Selbstmedikation mit Ölen Die Eizelle lockt mit einer Art Maiglöckchenduft

Ihre starke Wirkung verdanken sie Duftmolekülen, die unser Körper seit Jahrtausenden kennt – und einem Sinn, der niemals schläft: So stärken ätherische Öle die Selbstheilungskräfte.

Lavendel

Die Eizelle lockt mit einer Art Maiglöckchenduft

Pflanzen locken mit ätherischen Ölen Insekten an oder halten sie fern. Für Menschen hat sich die Natur ähnliche Duft-Tricks ausgedacht: So produziert die weibliche Eizelle eine Art Maiglöckchenduft, um unentschlossene Samenzellen anzulocken. Krebszellen in der Prostata lassen sich dagegen mit Veilchenduft stoppen, fand Prof. Hanns Hatt heraus, Inhaber des Lehrstuhls für Zellphysiologie an der Universität Bochum.

Entsprechend empfänglich reagiert unser Körper auf die Duftreize ätherischer Öle. Sie hemmen unter anderem die Histaminausschüttung und stoppen die Produktion von Prostaglandinen. Allergien, Schmerzen, Entzündungen und Fieber lassen so nach. Auch Bakterien, Viren und Pilze, die unser Immunsystem austricksen, sind gegen bestimmte Duftmoleküle aus ätherischen Ölen machtlos.

Die starke und schnelle Wirkung verdanken sie ihrer Fettlöslichkeit. Dadurch passieren ihre Inhaltsstoffe ruck, zuck die Haut oder die Schleimhäute und lassen sich nur wenige Minuten später im Blut nachweisen. „Dazu kommt, dass unsere Haut quasi ein nach außen gewendeter Teil des Gehirns ist. Beide entstehen aus der gleichen Zellschicht des frühen Embryos“, erklärt von Braunschweig. Noch ein Grund mehr für den Turbo- Effekt einer Aromatherapie.

Es geht sogar noch schneller. Denn als einziges Sinnesorgan ist unsere Nase direkt mit dem Gehirn verbunden. Was ihre Riechzellen in Nervenimpulse übersetzen, beeinflusst sofort die Gedanken, Gefühle und das Gedächtnis. „Düfte wirken im Gehirn vor allem auf das limbische System“, erklärt die Expertin. „Dort werden unsere Stimmung sowie unterbewusste Prozesse wie Atmung, Kreislauf und Verdauung koordiniert.“ Ätherische Öle wirken also nicht nur körperlich, sondern ebenso psychisch.

Genau das macht drei Dinge enorm wichtig: höchste Qualität, maßvolles Dosieren und Sorgfalt bei der Wahl der Öle. „Verfahren Sie nicht nach dem Motto: Viel hilft viel“, rät von Braunschweig. „Für die Aromapflege zu Hause genügen einprozentige Mischungen. Dazu mischt man 20 Tropfen verschiedener ätherischer Öle, z.B. in 100 Milliliter Jojobaöl. Benutzt man lediglich ein ätherisches Öl, genügen sogar zehn Tropfen.“ Die wirksamsten Mischungen gegen häufige Alltagsbeschwerden im Sommer hat sie für VITAL zusammengestellt.