Heilkräuter gegen brennende Augen Der Gemeine Augentrost - Euphrasia officinalis

Euer Blick ist den ganzen Tag auf einen Bildschirm gerichtet? Überanstrengte Augen sind oft die Folge. Ein in Augentropfen enthaltenes Kraut entspannt die gereizten Augen wieder: Euphrasia officinalis. Was die Heilpflanze alles kann, erfahrt ihr hier.

Augentrost bei trockenen Augen

Wie sieht der Augentrost aus und wo wächst er?

Die einjährige, leicht struppige Wiesenpflanze gehört zur Familie der Sommerwurzgewächse. Sie bevorzugt magere Wiesen, lichte Wälder, Weiden, trockene Ufern und Berghängen bis hinauf ins Hochgebirge. Der Große oder Gemeine Augentrost (wissenschaftlicher Name: Euphrasia officinalis) ist nur eine von zahlreichen Arten, die in ganz Europa verbreitet sind. Unterarten des Heilkrauts sind Bunter Augentrost, Wiesen-Augentrost oder Kerners Augentrost. Augentrost wird selten höher als 20 Zentimeter. Stark gezahnte, dichte Blätter und vor allem die kleinen lila oder weißen Blüten charakterisieren den Euphrasia. Typisch beim Echten Augentrost sind die feinen blau-violetten Streifen und der gelbe Fleck auf der dreilappigen unteren Lippe. Verwendete Pflanzenteile des Augentrosts werden von Juni bis Oktober geerntet.

Wie kam der Gemeine Augentrost zu seinem Namen?

Die deutsche wie auch andere europäische Bezeichnungen entsprechen der Signaturlehre. Die Blüte erinnert an ein Auge, also muss die Heilwirkung der krautigen Pflanze das Sehorgan betreffen. Die Engländer sagen zum Augentrost „eyebright“ (Augenglanz), in Italien heißt die Pflanze „luminella“ (lumino bedeutet „Lämpchen“), und die Franzosen sagen „casse lunette“ (Brillenbrecher). Der botanische Name "Euphrasia" bedeutet so viel wie Frohsinn, Wohlbefinden oder Freude. Der Begriff "officinalis" deutet auf die Verwendung als Arzneimittel hin.

Wann benötigt man Euphrasia?

Allgemeine Umwelteinflüsse, verrauchte Räume aber auch Allergien wie Heuschnupfen rufen typische Symptome wie u.a. trockene, gerötete, tränende und gereizte Augen hervor. Als heilendes Mittel für die Augen ist neben den Augentropfen, Augentrost-Tinktur und des Augentrost-Tees, auch frische Luft geeignet.

In welchen Bereichen findet Euphrasia Anwendung?

Seit dem späten Mittelalter wird Euphrasia vor allem bei entzündeten Augen verwendet. Das Kraut kann zwar die Sehkraft im Alter nicht verbessern, wie es der englische Apotheker und Arzt Culpeper im 17. Jahrhundert vermutete. Allerdings beruhigen bereits ein paar Tropfen der Augentrost-Tinktur die gereizten und müden Augen. Bei empfindlichen Augen helfen oft schon Augentropfen. Diese sind auch gut verträglich mit Kontaktlinsen. Bei Patienten mit Lidrand- oder Bindehautentzündung oder einen Gerstenkorn eignen sich Augentropfen mit den Inhaltsstoffen des Augentrosts.

Für die Anwendung wird ein Aufguss für Kompressen oder Augenbäder zubereitet. Es kann aber auch Augentrost-Tee getrunken werden, die darin enthaltenen Wirkstoffe beruhigen die Schleimhäute des Halses und des Magens. Pfarrer Kneipp schätzte es als Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden. Das Augentrost-Kraut bringt eine weitere entzündungshemmende Eigenschaft mit: Augentrost-Tee lindert Beschwerden wie Husten, Heiserkeit, Schnupfen und Halsschmerzen.

Bei akuten Erkrankungen hingegen solltet ihr einen Arzt aufsuchen.

Welche Inhaltsstoffe stecken im Augentrost?

Verschiedene Pflanzenstoffe der Iridoidglykosid-Gruppe hemmen die Bildung der Gewebshormone Prostaglandine, was wiederum Entzündungen eindämmt. Andere Inhaltsstoffe wie etwa Phenolcarbonsäure, Flavonoide und ätherisches Öl wirken in erster Linie antibakteriell. Gerb- und Bitterstoffe können die magenberuhigende Wirkung erklären. In der Homöopathie tragen Euphrasia Globuli in den Potenzen D2 bis D6 zur Linderung von Augenbeschwerden bei, aber auch bei tränenden Augen verursacht durch Allergien wie etwa Heuschnupfen sollen die Globuli helfen. Achtet auf die richtige Dosierung und lasst euch zur Einnahme am besten von einem Apotheker beraten, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden.

Warum wird die Heilpflanze als Dieb bezeichnet?

Augentrost ist ein sogenannter "Halbschmarotzer". Das heißt, er kann zwar ohne Wirtspflanze leben, die Samenkeimen allerdings nicht ohne ihren Wirt. Die Saugwurzeln des Augentrosts zapfen die Wurzeln von umstehenden Gräsern an und entziehen den Pflanzen Wasser und Mineralsalze. Die volkstümlichen Namen Heudieb, Milchdieb oder auch Wiesenwolf weisen auf den parasitären Charakter der Pflanze hin.

Welche Aberglauben werden Euphrasia officinalis nachgesagt?

  • Ein Augenbad im Frühling bestehend aus kochendem Wasser und getrocknetem Kraut, das vor der Behandlung etwa zwei Minuten ziehen muss, soll das ganze Jahr vor Augenkrankheiten schützen.
  • Augentrost darf nie am Körper getragen werden, denn die Pflanze soll Blitze anziehen.
  • Wenn Augentrost besonders üppig wächst, soll ein kalter Winter bevorstehen.
  • Ausräuchern mit Augentrost soll Hellsichtigkeit verleihen. Das glaubte man zumindest im Mittelalter.
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