11. Mai 2014
Zeigt her eure Zehen

Zeigt her eure Zehen

Sie spielen eine tragende Rolle, und doch schenken wir ihnen nur selten Beachtung. Zu Unrecht. Mit viel Luft und etwas mehr Liebe bringen uns gesunde Füße unserem Wohlfühlglück einen großen Schritt näher.

Fußpflege
© Thinkstock
Fußpflege

Füße und Gangart des Menschen sind in vielen Kulturen Ausdruck dafür, wie eine Person im Leben vorankommt. Wir Frauen stehen heutzutage auf eigenen Füßen, und im Leben soll etwas weitergehen. Schmerzende Füße können darauf hindeuten, dass jemand nicht vorwärtskommt oder sogar auf der Stelle tritt. Vielleicht glauben wir auch, im Leben kein Ziel zu haben. Eingeschlafene Füße können Fragen aufwerfen: Welchen Bereich meines Lebens habe ich liegen gelassen, was ist eingeschlafen oder eingerostet?

Und unsere Füße waren schon immer symbolträchtig. So ist die Fußwaschung in vielen Kulturen eine rituelle Handlung. Im Orient symbolisiert sie Gastfreundschaft, in der christlichen Tradition erinnert sie an das letzte Abendmahl, bei dem Jesus seinen Jüngern die Füße wusch. Als Papst Franziskus im letzten Jahr die rituellen Fußwaschungen nicht bei Kirchenmitgliedern vornahm, sondern bei Strafgefangenen. Muslimen und sogar Frauen, setzte er ein starkes Zeichen: "Unter uns muss der Höchste der Diener der amderen sein." In indien verkörpern die Füße der großen Meister den spirituellen Fortschritt. Entsprechend intensiv werden sie verehrt: Gläubige berühren die Füße der heiligen Statuen, küssen und waschen sie, legen Blumen und Opfergaben auf ihnen ab.

Abseits von Kultur und Religion behandeln wir unsere Füße im Alltag oft stiefmütterlich. Wir zwängen Sie in zu enge Schuhe, pflegen Sie mit weniger Aufwand als unsere Hände oder schämen uns sogar für sie. Vielleicht entsteht diese Ignoranz, weil sich unsere Füße quasi am anderen Ende befinden - meterweit weg von unseren Augen und unserem Gehirn und damit unserem Bewusstsein.

Der Aufbau

Zumindest ist das seit etwa 3,6 Millionen Jahren der Fall, denn schon so lange gehen wir aufrecht. Das veränderte neben dem Bewusstsein für unsere Füße vor allem ihre Anatomie. Im hinteren Abschnitt des Fußes liegen die Knochen heute übereinander, im mittleren Abschnitt nebeneinander. So bilden sich ein Längs- und ein Quergewölbe, die durch Muskeln verspannt und durch Bänder und Sehnen stabilisiert werden: 26 Knochen, 27 Gelenke, 32 Muskeln und 107 Bänder garantieren unglaubliche Stabilität und Flexibilität. Ferner sorgen 1700 Nervenenden für hohe Sensibilität und optimieren die Orientierung des Fußes an den Untergrund – egal ob dieser nun steinig, hart oder weich ist. Wir alle spüren diese Fähigkeit besonders barfuß. Und wir genießen es, wenn jemand uns die Füße massiert. Nicht zufällig sind sie eine erogene Zone.

Haben Sie schonmal von "Barfuß-Joggen" gehört? Lesen Sie hier mehr >>

Was Füße uns verraten

Bei der Fußmassage oder Reflexzonentherapie kann der Therapeut in unseren Füßen lesen wie in einem Buch.

DAS „ZEHENLESEN“

Nach der Theorie der „Fuß-Lesekunst“ reflektiert jeder Zeh eine Emotion oder bestimmte Energie seines Menschen.

 
DIE IDEE An der Stellung und auch der Form der einzelnen Zehen soll ablesbar sein, wie der Einzelne mit seinen Energien umgeht. Jeder Fuß wird genau betrachtet und jede Auffälligkeit hinterfragt. Der linke Fuß repräsentiert Vergangenheit bis heute, der rechte Fuß die Gegenwart und Zukunft.
 
Buch-Tipp: Rüdiger Dahlke und Rita Fasel erläutern in „Die Spuren der Seele“ (GU, 192 S., 19,90 Euro), wie man durch die Fuß- Lesekunst zur „Selbsterkenntnis“ gelangen kann.
Seit Tausenden von Jahren ist es in China, Indien, Ägypten oder bei den indianischen Ureinwohnern in Amerika weit verbreitet, dass Beschwerden in vielen Bereichen des Körpers über die Füße diagnostiziert und auch behandelt werden. Die Methode, bei uns als Reflexzonentherapie bekannt, geht davon aus, dass jedem Körperteil eine entsprechende Zone am Fuß entspricht: Der Kopf spiegelt sich in den Zehen wider, Schultern und Brust im vorderen Mielfuß, Bauch und Rücken im Mielfuß, das Becken in der Ferse.
Schmerzt ein Bereich am Fuß oder ist er verhärtet, kann dies darauf hinweisen, dass in der korrespondierenden Region oder mit dem entsprechenden Organ etwas nicht stimmt. Eine gezielte Druckmassage am Fuß gibt einen Reiz ans betroffene Zielorgan, fördert dort die Durchblutung und den Stoffwechsel und unterstützt so den Heilungsprozess. Bei Verdauungsproblemen wird beispielsweise der Mielfuß massiert. Der Erste, der Anfang des letzten Jahrhunderts durch Versuche überprüe, welche Punkte welche Organe beeinflussen, und seine Ergebnisse systematisierte, war der amerikanische Arzt William Fitzgerald (1872–1942).
In den letzten zehn Jahren konnten Studien den Bezug zwischen einzelnen Fußzonen und Organen bestätigen: Das Ergebnis einer Doktorarbeit an der Universität Jena ergab, dass sich bei Patienten mit Kniegelenksarthrose die Schmerzen durch Massage verringerten und sich die Beweglichkeit des Knies verbesserte. Auch Forscher der Universität Innsbruck konnten zeigen, dass durch Druckmassage auf den Bereich, der den Nieren zugeordnet ist, deren Durchblutung angeregt und so die Entgiungsfunktion gefördert wird. Füße gut, alles gut? Ja, aber nicht nur in Bezug auf unsere inneren Organe, sondern auch ganz praktisch im Alltag. Gesunde Füße lassen uns rennen, springen, tanzen, gehen, laufen, balancieren – und vollbringen selbst Höchstleistungen: Im Laufe des Lebens tragen uns unsere Füße durchschnilich rund 130 000 Kilometer weit, also dreimal um die Erde. Ein Fußleiden hingegen, sei es ein gebrochener Zeh, ein verstauchtes Fußgelenk, ein eingewachsener, entzündeter Nagel, Ballenzehen oder auch Fußpilz, schränken unsere Bewegungsfreiheit drastisch ein.

Schätzen Sie ihre Füße

Gesunde Füße weiß man erst zu schätzen, wenn man mit Fußproblemen zu kämpfen hat“, sagt Eckhard Brüning aus Erfahrung. Er arbeitet als Facharzt für Unfallchirurgie und Chirurgie, spezialisiert auf Fußchirurgie, an der Emma Klinik bei Hanau. „Zu den häufigs- ten Fehlstellungen des Fußes zählt der Ballenzeh – der Hallux valgus –, unter dem insbesondere Frauen leiden.“ Und leider muss ergänzt werden: Woran wir auch selbst schuld sind, denn diese Zehenfehlhaltung hängt ursächlich mit falschem Schuhwerk zusammen. Jede Zweite zwängt ihre Zehen in zu hohe, zu enge oder unbequeme Schuhe – mal weil es die Mode so will, mal weil ein Schuh sexy aussieht. Das Sprichwort „Wie man sich bettet, so schläft man“ könnte übertragen lauten: „In was man läuft, so geht man.“

Schweissfüße ade

  •  Eichenrinde-Bad (2 EL Eichenrindenextrakt aus der Apotheke) in 1 Liter Wasser 5 Min. kochen, dann 10 Min. ziehen lassen und abseihen. Sud mit Spritzer Zitrone– gegen Verfärbungen an den Füßen – in ein Fußbad geben. 1-mal täglich baden, 3 bis 4 Wochen lang. Die Gerbstoffe der Eichenrinde bewirken, dass die Füße trocken bleiben, keine Keime eindringen können. Eichenrinde färbt vor allem Emaille, benutzen Sie deshalb eine Plastikschüssel.
  • Salbei hemmt die Schweißproduktion: 1 TL Salbei in 250 ml kochendes Wasser geben, 10 Min. ziehen lassen, abseihen. Empfohlen wird 3-mal täglich 1 Tasse Salbeitee.
  • Täglich die Füße mit kaltem Wasser waschen, Füße dann gut eincremen (z.B. mit Gehwol Fußkraft Soft Feet Creme). Socken aus Baumwolle tragen.
  • Speziell für die Füße entwickelte Deodorants helfen. Die Sprays desinfizieren und schützen so zusätzlich vor Fuß- und Nagelpilz (z.B. Gehwol Fußdeo).
  • Atmungsaktive Schuhe tragen, Einlegesohlen mit Aktivkohle verwenden.
  • Eine drastische Methode bei sehr starkem Schwitzen: die Behandlung mit Botox.

 

Mit einem Ballenzeh jedenfalls nicht mehr so gut: Der große Zeh knickt in Richtung der anderen Zehenspitzen ein, sodass das Großzehengrundgelenk sich nach außen wölbt und eine Beule beziehungsweise einen Ballen bildet. Der kann dann schmerzen und anschwellen. Auch die mileren Zehen werden bei anhaltendem Druck in Mitleidenschaft gezogen; Schwielen und Hühneraugen entstehen. Als erstes Anzeichen rötet sich die Haut am Großzehengrundgelenk. Spätestens jetzt sollte Frau flache und bequeme Schuhe bevorzugen – zumindest tagsüber. Das gilt vor allem bei berufsbedingtem Stehen, Übergewicht, während einer Schwangerschaft und für alle, die an Rheuma oder Diabetes leiden. Auch Hilfsmittel in Form von Nachtlagerungsschienen, Bandagen oder orthopädischen Einlagen können dabei helfen, den Druck vom Vorderfuß wegzunehmen und die Beschwerden zu lindern. Orthopäden empfehlen, die Fußmuskulatur und das Bindegewebe durch Fuß- und Zehengymnastik oder Barfußgehen zu stärken.
Das alles hilft auch gegen Hühneraugen, die als die harmlosere Variante durch zu hohen Druck auf knochennahe Haut entstehen – oft an einem der kleineren Zehen. „Wenn der Schuh viele Stunden pro Tag auf dieselbe Stelle drückt, dann verdickt sich auch die Oberhaut. Dadurch schützt sich die Haut gegen den permanenten Reiz“, erklärt Angela Unholzer, Dermatologin am Klinikum Augsburg. Wird auf diese Stelle trotzdem immer weiter Druck ausgeübt, verhornt der Bereich noch mehr und schiebt sich wie ein Keil in die Tiefe: Das reizt die Nerven, und das Hühnerauge schmerzt. Jetzt sollte die Verhornung nach einem zehnminütigen, warmen Fußbad schonend entfernt werden. Und natürlich bleiben die (er)drückenden Schuhe ab sofort im Schrank. „In vielen Fällen empfehlen sich auch orthopädische Einlagen“, rät Angela Unholzer.
Sie empfiehlt generell, beim Schuhkauf auf Bequemlichkeit zu achten. Hände weg, wenn ein Modell schon im Geschä eng sitzt. Beim Kauf von Pumps, Stileos oder High Heels immer daran denken, dass unsere Füße zum Abend hin eine halbe bis ganze Schuhgröße mehr erfordern, weil Lymphe und Bindegewebsflüssigkeit in den Fuß hineinsinken. So erklären sich auch geschwollene Füße nach einem anstrengenden Tag mit viel Stehen und Sitzen. Bleiben Sie in Bewegung und versuchen Sie, Ihre Füße tagsüber zwischendurch immer wieder für wenige Minuten hochzulegen. Schrecken Sie nicht vor Stützstrümpfen zurück – sie fördern die Blutzirkulation in den Beinen zurück zum Herzen. Ein spezielles Schuh-Shopping-Thema sind Jogging- und Sportschuhe. Markus Walther, Chefarzt an der Orthopädischen Klinik München-Harlaching und Präsident der Gesellscha für Fuß- und Sprunggelenkschirurgie, rät, sie regelmäßig zu erneuern: „Als Faustregel gilt, Sportschuhe einmal im Jahr zu wechseln. Schmerzen in Fuß, Knie oder Rücken können darauf hinweisen, dass die Schuhe einen Großteil ihrer Dämpfungseigenscha eingebüßt haben. Das passiert nach 600 bis 1000 Kilometern. Zusätzlich verhärten Laufschuhe, da der Schaum in der Sohle altert. Spätestens wenn eine Seite der Sohle stärker abgelaufen ist als die andere, gehört das Schuhpaar entsorgt.“

Weg mit dem Fußpilz

Durch den regelmäßigen Wechsel wird auch einem anderen Fußlei- den der Nährboden entzogen: den Infektionen. Fast jeder drie Deutsche plagt sich mindestens einmal im Laufe seines Lebens mit Fußpilz herum. Unterschiedliche Erreger wie Fadenpilze, Hefe- oder Schimmelpilze oder auch Mischinfektionen können die Nägel befallen. Sie verfärben sich zunächst vom Rand her gelblichbraun, werden dicker und brüchig. Was die wenigsten wissen: In vielen Fällen ist die Ursache nicht mangelnde Hygiene, sondern zu enges Schuhwerk, das die Nägel quetscht. Oder etwas ganz anderes: Ein durch Stress, Rauchen oder durch eine Systemerkrankung wie Krebs oder Diabetes geschwächtes Immunsystem kann den Pilzen wenig entgegensetzen.

Hornhaut vermeiden

  • Ein allabendliches Fußbad mit Babyöl oder auch ein paar Tropfen Olivenöl halten die Haut an den Füßen schön geschmeidig.
  • Empfehlenswert sind auch medizinische Fußcremes mit Urea (z.B. Eubos Trockene Haut Urea 10 % Fußcreme). Baumwollsocken darüberzie- hen, dann können die Cremes über Nacht wirken.

  • Keine Schuhe mit zu dünnen Sohlen tragen. Zu harter Untergrund (Asphalt) fördert die Hornhautentstehung.
  • So oft es geht, barfuß laufen, vor allem auf Sand. Das macht Füße weich.

Achtung vor Fußpilz

Trockene Haut, die zu Schrunden oder Rissen neigt, macht es den Pilzen besonders leicht. Diese Verletzungen bilden ideale Eintrispforten, vor allem in feuchtwarmen Umgebungen wie Schwimmbädern oder schweißnassen Sportschuhen. Infektionen, die an Zehen, der Fußsohle oder der Fußunterkante aureten, können akut mit Bläschenbildung und Flüssigkeitsabsonderungen einhergehen. Wer Fußpilz hat, sollte ihn medikamentös behandeln lassen, am besten von einem Hautarzt, der die befallenen Stellen abträgt und dann ein gegen diesen Pilz wirksames Antimykotikum verschreibt. Wichtig ist es während der Therapie auch, benutzte Scheren und Nagelfeilen ausreichend zu desinfizieren.
Andere kleine Helfer sind nicht verschreibungspflichtig: Medizinische Zehenlacke versiegeln den Nagel und wirken auch in der Tiefe. Dadurch töten sie Pilze ab und bauen den angegriffenen Nagel wieder auf. Gegen schwitzende Füße wirkt vieles. Schön geschmeidig wird die Fußhaut durch tägliches Eincremen mit einer harnsäurehaltigen Fußcreme. Egal wie viele Kilometer wir joggen, walken oder shoppen gehen, ob wir achtsam durchs Leben schreiten, auf großem Fuß leben oder mal vor Problemen davonlaufen – besser geht’s auf gesunden und liebevoll behandelten Füßen. Wem sie übrigens häufig einschlafen, der sollte sich fragen: Welche Wünsche habe ich erkalten lassen, was ist eingerostet in meinem Leben? Gehen Sie das mutiger an. Füße lügen nicht. Sie schicken uns eine Botschaft.

Schutz gegen Fußpilz

Barfuß laufende Völker kennen ihn kaum. Und so gehen auch Sie auf Nummer sicher, dass „Tinea pedis“ erst gar nicht Fuß fasst.
TROCKNEN Feuchtnasses Milieu fördert Fußpilz, Trockenheit verhindert ihn. Darum die Füße nach dem Duschen sorgfältig abtrocknen, auch die Zehenzwischenräume, eventuell Föhn benutzen und ein Extrahandtuch nur für die Füße.
EINHEIZEN Handtücher regelmäßig wechseln und mindestens bei 60 °C waschen unter Zugabe eines Wäschedesinfektionsmittels, am besten kochen.
SCHÜTZEN In Hotels, in der Sauna, im Schwimmbad, in Ferienanlagen nicht barfuß laufen, sondern in Flipflops oder Badeschlappen.
gepflegte Füße
© Murat Subatl - Fotolia.com
Fuß-Mythen: Jetzt zeigen die Füße wieder Haut. Doch wie gut kennen wir sie? Wir denken, sie lieben Taugras oder Sneakers. Von wegen! Schluss mit fünf Mythen.
ENTKEIMEN Fußdesinfektionsanlagen in Schwimmbädern und Saunen meiden. Außer Sie wenden Desinfektionsmittel auf trockenen Füßen an und lassen es mind. 5 Minuten einwirken.
PFLEGEN Werden Füße regelmäßig eingecremt, verhindern Sie, dass die Haut trocken und rissig wird. Damit beugen Sie Verletzungen vor, durch die Pilze leichter eindringen können. Optimal ist eine spezielle Fußcreme mit Urea.
WECHSELN Täglich frische Strümpfe anziehen.
WÄRMEN Gut durchblutete Füße sind besser geschützt. Wechselbäder (heiß/kalt) regen die Durchblutung an.
ACHTEN Sie darauf, die Fußnägel gerade zu schnei- den und an den Ecken nicht abzurunden.
LACKIEREN Medizinische Fuß-Nagellacke (z.B. Ciclopoli, aus der Apotheke) töten Pilze und deren Sporen ab. Das Besondere: Der Nagellackfilm schützt nicht nur die Oberfläche, sondern dringt auch tief in den Nagel ein.
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