12. Februar 2010
Wissenswertes über Blutgruppen

Wissenswertes über Blutgruppen

A, B oder etwa 0? Für die meisten Deutschen ist ihre Blutgruppe eine unbekannte Größe. Dabei ist es wichtig, sie zu kennen

© jalag-syndication.de

Ein heftiger Unfall, eine Komplikation bei der Schwangerschaft oder OP: Wird eine spontane Blutkonserve notwendig, kann das Wissen um die Blutgruppe Leben retten. Besorgniserregend, dass nur 13 Prozent der deutschen Frauen ihre Blutgruppe kennen.

Magneten gegen Blutvergiftung

Wird unser Blut z. B. von Bakterien oder Pilzen überschwemmt, kommt es zur BLUTVERGIFTUNG. Pro Jahr erkranken bei uns 150 000 Menschen, etwa die Hälfte stirbt daran. US-Arzt Chong Wing Yung, Kinderkrankenhaus Boston, reinigt das abgezapfte Blut jetzt mit winzigen MAGNETKÜGELCHEN. Sie sind mit Antikörpern überzogen, die an den ERREGERN andocken. Ein Magnetfeld zieht die Kügelchen samt den Erregern heraus. Das GEREINIGTE BLUT wird dann wieder dem Patienten zugeführt.

Eiweiße bestimmen Blutgruppe

Die vier Blutgruppen A, B, AB und 0 werden nach ihren Eiweißmolekülen, den Antigenen, unterschieden. Sie sitzen wie Marker auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Werden die Blutgruppen bei einer Transfusion falsch kombiniert, kann das durch die unterschiedlichen Antikörper zu lebensbedrohlichen Reaktionen führen. Der Hämatologe Dr. Geoff Daniels vom Institut für Zell- und Molekularmedizin, Universität Bristol: „Bei Menschen mit der Blutgruppe A kommt es zu einer heftigen Immunabwehr, wenn ihnen Blut der Blutgruppe B übertragen wird.“ Patienten mit der Blutgruppe 0 vertragen nur Spenderblut der Gruppe 0, mit der häufigsten Blutgruppe A nur A und 0. Die Blutgruppe B passt zu B und 0, AB zu A, B, AB und 0. Hämatologen kennen außer den Antigen-Eiweißen heute rund 300 weitere Blutgruppen-Merkmale, deren Funktion bislang aber noch nicht ganz geklärt ist. Die meisten von ihnen scheinen eine spezielle Rolle bei der biochemischen Kaskade der körpereigenen Immunabwehr zu spielen.

Schwangerschaftsrisiko Rhesusfaktor

Schwangerschaftsrisiko Rhesusfaktor

Auch der sogenannte Rhesusfaktor entscheidet darüber, wie gut eine Transfusion verläuft oder wie sich das Blut der Mutter mit dem ihres ungeborenen Babys verträgt. Entdeckt wurde dieses Blut-Merkmal 1940 bei Rhesusäffchen. „Rhesus-positiv“ bedeutet, dass auf den Blutzellen ein bestimmtes Antigen vorkommt, was bei etwa 80 bis 85 Prozent der Deutschen der Fall ist. Alle anderen sind „Rhesus-negativ“. Gegen diesen Rhesusfaktor können sich ebenfalls Antikörper bilden, was ein Problem für werdende Mütter sein kann. Vermischt sich zum Beispiel bei der ersten Geburt das Rhesuspositive Blut des Kindes mit dem negativen der Mutter, bilden sich spezielle Antikörper. Bei einer zweiten Geburt kann das dann zu Komplikationen führen. Durch ein Antiserum lässt sich diese Gefahr inzwischen vermeiden: Ein neuer DNA-Test, den Dr. Daniels vor einem Jahr entwickelt hat, zeigt das Risiko mit 96-prozentiger Sicherheit an.

Heute A, morgen B Unsere Blutgruppe erben wir von unseren Eltern und behalten sie ein Leben lang. Doch nach einer Knochenmarkstransplantation nimmt der Patient die Blutgruppe des Spenders an, weil die blutgruppenbestimmenden roten Blutkörperchen im Knochenmark gebildet werden. Bei einem 15-jährigen australischen Mädchen änderte sich die Blutgruppe nach einer Lebertransplantation von „0 Rhesus-negativ“ in „-positiv“. Ein Segen für den Teenager: Das Mädchen braucht dadurch keine Medikamente gegen Abstoßungsreaktionen mehr zu nehmen. Bei Darmkrebspatienten mit der Blutgruppe A beobachten Mediziner, dass ihre Blutgruppe sich zu AB ändert, weil der kranke Darm ein Spezial-Enzym produziert.

Blutgruppen

Kostenfaktor Blut

Als Blutkonserve kosten die fünf bis sechs Liter Blut, die durch einen menschlichen Körper fließen, insgesamt etwa 1200 Euro. Am teuersten ist mit rund 130 Euro pro 0,5 Liter die seltene Blutgruppe „0 Rhesus-negativ“, weil sie sich optimal mit allen verträgt. Kein Wunder, dass Wissenschaftler weltweit fieberhaft an der Herstellung von künstlichem Blut arbeiten. Dem US-Forscher Dr. Qiyong Liu vom Biotechnik-Unternehmen ZymeQuest in Massachusetts ist es durch einen biologischen Enzym-Trick bereits gelungen, die Blutgruppen A und B in 0 umzuwandeln. Dr. Liu: „Das könnte zukünftig einen großen Schub für die Blutversorgung der Bevölkerung bedeuten.“

Leichter Schutzfaktor

Warum genau sich Blutgruppen entwickelt haben, ist unklar. Eine große Rolle spielt dabei offenbar die Evolution. Tatsächlich stehen bestimmte Blutgruppen in Beziehung mit bestimmten Erkrankungen. Menschen mit Blutgruppe 0 etwa erkranken seltener an Malaria. Menschen mit Blutgruppe A wiederum haben ein minimal erhöhtes Risiko, an bakteriellen Infektionen oder Thrombosen zu erkranken.

Was bring eine Blutgruppen-Diät?

Die Rolle der Vererbung

Immer noch glauben viele Menschen, dass die Blutgruppe ausschließlich über den Vater vererbt wird. Ein Mythos! Beide Elternteile sind bestimmend für die Blutgruppe. Hat die Mutter z. B. Blutgruppe A und der Vater die Blutgruppe 0, bekommt das Kind Typ A oder 0. Haben beide Elternteile Typ 0, wird auch das Baby die Blutgruppe 0 erhalten. Und hat einer A und der andere B, bekommt das Kind A, B oder AB.

Der Unsinn der Blutgruppen-Diät

Ob wir dick oder dünn sind, liegt an unserer Blutgruppe. Das behauptet der US-Naturheilkundler Peter J. D’Adamo. Menschen mit Blutgruppe 0 sollen demnach viel Fleisch essen, weil sie die älteste Blutgruppe sein soll – entstanden zu Zeiten der Jäger und Sammler. Wer sich nicht „blutgruppen-bewusst“ ernähre, riskiere Blutgerinnsel und Immunschwäche, so D’Adamo. Evolutionsbiologen halten die Blutgruppe A für ebenso alt wie 0. Für D’Adamos Blutgruppen-Diät gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis!

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