Coronavirus Ansteckungsgefahr bei Kindern: Drosten wehrt sich in Podcast gegen Vorwürfe

Der Virologe Christian Drosten ist einer der gefragtesten Experten dieser Tage – seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat er sich mit fundierten Expertenmeinungen einen Namen gemacht. Nun steht er jedoch in der Kritik – sein Preprint (wissenschaftlicher Beitrag, der das Begutachtungsverfahren noch nicht durchlaufen hat) rund um die Ansteckungsgefahr von Kindern wird hart kritisiert. Vital erklärt die Umstände.

christian_drosten

In seinem Podcast „Coronavirus Update“ informiert der Virologe Christian Drosten regelmäßig über die Entwicklungen der Corona-Pandemie. Doch immer häufiger sieht er sich nun wegen seiner wissenschaftlichen Erläuterungen und übergeordneten Betrachtungen Vorwürfen ausgesetzt. Dies betrifft vor allem auch seine Studie, in der er gemeinsam mit der Berliner Charité untersucht hat, ob Kinder und Jugendliche im Fall einer Infektion mit Coronaviren genau so ansteckend sind wie Erwachsene.

Coronavirus: Sind Kinder genauso ansteckend wie Erwachsene?

Für diese Studie untersuchte er 3712 Proben von positiv auf Coronaviren getesteten Patienten. Darunter waren auch 37 Kinder im Kindergartenalter, 16 Grundschüler und 74 Jugendliche – Vital berichtete. Das Ergebnis der Studie brachte Drosten zur Mutmaßung, dass es offenbar keine größeren Unterschiede bei der Viruslast von Kindern und Erwachsenen gibt. Womöglich mit ein Indikator für Konsequenzen, die bezüglich der weiterhin bestehenden Schul- und Kitaschließungen, gezogen wurden.

Drosten-Studie angeblich wissenschaftlich nicht haltbar

Erst Anfang der Woche äußerte sich die „Bild“ mit harten Worten gegenüber genau dieser Studie und Drosten. Laut der Bild sei die Studie "grob falsch" und die deutsche Schulpolitik „fiel einer falschen Studie zum Opfer“. Untermauert wurden diese Thesen von verschiedenen Experten wie zum Beispiel David Spiegelhalter, Statistik-Professor an der Cambridge-Universität, und Kevin McConvay, früherer Statistik-Professor der Open University. Kaum war der "Bild"-Artikel veröffentlicht, distanzierten sich die zitierten Wissenschaftler jedoch wieder. Was bleibt, ist ein großes Fragezeichen rund um die Studie und die Interpretation derer.

Christian Drosten setzt sich zur Wehr

In seinem Podcast moniert Drosten die vielen Beiträge in sozialen Medien, die gefährliches Halbwissen verbreiten. Unter den Laien seien oft Ärzte und Professoren, „die irgendeinen Quatsch in die Welt setzen, denen man aber aufgrund ihrer akademischen Qualifikation glaubt.“ Seiner Meinung nach sei das größte Problem dieser Krise: Zum Coronavirus hat einfach jeder eine Meinung - weil es uns alle betrifft. Und viele wollen ihre eben auch möglichst umfassend teilen.“ Drosten möchte mit Transparenz dazu beitragen, Vertrauen in die Forschung zu schaffen, die in unserer derzeitigen Situation die Basis für Entscheidungen ist, die gerade den Alltag eines jeden betreffen.

Datum: 27.05.2020
Autor: Lara Rygielski

Schlagworte: