13. April 2021
Bundesweite Notbremse: Müssen Friseure schließen?

Müssen Friseure bei bundesweiter Notbremse schließen?

Die bundesweite Notbremse wurde nun im Kabinett beschlossen. Sind Friseursalons von dem neuen Infektionsschutzgesetz betroffen? Hier erfahren Sie, ob die Friseure geöffnet bleiben, oder nicht!

Neues Infektionsschutzgesetz: Friseure von Notbremse betroffen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den geplanten Bund-Länder-Gipfel abgesagt und nun eine Änderung bzw. Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes im Bundestag auf den Weg gebracht. Damit möchte die Bundesregierung einheitliche Regelungen und Maßnahmen in der Bekämpfung der Corona-Pandemie schaffen. Das neue Infektionsschutzgesetz geht mit einer bundesweit einheitlichen Notbremse einher. Diese greift per Gesetz in Landkreisen ab einer Inzidenz von 100 Fällen pro 100.000 Einwohner. Folgende Maßnahmen sind in der Notbremse enthalten:

  • nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr,
  • geschlossene Geschäfte im Einzelhandel außer Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und Gartencenter,
  • Testpflicht für Unternehmen,
  • ab Inzidenz über 200 sollen alle Schulen schließen.

Glücklicherweise sind körpernahe Dienstleistungen, die medizinischen, therapeutischen, pflegerischen oder seelsorgerischen Zwecken dienen, von der Notbremse ausgeschlossen. Darunter fallen auch Dienstleistungen, die in Friseursalons in Anspruch genommen werden. Die Friseure bleiben somit vorerst geöffnet und sind nicht von der Notbremse betroffen.

Video: Regierung beschließt bundesweite Notbremse

Privilegien für Geimpfte: Friseurbesuch und Einkauf

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, dass es im Zuge künftiger Lockerungen zu besonderen Privilegien oder Freiheiten für vollständig Geimpfte kommen soll. Jeder, der zwei Corona-Impfungen erhalten hat, soll dann beispielsweise bundesweit ohne Test zum Friseur gehen oder im Einzelhandel einkaufen dürfen:

Wer geimpft ist, kann ohne weiteren Test ins Geschäft oder zum Friseur. Zudem müssen nach Einschätzung des RKI vollständig Geimpfte auch nicht mehr in Quarantäne

sagte Spahn der Bild am Sonntag. So sollen erste Öffnungsschritte nach dem jetzigen Lockdown erleichtert werden. Spahn stützt sich dabei auf neue Daten und Auswertungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), die zeigen, dass von vollständig Geimpften nur noch ein minimales Risiko für die Übertragung des Coronavirus ausgeht. Spahn beschreibt die Situation von Geimpften wie folgt: „Wer vollständig geimpft wurde, kann also in Zukunft wie jemand behandelt werden, der negativ getestet wurde.“ 

Zwar können Geimpfte sich nicht mehr mit Covid-19 anstecken – sie können jedoch das Coronavirus im Rachen tragen und andere Personen damit anstecken. Dieses Risiko ist jedoch nach dem neuen Bericht des RKI äußerst gering: „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen.“ Das RKI schätzt somit die Rolle der Geimpften in der Übertragung des Coronavirus als vernachlässigbar ein und nimmt an, „dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung wahrscheinlich keine wesentliche Rolle mehr spielen“.

Bisher haben 4,3 Millionen Bürger:innen in Deutschland bereits die zweite Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Mehr als zehn Millionen haben zumindest eine Impfung verabreicht bekommen.

Video: Spahn plant Freiheiten für Geimpfte

Wo gilt die Testpflicht für Friseurkunden?

Bisher gilt bereits bundesweit für jene Kunden, die sich beim Friseur rasieren oder im Kosmetiksalon im Gesicht behandeln lassen möchten, eine Testpflicht. Da bei diesen Leistungen der Mund-Nasen-Schutz abgenommen werden muss, benötigen die Kunden einen negativen Corona-Test, der von geschultem Personal durchgeführt wurde. Schnelltests dürfen höchstens zwölf Stunden alt sein, PCR-Tests maximal 48 Stunden alt. Selbsttests werden nicht akzeptiert.

Für normales Haareschneiden gilt bisher noch keine bundesweite Testpflicht. Allerdings könnte sich dies bald ändern. Denn an manchen Hotspots sowie Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wurde bereits eine Testpflicht für alle Kunden eingeführt. So auch im sächsischen Vogtland. Dort lag die 7-Tage-Inzidenz kürzlich bei über 400, weswegen der Landkreis mittels Allgemeinverfügung die Corona-Testpflicht für alle Friseurkunden einführte. Auch eine Klage gegen diese Maßnahme wurde vor Gericht abgewiesen.

Des Weiteren gilt seit dem 1. April in Sachsen, ab dem 2. April in Hamburg und ab dem 6. April in Mecklenburg-Vorpommern die Pflicht, einen tagesaktuellen Corona-Test mit negativem Ergebnis vorlegen zu müssen.

Die Übersicht der Bundesländer mit bereits vorhandener oder beschlossener Testpflicht:

  • Berlin
  • Brandenburg
  • Hamburg (ab 2. April)
  • Hotspots, z.B. Köln
  • Mecklenburg-Vorpommern (ab 6. April)
  • Sachsen

Video: Testpflicht bei Friseuren in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern

    Lockdown bis 18. April: Friseure mit Sonderstellung

    Angesichts der erneut steigenden Fallzahlen und des hohen Anteils der Virus-Mutationen wurde eine Verlängerung des bestehenden Lockdowns beschlossen. Ebenso wurden einige Maßnahmen verschärft. Als Enddatum des Lockdowns gilt nun der 18. April. Das wurde am 22.3. im Corona-Gipfel zwischen Bundeskanzlerin Merkel und den Ministerpräsident:innen beschlossen.

    Auch hilfreich: FFP2-Masken kaufen! >>

    Das kurzzeitige Aussetzen der AstraZeneca-Impfung stellte einen erheblichen Rückschlag in der Impf-Kampagne dar. Das Robert-Koch-Institut (RKI) prophezeite jüngst für Ostern sogar höhere Infektionszahlen als zu Weihnachten. Der Virologe Christian Drosten sprach in seinem Podcast "Coronavirus-Update" davon, dass sich die Lage "dramatisch erschweren" werde. Medienberichten zufolge steht sogar eine Lockdown-Verlängerung bis Ende April im Raum.

    Friseure müssen nur über Ostern schließen

    Friseure nehmen eine Sonderstellung in der aktuellen Corona-Pandemie ein und durften bereits frühzeitig ab 1. März öffnen. Von der Notbremse sind sie ausgenommen und somit auch nicht von den neuen Beschlüssen des Corona-Gipfels am 22. März 2021 betroffen. Friseure dürfen daher weiterhin offen bleiben – ausgenommen hiervon ist jedoch Ostern mitsamt Osterfeiertagen und den zusätzlichen Oster-Ruhetagen Gründonnerstag und Ostersamstag.

    Jedoch gibt es auch regionale Unterschiede. So muss man etwa in Köln beim Friseur und anderen "körpernahen Dienstleistungen" bereits seit gestern einen negativen Corona-Test vorweisen, welcher nicht älter als 24 Stunden sein darf. Ob diese oder ähnliche Maßnahmen bundesweit kommen, ist noch unklar. Informieren Sie sich daher umfassend, bevor Sie einen Friseurtermin ausmachen und halten Sie sich an das jeweilige Hygienekonzept.

    Alternativen zum Friseurbesuch:

     

    Hygieneauflagen für Friseure

    Zu den verschärften Hygieneauflagen für Friseure gehören eine Terminpflicht bzw. Reservierungspflicht, um die Kontakte so gering wie möglich zu halten. Außerdem müssen Friseurinnen und Friseure sowie Kundinnen und Kunden stets eine OP-Maske oder FFP2-Maske tragen. Für Friseure gilt bundesweit der sogenannte "SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard für das Friseurhandwerk" der BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege), in welchem auch festgeschrieben ist, dass für die Händehygiene ausreichend Händedesinfektionsmittel, hautschonende Flüssigseife und Einmalhandtücher zur Verfügung zu stellen sind.

    Außerdem darf eine Mindestfläche von 10 Quadratmetern pro Person nicht unterschritten werden und es muss alle 20 Minuten gründlich gelüftet werden. Ebenso müssen Sie beim Besuch stets Ihre Kontaktdaten zur möglichen Verfolgung von Infektionsketten hinterlegen. 

      Quellen: zdf.de, tagesschau.de, ndr.de, saechsische.de, sat1.de

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