2. Juni 2021
Corona-Impfung für Kinder: „Kein Lakritzbonbon“

STIKO-Chef: Corona-Impfung für Kinder „kein Lakritzbonbon“

Die EU-Kommission hat den Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer in Europa für Kinder zugelassen. In Deutschland sollen 12- bis 15-Jährige ab dem 7. Juni geimpft werden dürfen. Die STIKO empfiehlt die Impfung jedoch wahrscheinlich nicht.

Bislang waren die Corona-Impfstoffe in Europa nur für Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren zugelassen. Nun hat jedoch die EU-Kommission auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) das Vakzin von BioNTech/Pfizer für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Ab wann dürfen Kinder in Deutschland geimpft werden? Und was sagt die Ständige Impfkommission (STIKO) dazu? Im Folgenden erfahren Sie es.

Corona-Impfung für Kinder: Sollten 12-Jährige geimpft werden?

Auf dem Impfgipfel am 27. Mai in Berlin haben Bund und Länder beschlossen, dass Kinder ab 12 Jahren sich ab dem 7. Juni – nach Aufhebung der Impfpriorisierung – impfen lassen dürfen. Da die EU-Kommission den Impfstoff von BioNTech/Pfizer für Kinder zwischen 12 und 15 Jahren zugelassen hat, soll nun auch in Deutschland dieser Altersgruppe ein Impfangebot gemacht werden. Darüber, wie sinnvoll und sicher der Corona-Impfstoff für die Jüngeren ist, herrscht jedoch unter Experten Uneinigkeit.

So sprach sich etwa der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am 1. Juni bei Markus Lanz eindeutig für eine Impfung von Kindern aus, um diese vor Schäden durch eine Infektion mit dem Coronavirus zu schützen: „Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Hinweise darauf, dass die Impfung bei Kindern langfristig Schäden hinterlassen wird. Wir haben aber auch Hinweise darauf, dass bei Kindern, die erkrankt sind, durchaus – wenn auch nicht so häufig – bleibende Schäden zurückbleiben.“ Des Weiteren warnte Lauterbach vor einer weiteren Infektionswelle im Herbst und Winter, falls Schulkinder nicht geimpft würden. Aktuelle Daten und Studien zeigen laut dem Experten, dass Schulen ein wesentlicher Bestandteil der Infektionsketten seien. Aus diesem Grund sollten auch Kinder in die Impfreihenfolge eingeschlossen werden.

Die Meinung von Karl Lauterbach teilt der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens jedoch nicht, wie Sie im Folgenden sehen können.

STIKO-Chef: Corona-Impfung für Kinder „kein Lakritzbonbon“

Im NDR-Podcast Das Coronavirus-Update erklärte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, wieso die STIKO in der kommenden Woche wahrscheinlich keine Empfehlung für eine Corona-Impfung bei Kindern ausspricht. Einerseits sei die Studie von Biontech mit 1.100 Kindern zu klein, um sehr seltene Nebenwirkungen bzw. Impfreaktionen überhaupt erfassen zu können. „Den Kindern bietet man ja kein Lakritzbonbon an, das ist ein medizinischer Eingriff, und der muss eben entsprechend indiziert sein“, sagte Mertens am Dienstag (01.06.) im NDR-Podcast. Andererseits sei das Risiko für schwere Covid-Verläufe, z.B. mit PIMS, bei Kindern vernachlässigbar gering. Laut Mertens hatte die Mehrzahl derjenigen Kinder, die einen schweren Verlauf hatten oder mit Covid-19 im Krankenhaus waren, bereits vorher andere schwerwiegende Erkrankungen, sogenannte Komorbiditäten. Diese Kinder waren daher im Vorhinein geschwächt und deutlich anfälliger für einen schweren Covid-19-Verlauf als gesunde Kinder. Die STIKO arbeite derzeit jedoch an einer gesonderten Impfempfehlung für vorerkrankte Kinder.

Video: Spahn: Kinder-Impfung auch ohne allgemeine STIKO-Empfehlung anbieten

Quellen: ndr.de, zdf.de

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