6. Februar 2010
Tiere als Heiler

Tiere als Heiler

Es sollte sie auf Rezept geben: Pferde, Hunde, Katzen, Vögel oder Fische schützen vor Herzinfarkt und Schlaganfall, erkennen Krebs und bauen Stress ab.

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Diese treuen braunen Augen, die uns anbeten, dieses sanfte Schnurren, das uns entstresst… Haustiere zählen zu den wichtigsten Wohlfühlfaktoren des Menschen, bestätigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wissenschaftsforschung in Berlin an rund 10 000 Bundesbürgern. Und nicht nur das: Internationale Studien zeigen, dass unsere Freunde auf vier Pfoten, mit Schuppen oder Federn auch das Immunsystem stärken, vor Allergien schützen, Krebs erkennen, bei Alzheimer helfen, das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko senken.

ADRESSEN & TIPPS

Bücher: „Tiere als Therapie“, Dr. Sylvia Greiffenhagen, Kynos, 336 Seiten, 21 Euro ; „Heilende Haustiere“, Dr. Marty Becker, riva, 288 Seiten, 22 Euro.

Weitere Infos: Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft, Postfach 11 07 28, 28087 Bremen, www.mensch-heimtier.de

Im Buchhandel oder zu bestellen über: info@vitaldirekt-shop.de oder Tel. 0 18 05/15 70 00 (vitaldirekt, 14 Cent/Min., abweichender Mobilfunktarif)

Arzt ohne Studium

Hunde sind Kernspintomographen oder Ärzten in bestimmten Bereichen meilenweit überlegen – ganz ohne Studium. Ihre feuchte Schnauze ist mit über 220 Millionen Riechzellen ausgestattet, siebenmal üppiger als die Menschennase. Das Hochleistungsorgan ist so fein justiert, dass es einzelne Moleküle wie Benzolderivate erschnüffelt, die von Tumoren produziert werden. US-Psychiater Dr. Michael McCulloch von der Pine Street Clinic in San Anselmo, Kalifornien, wies nach, dass speziell trainierte Hunde Hautkrebs-Gewebeproben mit einer 97-prozentigen Treffsicherheit aufspüren – Ärzte „nur“ zu 66 Prozent.

Seine Kollegin Dr. Carolyn Willis vom Amersham Hospital im britischen Buckinghamshire entdeckte, dass Hunde Blasenkrebszellen in einer Urinprobe mit einer Sicherheit von 41 Prozent erkennen. Lungenkrebs spüren sie in der Atemluft auf – mit 99-prozentigem Erfolg! Und Brustkrebs entdecken die Vierbeiner zu 88 Prozent – besser als die Mammographie. Noch gibt es nur wenige ausgebildete Hunde, die fast ausschließlich in der Forschung eingesetzt werden. Weiter verbreitet ist „Dr. Dog“ bei Diabetikern oder Epileptikern. Er erkennt bei Frauchen oder Herrchen erste Anzeichen einer akuten Verschlechterung ihrer Krankheit und schlägt Alarm. Die Anschaffung eines solchen Spezialhundes kostet allerdings 6000 bis 8000 Euro – die Kassen zahlen nicht. Doch „unser bester Freund“ kann noch viel mehr.

Streicheln wir ihn 15 bis 30 Minuten, senkt sich unser Blutdruck um 10 Prozent. Prof. Rebecca Johnson, Missouri University College, fand heraus: „Streicheln steigert beim Menschen die Produktion von Wohlfühlhormonen wie Serotonin, Prolaktin und Oxytocin. Der höhere Glückshormonspiegel schenkt tieferen Schlaf, stärkt das Immunsystem, macht geistig beweglicher.“ Und: Bereits 12 Minuten Gassigehen pro Tag kräftigt die Herz- und Lungenfunktion um bis zu 15 Prozent.

Herz-Katzen

Was Hunde können, schaffen Katzen allemal. Dr. Adnan Qureshi, Direktor des Minnesota Stroke Institute, analysierte über zehn Jahre das Risiko von 4435 Amerikanern, an Gefäßleiden zu erkranken. „Das Ergebnis hat mich selbst verblüfft“, sagt er.Kein Wunder. Denn Katzen senken das Risiko eines Schlaganfalls oder einer Herzattacke um über 30 Prozent. Seine Vermutung: „Katzen bauen Stress ab, die Gefäße verkrampfen sich seltener.“ Und sie geben Kraft in Krisen. Die Psychologin Dr. June Nicholsen von der britischen Universität Warwick: „Patientinnen mit Brustkrebs verkraften Diagnose und Therapie deutlich besser, wenn sie eine Katze haben.“ Und: Die Samtpfoten verleihen Babys größere Abwehrkräfte gegen Allergene wie Gräserpollen, Hausstaubmilben und Tierhaare. Sie schützen sie später sogar vor Asthma und anderen Allergien. Prof. Dennis R. Ownby vom Medical College of Georgia: „Bereits zwei Vierbeiner in der Nähe des Babybettchens senken das Risiko um 50 Prozent!“

Rauf aufs Pferd!

Zur Therapie körperlich und geistig Behinderter wird die Hippotherapie seit 20 Jahren erfolgreich eingesetzt. Neu: Eine Studie des Neurologen Dr. Male Friedrich-Freksa, Berliner Charité, zeigt, dass Reiten auch Menschen mit schweren Muskelschmerzen helfen kann. Der Mediziner: „Direkt nach der ca. vierten Therapieeinheit verspürten alle Patienten eine Linderung. Einige waren sogar völlig schmerzfrei.“

Aqua-Beruhigung

Die still ihre Bahnen ziehenden Fische im Aquarium vermitteln nicht nur Ruhe, Frieden und Geborgenheit. Der Psychiater Dr. Aaron Katcher von der Universität Pittsburgh in Pennsylvania entdeckte, dass die langsam gleitenden Zierfische und die sanften Schwingungen der Wasserpflanzen wie ein Beruhigungsmittel wirken. Die Blutgefäße entspannen und weiten sich, der Blutdruck sinkt – der gleiche Effekt, den Ärzte bei Herz-und-Kreislauf Patienten nur durch Medikamente erzielen können. Fische helfen auch Alzheimer- Patienten, die das Essen oft vergessen und bedrohlich abmagern. Prof. Alan Beck, Purdue University Indiana: „Die leuchtenden Farben bewirken bei den Kranken anscheinend, dass sie sich mehr zu konzentrieren.“

Klein, aber fein

Auch Kleintiere tun der Gesundheit gut. Vögel etwa haben einen ähnlich beruhigenden Effekt wie Fische. Und wer ein kuscheliges Kaninchen oder einen flauschigen Hamster streichelt, lindert damit Schmerzen bei Schleimbeutelentzündungen, Arthrose und Rheuma.

Küssen verboten! Der beste Schutz vor Infektionen:

Leider gibt es auch Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden: die Zoonosen. Dazu gehört etwa die Salmonellose durch Hund, Katze und Reptilien, die zu Bauchschmerzen, Durchfall, Fieber und Erbrechen führt. Weitere Zoonosen: die Übertragung von Spulwürmern beim Ablecken, die Durchfallerkrankung Campylobakteriose oder die Papageienkrankheit, die Grippesymptome auslöst.

Die Übertragung kann allerdings durch relativ einfache Maßnahmen unterbunden werden: Tiere nach dem Impfkalender impfen lassen, regelmäßig entwurmen. Zecken, Milben, Läuse oder Flöhe sofort entfernen. Schlafplatz oder Käfig gründlich reinigen. Die Tiere nicht küssen. Bei den ersten Krankheitszeichen gleich zum Tierarzt. Um Allergien zu vermeiden, die nicht nur durch Tierhaare, sondern auch durch Speichel, Hautschuppen oder Urin verursacht werden können, gilt: Haustiere nicht ins Bett von Herrchen oder Frauchen krabbeln lassen.

Am besten: Schlafzimmer-Verbot. Neurodermitiker oder Menschen mit anderen Hauterkrankungen sollten während der akuten Schübe keinen Kontakt zu Haustieren haben.

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