Heilkräuter Engelwurz gegen Bauchschmerzen

Es heißt, Angelica archangelica wurde vom Himmel geschickt, als die Pest wütete. Heute wirkt sie Wunder gegen Bauchschmerzen und sorgt bei Starköchen für den kulinarischen Kick.

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Wie sie aussieht und wo sie wächst

Die Engelwurz, auch Angelikawurzel oder nur Angelika genannt, stammt aus dem hohen Norden Europas. Moore, Ufergelände und sumpfige Wiesen sind ihr natürliches Revier. Hierzulande fand die Pflanze eine erste Heimat in mittelalterlichen Klostergärten. Heute wird Angelica archangelica als Arznei- und Gewürzpflanze für die Industrie angebaut. Die zweijährige Pflanze wird gut zwei Meter hoch. Am dicken, gerillten Hohlstängel sitzen Stiele mit hellgrünen, gefiederten Blättern. Die grüngelblichen Blüten bilden üppige Doppeldolden. Sie erscheinen im zweiten Wachstumsjahr zwischen Juni und August. Die Arznei-Engelwurz ist bei uns in freier Natur sehr selten anzutreffen. Häufig begegnet man dagegen der Wald-Engelwurz, Angelica sylvestris. Sie wird nur halb so hoch wie die große Schwester, ihre Blüten sind weiß bis rosa. Sammler, die sich für die Wurzel, Blätter oder Samen des wild wachsenden Heilkrauts interessieren, seien gewarnt: Engelwurz sieht dem hochgiftigen Wasserschierling auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich.

Wobei hilft Engelwurz?

Von Engelwurz profitiert in erster Linie die Verdauung. Die zahlreichen Bitterstoffe regen Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse an. Sowohl Appetitlosigkeit als auch Völlegefühl verschwinden. Außerdem entspannt die Engelwurz die glatte Muskulatur im Magen- und Darmbereich, was gegen Bauchkrämpfe hilft. Zur äußerlichen Anwendung kommen Extrakte aus dem ätherischen Engelwurz-Öl bei Rheuma, Gicht und Nervenschmerzen. Die Samen gelten in der Volksmedizin als Mittel gegen Schlafstörungen. Wissenschaftlich belegt ist das allerdings nicht.

Was in ihr steckt

Wissenschaftler haben in der Engelwurz weit über 60 unterschiedliche bioaktive Pflanzenstoffe identifiziert, darunter allein rund 20 verschiedene Furanocumarine.

Warum sie in der Hausbar steht

Engelwurz ist ein Basiselement berühmter Kräuterliköre. Traditionsreiche Destillate wie Bénédictine oder Chartreuse werden nach einem üppigen Essen gern als Verdauungshilfe gereicht. Dabei kommt dem Magenbitter nicht nur die anregende Wirkung der Engelwurz zugute, sondern auch ihr würziges Aroma.

Was sie zum Winterkraut macht

Die Pflanzenstoffe Furanocumarine können die Haut lichtempfindlich machen, das erhöht die Neigung zu Sonnenbrand. Diese Gefahr ist in der dunklen Jahreszeit gering. Auf Solarium sollte man allerdings verzichten.

Wie sie es in die Sterneküche schaffte

In der kargen Natur Islands, Lapplands oder der Faröer Inseln hat sich Engelwurz als Gemüse etabliert. Diese Tradition greift einer der zurzeit berühmtesten Köche Europas auf: René Redzepi, der in seinem Restaurant „Noma“ in Kopenhagen nur regionale Produkte der jeweiligen Jahreszeit verwendet. Engelwurz gehört zu einigen seiner winterlichen Kreationen, darunter zum Beispiel Miesmuscheln mit Kalbsbrust und Angelika-Blättern.