21. Juni 2021
Delta-Variante: Drohen bald wieder Beschränkungen?

Delta-Variante: Drohen bald wieder Beschränkungen?

Die Delta-Variante breitet sich weiter aus, sodass Experten trotz sinkender Inzidenzen und den verbundenen Lockerungen warnen. Gefragt ist ein umsichtiges und vorausschauendes Verhalten – ansonsten droht spätestens im Herbst die vierte Welle.

Erfreulicherweise sinken in Deutschland bundesweit die Inzidenzwerte. Doch die ansteckende Delta-Variante des Coronavirus breitet sich weiter aus. Vergangene Woche berichtete das Robert-Koch-Institut (RKI), dass in der ersten Juniwoche 6,2 Prozent der Infektionen in Deutschland auf die Delta-Variante zurückgingen – nach 3,7 Prozent in der Vorwoche. Ein besorgniserregender Anstieg, der ernst genommen werden muss.

Urlaubsheimkehrer können Delta-Variante nach Deutschland bringen

Hessens Ministerpräsident schloss gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland eine Rückkehr zu Kontaktbeschränkungen nicht aus: „Ich rechne damit, dass die Delta-Variante in einem Monat auch in Deutschland die vorherrschende Variante ist.“ Es sei nicht auszuschließen, dass Menschen infiziert aus dem Sommerurlaub zurückkehren. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin, dass es darum gehe, die richtige Balance zu finden. „Wir können jetzt lockern.“ Die Stimmung dürfe aber nicht zu Übermut führen. „Also: Zuversicht für den Sommer, aber eben auch Vorsicht vor allem dann auch Richtung Herbst und Winter.“

Opposition verlangt konkretes Handeln

Die Opposition fordert von der Bundesregierung einen konkreten Fahrplan, wie der Delta-Variante begegnet werden soll. Fraktionsvorsitzende der Linken, Amira Mohamed Ali sagte gegenüber der Welt: „Das Politikversagen, das wir im letzten Jahr durch fehlende Luftfilter in Schulen, volle Busse und Bahnen und viel zu wenig Schutz am Arbeitsplatz erleben mussten, darf sich nicht wiederholen.“ Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sagte gegenüber der Zeitung, dass es wichtig sei, vorerst an Masken in Innenräumen und Schnelltests festzuhalten. Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Michael Theurer warnte vor Risiken im Reiseverkehr. Die AfD sprach von einem weiteren Eingriff in die Freiheitsrechte.

Virologen warnen: „Delta-Variante ernst nehmen.“

Laut Christian Drosten muss Deutschland die Delta-Variante ab sofort ernst nehmen. „Ich bin mittlerweile so weit, dass ich sage, wir sind hier jetzt im Rennen in Deutschland mit der Delta-Variante“, sagte Drosten auf einem Online-Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin. „Wir müssen das ab jetzt wirklich ernst nehmen.“

Virologe Martin Stürmer sagte gegenüber dem Deutschlandfunk: „Wenn wir uns wirklich gut verhalten, wird auch der Herbst nicht unbedingt in einer massiven vierten Welle enden und in weiteren Lockdown-Maßnahmen. Aber wir können uns das aber auch noch verderben, indem wir jetzt zu leichtsinnig werden.“ Stürmer appelliere daher an Reisende, sich dementsprechend umsichtig im Urlaub zu verhalten. Konkret heißt das: Menschenansammlungen meiden, Abstände einhalten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, rechne bei einer möglichen vierten Welle mit weniger Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. „Wenn die vulnerablen Gruppen bis dahin sehr gut geimpft sind, könnte es auch bei höheren Inzidenzen viel weniger schwere Verläufe geben“, sagte er der Rheinischen Post.

Delta-Variante breitet sich in Europa aus

In Lissabon wurde aufgrund der sich rasant ausbreitenden Delta-Variante ein harter Lockdown verhängt. Am Wochenende wurde die Hauptstadt abgeriegelt, um eine Ausbreitung auf das gesamte Land zu verhindern. In Großbritannien breitet sich die Mutation trotz hoher Impfquote aus.

Video: Vierte Welle? Bouffier hält erneute Kontaktbeschränkungen für möglich

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