3. Februar 2010
Alte Parfüm-Lieblinge

Alte Parfüm-Lieblinge

Manche Parfüms vergisst man einfach nie – auch wenn sie längst nicht mehr im Handel sind. Kein Grund, zu verzweifeln! Hier kriegen Sie Ihren „duften Ex“ zurück.

© jalag-syndication.de

Auf den Küchenfliesen klebten orange-blaue „Pril“-Blumen, auf dem Plattenteller drehte sich „Xanadu“ von ELO mit Olivia Newton-John, und zur Konfirmation bekam ich mein erstes, heiß ersehntes Parfüm: „My Melody“ von Mühlhens. Noch heute habe ich den Mix aus Hyazinthe und Moschus in der Nase und archiviere ihn wie ein „Geruchsfoto“ aus dem Jahr 1982 im Album meiner Erinnerung. Doch obwohl er damals der Duft einer ganzen Teenie Generation war, verschwand „My Melody“ bereits nach kurzer Zeit für immer aus den Regalen.

Was entscheidet, ob ein Duft bleibt oder geht?

Statistisch gesehen haben deutsche Frauen durchschnittlich vier bis fünf verschiedene Parfüms im Bad stehen. Vielen geht aber es ähnlich wie mir: Meist gibt es einen ganz bestimmten Duft, an dem wir besonders hängen. Wird dieser Favorit dann aus dem Handel genommen, ist es für uns Fans fast eine kleine Katastrophe. Und das passiert relativ häufig: Von den rund 400 Düften, die in Europa jährlich auf den Markt kommen, überlebt weniger als die Hälfte die ersten drei Jahre. Woran es liegt, dass sich einige Parfüms wie „Chanel No 5“ seit Jahrzehnten halten, während andere nach kurzer Zeit wieder weg vom Fenster sind?

Egon Oelkers, Senior-Parfümeur beim Duft-Hersteller Symrise: „Das ist ein Geheimnis, das nur schwer zu entschlüsseln ist. Aber es fällt auf, dass die meisten Düfte, die zum Klassiker wurden, bei ihrer Lancierung etwas ganz Revolutionäres, Überraschendes hatten und schon dadurch aus der Masse hervorstachen.“ „Chanel No 5“ z. B. war das erste Parfüm mit synthetischer Aldehyd-Note. Ein Faktor, der dagegen zur Kurzlebigkeit eines Duftes beiträgt, ist sein Mitschwimmen auf der aktuellen Modewelle. Dadurch ist er zwar kurzfristig sehr erfolgreich, denn 70 Prozent der deutschen Frauen erwarten von ihrem Duft vor allem, dass er ihr Lebensgefühl widerspiegeln soll. Aber genau das ändert sich nun mal mit dem Zeitgeist – und ruck, zuck erlischt auch unser Interesse am damit verbundenen Duft.

Wie im Fall von „My Melody“, das durch seine intensive Moschusnote exakt den Nerv der 80er Jahre traf. Doch Moschus ist heute genauso „out“ wie Schulterpolster und Netz-Shirts. Beides würden wir jetzt nicht mehr tragen, obwohl wir es damals toll fanden. Sehnsucht haben wir eher nach der Stimmung und den Erinnerungen an diese Zeit – und dabei wirkt ein Duft oft wie ein Taxi in die Vergangenheit. Denn mit jedem Schnuppern daran werden 5 Millionen Riechzellen stimuliert, die über das Gehirn alte Gefühle wachrufen und uns so zurückkatapultieren. Fragt sich nur: Wie findet man seinen Duft wieder, wenn er nicht mehr zu kaufen ist?

Duftdetektive & Beauty-Friedhof

Beauftragen Sie eine Duftdetektivin!

Den größten Fahndungserfolg haben Sie wahrscheinlich mit Annette Lueer. Die Düsseldorferin ist Deutschlands einzige „Duftdetektivin“ und ständig auf der Jagd nach angeblich unauffindbaren Parfüms. Mit großer Tref- ferquote! „Oft entdecke ich den gesuchten Duft schon in meinem privaten Bestand“, sagt Annette Lueer. „Aber selbst knifflige Herzenswünsche kann ich durch meine weltweiten Kontakte zu Händlern und Sammlern meistens erfüllen. So gelang es mir z. B., zum 90. Geburtstag einer Liebhaberin von ,IA-33‘ dieses Parfüm von Schwarzlose aus den 40ern aufstöbern.“ Zu den Düften, die am häufigsten von ihr aufgespürt werden sollen, gehören übrigens „Venezia“ von Laura Biagiotti, „Feu d’Issey“ von Issey Miyake, „Woman Two“ von Jil Sander und „Nuit d’Été“ von Joop. Besonders Letzterer ist heute nur noch schwer zu finden, da er bloß kurz im Handel war. Wer Annette Lueer auf die Suche schickt, muss dafür den Kaufpreis plus 20 Prozent Provision bezahlen.

Ein Fang aus dem Netz

Wenn Sie’s lieber auf eigene Faust versuchen möchten, werden Sie mit etwas Glück auch beim Internetportal ebay fündig. Allerdings ist hier das Risiko, an ein Imitat zu geraten oder im Rausch des Bietens mehr als geplant auszugeben, relativ hoch. Für den Drogerieduft „Moschus Wild Love“ von Aok Nerval, der Anfang der 90er Jahre hergestellt wurde, blätterte ein Liebhaber kürzlich 80 Euro hin – das etwa Zehnfache des ursprünglichen Werts. Noch ein heißer Internet-Tipp: www.beautyboard.de, wo Sie in einer Tauschbörse nach Ihrem Duft suchen oder ihn unter der Rubrik „Beauty- Friedhof“ gemeinsam mit anderen Fans betrauern können. Manchmal bieten Mitglieder auch an, Düfte aus dem Ausland mitzubringen, wenn sie dort noch erhältlich sind.

Duft-Anekdoten

Auch die Optik zählt

Über eins müssen Sie sich aber im Klaren sein: Je älter das gesuchte Parfüm ist, desto größer ist auch die Gefahr, dass es selbst in ungeöffnetem Zustand seinen ursprünglichen Duft verändert hat. Das muss der Begeisterung aber keinen Abbruch tun. Duftdetektivin Annette Lueer: „Ich erinnere mich an einen Fall, als ein Sohn seinen Eltern zum Hochzeitstag den Duft ,Soir de Paris’ von Bourjois schenken wollte, mit dem der Vater um die Hand der Mutter angehalten hatte. Ich trieb tatsächlich ein Fläschchen auf, das allerdings nicht mehr frisch war. Das machte aber nichts, denn die Mutter gestand, den Duft an sich nie gemocht zu haben – bloß den Flakon! So wurde das Geschenk doch noch der Volltreffer des Tages.“

Beharrlichkeit siegt!

Manchmal lohnt es sich auch, beim Hersteller selbst „Vermisstenanzeige“ zu erstatten. Wie im Fall des Parfüms „Climat“ von Lancôme, das 1967 auf den Markt kam und wegen seiner frühlingshaften Narzissennote sehr beliebt war. „Viele Kundinnen denken, dass es ,Climat‘ schon lange nicht mehr zu kaufen gibt – dabei wurde die Produktion nie ganz eingestellt“, sagt Felizia Stroh, Pressereferentin bei Lancôme. „,Climat’ wird jedoch nur in ausgewählten Parfümerien angeboten und ist deshalb immer schnell vergriffen. Wegen der großen Nachfrage wird dieser Duft ab Juli aber wieder in kleinem Rahmen erhältlich sein.“

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