24. Oktober 2011
Zahnimplantate

Zahnimplantate

Geht’s um die Dritten, lassen sich die neuen Zahnimplantate kaum noch von natürlichen Zähnen unterscheiden. Und auch für schwierige Fälle findet sich heute eine perfekte Lösung.

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© marvinh/iStock
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Zahn weg, Lücke da. Manchmal blitzt sie schneller auf, als sowieso befürchtet: nach einem Rutsch über nasses Laub oder einem Crash im Sport. Oft zerbröselt der Zahn auch schleichend durch Entzündungen oder Karies. Um die Lücke im Gebiss zu schließen, entscheiden sich immer mehr Deutsche für ein Zahnimplantat. Dieses Jahr wurde erstmals die Eine-Millionen-Marke überschritten: So viele Frauen und Männer ließen sich statt Brücke oder Prothese eine künstliche Zahnwurzel einsetzen – trotz der hohen Kosten von rund 1600 bis 3000 Euro pro Implantat. Verständlich, denn fest sitzende Ersatzzähne bieten viele Vorteile. Der Implantologe und Oralchirurg Prof. Günter Dhom, Leiter der zahnmedizinischen Abteilung der Privatklinik Vitalitas in Neustadt, listet auf: „Studien zeigen, dass nach mehr als zehn Jahren noch über 90 Prozent der Implantate intakt sind. Außerdem sehen sie wie natürliche Zähne aus, fühlen sich wie natürliche Zähne an und sind wie natürliche Zähne fest im Kieferknochen verankert, sodass sie ein sicheres Gefühl beim Essen, Sprechen und Lachen vermitteln.“ Auch andere schonende Neuerungen sind auf dem Vormarsch, ebenso bei der Zahnpflege.

Jochbein-Implantate

Jochbein-Implantate halten auch dort, wo andere wackeln, nämlich dann, wenn sich der Kiefer dramatisch zurückgebildet hat. Das passiert meist nach jahrelangem Tragen einer Brücke oder einer (Teil-)Prothese. Die „Zygoma-Implantate“ sind mit etwa fünf Zentimetern viel länger als herkömmlicher Wurzelersatz, damit sie schräg in einem 45-Grad-Winkel im Wangenknochen verankert werden können. „Das Jochbein ist durch seine dichte Struktur ein ideales Fundament“, bestätigt Dr. Richard J. Meissen, Ärztlicher Direktor der Duisburger Kaiserberg Klinik. Um in einem zahnlosen Oberkiefer eine dauerhafte Brücke zu befestigen, müssen auf jeder Seite nur zwei „Zygoma-Implantate“ (All-on-four-Konzept) eingesetzt werden. Nach dem Einbringen der vier Implantate wird eine provisorische Brücke fest auf den Implantaten verschraubt. Der Patient verlässt die Praxis mit festen Zähnen! Drei Monate später bekommt er die endgültige Brücke. Wichtig ist, vor dem Eingriff mithilfe eines Volumentomografen ein dreidimensionales Bild von Kiefer und Zähnen zu erstellen, um beim Operieren die Gesichtsnerven nicht zu verletzen.

Keramik-Implantate

Knochenersatzmaterial mit dem Wachstumsfaktor rhGDF-5 beschleunigt die Knochenbildung am Implantat. Das erlaubt Kunstwurzeln auch bei sehr feinen Kieferknochen (noch im klinischen Test).

Keramik-Implantate

Keramik-Implantate feiern ein Comeback, weil sie belastbarer sind als früher und optimal verträglich. Ende der 80er-Jahre war Schluss mit den Keramik-Implantaten. Zu viele zersplitterten. Jetzt kommt es wieder zu einem Boom. Denn die neuen Keramik-Implantate bestehen aus Zirkonoxid, einem deutlich robusteren Material. Und dass sie keinerlei Metalle enthalten, machen sie ideal für Allergiepatienten. Die Farbe von Keramik-Implantaten entspricht dem natürlichen Weiß der Zähne – ein besonderer Vorteil z. B. gegenüber Titan-Implantaten, wenn das Zahnfleisch zurückgeht und das Implantat sichtbar wird. Sie haben allerdings auch ernst zu nehmende Nachteile. So dauert es z.B. deutlich länger, bis sie ins Zahnbett einwachsen: etwa 20 bis 24 Wochen gegenüber 6 bis 12 Wochen bei den üblichen Titan-Implantaten. Einzelne Implantate müssen in dieser Zeit von einer Schiene geschützt werden – auch nicht gerade angenehm. Und wie es um ihre Langlebigkeit steht, muss erst noch in Studien geklärt werden.

Computergesteuerte Implantation

Die computergesteuerte Implantation ermöglicht Eingriffe, die bisher als ausgeschlossen galten. Klassischerweise verwendet man zweidimensionale Röntgenbilder, um Ersatzwurzeln in den Kieferknochen einzubringen. Moderner und genauer ist eine computernavigierte Implantologie, die eine dreidimensionale Planung ermöglicht. Der Kieferchirurg oder Zahnarzt lässt am Bildschirm errechnen, in welchem Winkel und wo im Kiefer die künstliche Zahnwurzel optimal liegt, und ermittelt so die anatomisch korrekte Bohrrichtung und Bohrtiefe. Dann stellt das spezielle Computerverfahren eine Art Operationsschablone her, die bei der anschließenden Implantation ultragenaue Präzision ermöglicht. Das lässt deutlich weniger Raum für Zahnarztfehler.

Funktionsweise moderner Implantate

Wir leben immer länger, das ist die gute Nachricht. Die weniger gute lautet: Nicht alle Originalteile unseres Körpers begleiten uns bis ins hohe Alter. Oft will ein Hüftgelenk irgendwann nicht mehr oder ein Knie. Am häufigsten machen allerdings die Zähne schlapp: 13 Millionen Stück müssen allein deutsche Zahnärzte jedes Jahr ziehen. Manchmal auch weit vor ihrer Zeit, zum Beispiel nach einem Unfall. Als Ersatz tritt an die Stelle des Zahns wie bei vielen Gelenken immer häufiger ein Implantat – in diesem Fall eine künstliche Wurzel, die üblicherweise aus Titan gefertigt und in den Kieferknochen geschraubt wird. Meist schließt sie eine einzelne Lücke und bekommt eine Krone aufgesetzt. Leider sind die Kosten für Zahnimplantate immer sehr hoch. Günstige Alternativen gibt es nicht.

Schonend für benachbarte Zähne

Das Ergebnis der Behandlung sitzt so gut und sieht so gut aus, dass kein Unterschied zu einem echten Zahn spürbar oder erkennbar ist. „Anders als bei einer Brückenverbindung müssen gesunde Nebenzähne auch nicht bis auf den Stumpf beschliffen werden“, sagt Dr. Gerhard Michael Iglhaut, Zahnarzt in Memmingen und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. Zudem stellt ein Implantat sicher, dass die Kaukräfte beim Essen weiterhin auf die Kieferknochen übertragen werden. Das verhindert, dass der Körper hier Knochenmasse abbaut. Und weil das Titan mit dem Knochengewebe eine stabile Verbindung eingeht, vermittelt die Wurzel ein sicheres Gefühl beim Kauen, Sprechen und Lächeln. Allerdings müssen Patienten für diese Vorteile auch einiges an Zeit, Geduld und mindestens 1500 Euro pro Implantat ohne Krankenkassenzuschuss investieren.

Die Operation selbst dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Unter örtlicher Betäubung öffnet der Zahnarzt mit einem kleinen Schnitt das Zahnfleisch, bohrt einen Kanal in den Kiefer und pflanzt das schraubenförmige Implantat ein. Die genaue Lage hat er zuvor mit einem dreidimensionalen bildgebenden Verfahren am Computer bestimmt. Eine individuell hergestellte Schablone hilft ihm, die exakte Stelle tatsächlich zu treffen. Danach näht er in der Regel das Zahnfleisch wieder zu und lässt das Implantat geschützt unter der Schleimhaut einwachsen. Allerdings ist nicht jeder Kiefer ohne Weiteres für den Eingriff bereit – er muss bei jedem zweiten Patienten zuerst aufgebaut werden, damit das Implantat sicheren Halt findet. Dazu werden Knochen von einer anderen Stelle im Mund entnommen oder künstliche Ersatzmaterialien verwendet. Ständig erproben Forscher auch neue Methoden. Eine Idee ist, die Wurzel des entfernten Zahns zu nutzen. Direkt nach dem Ziehen soll sie auf den Knochen geschraubt werden, um ihn zu verbreitern. In bestimmten Situationen können alternativ auch kürzere und dünnere Implantate größere Prozeduren zum Aufbau des Kiefers vermeiden.

Heilungsprozess nach der Zahn-Implantation

Nach der Operation hängt alles vom Knochen ab: Die künstliche Wurzel muss einheilen und fest mit ihm verwachsen. Je nach Lage dauert das drei bis sechs Monate; im unteren Kiefer geht es meist schneller als im oberen. In dieser Phase darf der Zahnersatz nicht zu früh belastet werden. Durch bestimmte Faktoren steigt zudem das

Risiko von Komplikationen: Bei Diabetikern mit schlecht eingestelltem Blutzuckerspiegel und Menschen, die Bisphosphonate gegen Osteoporose einnehmen, heilen Wunden häufig schlechter. Raucher sind ebenfalls anfälliger für bakterielle Entzündungen. Aufpassen müssen auch alle, die sich wegen einer Unverträglichkeit statt für ein metallenes Implantat aus Titan für ein weißes aus Zirkonoxid-Keramik entschieden haben. „Bei Keramikimplantaten haben wir für einige Systeme noch keine Langzeiterfahrungen. Die Oberflächenbeschaffenheit hat großen Einfluss darauf, ob bei Menschen mit weichen Knochen diese Keramikschrauben sicher einheilen“, erklärt Dr. Gerhard Michael Iglhaut. Erst wenn alles verheilt und stabil ist, wird die endgültige Krone auf den Unterbau geschraubt oder darauf festzementiert. Von da an sind Bakterien die größten Feinde der künstlichen Wurzeln, deshalb müssen sie immer penibel entfernt werden. Doch auch hier ist Unterstützung in Sicht: Spezielle Oberflächenbeschichtungen sollen bei einer neuen Generation von Implantaten die Bildung von Belägen reduzieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass sich das Zahnfleisch besser am Implantat anlagert – das erschwert es den Bakterien, ins Gewebe vorzudringen. Und wie lange hält heutzutage ein Implantat? Wissenschaftliche Studien belegen, dass nach zehn Jahren noch 90 Prozent intakt sind. „Bei guter Nachsorge und Hygiene können sie sogar länger als 30 oder 40 Jahre im Mund bleiben“, verspricht Dr. Iglhaut.

Der richtige Zahnarzt für Implantate

Die Erfahrung zählt

Grundsätzlich darf sich in Deutschland jeder Zahnarzt „Implantologe“ nennen. Es existiert keine geschützte Berufsbezeichnung. Informieren Sie sich darum zunächst über die Erfahrungen des Mediziners. Einige Fachgesellschaften haben dazu eigene Qualitätsmaßstäbe eingeführt, z. B.:

• Die Bezeichnung „Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie“ der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (www.dginet.de) darf ein Arzt zum Beispiel nur führen, wenn er mindestens drei Jahre lang in diesem Bereich tätig war, 200 Implantate gesetzt oder versorgt und sich über einen längeren Zeitraum fortgebildet hat.

• Ein „Spezialist Implantologie“ der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie (www.dgzi-info.de) muss unter anderem nachweisen, dass er innerhalb der vergangenen fünf Jahre 400 Implantationen durchgeführt hat.

Mit Bedacht vorgehen

Ein guter Implantologe empfiehlt nicht einfach so ein Implantat. Er untersucht zuerst genau die Zähne und den Kiefer und nimmt sich Zeit für ein ausführliches Gespräch. Darin klärt er über Vorteile und Risiken und mögliche Alternativen zur künstlichen Wurzel auf.

Zweite Meinung einholen

Da Implantate teuer sind, holen Sie, bevor Sie sich entscheiden, ruhig ein zweites oder sogar drittes Angebot ein. Auf den Webseiten der Fachgesellschaften können Sie nach Implantologen in Ihrer Nähe suchen. Lassen Sie sich von allen Praxen in Form von Heil- und Kostenplänen schriftliche Vorschläge geben, was gemacht werden soll und wie viel das kosten wird.

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