20. Januar 2021
No-Covid-Strategie sinnvoller als längerer Lockdown?

Ist die No-Covid-Strategie sinnvoller als der längere Lockdown?

Angesichts der erneuten Verlängerung des Lockdowns und der Coronavirus-Mutation aus Großbritannien machen sich renommierte Wissenschaftler für die No-Covid-Strategie stark. Aber was beinhaltet diese und ist sie sinnvoller als der bisherige Lockdown?

Frau guckt aus dem Fenster
© iStock/Sisoje
Könnte die No-Covid-Strategie effizienter bei der Eindämmung der Corona-Pandemie helfen?

Der bereits seit November bestehende Lockdown wurde erneut bis zum 14. Februar verlängert. Laut Initiative #ZeroCovid reichen die aktuellen Maßnahmen der Regierung nicht aus. Im Gegenteil – auf ihrer Website heißt es, dass diese die Pandemie nur verlängern anstatt beenden würden. In einem Strategiepapier fordern renommierte Wissenschaftler nun die sogenannte No-Covid-Strategie.

Infektionsgeschehen: Das Ziel muss Null sein

Mit der No-Covid-Strategie fordern die Wissenschaftler radikalere Maßnahmen und eine konsequentere Verfolgung, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. In Bezug auf das Infektionsgeschehen heißt es auf der Homepage der Initiative: „Das Ziel darf nicht in 200, 50 oder 25 Neuinfektionen bestehen - es muss Null sein.” Um dieses Ziel zu erreichen solle ein radikalerer Shutdown durchgeführt werden – bei dem nicht nur die privaten, sondern auch die beruflichen Kontakte auf ein Minimum heruntergefahren werden.

#ZeroCovid fordert Shutdown der Wirtschaft

Die Forderung der Initiative ist radikal: So sollen ihrer Meinung nach europaweit alle Bereiche der Wirtschaft, die nicht lebensnotwendig sind, für eine kurze Zeit stillgelegt werden. Gleichzeitig fordert die Initiative eine finanzielle Unterstützung derer, die zurückgelassen werden. Diese Pause solle so lange anhalten, bis der Zielwert erreicht sei.  #Zerocovid zufolge soll es so möglich sein, den Wert der 7-Tage-Inzidenz auf zehn Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zu senken. Bisher haben 70.000 Menschen die Petition unterschrieben. Die Initiative beruft sich auch auf den internationalen Aufruf für die konsequente Eindämmung der Covid-19 Pandemie in Europa, der am 19. Dezember von europäischen Wissenschaftlern initiiert wurde. Zu den Unterzeichnern gehörten unter anderem Virologe Christian Drosten und der RKI-Chef Lothar Wieler.

Angela Merkel und die Landesminister haben sich bei ihrem Treffen auch von renommierten Virologen zu Strategien zur Eindämmung der Corona-Pandemie beraten lassen. Auch diese fordern eine No-Covid-Strategie, bei der durch striktere Maßnahmen zuerst ein Inzidenzwert von 10 erreicht werden müsse, um sogenannte grüne Zonen einführen zu können. Zonen, in denen das Infektionsgeschehen so weit heruntergefahren ist, dass diese langsam wieder zur Normalität zurückkehren können.

Ist die No-Covid-Strategie sinnvoller als der längere Lockdown?

In anderen Ländern wie Neuseeland oder Australien brachte die No-Covid-Strategie bereits Erfolge. Sie stößt jedoch auch auf Kritik. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, gab gegenüber tagesschau.de an, dass ein harter Shutdown alleine in Deutschland aus seiner Sicht nichts bringen würde, da man dann die Grenzen schließen und auf lange Sicht geschlossen halten müsse. Des Weiteren gibt er zu Bedenken, dass das Land wirtschaftlich noch in einer Position sei, von der es sich erholen könne, die Schließung weiterer Branchen aber einen deutlich größeren Einbruch als letztes Frühjahr bedeuten würde. Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr hielt bereits einen Inzidenzwert von 50 laut n-tv.de für “illusorisch”. Seiner Meinung nach können im Winter selbst drastische Einschränkungen die dauernde Viruszirkulation nur in einem begrenzten Umfang und nur über einen kurzen Zeitraum reduzieren.

 

Quellen: tagesschau.de, spiegel.de, zero-covid.org, n-tv.de

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