6. Oktober 2011
Bäume in der Naturheilkunde

Bäume in der Naturheilkunde

Blätter, Rinde, Saft, Holz und Harz werden schon seit Urzeiten als Medizin genutzt. Vital zeigt, welche Heilkraft in Birke, Ahorn & Co steckt.

Tanne
Tanne

Tanne

Die Empfindsame

Im Mittelgebirge fühlt sich die Tanne (bot.: Abies alba) am wohlsten. Bis zu 40 Meter hoch ragt sie oft kerzengerade in den Himmel. Ihr bis zu einem Meter dicker hellgrauer Stamm mit seinem weichen Holz ist bis zur halben Länge astfrei. Die Tanne kann 500 bis 800 Jahre alt werden – aber sie reagiert sehr empfindlich auf Schadstoffe, Klimaveränderungen, Schädlinge und Wildverbiss.

Heilwirkung: Die ätherischen Öle der Weißtanne wie Pinen oder Camphen wirken antimikrobiell und durchblutungsfördernd. Sie lösen Verschleimungen der Bronchien, sind harn und schweißtreibend. Wichtig: für Patienten mit Bronchialasthma und Keuchhusten nicht geeignet!

Das beste Rezept: Bei Erkältungen, Atemwegsproblemen und rheumatischen Beschwerden lindert ein Badezusatz die Beschwerden. Dafür 200 Gramm frisch gesammelte Nadeln in 1 l Wasser etwa 5 Minuten kochen lassen und dem ca. 38,5 Grad warmen Badewasser beimischen.

Birke
Birke

Birke

Die Überlebenskünstlerin

Der weißstämmige Baum (bot.: Betula alba) ist eine typische Pflanze des Nordens, robust und genügsam. Sie gedeiht auch auf nährstoffarmen Böden und besiedelt gern freie Flächen. Birken können bis zu 160 Jahre alt und 30 Meter hoch werden. Sie sind die Sprinter unter den Bäumen, schießen in nur sechs Jahren bis zu sieben Meter in die Höhe.

Heilwirkung: Der weiße Birkenkork hat einen Betulin-Anteil von 22 Prozent. Die Schutz-Substanz der Rinde wirkt antientzündlich und antibakteriell und fördert die Wundheilung. Jüngste Studien belegen, dass Betulin auch den Stoffwechsel beschleunigt. Blätter, Knospen und der Saft enthalten Bitter und Gerbstoffe, die bei Nieren und Blasenleiden helfen. Vorsicht bei einer Allergie auf Birkenpollen!

Das beste Rezept: Bei Harnwegsinfekten hilft Birkenblätter-Tee (Apotheke). 1 TL geschnittene Blätter mit 1 Tasse Wasser aufbrühen, 10 Minuten ziehen lassen. Täglich 3 Tassen.

Ahorn
Ahorn

Ahorn

Das Chamäleon

Ein schattiges Plätzchen, der Boden etwas lehmhaltig – dann ist der Ahorn (bot.: Acer) in seinem Element. Der Baum mit den charakteristischen, fingerähnlichen, fünflappigen Blättern wächst bis zu 20 Meter hoch. Seine Stammfarbe ist in der Jugend braun-weiß gepunktet, dann rötlich braun, im hohen Alter (wird bis zu 200 Jahre alt) weißgrau.

Heilwirkung: Ahornblätter haben eine kühlende Wirkung durch Gerbstoffe, Seifenstoffe und den Alkohol Cholin. Traditionell wird Ahorn deshalb bei Insektenstichen, gereizter, entzündeter oder geschwollener Haut eingesetzt.

Das beste Rezept: Frisch gesammelte Ahornblätter mit dem Mörser zerstoßen und direkt auf die irritierte Haut legen. Das beruhigt und kühlt sie wohltuend. Bei offenen Entzündungen 1 bis 2 zerkleinerte Blätter mit 1/4 l kochendem Wasser aufbrühen, 10 Minuten ziehen und etwas abkühlen lassen, abseihen. Ein Leintuch darin eintauchen, auf die betroffene Stelle legen, 20 Minuten einwirken lassen.

Linde
Linde

Linde

Der Methusalem-Baum

Verliebte schnitzen gern ein Herz mit ihren Initialen in die Rinde der Linde (bot.: Tilia). Kein Wunder, denn sie besitzt ein sehr weiches Holz, das deshalb auch Schnitzholz genannt wird. Der Laubbaum wächst bis zu 40 Meter hoch und erreicht ein Methusalem- Alter von bis zu 1000 Jahren. Früher stand in vielen Orten eine Linde als Zentrum, dort wurde das Dorfgericht abgehalten. Daher auch der Name „Gerichtsbaum“.

Heilwirkung: Die ätherischen Öle der Blüten lösen durch Gerb- und Pflanzenfarbstoffe Schleim in den Atemwegen, wirken schweißtreibend und entkrampfend, beruhigen die Nerven und senken Blutdruck und Fieber.

Das beste Rezept: Gegen Fieber oder Erkältung hilft ein Tee aus 2 bis 3 TL Lindenblüten (Apotheke). Mit 1 Tasse kochendem Wasser aufbrühen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und noch heiß trinken. 3-mal täglich 1 Tasse. Der Tee wirkt auch perfekt gegen Blasenentzündungen, weil er Erreger herausspült.

Rosskastanie
Rosskastanie

Rosskastanie

Die Stachelige

Aus Griechenland gelangte der mächtige Baum (bis zu 30 Meter hoch, bot.: Aesculus hippocastanum) mit seiner dicken Laubkrone im 16. Jahrhundert nach Mitteleuropa. Der Flachwurzler wächst immer in einer Rechtsdrehung, hat siebenfingrige Blätter, erfreut im Mai mit Blütenkerzen und im Herbst mit seinen stacheligen Kastanien.

Heilwirkung: Die beiden wichtigsten Inhaltsstoffe sind Aesculin in der Rinde und Aescin in den Samen. Aesculin regt den Stoffwechsel an, fördert die Durchblutung und wirkt gewebefestigend. Der seifenartige Stoff Aescin entwässert das Gewebe. Die Extrakte festigen die Arterienwände, fördern die Durchblutung der feinsten Blutgefäße und werden deshalb vor allem bei Venenleiden eingesetzt.

Das beste Rezept: Für eine Tinktur gegen müde Gefäße 5 frische Kastanien schälen und klein hacken. Mit einer Tasse 40-prozentigem Zwetschgenwasser übergiessen und einen Tag in einem dunklen Gefäß ziehen lassen, dann filtern. Täglich ein 1 EL einnehmen.

Eiche
Eiche

Eiche

Die Standhafte

Sie kommt in fast ganz Europa vor, wächst 20 bis 50 Meter hoch und streckt ihre Äste weit nach allen Seiten aus. Ganz nach dem Motto: „Platz da, hier steh ich!“ Der Baum wird mit bis zu 1300 Jahren Lebensdauer älter als die Linde, seine Blätter sind oft löchrig und ausgebuchtet. Die Eiche (bot.: Quercus robur) wirft im Herbst ihre länglich schmalen Früchte, die Eicheln, ab.

Heilwirkung: Eichenrinde enthält den Gerbstoff Tannin. Er lindert Entzündungen, etwa bei Infektionen der Haut, bessert Ekzeme, Hämorrhoiden, Furunkel, Wunden und hilft gegen Fußschweiß. Eichenrinde-Bäder sind zudem die ideale antientzündliche Begleittherapie bei Scheidenpilz, denn sie stoppen das Jucken und Brennen.

Das beste Rezept: Für ein warmes Bad 500 bis 900 Gramm Eichenrinde (Apotheke) 20 Minuten kochen. Sud filtern, ins 37 Grad warme Badewasser geben. 15 bis 20 Minuten darin baden. Wichtig: Die Haut danach gut abtrocknen.

Linde
Linde

Die Heilkraft der Bäume

Das weltweit bekannteste Schmerzmittel Acetylsalicylsäure, kurz ASS oder Aspirin, wurde ursprünglich aus der Rinde der Weide gewonnen, wirksame Medikamente gegen Brustkrebs stammen aus der Eibe. Schon die Griechen, Kelten und Germanen und Heilerinnen wie Hildegard von Bingen (1098–1179) wussten um die therapeutische Wirkung der Bäume. Heute untermauern immer mehr Studien die Erkenntnisse dieser uralten Ethnomedizin.

Einige Beispiele: Wie sehr das Grün der Bäume die Konzentration fördert und Stress reduziert, bewies Prof. Tove Fjeld von der Uni Oslo in einer zweijährigen Untersuchung. Dazu schmückte die Agrarforscherin die Hälfte der Büros einer norwegischen Ölgesellschaft mit Pflanzen. Ein grünes Wunder geschah: In diesen Büros litten die Angestellten deutlich seltener unter Kopfschmerzen und gereizter Haut als in den Räumen ohne Pflanzen. Auch Klinik- Patienten profitieren vom Grün, bewiesen texanische Wissenschaftler vom College of Architecture: Patienten in Zimmern mit einem Ausblick auf Bäume benötigten deutlich weniger Schmerzmittel. Am heilsamsten ist es jedoch, sich regelmäßig in der Natur aufzuhalten. Das ergab eine groß angelegte Studie von Jolanda Maas, University Medical Center in Amsterdam, an über 345 000 Holländern.

So leiden etwa Menschen, die maximal einen Kilometer von einer Grünanlage entfernt wohnen, seltener unter Angststörungen, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Je öfter sie in der Natur sind, desto gesünder werden – und vor allem bleiben – sie. Ulrich Mautner, Leiter des wissenschaftlichen Marketings von Salus Natur-Arzneimittel, sagt: „Bäume wirken auch auf die Seele. Sie vermitteln wohltuende Ruhe in unserer hektischen Zeit.“ Und die Schweizer Pflanzen-Therapeutin Marianne Elisabeth Ziegler („Die 12 großen Heilbäume Mitteleuropas“, Mächler Verlag, 80 Seiten, 19 Euro) ist sogar überzeugt: „Bäume sind die großen Brüder des Menschen, die ihm ihre Hilfe anbieten.“ Wir stellen Ihnen sechs dieser grünen Helfer mit ihren besten Heilrezepten vor.

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