Krankheitsverlauf Coronavirus kann Gehirn und Nervensystem schädigen

Aktuell ist es wichtig, alle Symptome und Krankheitsverläufe des Coronavirus zusammenzutragen, um ein exaktes Bild der Erkrankung zu erhalten. Nach neuesten Erkenntnissen kann das Virus auch Gehirn und Nervensystem schädigen.

Gehirn

Bisher ist über das Coronavirus bekannt, dass Symptome wie Husten, Atemprobleme, eine Lungenentzündung und Abgeschlagenheit typisch sind und wie sich die Erkrankung zu einer Grippe oder Erkältung unterscheidet. Auch erkranken die Patienten unterschiedlich stark. So kann jemand das Virus in sich tragen, verspürt jedoch weder Symptome noch ein Krankheitsgefühl. Bei anderen Personen wiederum kann es zum vorübergehenden Verlust des Geruchssinns oder sogar einem Herzinfarkt kommen. Weltweit tragen Ärzte nun die Daten zusammen, um ein besseres Bild der Erkrankung zu erhalten. Nach neuesten Beobachtungen kann das Coronavirus auch Schäden im Gehirn und Nervensystem anrichten. 

Bei Untersuchungen aus China von 214 Patienten hatten 78 neurologische Beschwerden. Von ihnen hatten 13 Bewusstseinstrübungen, fünf einen Schlaganfall und einer einen epileptischen Anfall. Ärzte vermuten, dass die Viren die Nervenzellen angreifen könnten. 

Auch interessant: Was passiert mit der Lunge bei einer Coronavirus-Infektion? >>

Hirnhautentzündung

In Japan gab es den Fall eines 24-jährigen Mannes, welcher sich über eine Woche müde und matt fühlte, Kopfschmerzen und Schwindel hatte. Sein Arzt verschrieb ihm ein Grippemittel, welches jedoch nicht half. Neun Tage später bekam der Mann einen epileptischen Anfall und musste ins Krankenhaus. Die Ärzte entdeckten eine Hirnhautentzündung und eine leichte Viruspneumonie. Der Abstrich im Rachen auf Coronaviren war jedoch negativ. Sein Nervenwasser und Rückenmark wurde untersucht. Dort fanden die Ärzte neben Entzündungszellen auch Coronaviren. 

Geruchsstörungen

Eine Studie in Italien hat ergeben, dass 64 Prozent der Patienten mit milden Covid-19-Symptomen Geruchsstörungen hatten. Bei einer Untersuchung der belgischen Universität Mons waren es 86 Prozent bei 417 Personen mit leichten Symptomen. Ärzte vermuten, dass die Viren über die Riechbahn oder periphere Nerven wie der Nervus vagus in den Körper gelangen könnten. Der Nervus vagus erhält seine Signale aus dem Hirnstamm und ist für lebenswichtige Funktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck sowie Atmung und Reflexe zuständig.

Schlaganfall

Hinter den Schlaganfällen vermuten Forscher und Ärzte aktuell, dass eine direkte Entzündungsreaktion der Arterien ein Grund sein kann. Möglich wäre aber auch, dass das Gerinnungssystem, welches bei schweren Infektionen zur Abwehr aktiviert wird, Schlaganfälle auslösen kann. Vorerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck sowie bestimmte Medikamente erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall ebenfalls.

Lähmungen

In Italien und Wuhan gab es insgesamt sechs Patienten, die Lähmungen der Beine, Gesichtsmuskeln und Atmung aufwiesen. Bei den Fällen hatten die Ärzte Sars-CoV-2 im Körper festgestellt. Das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom, bei dem ohne erkennbaren Auslöser Rücken und Extremitäten anfangen zu schmerzen und sich innerhalb von Tagen eine aufsteigende Lähmung bildet, war schon bei Infektionskrankheiten mit Zika- oder Zytomegalieviren bekannt. Die Patienten wurden mit Antikörperinfusionen behandelt. Ob das Virus für das Syndrom zuständig war, ist noch nicht nachgewiesen. Zwei Patienten sind seither wieder gesund, zwei haben noch Lähmungen und zwei weitere müssen noch immer beatmet werden.

Auch interessant: Diese Faktoren beeinflussen den Krankheitsverlauf bei Covid-19-Patienten >>

Quelle: Spiegel Online

Datum: 24.04.2020

Autor: Christina Liersch

Schlagworte: