Naturheilverfahren Die Schrothkur

Eine Schrothkur ist zwar nicht mit einer Diät gleichzusetzen, dennoch funktioniert sie auch zum Abnehmen hervorragend. Was sich noch hinter der Kur verbirgt? Wir verraten es euch!

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Die Entstehung der Schrothkur

Das Naturheilverfahren wurde 1817 von Johann Schroth in Nieder-Lindewiese erfunden. Ausschlaggebender Grund war eine Verletzung am rechten Kniegelenk, verursacht durch den Huftritt seines Pferdes. Kalte und nasse Umschläge halfen ihm, die schweren Schmerzen zu überstehen und zu lindern. 

Johann Schroth forschte weiter, dieses Mal jedoch nicht bei sich selbst, sondern bei kranken Tieren. Er beobachtete, dass diese bei Verletzungen oder Krankheiten die Nahrungs- und Trinkaufnahme stoppten, wodurch er auf die Idee kam, dass dieses Fasten die Selbstheilung des Körpers fördern könnte. Aus der gewonnenen Erkenntnis entwickelte er eine Therapie mit einer Kombination aus Bewegung, Fasten und Wickel, um Krankheiten vorzubeugen und den Körper bei der Selbstheilung zu unterstützen.

Die Schrothkur kam vor dem zweiten Weltkrieg durch Dr. med. Hermann Brosig nach Oberstaufen ins Allgäu. Die schöne Landschaft und das gesunde Klima tragen auch heute noch zu den Erfolgen in der Original Oberstaufener Schrothkur bei. Oberstaufen ist bekannt für das einzige offiziell anerkannte Schroth-Heilbad. 1949 kam der erste Gast, mit dem die Erfolgsgeschichte der Schrothkur begann. Heute zählt die Schrothkur zur traditionellen europäischen Medizin.

Anwendungsbereiche des Naturheilverfahrens

Im Vordergrund der Therapie steht das Abnehmen, Entschlacken, Entgiften, Entsäuern und Fasten. Um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen, solltet ihr die Kur auf keinen Fall zu Hause durchführen, sondern in speziellen Kurzentren oder Schrothkur-Hotels, die sich auf die vier Schroth'schen Regeln spezialisiert haben.

Je nach Gesundheitszustand eignet sich die bis zu dreiwöchige Kur einmal im Jahr vor allem bei Patienten mit den folgenden Erkrankungen oder Beschwerden:

Nicht geeignet ist die Therapie hingegen bei:

  • Leberzirrhose
  • Tuberkulose
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Krebserkrankungen
Schwangeren und Kindern ist ebenfalls von der Schrothkur abzuraten. Bei der Heilmethode handelt es sich um eine sogenannte Mangeldiät, d.h. Mangelerscheinungen durch zu wenig aufgenommene Vitamine und Mineralstoffe sind unvermeidbar, auch Kreislaufprobleme, Muskelschwund und Leistungsabfall können auftreten.

Die vier Schroth'schen Säulen

Die Schrothkur besteht aus vier Grundelementen:

  • Die Schroth'sche Diät
  • Schroth'sche Packung
  • Schroth'sche Trinkverordnung
  • Ruhe und Bewegung
Licht und Luft, Ernährung und Nahrungsenthaltung, Wärme und Kälte, Bewegung und Ruhe, sowie Trinken und Nichttrinken runden das Gesundheitspaket ab.​

Die Schroth'sche Diät

Die Abnehmmethode der Schrothkur ist nicht mit anderen Diäten oder Schlankheitskuren gleichzusetzen. Es kommt zwar bei diesem Verfahren zu einem schnellen Gewichtsverlust von ca. 10% des eigenen Körpergewichts, dennoch ist die Ernährungsumstellung keine langfristige, sondern eine zeitlich begrenzte Fastenkur. Die Kur darf einmal im Jahr für maximal drei Wochen durchgeführt werden. Medizinisch gesehen, tritt der volle Effekt erst nach den drei Wochen ein.

Die Ernährungsweise der Schrothkur hat nichts mit Vollkornprodukten oder anderen bestimmten diätetischen Lebensmitteln zu tun. Ganz im Gegenteil: Das Verfahren richtet sich an die alten Prinzipien des Heilfastens, um den Stoffwechsel zu entlasten, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und den Säure-Basen-Haushalt zu stabilisieren.

Auf dem Ernährungsplan steht überwiegend kalorienreduzierte, basische Kost ohne tierische Fette und tierische Eiweiße, und das in nahezu salzfreier Form. Die aufgenommene Ernährung darf täglich maximal 600 kcal betragen und sollte leicht verdaulich und reizarm sein, um die Verdauung nicht zu belasten. Dazu zählt u.a. gedünstetes und gekochtes Gemüse und als Kompott verarbeitetes Obst. Grieß, Reis, Graupen, Kräuter, getrocknete Aprikosen und Pflaumen sowie Kurgebäck sind ebenfalls erlaubt. Auf Fisch, Fleisch, Kaffee und Milchprodukte wird verzichtet.

Der Einstieg in die Schroth-Diät ist anfangs sehr schwer, doch ihr werdet euch recht schnell an die neue Ernährungsweise gewöhnen. Das Hungergefühl lässt schließlich nach einiger Zeit nach. Euer Körper konzentriert sich in diesem Zeitraum nur noch auf die Entgiftung und Entschlackung.

Schroth'sche Packung

Der Kurgast wird täglich, außer sonntags, von speziell ausgebildeten Packer/-innen in den frühen Morgenstunden mit einer Tasse heißem Kräutertee geweckt. Danach wird der von der Nachtruhe durchwärmte Körper für etwa zwei Stunden in ein feuchtkaltes Leinentuch gewickelt und mit trockenen, warmen Packbetten zugedeckt.

Damit der Körper möglichst schnell warm wird, werden bis zu drei Wärmflaschen mit in die Packung, auch Dunstwickel genannt, gegeben. Mit zwei Bändern wird sie festgebunden, um die Wärme halten zu können.

Auch bei dieser Therapie dauert es einige Zeit, bis man sich an die Packung gewöhnt hat, dennoch hat das Schwitzen einen angenehmen Nebeneffekt, es entgiftet und unterstützt den weiteren Verlauf der Kur. Durchhalten lohnt sich hier also. 

Die Wirkung der Schroth'schen Packung ist vielversprechend und vielfältig. Sie bringt viele positive Eigenschaften mit; u.a. wirkt sie krampflösend, schmerzlindernd und beruhigend und ausgleichend auf die inneren Organe. Die Packung sorgt für einen Anstieg der Körpertemperatur und eine Steigerung der körpereigenen Abwehrkräfte. Stoffwechselschlacken und andere körperfremde Substanzen wie Medikamente, Chemikalien und Quecksilber werden erfolgreich ausgeschieden.

Schroth'sche Trinkverordnung

Von den Kurärzten werden Trink- und Trockentage sowie eine individuell bestimmte Flüssigkeitsmenge verordnet. Das unterstützt nicht nur den Selbstheilungsprozess, sondern begünstigt auch die Gewebsdrainage im Organismus. Die Gewebsdrainage fördert wiederum das Abnehmen.

Die Trinkverordnung der Schrothkur enthält Trockentage, um die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Während diesen Tagen entsteht ein Sog aus dem Zwischengewebe im leicht dickflüssigem Blut. Die körperfremden Substanzen werden am Trinktag ausgeschieden.

In geringen Mengen ist während der Kur, neben Säften, Mineralwasser und Tee, auch trockener Kurwein erlaubt. Das Wein in gewissen Maßen gesundheitsfördernd ist, wurde wissenschaftlich nachgewiesen. Wein ist reich an Mineralstoffen und Antioxidantien, wodurch er Schlaganfällen und Herzinfarkten vorbeugen kann. Alkohol öffnet aber auch die Gefäße und die Durchblutung und regt den Stoffwechsel an. Die Fließeigenschaften des Blutes werden verbessert, das Bakterienwachstum im Darm wird gehemmt und die Cholesterinwerte werden auf das HDL-Cholesterin gesteigert. Das HDL-Cholesterin ist das sogenannte "gute" Cholesterin, weil es im Vergleich zum LDL-Cholesterin keine Arterienverkalkung verursacht und positive Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel und die Gefäße hat.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Durch das Heilfasten und die bewusst reduzierte Nahrungsaufnahme wird vermehrt das Glückshormon Serotonin produziert. Bereits kleine Nahrungsmengen können ausreichen, um uns glücklich zu machen und uns die Kur zu erleichtern. 

Die Wein-Dosis für Männer ist auf einen halben Liter pro Trinktag festgelegt, die bei Frauen auf einen viertel Liter. Je nach Krankheitsbild kann die Aufnahme von Wein ärztlich verordnet werden, es ist aber keineswegs zwingend.​

Ruhe und Bewegung

Der Entgiftungsprozess und das seelische Wohlbefinden werden beeinflusst vom rhythmischen Wechsel von Ruhe und Bewegung und dem Wechsel der täglichen Trinkmenge.

Es gibt während der Kur drei Trockentage, an denen maximal ein halber Liter Tee oder Wasser aufgenommen werden darf. Die Trockentage wechseln sich mit jeweils zwei kleinen und zwei großen Trinktagen ab. Der Trockentag ist zugleich auch die Ruhephase des Naturheilverfahrens. Hierbei gilt es weitestgehend auf körperliche Betätigungen zu verzichten, um dem Körper die Möglichkeit zur intensiven Regeneration zu geben. Dies kann beispielsweise durch Spaziergänge, Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga, Meditationen und Massagen erfolgen.

An den Trinktagen ist Sport angesagt, das regt den Stoffwechsel an, ist gesund und sorgt für zusätzlichen Fettabbau. Achtet darauf, dass ihr euch nicht überlastet und eure Trainingsübungen im aeroben Bereich stattfinden, d.h. ihr trainiert mit niedriger Belastung, z.B. bei einem langsamen Dauerlauf oder beim Schwimmen.

Draußen Sport machen, könnt ihr zu jeder Jahreszeit, so könnt ihr den Alltagsstress hinter euch lassen und neue Kraft für eure Gesundheit tanken. Golfen, Langlaufen, Skifahren, Nordic Walking, Wandern oder Tennisspielen sind nur einige der vielen Sportarten, die sich dafür eignen.

Autor: Mareike Schumacher