Durchbruch bei Alzheimer: So vielversprechend ist das Medikament Lecanemab

Durchbruch bei Alzheimer: So vielversprechend ist das Medikament Lecanemab

In der Alzheimer-Forschung überschlagen sich die Ereignisse. Es scheint erstmals gelungen, Alzheimer mit einem neuartigen Medikament direkt behandeln zu können. Wie das Medikament wirkt und was die Studienergebnisse bedeuten, verraten wir hier.

Studie zu Lecanemab: Was die Alzheimer-Forschung sagt

Forschende aus einem internationalen Team konnten ein neues, experimentelles Medikament gegen Alzheimer testen. Das Mittel mit dem Namen „Lecanemab“ wird kooperativ von den Pharma-Unternehmen Eisai aus Japan und Biogen aus den USA entwickelt. Das Besondere an dem neuartigen Medikamente: Es soll die degenerative neurologische Alzheimer-Erkrankung direkt im Gehirn bekämpfen, indem es schädliche Eiweißablagerungen auflöst.

In der aktuellen Alzheimer-Forschung wird davon ausgegangen, dass Proteine wie Beta-Amyloid sich im Gehirn von Betroffenen in Form von Plaques ablagert. Diese Ablagerungen sorgen für Funktionsverlust und Absterben von Nervenzellen. Lagert sich mehr und mehr Beta-Amyloid im Gehirn ab, schreiten die für Alzheimer typischen Symptome wie Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit, Gedächtnisverlust und Persönlichkeitsveränderungen immer weiter voran.

Bislang war es lediglich möglich, Beschwerden der Krankheit zu behandeln, nicht aber das Fortschreiten der degenerativen Erkrankung selbst aufzuhalten oder zu verlangsamen. Lecanemab soll dies nun aber möglich machen.

Im Video: Neue Hoffnung im Kampf gegen des Vergessen?

Das sind die Forschungsergebnisse

Ein internationales Team von Forschenden konnte das neue Medikament nun in einer Studie untersuchen. Die Studie wurde unter anderem im New England Journal of Medicin veröffentlicht und steht nun mitsamt der Entwicklungsdaten der beiden Pharma-Konzerne für die Peer Review bereit.

An der Studie nahmen 1.795 Menschen teil, die bereits an Alzheimer erkrankt waren und sich im Frühstadium der Krankheit befanden. Alle zwei Wochen erhielten die Hälfte der Teilnehmenden eine Injektion mit Lecanemab, die andere Hälfte wurde als Kontrollgruppe mit einem Placebo behandelt. Die Untersuchungen und Behandlungen fanden dabei in insgesamt 235 Einrichtungen in Asien, Europa und Nordamerika statt.

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Bei Langzeituntersuchungen wurde festgestellt, dass der geistige Abbau bei Alzheimer-Betroffenen, die mit Lecanemab behandelt wurden, um 27 Prozent langsamer voranschritt. Die Daten der Pharma-Konzerne deuten darauf hin, dass die schädlichen Eiweißablagerungen im Gehirn bei 68 Prozent der Lecanemab-Behandelten beseitigt waren.

Wie geht es weiter?

Die Daten der Medikamentenhersteller und die ersten Forschungsergebnisse sind durchaus vielversprechend. In den nächsten Schritten müssen die Ergebnisse nun von der Wissenschafts-Community geprüft und repliziert werden. Bis zur Zulassung ist es aber nicht mehr weit. In den USA läuft bereits ein Antrag bei der Aufsichtsbehörde für eine schnelle Zulassung. In Japan und Europa wird der Zulassungsantrag zurzeit vorbereitet und soll bis spätestens Ende März 2023 eingereicht werden.

Unbedenklich ist das neue Medikament aber offenbar nicht, denn in der Studie wurden auch zahlreiche Nebenwirkungen beobachtet. Etwa jeder fünfte Teilnehmende aus der Lecanemab-Gruppe erlebte Schwellungen oder Blutungen im Gehirn. Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Verwirrtheit wurden ebenfalls beobachtet. Zwei Todesfälle wurden im Studienkontext ebenfalls auf das neue Medikament zurückgeführt. Wie gefährlich das experimentelle Medikament wirklich ist, muss in Folgestudien beantwortet werden.

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