Entspannen Phänomen: Genießen

Bleiben Sie liegen! Manchmal ist es einfach zu warm, um viel zu unternehmen. In einem Bötchen von links nach rechts zu schaukeln genügt vollkommen. Dieses Abhängen ist keine verlorene Zeit, im Gegenteil: Beim Nichts-Tun erholt sich nicht nur der Körper, auch der Geist regeneriert sich.

Frau in der Hängematte

Die Psychologen Fred Bryant und Joseph Veroff haben in ihrem Buch „Savoring – A New Model of Positive Experience“ (leider nur auf Englisch) das Phänomen des Genießens untersucht. Sie fanden heraus: Menschen, die gern auf das Gestern zurückblicken, gehen am besten mit Stress um. Menschen, die das Hier und Jetzt leben, leiden weniger an Depressionen, Stress und Schuldgefühlen. Menschen, die in Vorfreude schwelgen oder sich eine positive Zukunft ausmalen, neigen eher zu Optimismus und zu starken positiven Emotionen.

 „Muße ist das Kunststück, sich selbst ein angenehmer Gesellschafter zu sein“ (Karl Heinrich Waggerl, österreichischer Schriftsteller)

Lektion Nummer vier: Müde vom Lesen? Dann recken und strecken Sie sich, gähnen Sie nach Herzenslust – denn Gähnen wird zu Unrecht als unhöflich angesehen. Dabei werden komplette Muskelgruppen von innen her gedehnt – eine körperliche Wohltat. Jedes Gähnen beginnt als kleiner Tiefdruckwirbel im Kopf. Dann breitet es sich in einer spiral förmigen Bewegung im Körper aus. Der Rachen, die Kehle, Nasenlöcher und Bronchien werden geweitet, Augenbrauen und Schultern heben sich, das Zwerchfell senkt sich, sodass sich die Lunge ausdehnen kann. Gähnen beschleunigt den Herzschlag und steigert so die Blutzufuhr zum Gehirn. All das passiert in weniger als sechs Sekunden. Wer ausgiebig gegähnt hat, fühlt sich locker und geschmeidig, wie nach ein paar Yoga-Übungen.

 „Wir leben in einer Zeit, die zu viel arbeitet und zu wenig erzogen ist, in einer Zeit, wo die Leute vor Fleiß blödsinnig werden“ (Oscar Wilde, irischer Schriftsteller)

Für Lektion fünf lassen Sie dieses Heft sanft aus Ihren Händen gleiten. Um es sich im August gut gehen zu lassen, ist die Siesta ein Muss. Die Hitze scheint uns förmlich in die Waagerechte zu drücken. Die Schlafforschung zeigt, dass während eines Nickerchens komplexe physiologische Prozesse ablaufen. Was von außen wie Trägheit wirkt, ist tatsächlich ein aktiver innerer Zustand mit viel Neuronen-Gefunke im Gehirn. Stress-Resistenz, Aufmerksamkeit und Urteilsvermögen steigen nach einer Siesta deutlich an. Betrachtet man die Statistik der Verkehrsunfälle und Arbeitsunfälle, die sich in der Mittagszeit häufen, möchte man die Pflicht zum Tagesschlaf gesetzlich verankern lassen. Gesund ist er auch: Forscher der medizinischen Hochschule Athen wiesen in einer Studie nach, dass eine halbe Stunde Mittagsschlaf das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 37 Prozent senkt. Grund genug, die träge Mittagszeit zu verdösen und ab dem späten Nachmittag wieder aktiv zu werden. Dann bringen Arbeiten und Kreativ-Sein Spaß. Man schafft auch mehr. Gut so, denn nur als Gegensatz von Spannung kann man Entspannung erfahren. Wer jede Herausforderung aus seinem Leben verbannt, wird passiv und rutscht leicht in eine Depression. Umgekehrt werden als stressig empfundene Aktivitäten nur durch Entspannung zu Herausforderungen. Besteht der Tag aber nur aus Anforderungen, droht ein Burn-out.

 „Die Seele nährt sich von dem, an dem sie sich erfreut“ (Aurelius Augustinus, römischer Philosoph)

Lektion sechs besagt, dass es mal wieder um die Balance geht. Stress ist nicht grundsätzlich schlecht, nur zu viel schadet und lähmt. Nach einer Pause kommen uns oft die besten Gedanken. Und Kreativität brauchen Sie, um das schlechte Gewissen zu besiegen, wenn Sie sich jetzt Tag für Tag Ihrer Hängematte hingeben.

Oder noch besser: Sie lernen Lektion Nummer sieben. Dann machen Sie das schlechte Gewissen zu Ihrem Verbündeten. Genießen Sie das Flair des Verbotenen. Denn eines ist sicher: Der geschäftige September kommt bestimmt.