17. Dezember 2020
Triage in der Corona-Krise: Krankenhäuser am Limit

Triage in der Corona-Pandemie: Wenn Ärzte über Leben und Tod entscheiden müssen

Nur ein Beatmungsbett, aber zwei schwere Covid-19-Fälle: Nun muss eine Triage angewendet werden. Der Albtraum von Ärzten, Pflegekräften, Patienten und Angehörigen. Wir erklären, was eine Triage ist und was sie in der Corona-Krise für Krankenhäuser bedeutet.

Was bedeutet Triage?

Die Triage beschreibt in der Medizin die Priorisierung medizinischer Versorgungsleistungen. Eine Triage muss immer dann angewendet werden, wenn Zeit oder Mittel knapp sind und die Anzahl der Patienten die Versorgungsmöglichkeiten übersteigt. Bisher musste die Triage hauptsächlich in Kriegen oder Katastrophenfällen angewendet werden. Ärzte müssen dann die Entscheidung darüber treffen, welche Patienten zuerst oder überhaupt behandelt werden sollen.

Wenn beispielsweise in einer Klinik die Betten knapp werden, müssen Ärzte entscheiden, wen sie noch aufnehmen können und wen nicht. Hier müssen Ärzte tatsächlich nach ihrem eigenen Ermessen und Kenntnisstand über Leben und Tod entscheiden.

Triage in Deutschland: Nach welchen Kriterien wird entschieden?

Bei einer Triage soll zuerst demjenigen Patienten geholfen werden, dessen Überlebensaussichten am besten sind. Dieses Prinzip steht dem ethischen Vorgehen in der heutigen Medizin gegenüber: Dort wird zuerst demjenigen geholfen, welcher am schwersten verletzt oder dessen Zustand am kritischsten ist. In dramatischen Krisensituationen muss jedoch häufig nach dem Verfahren der Triage vorgegangen und die Erfolgsaussichten einer Behandlung nach folgenden Kriterien abgewogen werden:

  • Schweregrad der aktuellen Erkrankung (in diesem Fall Covid-19)
  • Komorbiditäten, also Begleiterkrankungen, die die Prognose verschlechtern (z.B. Lungenerkrankungen, Immunschwächen, Krebserkrankungen)
  • Allgemeiner Gesundheitszustand (Körperliche Verfassung; Kriterien wie das Alter und soziale Faktoren wie Bildungsstand, Ethnie oder Einkommen dürfen in Deutschland explizit nicht berücksichtigt werden)

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt jedoch davor, bei der Behandlung von Covid-19-Patienten die Entscheidung an deren Überlebenschancen zu knüpfen. Eugen Brysch, der Vorsitzende der Stiftung, kritisierte gegenüber Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass die Triage "das ethische Prinzip auf den Kopf" stelle. Hierzulande gelte nämlich "das Prinzip, dass dem kränkesten Patienten als erstes geholfen wird".

Gab es bisher Fälle von Triage in der Corona-Krise?

Bisher blieben Ärzte in Deutschland noch von dem Problem der Triage infolge von Corona-Fällen verschont. In anderen Ländern sah die Situation jedoch leider anders aus. So waren die Intensivstationen vieler Krankenhäuser in Spanien, Italien oder den USA überfüllt – Ärzte mussten die Triage anwenden.

In Deutschland wurde seit April viel über die Triage diskutiert und es gab auch Forderungen nach einem Triage-Gesetz, welches die Entscheidung der Ärzte einheitlich regeln sollte. Bisher gibt es keine gesetzliche Grundlage für die Triage. Es liegen lediglich Handlungsempfehlungen von medizinischen Fachgesellschaften und der Bundesärztekammer für die Triage in Corona-Zeiten vor.

Fälle von Triage in Sachsen: Klinik dementiert

Infolge des stetigen Anstiegs an Corona-Fällen und Patienten, die intensiv betreut werden müssen, hatte der ärztliche Direktor des Klinikums Oberlausitzer Bergland gGmbH, Dr. Mathias Mengel, von Fällen der Triage berichtet. Gegenüber t-online.de sagte er, dass in einem sächsischen Krankenhaus bereits mehrfach triagiert werden musste. "Wir waren in den vergangenen Tagen schon mehrere Male in der Situation, dass wir entscheiden mussten, wer Sauerstoff bekommt und wer nicht", sagte Mengel. 

Die Aussage von Dr. Mengel wurde nun jedoch von der Sprecherin des Klinikums in Zittau offiziell dementiert. Dr. Jana-Cordelia Petzold sprach gegenüber bild.de von einem "Missverständnis. Zu keinem Zeitpunkt wurde hier jemand nicht oder nicht mehr beatmet." Sie fügte hinzu: "Alle Patienten, die in unsere Krankenhäuser kommen, erhalten die bestmögliche Therapie." Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) nahm in einer Pressemitteilung Stellung: "Das deutsche Gesundheitssystem ist stark belastet. Wir stehen aber derzeit NICHT an dem Punkt, Priorisierungen von Patienten vornehmen zu müssen!"

Betten in Brandenburg werden knapp: Berlin übernimmt 50 Covid-Patienten aus Brandenburg

In Brandenburg musste bisher glücklicherweise auch noch keine Triage angewendet werden. Dennoch werden die Intensivbetten knapp und Brandenburg musste die umliegenden Bundesländer um Hilfe bitten. Vor allem im Süden Brandenburgs ist die Lage kritisch, weswegen dort gelegene Kliniken Verlegungen in die Krankenhäuser im Norden des Bundeslandes bzw. die umliegenden Länder in die Wege geleitet hat. Berlin hat bereits zugesagt, 50 Covid-Patienten in einer Notfallklinik unterzubringen.

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