17. Dezember 2016
Die Wirkung von Heilpflanzen

Die Wirkung von Heilpflanzen

Heilkraft aus der Kälte, bei Kopfweh oder fürs Immunsystem: die zehn besten Heilpflanzen und ihre Gesund-Geheimnisse

Heilpflanze: Die 10 besten Kräuter
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Heilpflanze: Die 10 besten Kräuter
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Sie sind die ewigen Querulanten unter den heimischen Heilpflanzen, nicht synchron mit dem Takt der Jahreszeiten. Während sich das Gros der Gesund-Pflanzen in der Winterruhe zurückzieht, legen einige von ihren Artgenossen jetzt erst richtig los. Die Christrose ist so eine. Sie lässt ihre eleganten, hochzeitskleidweißen Blüten in die klirrend kalte Winterluft hineinwachsen, schiebt dabei sogar Raureif und Schnee beiseite. Andere wie der Schlehdorn oder die Eberesche, sind schon einen Schritt weiter – und schmücken ihre Zweige mit prallen Früchten in samtigem Violettblau oder sattem Kirschrot. Als wäre jeden Tag Weihnachten. Und tatsächlich beschenken sie uns in der grauen Tristesse nicht nur mit ihrem Farbtupfer-Zauber. "Wie die Frühjahrs- und Sommerblüher haben auch die Phyto-Nachzügler eine starke Heilwirkung", sagt Heilpflanzen-Experte Dr. Johannes Gottfried Mayer. Es lohnt sich also, mit einem Korb in der Hand zur Winter-Sammlerin zu werden. Oder die Heilkräuter zu kaufen. Der Fachmann verrät, welche der zehn späten Pflanzen besonders gesund sind, was klinische Studien erforscht haben und wogegen uns ihre inneren Werte helfen.

Heilpflanze Mistel
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Heilpflanze Mistel

Heilpflanze: Mistel (Viscum Album)

Immunstarker Untermieter!

Wir kennen sie alle von dem schönen Weihnachtsbrauch, sich unter ihren Zweigen zu küssen. Die weißbeerige Mistel wächst kugelförmig auf Wirtsbäumen, saugt ihnen Wasser und Nährstoffe ab, lässt sie aber am Leben.

Der Experte sagt: Mistelextrakte werden sehr häufig in der Krebstherapie eingesetzt, weil sie bei vielen Patienten Befinden und Lebensqualität deutlich verbessern. Die Mistel begleitet als ein anerkanntes Komplementärmittel konventionelle Tumor-Therapien.

Das hilft: Spritzen mit Mistelextrakt, die naturheilkundliche und anthroposophische Ärzte oder Heilpraktiker verabreichen können, stärken das Immunsystem. Sie mildern Nebenwirkungen der Chemotherapie, ohne deren Wirkung zu beeinträchtigen. Als Schutz vor Erkältung: 1 EL Mistelkraut (in Apotheken) mit 1/4 l kaltem Wasser übergießen, am nächsten Tag abseihen. Täglich 3 Tassen trinken.

Heilpflanze: Efeu (Hedera Helix)
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Heilpflanze: Efeu (Hedera Helix)

Heilpflanze: Efeu (Hedera Helix)

Immergrüne Klettermaxe

Der anspruchslose Kletterkünstler rankt mit seinen Haftwurzeln bis zu 20 Meter an Mauern oder Bäumen hoch. Und mit 450 Jahren Lebenszeit kann er zum Methusalem unter den Heilpflanzen werden. Wegen seiner enormen Robustheit gilt er als Symbol für ein ewiges Leben.
Der Experte sagt: Der Efeu-Inhaltsstoff alpha-Hederin stützt eine gesunde Lungenfunktion, regt über Nervenfasern im Magen die Bronchialschleimhaut an, dünnflüssigeren Schleim zu bilden. Es kommt so seltener zu Hustenreiz. Die verkrampfte Bronchialmuskulatur entspannt sich, das Atmen fällt wieder leichter. Zudem hat Efeuextrakt laut jüngster Studien einen sehr beachtlichen entzündungshemmenden Effekt.

Das hilft: Wegen der giftigen Bestandteile des Efeus ist von einer Selbsttherapie abzuraten. Präparate, die Efeuextrakt enthalten (z. B. „Esberi-Efeu“, in Apotheken), lindern hartnäckigen Husten.

Heilpflanze: Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum Opulus)
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Heilpflanze: Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum Opulus)

Heilpflanze: Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum Opulus)

Für ganz entspannte Tage

Das Moschuskrautgewächs ist eine strauchige Pflanze mit ballartiger, weißer Blütenpracht. Der Schneeball-Vergleich passt also. Ihre Heilkraft steckt vor allem in ihren roten Steinfrüchten.

Der Experte sagt: Wie die Schlehenfrüchte werden auch die Beeren des Schneeballs meist nach dem ersten Frost geerntet. Denn dann überdeckt ihr Fruchtzucker den säuerlich-bitteren Geschmack und die Minusgrade bauen die Giftstoffe ab. Vor allem in der osteuropäischen Volksmedizin werden die Beeren in heißem Wasser zerdrückt und mit Honig bei Erkältungen getrunken. Bei uns setzen Schulmediziner Extrakte aus der Schneeballrinde als krampflösendes Mittel bei Regelbeschwerden ein. Die Inhaltsstoffe der Heilpflanze wirken auch harntreibend.

Das hilft: Da die Pflanze giftig ist, sollten Sie auf eine Selbstbehandlung besser verzichten. Als homöopathisches Komplexmittel aus der Apotheke dämpft der Schneeball mit Blauem Hahnenfuß oder Küchenschelle krampfartige Regelbeschwerden (z. B. „Pascofemin Spasmo“).

Heilpflanze: Rosmarin (Rosmarinus Officinalis)
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Heilpflanze: Rosmarin (Rosmarinus Officinalis)

Heilpflanze: Rosmarin (Rosmarinus Officinalis)

Kick für den Kreislauf

Seine ätherischen Öle verströmen sogar im Winter tolle Duftwolken.

Der Experte sagt: Die Öle wirken gegen Bakterien, Pilze, niedrigen Blutdruck, Rheuma, Verdauungsstörungen.

Das hilft: Bei schwachem Kreislauf 50 g frische Blätter mit 1 l Wasser aufkochen. 15 Min. ziehen lassen, abseihen. Ins Badewasser geben und morgens 20 Min. darin entspannen. Als Getränk: z. B. „Schoenenberger Naturreiner Heilpflanzensaft Rosmarin“. Bei Verdauungsproblemen: „Salus Rosmarinblätter Tee“ (beides in Apotheken, Reformhäusern, Bioläden).

Heilpflanze: Hundsrose (Rosa Canina)
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Heilpflanze: Hundsrose (Rosa Canina)

Heilpflanze: Hundsrose (Rosa Canina)

Ein topgesundes Fitmacher-Früchtchen

Sie gehört zu den beliebtesten Heilpflanzen der Klostermedizin. Ihre Blütenblätter wurden meist als Rosenöl eingesetzt. In Kombination mit anderen Arzneipflanzen z. B. zur Wundbehandlung oder bei Entzündungen der Mundschleimhaut.

Der Experte sagt: Heute sind vor allem ihre Früchte – die Hagebutten – als heilsames Superfood beliebt. Sie weisen einen hohen Gehalt an Vitamin C auf, sind reich an Carotinoiden, Gerbstoffen, ätherischen Ölen. Aktuelle Studien zeigen, dass Hagebuttenpulver mit seinem Inhaltsstoff Galaktolipid Entzündungen hemmt, freie Radikale bindet und Arthrosebeschwerden deutlich vermindert.

Das hilft: Hagebuttenpulver erhalten Sie in der Apotheke (z. B. „Litozin“). Hausmittel: 1 kg zerteilte, entkernte Hagebutten in 500 ml Wasser über Nacht stehen lassen. Dann ca. 30 Min. weich kochen. Passieren, mit 150 g Manukahonig verrühren. Im Schraubglas gekühlt 2–3 Wochen haltbar. 6–8 TL am Tag stärken die Abwehr.

Heilpflanze: Eberesche (Sorbus Aucuparia)
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Heilpflanze: Eberesche (Sorbus Aucuparia)

Heilpflanze: Eberesche (Sorbus Aucuparia)

Beerenstarke Wirkung für Bronchien und Bauch

Viele Vögel lassen sich die orangeroten Früchte des Rosengewächses gut schmecken. Deshalb heißen sie im Volksmund auch Vogelbeeren. Sie sind entgegen landläufiger Meinung nicht giftig. Ihre Parasorbinsäure kann aber Magenprobleme verursachen.

Der Experte sagt: Nach dem ersten Frost oder eingekocht können Sie die Beeren auch in größeren Mengen futtern, da dann die Säure in gut verträgliche Sorbinsäure umgewandelt wurde. Vogelbeeren sind mit bis zu 100 mg pro 100 g wahre Vitamin-C-Bomben. Augenärzte können einen Auszug der Vogelbeere, das Sorbit, zur Senkung des Augeninnendrucks bei grünem Star intravenös verabreichen.

Das hilft: In der Naturheilkunde werden Blätter, Blüten und Beeren bei Husten, Bronchitis, Magenproblemen als Tee eingesetzt: 1 TL getrocknete Beeren (in Apotheken) mit 1 Tasse kaltem Wasser ansetzen. 5 Minuten kochen, 10 Minuten ziehen lassen. Pro Tag 2 bis 3 Tassen.

Heilpflanze: Zaubernuss (Hamamelis Virginiana)
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Heilpflanze: Zaubernuss (Hamamelis Virginiana)

Heilpflanze: Zaubernuss (Hamamelis Virginiana)

Wunder-Balsam macht heile Haut

Dem ungewöhnlichen Zeitpunkt der Blüte im Winter verdankt der bis zu acht Meter mächtige Strauch mit seinen gelben, fühlerähnlichen Blüten seinen Namen. Schon die Cherokee-Indianer behandelten mit Abkochungen der Äste und Zweige Wunden und Blutungen.

Der Experte sagt: Heute werden mit Rezepturen aus Rinde und Blättern Hämorrhoiden, leichte Hautverletzungen und -entzündungen therapiert. Die Gerbstoffe und ätherischen Öle helfen auch bei Krampfadern, Durchfällen, Neurodermitis und trockener Altershaut.

Das Hilft: 6 TL Hamamelisblätter (in Apotheken) mit 375 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Bei Hämorrhoiden oder Hautentzündungen ins 38 Grad warme Badewasser geben. 20 Minuten darin liegen. Tut auch gut: mehrmals täglich als Salbe auftragen (z. B. „Weleda Hamamelis comp. Salbe“, in Apotheken).

Heilpflanze: Christrose (Helleborus Niger)
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Heilpflanze: Christrose (Helleborus Niger)

Heilpflanze: Christrose (Helleborus Niger)

Homöopathische Hilfe

Zur Weihnachtszeit, oft auch durch den Schnee hindurch, öffnet sie ihre blendend weißen Blüten. Kein Wunder, dass das Hahnenfußgewächs auch „Christrose“ oder „Schneerose“ heißt. Denn schön wie die Königin der Blumen ist sie allemal.

Der Experte sagt: Sie enthält in allen Pflanzenteilen Giftstoffe. Besonders ihr Hellebrin wirkt ähnlich wie die Herzglykoside der Fingerhutgewächse (Digitalis). Als Arzneimittel kann nur das isolierte Hellebrin bei Herzschwäche verwendet werden.

Das hilft: Für die Selbstbehandlung ist die Christrose wegen ihrer Giftigkeit keinesfalls geeignet! Ausnahme: In homöopathischer Potenzierung lässt sich Helleborus D6 (z. B. von DHU, in Apotheken) bei Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Schwindel, Niedergeschlagenheit, beginnender Demenz, Migräne oder Kopfweh anwenden.

Heilpflanze: Cranberry (Vaccinium Macrocarpon)
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Heilpflanze: Cranberry (Vaccinium Macrocarpon)

Heilpflanze: Cranberry (Vaccinium Macrocarpon)

Beschützerin der Blase

Die Großfrüchtige Moosbeere (engl.: Cranberry) ist die kanadische Schwester der Heidelbeere. Die langen, roten Blüten-Staubgefäße des Moorbewohners erinnern an Kranichschnäbel. Deshalb auch unser Name „Kranichbeere“.

Der Experte sagt: Beeren und Saft sind ein beliebtes Mittel gegen Harnwegsinfekte – vor allem bei jüngeren Frauen. Ihre starken Antioxidantien wie Flavanole verhindern, dass sich Bakterien an die Blasenschleimhaut heften. Und es gibt Hinweise, dass sie bei Infektionen der Mundhöhle und Zahnbelag wirksam sind.

Das hilft: Trinken Sie bei Blasenentzündung 2- bis 3-mal täglich 200 ml Cranberry-Muttersaft (in Reformhäusern). 50 ml pro Tag können vor neuen Infektionen schützen. Abwehr und Blase stärkt auch die Kombination aus Cranberryextrakt, Zink, Selen und Vitamin C (z. B. „Urofe- min“, in Apotheken).

Heilpflanze: Schlehdorn (Prunus Spinosa)
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Heilpflanze: Schlehdorn (Prunus Spinosa)

Heilpflanze: Schlehdorn (Prunus Spinosa)

Eine Handvoll Schnupfen-Stopper

Schon in den ersten Frühlingstagen, lange bevor seine Blätter ausschlagen, blüht das Rosengewächs schneeweiß auf. Seine Früchte, die an kleine Pflaumen erinnern, sind aber erst nach der ersten Frostnacht genießbar.

Der Experte sagt: Schlehen sind unter ihrer dunkelvioletten Haut randvoll mit Vitamin C, Gerbstoffen und Säuren, die einem selbst nach dem Frost sauer aufstoßen.

Das hilft: Kündigt sich mit Halskratzen eine Erkältung an, eine Handvoll frische Schlehen lange im Mund behalten. Das verhindert den Ausbruch der Infektion, wirkt auch bei Entzündungen in Mund und Rachen. Bei Erschöpfung: 5 EL Schlehensaft (in Reformhäusern) in 1 Glas Wasser langsam trinken.

Kräuter richtig trocknen
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Kräuter richtig trocknen

Kräuter richtig trocknen

Richtig Trocknen und Aufbewahren

Tipps zum Sammeln

Nur Kräuterhexen können die Heilkraft der Winterblüher erhalten? Von wegen. Dieses kleine Einmaleins hilft auch Ihnen dabei

Erntezeit

Pflücken Sie am späten Vormittag, sobald der Morgentau abgetrocknet, der Raureif getaut ist. Dann haben die Heilpflanzen den höchsten Wirkstoffgehalt. Nicht in Plastiktüten, sondern im luftigen Korb transportieren. Die Heilpflanzen auf keinen Fall quetschen.

Sanft trocknen

Gebündelte Kräuter kopfüber an einem warmen, trockenen Ort an der Wäscheleine festklammern.

Schnelle Lösung

Wer die Kräuter ruck, zuck als Trockenvariante für ein Heilrezept braucht, sollte sie waschen, zwischen Küchenkrepp abtrocknen und bei 600 Watt drei bis vier Minuten in die Mikrowelle geben.

Ab ins Glas

Wenn sich die getrockneten Pflanzen leicht zerreiben lassen, in dunkelbraun getönte Gläser geben. Schraubdeckelgläser mit Alufolie im Deckel luftdicht verschließen.

Verfallsdatum

Gut aufbewahrt behalten die Kräuter – auch gekaufte – bis zu einem Jahr ihren Wirkstoffgehalt. Das „Einweck“- Datum mit einem Etikett dokumentieren.

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