auf dem Handrücken treffen die UV-Strahlen nahezu senkrecht auf – Pigmentfleckengefahr!

Joggen auf Sylt, 24 Grad, Sonne und Wolken im Wechsel

Ist ein Lichtschutz von 30 an der Nordsee nicht ein wenig übertrieben?
Unterschätzen Sie die Strahlung am Meer nicht. „Durch die Reflexion des Wassers und des hellen Sandes wird sie noch verstärkt. Schutzfaktor 30 und höher ist nicht zu viel. Braun werden Sie trotzdem – nur langsamer und gesünder“, sagt Hautarzt Dr. Stefan Duve aus München.

Wie vermeide ich Blinzelfältchen um die Augen, wenn die Sonne stark blendet?

Kürzel rund um die Sonne – das Mini-Lexikon

UV B Kurzwellige Strahlen. Sie können Sonnenbrand auslösen

UV A Langwellige Strahlen. Sie führen zu frühen Fältchen

UV-Filter Sie schützen vor Sonnenschäden. Der UV-A-Schutz sollte mindestens ein Drittel des UV-B-Lichtschutzfaktors betragen

UVA Wenn Sie auf der Tube/der Verpackung Ihres Sonnen schutzes dieses Symbol sehen, erfüllt das Produkt die wichtigste Schutz bedingung (siehe Stichwort UV-Filter)


Mit einer guten Sonnenbrille (mit 100 Prozent UV-Schutz) und einer speziellen Augen-Sonnencreme. Sie hat einen hohen Lichtschutzfaktor (meist 30) und ist so konzipiert, dass die enthaltenen Öle nicht wie bei anderen Sonnenprodukten in die Augen kriechen und den Tränenfilm durcheinanderbringen.

Schützt die Sonnencreme auch dann sicher, wenn ich beim Laufen stark schwitze?
Tragen Sie vorm Sport lieber ein wasserund schweißfestes Produkt mit wenig Fett auf, z. B. Gele oder Sprays. Gut zu wissen: Früher brauchten chemische Lichtschutzfilter nach dem Auftragen rund eine halbe Stunde Zeit, bevor sie voll wirkten. Heute schützen moderne Breitbandfilter wie Mexoplex oder Mexoryl sofort. Genau wie mineralische Filter. Wichtig: oft nachcremen.

Stadtbummel in Venedig, 30 Grad, Sonne mit Wolken

Ich benutze immer ein Make-up mit Lichtschutzfaktor 15. Genügt das für den Hochsommer in der Stadt?
„Ein Make-up mit Lichtschutzfaktor 15 hat meist nur einen geringen UV-ASchutz von 5. Das reicht nicht als wirksamer Schutz vor Hautalterung“, so Dr. Marina Scheler, Dermatologin an der Jungbrunnen-Klinik in Bonn. Besser: unter dem Make-up noch ein Sonnenschutzprodukt auftragen. Oder gleich eine getönte Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 25 oder höher verwenden.

Schützt ein Lippenstift vor Sonnenstrahlen?
Stecken z. B. Sheabutter oder Vitamin E mit drin, schützt das mit einem LSF von etwa 4 minimal. Lieber unter der Lippenfarbe einen Pflegestift mit höherem Schutzfaktor auftragen.

Darf ich mein Lieblingsparfum in der Sonne tragen?
Sicherheitshalber lieber nicht direkt auf der Haut. „Bestimmte Inhaltsstoffe wie Bergamotte, aber auch Coumarin oder Vanillin können zu Hyperpigmentierungen der Haut führen“, warnt Dr. Ogilvie. Den Duft besser aufs Haar sprühen. Gut zu wissen: Vorsicht mit Cremes und Peelings, die Retinol oder Fruchtsäuren enthalten. Sie können die Haut manchmal sonnenempfindlicher machen. Am besten abends verwenden oder eine Sonnencreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 40 drübergeben.

Sonnenbrand?

Hat es Sie doch erwischt? Dann helfen unsere SOS-Tipps bestimmt, damit Sie ihn wieder loswerden! >>

Ausflug bei Sonnenschein

Inseltour auf Mallorca, 31 Grad, strahlender Sonnenschein

Mit einem T-Shirt bin ich doch vor der Sonne geschützt?
Leider nicht, denn ein weißes Standard-Baumwoll-T-Shirt bietet nur einen Sonnenschutz, der etwa einem Lichtschutzfaktor 3 entspricht. Besser schützen dunkle oder farbige Textilien und dichter gewebte Stoffe wie Leinen. Tragen Sie aber sicherheitshalber auch darunter Sonnenschutz auf – z. B. fettfreie transparente Sprays, die nicht kleben.

Klimaanlage an, Fenster zu. Dringen Sonnenstrahlen auch durch die Autoscheiben?
Das kommt darauf an. Die Windschutzscheibe besteht in der Regel aus zwei Glasscheiben, zwischen die eine UV-absorbierende Folie geklebt wurde. Da dringt so gut wie keine Strahlung durch. Anders bei den Seitenfenstern aus Einfachglas: Sie lassen rund 50 Prozent der UV-A-Strahlen und etwas UV B durch.

Morgens dick eincremen – reicht das für den ganzen Tag?
Leider nicht! Denn z. B. der Abrieb durch Sand oder Textilien macht den Schutzfilm löchrig. „Die volle Wirksamkeit eines Sonnenschutzproduktes bleibt nur erhalten, wenn man etwa alle zwei Stunden nachcremt. In der direkten Sonne am Strand sogar besser jede Stunde“, rät Dr. Duve. Gut zu wissen: Entgegen der allgemeinen Annahme verlängert sich durch das Nachcremen keineswegs die Schutzzeit.

Faulenzen am Stand auf den Seychellen, 35 Grad, flirrenden Hitze

Alle hier sind schön braun, nur ich nicht. Schützt ein Selbstbräuner eigentlich vor UV-Strahlen?
Inzwischen gibt es tatsächlich Selbstbräuner mit Lichtschutzfilter, z. B. Faktor 15. Das ist in tropischen Gefilden aber eindeutig zu wenig. Darum: Selbstbräuner abends auftragen und morgens mit hohem Lichtschutzfilter eincremen.

Trotz UV-Schutz ist meine Haut abends gerötet. Was hilft da am besten?
Eher als normale Bodymilk eine After-Sun-Lotion, denn sie enthält hautberuhigende Wirkstoffe wie Aloe vera, Calendula oder Bisabolol. „Bei stärkerer Rötung empfehle ich die Kombination von ein bis zwei Aspirin-Tabletten mit einer Hydrokortison-Lotion, um die Entzündung zu lindern“, sagt Dr. Stefan Duve.

Meine empfindliche Haut verträgt Sonnenprodukte nur schlecht. Was jetzt?
Versuchen Sie es mal mit rein mineralischen UV-Filtern, die zum Glück nicht mehr alle den unschönen „Weißel- Effekt“ auf der Haut auslösen. „Wenn Sie an einer sogenannten polymorphen Lichtdermatose leiden, hilft oft auch eine medizinische Vorbestrahlung der Haut beim Dermatologen“, so Dr. Ogilvie. Gut zu wissen: Mit Sonnencreme besser klotzen statt kleckern. Von Kopf bis Fuß brauchen Sie rund 50 ml. Nimmt man deutlich weniger, fällt auch der angegebene LSF viel geringer aus.

Interview: Sonnenschutz-Expertin Dr. Marina Scheler

3 Fragen an Dr. Marina Scheler, Dermatologin und Oberärztin an der Jungbrunnen-Klinik in Bonn

VITAL: UV-A- und UV-B-Strahlen schaden der Haut. Aber machen auch die wärmenden Infrarotstrahlen im Sonnenlicht die Haut alt?
Dr. Scheler: Besonders Infrarot-A-Strahlung kann tiefer als UVA in die Haut eindringen und fördert somit entscheidend die Hautalterung. Unter IR-A-Einfluss bildet der Körper verstärkt freie Radikale und setzt mehr Matrixmetallo proteinase-1 frei – die baut die Kollagenfasern im Bindegewebe ab. Das führt zu Falten und Elastizitätsverlust. Zum Schutz vor Infrarotstrahlen im Bezug auf Hautalterung helfen z. B. Sonnenprodukte mit Antioxidanzien wie Vitamin E.

Wird es demnächst neue Formen des Sonnenschutzes – etwa von innen – geben?
Schon heute bekommen Sie Kapseln zum Schlucken, die ein zusätzlicher Schutz zur Sonnencreme sind. Eine australische Firma hat ein Peptidhormon namens Melanotan-1 entwickelt, das injiziert wird. Es stimuliert die Melaninbildung, fördert so die Bräune und schützt vor Strahlung. In Italien ist der Wirkstoff als Medikament zur Hautkrebs-Prophylaxe zugelassen. Solche Entwicklungen werden aber nicht so bald den externen Lichtschutz ersetzen.

Würden wir jünger aussehen, wenn wir uns komplett vor Sonne schützen könnten?
Ja! Die Haut altert zwar auch genetisch bedingt, aber die Zeichen der Lichtalterung wie Falten, Pigmentflecken oder erweiterte Äderchen würden in viel geringerem Ausmaß auftreten.

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