15. April 2021
Sputnik-Impfstoff: Wie wirksam ist das Vakzin?

Sputnik-Impfstoff: Wie wirksam ist das Vakzin?

Aktuell prüft die europäische Arzneimittelbehörde die Zulassung des russischen Impfstoffes Sputnik V. Aber wie wirksam ist der Impfstoff überhaupt? Und welche Nebenwirkungen kann es geben? Wir erklären es Ihnen.

Jüngst teilte die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) mit, dass sie die Zulassung des russischen Impfstoffes Sputnik V prüfe. Wann der Impfstoff zugelassen werden könnte, ist noch unklar. In Ungarn wird der Impfstoff bereits eingesetzt. Laut tagesschau.de erklärte der russische Fonds RDIF, der den Impfstoff vermarktet, Russland könne ab Juni 50 Millionen Impfstoffdosen liefern. Laut eines Sprechers der EU-Kommission führe die EU zum jetzigen Zeitpunkt aber keine Gespräche über einen Kauf des Impfstoffes. Zunächst hatten Wissenschaftler aus aller Welt Bedenken in Bezug auf den russischen Impfstoff geäußert, da dieser bereits im August, noch vor Abschluss der üblichen Studien, von Russland freigegeben wurde.

Was für ein Impfstoff ist Sputnik V?

Der russische Impfstoff Sputnik V ist, wie auch der Impfstoff von AstraZeneca, ein Vektor-Impfstoff. Im Gegensatz zum AstraZeneca-Impfstoff werden jedoch bei der ersten und zweiten Impfung unterschiedliche Vektoren als Träger benutzt. Da der Körper auch Antikörper gegen einen Vektor entwickeln kann, könnte dies einen Vorteil in der Wirksamkeit darstellen.

Wie sicher ist der russische Impfstoff?

Laut einer im medizinischen Fachblatt "The Lancet" veröffentlichten Studie liegt die Wirksamkeit von Sputnik V bei 91,6 %. Die Daten gelten als aussagekräftig, da die Studie rund 20.000 Probanden umfasste.
Damit wäre der Impfstoff genauso effektiv wie die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna – und hätte sogar eine höhere Wirksamkeit als der AstraZeneca-Impfstoff. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind mRNA-Impfstoffe. Gegenüber ihnen haben vektorbasierte Impfstoffe den Vorteil, dass sie leichter zu handhaben sind und beispielsweise auch im Kühlschrank gelagert werden können. Laut Professor Peter Palese, dem Impfstoffexperten und Leiter der Abteilung Mikrobiologie an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York haben Vektor-Impfstoffe jedoch auch Nachteile. So sagt er: "Vieles deutet darauf hin, dass vektorbasierte Impfstoffe nicht ganz so gut wirken wie mRNA-Impfstoffe".

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Die in der Studie veröffentlichten Daten deuten darauf hin, dass der Impfstoff nur die typischen Nebenwirkungen, die nach einer Impfung auftreten können, hervorruft. Dazu zählen vor allem grippeähnliche Symptome, Hautirritationen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit.

Sputnik V: Herstellung auch in Deutschland

Russland will seinen Impfstoff Sputnik V nun auch in Deutschland herstellen lassen, wie tagesschau.de berichtet. Kirill Dmitrijew, der Chef des staatlichen Direktinvestmentfonds RDIF, sagte laut der Agentur Interfax, dass Russland mit Unternehmen eine Vereinbarung getroffen habe. Die Namen der Unternehmen nannte er jedoch nicht. Abkommen mit Firmen habe es laut Dmitrijew auch in Italien, Frankreich sowie Spanien gegeben.

Drei deutsche Ministerpräsidenten sprachen sich nun auch für den Einsatz des russischen Impfstoffes aus. So sagte beispielsweise Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow gegenüber der Funke-Mediengruppe: "Ich wünsche mir seit Langem viel mehr Druck von der Bundesregierung, dass wir mehr alternative Vakzine zugelassen bekommen."

Kanzlerin Angela Merkel nahm nach Beratungen mit den Ministerpräsidenten über die Impfpolitik am vergangenen Freitag (19. März) Stellung in einer Pressekonferenz: „Was den russischen Impfstoff anbelangt, vertrete ich seit geraumer Zeit die Meinung, dass wir jeden Impfstoff, der bei der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassen wird, innerhalb der Europäischen Union auch nutzen sollten. Ich würde eine europäische Bestellung vorziehen. Wenn es zu einer solchen europäischen Bestellung nicht käme – aber dafür habe ich keine Anzeichen – dann müssten wir auch einen deutschen Weg alleine gehen. Das ist dann möglich und das würden wir dann auch tun.“

Merkel zeigt Interesse an Sputnik V

Gestern (30.3.) haben sich die Bundeskanzlerin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einer Videokonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über eine mögliche Kooperation bei den Corona-Impfstoffen gesprochen. Der Regierungssprecher Steffen Seibert teilte am Dienstag mit, dass die Evaluierung nach denselben Normen wie für alle anderen Impfstoffe geschehe. Im April werden Experten der EMA in Russland erwartet, um Lagerung und Produktion des Impfstoffes zu begutachten.

Sinusthrombosen auch bei Sputnik V möglich?

Nach dem kurzzeitigen AstraZeneca-Impfstopp aufgrund von seltenen Fällen von Sinusvenenthrombosen, die nach der Impfung auftraten, stellt sich nun die Frage, ob es bei anderen Vektor-Impfstoffen wie Johnson & Johnson oder Sputnik V ebenso ein erhöhtes Thrombose-Risiko gibt. Laut dem Berliner Infektiologen Leif Erik müssten hierfür erst Proben der verschiedenen Impfstoffe zur Untersuchung vorliegen. Gegenüber ZDFheute erklärte er, dass es nach bisherigen Erkenntnissen am ehesten ein Impfstoff-spezifisches Problem sei und nicht alle Vektor-Impfstoffe betreffe.

Studie: Sputnik V weniger wirksam gegen Mutationen

Argentinische Forscher untersuchten nun innerhalb einer Studie die Wirksamkeit des russischen Vakzins gegenüber der Coronavirus-Mutationen. Das Ergebnis der Studie war eine unzureichende Wirksamkeit des russischen Vakzins gegenüber einigen der besorgniserregenden Virusvarianten, speziell der Mutation E484K, die in verschiedenen Viruslinien zu finden sei. Die Forscher fordern nun eine Anpassung der Vakzine. Die Studie wurde als PrePrint veröffentlich, was bedeutet, dass sie noch nicht von unabhängigen Wissenschaftlern geprüft wurde.

Quellen: tagesschau.de, wdr.de, apotheken-umschau.de, sueddeutsche.de, welt.de

Video: Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V

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