
Meteorologie statt Magie: Was passiert in der Atmosphäre?
Dass es Mitte Mai oft zu einem markanten Kälteeinbruch kommt, ist kein Zufall, sondern eine sogenannte meteorologische Singularität – eine Wetterlage, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr auftritt.
Der Kampf der Luftmassen: Im Mai hat sich das europäische Festland durch die intensivere Sonneneinstrahlung oft schon stark erwärmt. Über dem Nordpolarmeer liegt jedoch noch immer eiskalte Polarluft.
Die "Nord-Süd-Autobahn": Wenn sich im Norden (über Skandinavien oder dem Nordatlantik) ein stabiles Hochdruckgebiet aufbaut und gleichzeitig über Südeuropa oder dem Mittelmeer ein Tief liegt, entsteht eine Sogwirkung. Die kalte, schwere Polarluft rauscht dann wie auf einer Autobahn ungehindert direkt nach Mitteleuropa.
Die Strahlungsnächte: Da diese Polarluft meist sehr trocken ist, lösen sich Wolken nachts schnell auf. Ohne die isolierende Wolkendecke strahlt die Bodenwärme direkt ins Weltall ab. Die Folge: Die Temperaturen sinken in Bodennähe rapide ab, selbst wenn es tagsüber sonnig war.
Die Legende und der Kalender-Irrtum
Die Namenstage der Eisheiligen (11. bis 15. Mai) gehen auf christliche Märtyrer zurück. Doch wer einen Blick in die Statistik wirft, stellt fest: Die "echten" Kälterückfälle kommen oft erst eine Woche später.
Die Kalenderreform: Papst Gregor XIII. stellte 1582 den Kalender um, wobei zehn Tage einfach gestrichen wurden. Die alten Bauernregeln beziehen sich eigentlich auf den Zeitraum vom 22. bis 25. Mai.
Klimawandel: Auch wenn die Eisheiligen durch die globale Erwärmung statistisch seltener und milder werden, bleibt das Risiko für Spätfröste bestehen, da die Pflanzen durch mildere Winter früher austreiben und somit empfindlicher sind.


