Neuinfektionen eindämmen Coronavirus: Tracing-App kommt voraussichtlich Mitte Juni

Um das Coronavirus einzudämmen, soll eine sogenannte Tracing-App für Smartphones eingeführt werden. Wir erklären, wie die App funktionieren und umgesetzt werden soll. 

Smartphones

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat sich für eine einheitliche Corona-Tracing-App für die Europäische Union ausgesprochen. Die App soll uns ermöglichen, Ansteckungsgefahren durch Menschen, die Covid-19 in sich tragen, schneller zu erkennen. Dafür muss die App auf dem Smartphone installiert werden, welche uns anschließend warnt, wenn wir zu eng in Kontakt mit einer infizierten Person waren. Doch wie soll das Großprojekt umgesetzt werden? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wann ist die Tracing-App verfügbar?

Bisher wurde angenommen, dass die Corona-Tracing-App bis Mitte April fertiggestellt sein würde. Danach verschob sich das Projekt auf Anfang Mai, da das technische Konzept namens PEPP-PT (Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing) intensiv getestet werden musste.

Am Donnerstag (07.05.2020) hieß es hingegen in Regierungskreisen, dass die Corona-Warn-App voraussichtlich Mitte Juni verfügbar sein wird. Die App soll sich zunächst auf die Unterbrechung von Infektionsketten konzentrieren. Die Option, dass Daten freiwillig an das Robert-Koch-Institut weitergegeben werden, soll später dazukommen. 

Was müssen Smartphone-Nutzer tun?

Für die Corona-App besteht keine Pflicht, sie kann also freiwillig heruntergeladen werden. Doch je mehr Menschen, mindestens 60 Prozent der Bürger, die App nutzen, desto besser kann sie funktionieren und umso genauer kann sie die Daten erfassen. Wenn die App im Appstore erhältlich ist, muss sie heruntergeladen und der Bluetooth-Modus dauerhaft aktiviert sein. Es kann jedoch sein, dass die Nutzung der App mehr Akku verbraucht und das Handy häufiger geladen werden muss. 

Wie funktioniert die App?

Ist die App auf dem Smartphone installiert und der Bluetooth-Modus eingeschaltet, sendet das Smartphone eine ID aus, während sie ID's fremder Nutzer aus der Nähe empfängt. Diese ID's werden von dem PEPP-PT-System immer wieder neu generiert, damit die Nutzer nicht identifizierbar bleiben. Wenn sich zwei Nutzer in Reichweite befinden, tauschen die Smartphones ihre ID's aus und speichern sie verschlüsselt und anonym ab, um im Fall einer Infektion zu warnen. Die Daten werden nach 21 Tagen automatisch gelöscht. Damit die App ihren Zweck erfüllt, müssen die zwei Personen mindestens zwei Minuten im Abstand von weniger als 1,5 Metern zueinanderstehen, damit die Smartphones Daten senden und empfangen können. Liegt bei einer der Personen eine Infektion vor, schlägt die App Alarm.

Die Unterschiede zu Apps, die bereits in Asien eingesetzt wurden, sind, dass keine GPS-Signale eingesetzt werden, die Daten nicht in einer Cloud gespeichert werden und keine Datenpakete an staatliche Stellen übersendet werden.

Welche Probleme bringt die App aktuell mit sich?

Da der Download der App freiwillig sein soll und es unterschiedliche Ergebnisse bei Umfragen zur Download-Bereitschaft gab, bezweifeln viele, dass sich genügend Bürger die App herunterladen. Ebenso ist strittig, wie zuverlässig die Messung via Bluetooth funktioniert. Es könnte, wie bei Bluetooth-Lautsprecherboxen auch, passieren, dass das Smartphone die Daten von einem infizierten Nachbarn durch die Hauswand misst. Somit gilt man selbst als infektionsgefährdet, obwohl man keinen direkten Kontakt zu der vermeintlich erkrankten Person hatte. Als problematisch wird ebenfalls die Stärke des Funksignals gesehen, da diese von Gerät zur Gerät variiert. 

Was muss ich tun, wenn ich infiziert bin?

Hat der Arzt das Coronavirus festgestellt, meldet er die Infektion an das Gesundheitsamt. Dieses gibt mir eine TAN-Nummer, welche ich in die Corona-App eingebe. Daraufhin wird meine Kontaktliste an einen zentralen Server übertragen. Von dort aus wird eine Warnung an alle von mir gesammelten ID's herausgeschickt. Diese Personen sollten sich anschließend um einen Coronatest kümmern und sich in Quarantäne begeben. Nähere ich mich hingegen einer infizierten Person, schlägt die App erst im Nachhinein Alarm, sodass ich nicht erfahre, wer die infizierte Person ist und wo man ihr begegnete.

Fazit zur Corona-Tracing-App

Zusammengefasst dient die App dafür, dass neue Infektionsherde schnell erkennbar werden und entsprechende Maßnahmen eingeleitet und Menschenleben gerettet werden können. Damit die App jedoch ihren Zweck erfüllt, müssen mindestens 60 Prozent der Bevölkerung die App nutzen. 

Datum: 08.05.2020

Autor: Christina Liersch

Schlagworte: