20. August 2013
Gesundheitsmythen im Check

Gesundheitsmythen

Jeder kennt Sprichwörter wie "Schlaf ist die beste Medizin", aber was steckt dahinter und stimmen sie überhaupt? Medizinische Studien kommen zu erstaunlichen Ergebnissen.

Frau lachen Bett
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Frau lachen Bett

1. Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern

Die robusten Apfel-Faserstoffe (Pektine) fördern Verdauung und Stoffwechsel. Und sekundäre Pflanzenstoffe wie Quercetin verringern das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so eine Studie des National Public Health Institute in Helsinki/Finnland. Obendrein halten Äpfel das Hormon Insulin in Schach und regulieren so den Blutzucker. Vier Top-Sorten:
Jonagold: Die säurearmen Äpfel enthalten mit 27 Milligramm pro Stück viel Vitamin C und neutralisieren Schadstoffe.
Red Delicious: ist der beste Gefäßreiniger und Herzschützer. Er bekämpft zellschädigende aggressive Sauerstoffmoleküle.
Braeburn: wirkt durch den hohen Gehalt an Chlorogensäure fast wie eine Zahnreinigung: Er vernichtet Kariesbakterien.
Elstar: aktiviert das Immunsystem durch überdurchschnittlich viele Bioenzyme. Und er schützt vor Gelenkentzündungen.
Alte Frau Motorrad fahren
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Alte Frau Motorrad fahren

2. Man ist nie zu alt, um Neues zu lernen

Ein gezieltes Training von Wortschatz und Gedächtnis kann die Lernleistung bis ins hohe Alter sogar steigern. Das bewies die Züricher Längsschnittstudie zur Gedächtnisleistung im Alter (Zulu) an 334 gesunden Schweizern zwischen 66 und 81 Jahren.
Fitness fürs Gehirn: Ausdauertraining steigert die Hirndurchblutung, regt die Bildung neuer Neuronen an. Dafür reicht 2 bis 3 Mal pro Woche ein flotter Spaziergang von 30 Minuten aus. Und möglichst oft mit jemandem reden, rät Prof. Hans Georg Nehen, Memory Clinic in Essen: „Soziale Kontakte bringen mehr für die geistige Fitness als allein Kreuzworträtsel zu lösen.“ Brain-Food wie Omega-3-Fettsäuren in Lachs, Linsen oder Rapsöl schützen das Gehirn, täglich Nüsse oder Beeren verbessern die Denkfähigkeit um bis zu 20 Prozent.

3. In der Ruhe liegt die Kraft

Achtsamkeitsmeditationen stärken nachweislich das Immunsystem, zeigt eine Studie der Universität Chicago. Die Abwehrzellen werden aktiver, die Heilungschancen für Krankheiten steigen. Auch bei Dauerschmerzen, Niedergeschlagenheit oder Stress wirkt eine Meditation positiv.
So geht’s: Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einer Insel im Meer. Sie blicken ins ruhige Wasser, sehen nur tiefes Blau. Sie tauchen hinein, bis auf den Grund. Auch dort ist es absolut still. Jetzt stellen Sie sich vor, wie das Meer Ihren ganzen Körper sanft umflutet, wie sich seine Ruhe und Kraft in Ihnen ausbreitet.

4. Schlaf ist die beste Medizin

Bereits nach einer Woche mit nur sechs Stunden Schlaf oder weniger pro Nacht baut das Immunsystem ab. Stressreaktionen und Entzündungen nehmen zu, belegt eine aktuelle britische Studie der Universität Surrey. Schlechter Schlaf schwächt auf Dauer das Herz, das Erkältungsrisiko verdreifacht sich. Wenigschläfer werden zudem dicker. Als optimal gelten sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht.
Tipps für gesunden Schlaf: Nach 19 Uhr nichts mehr essen. Immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen, Laptop oder TV aus dem Schlafzimmer verbannen. Die optimale Temperatur liegt bei 16 bis 17 Grad, die beste Wandfarbe ist Rosa. Bloß keine wilden Tapetenmuster – sie bringen nur Unruhe. Legen Sie alle Ihre Sorgen auf einen „Grübelstuhl“, oder notieren Sie sie in einer Kladde. Das macht die Probleme kleiner. Und: Ein Tee aus Baldrian, Melisse, Hopfen und Passionsblume lässt Sie gut schlafen.
Erholsamer Schlaf hilft auch beim Abnehmen. Nicht umsonst hat die Diät "Schlank im Schlaf" einen besonders guten Ruf. Lesen Sie mehr über diese Diät auf fuersie.de
Frau strecken Bett
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Frau strecken Bett

Weitere Weisheiten

5. Man ist so jung, wie man sich fühlt

Frauen um die 40 sind fit, vital und attraktiv wie keine Generation vor ihnen. Und sogar über 70-Jährige fühlen sich heute rund 13 Jahre jünger, als es ihren Lebensjahren entspricht, sagt Prof. Jacqui Smith von der Universität Michigan/USA. Und: Weil sie sich jünger fühlen, handeln sie „jünger“ und werden auch als jünger wahrgenommen.
Anti-Aging-Programm mit Power-Food: Tomaten, Aprikosen, Karotten und Ketchup enthalten die Faltenkiller Lycopen und Karotin. Den Cholesterinspiegel senken 5 EL Olivenöl täglich. Es schützt auch die Gefäße. Probiotischer Joghurt stärkt die Knochen durch Kalzium und den Darm durch „freundliche“ Bakterien. Und Rotwein, in Maßen, stärkt Herz und Stoffwechsel, er verlangsamt auch den Alterungsprozess.

6. Das ist so überflüssig wie ein Kropf

Tatsächlich müsste niemand einen Kropf haben. Denn obwohl Deutschland als Jodmangelgebiet gilt, könnten wir über die Nahrung genug Jod zu uns nehmen, damit die Schilddrüse gesund bleibt. Doch rund 40 Prozent der Deutschen leiden an einer vergrößerten Schilddrüse, Tendenz steigend. Schon heute hat jedes vierte Kind zwischen 6 und 12 Jahren zu wenig Jod im Blut, bemängelt das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund.
So vermeiden wir Jodmangel: Erwachsene brauchen rund 200 Mikrogramm Jod pro Tag. Deshalb mit jodiertem Salz würzen, viel Bergkäse, Fisch, Roggenbrot, Krabben, Feldsalat essen und Vollmilch trinken.

7. Nach dem Essen sollst du ruh’n oder 1000 Schritte tun

Stimmt – bis aufs Wörtchen „oder“. Nach dem Essen schaltet das vegetative Nervensystem den Sympathikus, einen seiner Hauptnerven, auf Sparflamme. Und seinen Gegenspieler, den Parasympathikus, auf Turbomodus. Das lenkt Energie und Blut in den Bauch, weg vom Kopf. Der Biorhythmus sinkt in ein Tief, sehnt sich nach Erholung. Gönnen Sie sie ihm. Danach braucht der Körper aber Bewegung, um die Verdauung zu aktivieren. Dabei wären 3000 Schritte deutlich besser als 1000.
Ideal für schnelle Kräfte-Rückkehr: ein Powerschlaf von 20 Minuten. Oder eine Yoga-Gedankenpause: Setzen Sie sich an einen Tisch, der ungefähr einen halben Meter von Ihnen entfernt steht. Legen Sie nun die Unterarme und die Stirn auf der Tischplatte ab, und atmen Sie anschließend 30-mal ruhig ein und aus.

8. Gegen jedes Wehwehchen ist ein Kraut gewachsen

Pflanzliche Arzneien wirken bei vielen Beschwerden oft so gut wie Labormedikamente. Eine Studie der Universität Köln zeigt etwa, dass Beinwell bei Verstauchungen genauso effektiv hilft wie chemische Schmerzgels. Weitere sieben super Heilkräuter: Spitzwegerich bei Erkältung, Mädesüß gegen Durchfall, Salbei bei Halskratzen, Kamille bei Magen-Darm-Beschwerden, Mönchspfeffer bei PMS, Eibisch bei Husten, Brennnessel bei Blaseninfekten.
Teerezept gegen Migräne: 2 gehäufte TL Gänsefingerkraut aus der Apotheke mit 1/4 l kochendem Wasser überbrühen. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Bei Migräne-Attacken 2 bis 4 Tassen pro Tag warm trinken.

9. Den Kopf halt kühl, die Füße warm, das macht den reichsten Doktor arm

Der führende Erkältungsforscher Prof. Ronald Eccles, Direktor des Common Cold Centre der Universität Cardiff/Großbritan- nien, ist überzeugt: Sind die Füße kalt, werden die Schleimhäute schlechter durchblutet, und die Abwehrzellen arbeiten nicht mit voller Kraft. Wir erkälten uns dann leichter, bekommen schneller eine Blasenentzündung. In einer Studie kühlte Eccles die Füße von 90 Menschen ab, eine gleich große Kontrollgruppe behielt warme Füße. Von den „Eisfüßen“ holte sich jeder 10. einen Schnupfen, in der Kontrollgruppe nur jeder 24. Und ein kühler Kopf? Der stimuliert das Immunsystem.
Das wärmt die Füße: Kleine Wanne mit 38 Grad warmem Wasser füllen. Pro Liter 1 TL Senfpulver (Reformhaus) zugeben, umrühren. Füße 20 Minuten darin baden.
Das kühlt den Kopf: Stirn mit Pfefferminzöl (z. B. „Euminz“, Apotheke) einreiben.

10. Lachen ist gesund

Beim Lachen aktivieren wir mehr als 100 Muskeln. Der Körper entspannt, Sauerstoff durchflutet die Zellen, Herz und Immunsystem werden gestärkt. Das Gehirn fährt die Produktion von Glückshormonen hoch. 15 Minuten Lachen senken sogar Schmerzen, entdeckten Forscher der Universität Oxford/Großbritannien. Erwachsene lachen aber nur 15-mal am Tag.
Da kann Lachyoga helfen: Weit nach vorn beugen, Arme 3 Minuten locker hängen lassen, herumschlenkern. Dabei vor sich hin lachen: „Hoho, haha, hoho, haha.“ Und üben Sie das „innere Lächeln“: Augen schließen, dann stellen Sie sich Strand, Sonne und rundherum lachende Gesichter vor. Nun einfach lächeln.
Frau nachdenken
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Frau nachdenken

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