
Oxymel, auch bekannt als Sauerhonig, erlebt gerade ein kleines Comeback. In Social Media, Wellness-Blogs und Naturheilkreisen wird die Mischung aus Honig und Essig als traditionelles Hausmittel gefeiert – mit Versprechen von entzündungshemmenden Effekten bis hin zu einem gestärkten Immunsystem. Doch was steckt wirklich hinter dem Trend?
Was ist Oxymel?
Oxymel ist ein Sirup, der aus Honig und Essig hergestellt wird, oft ergänzt durch Kräuter. Historisch ist die Anwendung bereits in der antiken Medizin dokumentiert. Der griechische Arzt Hippokrates beschrieb ähnliche Zubereitungen für medizinische Zwecke.
Der Name leitet sich aus den griechischen Wörtern für Essig („oxy“) und Honig („meli“) ab. Oxymel ist ein traditionelles Produkt, das vermutlich schon in der Antike genutzt wurde.
Gibt es nachgewiesene Wirkungen von Sauerhonig?
So groß der Hype aktuell ist: Für Oxymel als Kombination liegen derzeit keine hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien vor, die eine therapeutische Wirksamkeit nachweisen. Daher wird Oxymel in evidenzbasierten medizinischen Leitlinien nicht als Arzneimittel empfohlen.
Für Honig allein existiert eine gewisse Evidenz zur symptomatischen Linderung von akutem Husten bei Kindern über einem Jahr. Leitlinien des National Institute for Health and Care Excellence empfehlen Honig als mögliche Option zur Hustenlinderung, wenn keine medizinischen Gegenanzeigen bestehen. Diese Empfehlung bezieht sich jedoch nicht auf Oxymel oder die Kombination mit Essig.
Apfelessig wird gelegentlich mit Stoffwechselwirkungen in Verbindung gebracht. Einzelne kleine Studien zeigen mögliche Effekte auf Blutzuckerparameter, doch die Datenlage ist methodisch begrenzt und nicht ausreichend für therapeutische Empfehlungen.
Contra: Hoher Zuckergehalt
Ein relevanter Aspekt ist der hohe Zuckergehalt von Honig. Honig besteht zu etwa 80 % aus Einfachzuckern. Die World Health Organization empfiehlt, die Aufnahme freier Zucker für zusätzliche gesundheitliche Vorteile auf unter 25 g pro Tag zu begrenzen.
Bei typischen Mischungsverhältnissen kann Oxymel etwa 55 g Zucker pro 100 ml enthalten. Zwei Esslöffel (circa 30 ml) können somit rund 17 g Zucker liefern und damit einen großen Teil der empfohlenen Tagesmenge ausmachen.
Regelmäßiger Konsum zuckerreicher Mischungen kann insbesondere bei Personen mit Diabetes oder metabolischen Risikofaktoren problematisch sein.
Für wen Oxymel nicht geeignet ist
Für Kinder unter einem Jahr ist Oxymel grundsätzlich tabu. Der Grund: Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Das Robert Koch-Institut warnt ausdrücklich davor, Säuglingen Honig zu geben, da in seltenen Fällen schwere Infektionen auftreten können.
Auch Menschen mit empfindlicher Magenschleimhaut oder gastroösophagealem Reflux sollten vorsichtig sein. Der Essiganteil kann die Schleimhaut reizen. Zudem kann die Kombination aus Zucker und Säure bei regelmäßigem Konsum die Zahngesundheit belasten und das Risiko für Zahnerosion und Karies erhöhen.
Der Oxymel-Check
Oxymel ist ohne Zweifel ein spannendes Stück Medizingeschichte – und geschmacklich eine interessante Mischung aus süß und sauer. Wissenschaftlich betrachtet bleibt der gesundheitliche Nutzen jedoch bislang weitgehend unbewiesen.
Während einzelne Bestandteile wie Honig in bestimmten Situationen durchaus hilfreich sein können, lässt sich daraus keine gesicherte Wirkung für Oxymel als Gesamtprodukt ableiten. Wer Sauerhonig gelegentlich als geschmackvolles Hausmittel nutzt, spricht in der Regel nichts dagegen – solange man den Zuckergehalt im Blick behält.
Für langfristige Gesundheit gilt weiterhin: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und medizinisch geprüfte Therapien sind die zuverlässigsten Grundlagen.


