Wissenswertes und Tipps Urlaub während Corona: Das sollten Sie jetzt wissen

Die Mitte März ausgesprochene weltweite Reisewarnung wurde in Deutschland zum 15. Juni für viele Länder zurückgenommen und durch Reisehinweise ersetzt. Der Sommerurlaub ist also zumindest innerhalb der EU möglich. Doch wie hoch ist die Ansteckungsgefahr in Bahn, Flugzeug und Hotels wirklich? Und was müssen Reisende noch beachten?

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Urlaub während Corona: Das sollten Reisende jetzt wissen

Seit dem 15. Juni wurde die Reisewarnung für Mitgliedstaaten der EU, Großbritannien, die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein durch Reisehinweise ersetzt. Die Voraussetzung dafür bleibt ein stabiles oder sinkendes Infektionsgeschehen sowie keine Einreiseverbote der Zielländer und keine dortigen Ausgangssperren.
Einem Sommerurlaub ins Ausland steht also nichts mehr im Weg – oder doch? Was Reisende jetzt über Infektionsrisiken und Riesehygiene wissen sollten.

Infektionsrisiko im Urlaub

Generell gelten in Europa dieselben Regeln wie in Deutschland. Da die Neuinfektionszahlen auch in den benachbarten Ländern weiterhin sinken, ist es nach aktuellem Stand unproblematisch in den genannten Ländern Urlaub zu machen. Lungenfacharzt und Kardiologe Doc Esser erklärt im WDR Podcast „Coronavirus – Doc Esser klärt auf“: „Aus medizinischer Sicht kann man innerhalb von Europa momentan überall bedenkenlos hinfahren.“

Ansteckungsgefahr in der Ferienanlange

Die Angst, sich über Oberflächen in einer Ferienwohnung oder einem Hotelzimmer durch einen eventuell infizierten Vorgast mit Covid-19 zu anzustecken, gehe laut Doc Esser gegen Null. „Das Übertragungsrisiko ist sehr gering, wenn die normalen Hygienebedingungen eingehalten werden.“ Sich über eine Schmierinfektion anzustecken ist prinzipiell sehr unwahrscheinlich. Noch immer gibt es keinen Nachweis, dass man sich über Gegenstände infizieren kann. Das Coronavirus ist laut Doc Esser zwar 6 bis 8 Tage nachweisbar, „momentan wird aber davon ausgegangen, dass es bereits nach wenigen Stunden nicht mehr infektiös ist“.

Wie sieht es mit dem Baden im Pool oder Meer aus? Hier gilt: Alles, was draußen ist, ist eher ungefährlich. Hier kommt es nämlich immer sofort zu einer Verdünnung des Virus. Das Wasser an sich ist sogar „momentan einer der sichersten Orte“. Denn: „Das Virus wird im Wasser sofort still, verdünnt und kann sich nicht mehr replizieren“, so Doc Esser.

Bahn, Flugzeug oder Auto? Die An- und Abreise während Corona

Was ist das sicherste Verkehrsmittel, um während Corona zu verreisen? Während man im Auto unter sich bleibt, muss man das Bahnabteil und das Flugzeug mit vielen fremden Menschen teilen.
Wer mit dem Auto reist, sollte allerdings ganz sicher sein, dass die Mitfahrer Corona-frei sind. Denn in diesem kleinen, geschlossenen Raum ist eine Ansteckung im Fall der Fälle wahrscheinlich.

Besser ausgerüstet: Das Flugzeug und die Bahn. Laut Doc Esser haben professionelle Klimaanlagen einen guten Effekt auf die Luftqualität. Bei einer Klimaanlage mit Frischluftzufuhr wird die Raumluft gleichmäßig verdünnt, sodass eventuelle Aerosole und Tröpfchen so verteilt werden, dass die Viruslast so gut wie ungefährlich wird. Zudem gibt es meist einen Abzug, der die alte Luft rauszieht. Wer also auf ausreichend Abstand achtet und die Hygienemaßnahmen einhält, muss sich im Flugzeug und in der Bahn wenig Sorgen um eine Ansteckung machen.

Dazu kommt: In Deutschland gibt es momentan etwa 8.000 akut Infizierte, auf insgesamt circa 80 Millionen Deutsche. Das sind sehr wenig Menschen – die Wahrscheinlichkeit, auf einen Covid-19-Infizierten zu treffen, ist also grundlegend eher gering.

Verreisen für Risikopatienten gefährlich

Menschen, die aufgrund ihres Alters oder Vorerkrankungen zur Risikopatientengruppe zählen, sollten sich laut Doc Esser generell sehr vorsichtig verhalten. Von einem Urlaub ins Ausland rät er hier eher ab: „Auch wenn die Neuinfektionszahlen niedrig sind, besteht immer die Möglichkeit einer Ansteckung“.
Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, auf einen Covid-19-Erkrankten zu treffen und sich anzustecken momentan eher niedrig – dennoch resultieren im Fall der Fälle daraus häufig Masseninfektionen. So ein Superspreader Event kann natürlich auch in Ferienanlagen auftreten.
Die Sorge vor einer Ansteckung im Ausland ist also nicht ganz unberechtigt. Gefährdete Personen sollten deshalb gut überlegen, ob sie in diesem Jahr ins Ausland reisen möchten.

Fazit: „Jeder Gesunde kann und darf bei beständigen Zahlen ab Mitte Juni relativ bedenkenlos innerhalb von Europa verreisen“, schätzt Doc Esser die Lage ein. Wichtig ist aber, sich die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes einzuprägen. Außerdem empfehlenswert: Sich vor der Reise über die Lage der dortigen Deutschen Botschaft und die Gesundheitsversorgung im jeweiligen Land zu informieren. Auch im Urlaub Abstand halten, wo immer es geht und die Hygienemaßnahmen gewissenhaft einhalten.

Quelle: WDR

Datum: 16.06.2020
Autor: Silva Oldenburg

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