Neuinfektionen eindämmen Corona-Warn-App: Schon mehr als zehn Millionen Downloads

Knapp eine Woche ist es her, dass die Corona-Warn-App in die AppStores gekommen ist. Seitdem gibt es schon mehr als zehn Millionen Downloads. Doch auch Kritik machte sich breit.

Smartphones

Montag, 22.06.2020: Schon mehr als zehn Millionen Downloads

Vergangene Woche Dienstag (16.06.2020) erschien die Corona-Warn-App der Bundesregierung in Deutschland. Seitdem haben laut Robert-Koch-Institut (RKI) ca. 10,6 Millionen Handybesitzer die App heruntergeladen (Stand: 20.06.2020). Inzwischen dürfen es noch mehr Downloads sein. 

Kritik an der Warn-App

Für die Corona-App wird bei iPhones das Betriebssystem "iOS 13.5 oder neuer" und bei Google-Smartphones "Android 6.0 oder neuer" benötigt. Für Handys mit Windows oder Blackberry gibt es derzeit keine Möglichkeit, die App herunterzuladen. Schätzungen zufolge haben rund sechs Millionen Geräte keine Möglichkeit, auf die App zuzugreifen, da sie veraltet sind. Besonders Rentner und Geringverdiener fallen darunter. Das finden viele unfair und äußerten sich dazu schon in den sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook.

Nach Berechnungen des Digitalverbands Bitkom besitzen in Deutschland 58 Millionen Menschen ab sechs Jahren ein Smartphone. "Die allermeisten der eingesetzten Geräte erfüllen die technischen Voraussetzungen für die Corona-Warn-App", sagte Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Zieht man die Nutzer mit einem inkompatiblen Gerät ab, könnten laut Bitkom 50 Millionen Smartphones die App installieren.

Quelle: RKI/dpa

Dienstag, 16.06.2020: Corona-Warn-App ist jetzt verfügbar

In der Nacht von Montag zu Dienstag (16.06.2020) ist die Corona-Warn-App in die App-Stores gekommen und kann nun heruntergeladen werden. Die App soll ermöglichen, Ansteckungsgefahren durch Menschen, die Covid-19 in sich tragen, schneller zu erkennen. Dafür muss die App auf dem Smartphone installiert werden, welche uns anschließend warnt, wenn wir zu eng in Kontakt mit einer infizierten Person waren. Heute wird die App gegen 10.30 Uhr in Berlin vorgestellt. Anlässlich dazu klären wir die wichtigsten Fragen.

Wann ist die Tracing-App verfügbar?

Die Corona-Warn-App ist seit heute, Dienstag Nacht null Uhr, in den App-Stores für iOS und Android verfügbar.
Bisher wurde angenommen, dass die Corona-Tracing-App schon Mitte April fertiggestellt sein würde. Danach verschob sich das Projekt auf Anfang Mai, da das technische Konzept namens PEPP-PT (Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing) intensiv getestet werden musste.

Am Donnerstag, den 7. Mai 2020 hieß es hingegen in Regierungskreisen, dass die Corona-Warn-App voraussichtlich Mitte Juni verfügbar sein wird. Die App soll sich zunächst auf die Unterbrechung von Infektionsketten konzentrieren. Die Option, dass Daten freiwillig an das Robert-Koch-Institut weitergegeben werden, soll später dazukommen. 

Was müssen Smartphone-Nutzer tun?

Für die Corona-App besteht keine Pflicht, sie kann also freiwillig heruntergeladen werden. Doch je mehr Menschen, mindestens 60 Prozent der Bürger, die App nutzen, desto besser kann sie funktionieren und umso genauer kann sie die Daten erfassen. Wurde die App heruntergeladen, muss der Bluetooth-Modus dauerhaft aktiviert sein, um Signale zu senden und zu empfangen. Es kann jedoch sein, dass die Nutzung der App mehr Akku verbraucht und das Handy häufiger geladen werden muss. 

Wie sicher sind meine Daten?

Ist die App auf dem Smartphone installiert und der Bluetooth-Modus eingeschaltet, sendet das Smartphone eine ID aus, während sie ID's fremder Nutzer aus der Nähe empfängt. Diese ID's werden von dem PEPP-PT-System immer wieder neu generiert, damit die Nutzer nicht identifizierbar bleiben. Wenn sich zwei Nutzer in Reichweite befinden, tauschen die Smartphones ihre ID's aus und speichern sie verschlüsselt und anonym ab, um im Fall einer Infektion zu warnen. Die Daten werden nach 21 Tagen automatisch gelöscht. Damit die App ihren Zweck erfüllt, müssen die zwei Personen mindestens zwei Minuten im Abstand von weniger als 1,5 Metern zueinanderstehen, damit die Smartphones Daten senden und empfangen können. Liegt bei einer der Personen eine Infektion vor, schlägt die App Alarm.

Die Unterschiede zu Apps, die bereits in Asien eingesetzt wurden, sind, dass keine GPS-Signale eingesetzt werden, die Daten nicht in einer Cloud gespeichert werden und keine Datenpakete an staatliche Stellen übersendet werden.

Greifen Google und Apple bei der Warn-App sensible Daten ab?

Aktuell ist davon nicht auszugehen. Auch wenn es theoretisch möglich wäre, gibt es keine Hinweise in diese Richtung. Nach Einschätzung des Chaos Computer Clubs sind die Programmschnittstellen (APIs) der beiden Konzerne, die im Gegensatz zur App selbst nicht quelloffen gemacht wurden, als "ein Schönheitsfehler für Transparenz und Überprüfbarkeit zu bewerten". 

"Als vertrauensbildende Maßnahme wäre es wünschenswert gewesen, wenn auch Apple und Google ihren Teil des Systems Open Source gestellt hätten", sagte Clubsprecher Neumann. "Da Apple und Google die Mobiltelefone aber vollständig kontrollieren, könnten sie sich ohnehin immer Zugriff auf alle Daten verschaffen. Als Käuferinnen sind wir daher immer davon abhängig, den Herstellern unserer Systeme vertrauen zu müssen - das ist nicht schön, aber leider bittere Realität des Duopols."

Welche Probleme bringt die App aktuell mit sich?

Da der Download der App freiwillig sein soll und es unterschiedliche Ergebnisse bei Umfragen zur Download-Bereitschaft gab, bezweifeln viele, dass sich genügend Bürger die App herunterladen. Ebenso ist strittig, wie zuverlässig die Messung via Bluetooth funktioniert. Es könnte, wie bei Bluetooth-Lautsprecherboxen auch, passieren, dass das Smartphone die Daten von einem infizierten Nachbarn durch die Hauswand misst. Somit gilt man selbst als infektionsgefährdet, obwohl man keinen direkten Kontakt zu der vermeintlich erkrankten Person hatte. Als problematisch wird ebenfalls die Stärke des Funksignals gesehen, da diese von Gerät zur Gerät variiert. 

Was muss ich tun, wenn ich infiziert bin?

Hat der Arzt das Coronavirus festgestellt, meldet er die Infektion an das Gesundheitsamt. Das Labor, in dem der Coronatest untersucht wurde, gibt mir einen QR-Code, welchen ich in die Corona-App eingebe. Möglich ist auch die Eingabe einer TAN-Nummer, die von einer Telefon-Hotline herausgegeben wird. Daraufhin wird meine Kontaktliste an einen zentralen Server übertragen. Von dort aus wird eine Warnung an alle von mir gesammelten ID's herausgeschickt. Diese Personen sollten sich anschließend um einen Coronatest kümmern und sich in Quarantäne begeben. Nähere ich mich hingegen einer infizierten Person, schlägt die App erst im Nachhinein Alarm, sodass ich nicht erfahre, wer die infizierte Person ist und wo man ihr begegnete.

Fazit zur Corona-Tracing-App

Zusammengefasst dient die App dafür, dass neue Infektionsherde schnell erkennbar werden und entsprechende Maßnahmen eingeleitet und Menschenleben gerettet werden können. Damit die App jedoch ihren Zweck erfüllt, müssen mindestens 60 Prozent der Bevölkerung die App nutzen. 

Datum: 22.06.2020

Autor: Christina Liersch

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