22. Januar 2019
Wie Hormone den Körper beeinflussen

Wie Hormone den Körper beeinflussen

Sie sind jedem ein Begriff und dennoch wissen wir häufig nur grob, was ihre Aufgaben in unserem Körper sind. Erfahren Sie hier, welche die wichtigsten Hormone und Neurotransmitter in unserem Körper sind und wie sie ihn beeinflussen. 

Frau schaut nach oben zu ihren Gedanken
© ismagilov / istock
Frau schaut nach oben zu ihren Gedanken

Was sind Hormone?

Hormone und Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die in Drüsen gebildet werden und der Regulation von verschiedenen Körperfunktionen dienen. Sie steuern Vorgänge wie Atmung, Blutdruck, Sexualfunktion, Schwangerschaft, Stoffwechsel, Ernährung und entscheiden über das Geschlecht eines Kindes. Hormone und Neutrotransmitter machen glücklich, steigern das Wohlbefinden und mobilisieren unsere Kräfte bei Stress und Gefahr.

Erfahren Sie in der Galerie alles über:

  • Glückshormone
  • Stresshormone
  • Sexualhormone
  • Schilddrüsenhormone
  • Stoffwechselhormone
© PeopleImages/iStock

Glückshormone

Endorphine

Enorphine werden auch engogene Morphine genannt, da von unserem Körper selbst produziert werden und z.B. in Notfallsituationen als Schmerzstiller dienen oder in positiven Ereignissen Glücksgefühle auslösen. Endorphine sind Botenstoffe, die wie Opiate an die Rezeptoren docken und somit eine Art Rausch auslösen. Sie werden in der Hypophyse und im Hypothalamus gebildet, haben einen beruhigenden Effekt, bilden Sexualhormone, regulieren unseren Hunger und wirken sich positiv auf die Gesundheit aus: Wer zufriedener und glücklicher ist, ist weniger krank und hat weniger depressive Verstimmungen. Zudem ist man weniger empfindlich und resistenter gegen hohe Belastungen, z.B. durch Stress.

Serotonin

Serotonin ist ein Neurotransmitter, welches im zentralen und peripheren Nervensystem vorkommt. Es wird in den enterochromaffinen Zellen im Darm und im Gehirn hergestellt. Serotonin macht und glücklich, ausgelassen und zufrieden. Nebenbei vermittelt es uns ein Sättigungsgefühl und entscheidet über Zufriedenheit nach einer Mahlzeit. Ist viel des Botenstoffs vorhanden, sinken Stress-, Angst- und Aggressivitätslevel. Desweiteren hat Serotonin Einfluss auf die Weite der Blutgefäße, die Bronchien und den Darm und ist an der Blutgerinnung beteiligt.

Dopamin

Dopamin, ein Hormon und Neurotransmitter, sorgt im Körper für Glücksgefühle, Freude, Lust, Verlagen, Interesse, Antrieb und Weiterentwicklung. Es wird im Nebennierenmark gebildet und dient als Vorstufe von Noradrenalin. Dopamin wird häufig gleichzeitig mit Serotonin ausgeschüttet und bildet gemeinsam mit Noradrenalin einen wahren Glücksrausch.

Oxytocin

Bekannt als das "Kuschelhormon" ist Oxytocin. Es wird im Hypothalamus gebildet und von der Hypophyse bei Berührung und Streicheln ausgeschüttet. Es fördert die emotionale Bindung zwischen Partnern, sowie zwischen Mutter und Kind. Oxytocin ist wichtig bei einer Schwangerschaft und Geburt, da es Wehen auslöst und für den Milcheinschuss sorgt. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Verarbeitung des Stresshormons Cortisol.

Phenethylamin

Recht unbekannt ist Phenethylamin, eine Vorgängerverbindung von z.B. Dopamin und Adrenalin. Es sorgt jedoch für eines der schönsten Gefühle der Welt: das Kribbeln im Bauch beim Verliebtsein. Phenethylamin kann die Ausschüttung von Dopamin anregen und dadurch Glücksgefühle verstärken. Auch bei körperlichen Training sorgt Phenethylamin für gute Laune und ein Stimmungshoch. Bei konstant hoher Ausschüttung des Stoffs kann jedoch eine Art Gewöhnung des Körpers eintreten. Das Nachlassen der Gefühle wird mit 2-4 Jahren angegeben.

Stresshormone

Adrenalin

Das Hormon Adrenalin wird im Nebennierenmark gebildet. Wird es vermehrt ausgeschüttet, sorgt es dafür, dass sich die Herzfrequenz und der Blutdruck erhöhen und die Bronchien erweitern. Adrenalin bewirkt eine schnelle Bereitstellung von Energie in Form und Fett und Glucose. In einer Stresssituation hemmt es zudem die Magen-Darm-Tätigkeit und nutzt dafür das Blut, um die Muskulatur auf Flucht oder Kampf vorzubereiten.

Noradrenalin

Noradrenalin ist ein Botenstoff, der als Stresshormon und Neurotransmitter wirkt. Als Hormon wird es im Nebennierenmark und als Neurotransmitter im Nervensystem gebildet. Es bewirkt, dass sich die Gefäße verengen und dadurch der Blutdruck steigt. Durch seine ähnliche Wirkung wie Adrenalin macht es wach, motiviert und leistungsstark.

Cortisol

Cortisol ist eigentlich ein Steroidhormon, in seiner Wirkung jedoch ähnlich wie Adrenalin und Noradrenalin, da es ebenfalls die Herzfrequenz, den Blutdruck und die Atmung erhöht. Es wird in der Nebennierenrinde aus Cholesterin gebildet. Morgens ist der Cortisolwert am höchsten und gegen Mitternacht am niedrigsten. Je nach Belastung, z.B. durch Stress oder Sport, schwankt der Cortisolspiegel täglich.

Ein Überschuss des Hormons kann zu körperlichen und psychischen Erkrankungen, wie Herzerkrankungen, Schlaflosigkeit, Bluthochdruck und Fehlfunktionen des Immunsystems führen. Der Gegenspieler zu Cortisol ist Melatonin:

Melatonin ist ein natürliches Schlafhormon, welches aus Serotonin in der Zirbeldrüse gebildet wird. Es steuert unter Einfluss von Helligkeit und Dunkelheit den Tag-Nacht-Rhythmus. In der Tiefschlafphase zwischen 0 und 2 Uhr morgens erreicht Melatonin seinen Höchststand und fällt dann langsam ab, während Cortiosl ansteigt und den Körper auf das Wachwerden vorbereitet. Der Melatoninwert kann z.B. durch einen Jetlag gestört werden.

Gender-Symbole Venus und Mars
© Julia August / iStock
Gender-Symbole Venus und Mars

Sexualhormone

Östrogen

Zu der Gruppe der Östrogene gehören Östron, Östradiol und Östriol. Östradiol ist sozusagen das wichtigste Östrogen und wird in den Eierstocken, den Nebennieren und bei Schwangeren in der Plazenta gebildet. In geringen Mengen kommt Östrogen auch bei Männern vor.
Östrogen steuert den Menstruationszyklus, sorgt dafür, dass monatlich ein Follikel heranreift, verändert den Schleimpfropf am Gebärmutterhals zum Zeitpunkt des Eisprungs und ist am Aufbau der Gebärmutterschleimhaut beteiligt. Zudem beeinflusst Östrogen das Wachstum des Brustgewebes, kann Wassereinlagerungen begünstigen, aber auch das "gute" HDL-Cholesterin erhöhen. Gleichzeitig ist das Hormon an der Knochenbildung beteiligt, weshalb zu wenig Östrogen Knochenschwund und damit Osteoporose begünstigen kann.

FSH (follikelstimulierendes Hormon)

Das follikelstimulierende Hormon (FSH) wird in der Hypophyse produziert, regt die Östrogenbildung an und steuert gemeinsam mit dem luteinisierenden Hormon (LH) die Follikelreifung. Bei Männern kommt FSH ebenfalls vor und ist für die Hodenentwicklung und die Spermienbildung von Bedeutung.

LH (luteinisierendes Hormon)

Das luteinisierende Hormon, gebildet in der Hypophyse, steuert die Funktion der Eierstöcke, löst den Eisprung aus und fördert anschließend die Entwicklung des Gelbkörpers. Bei Männern fördert es die Produktion von Androgenen, z.B. Testosteron.

Gestagen/Progesteron

Gestagen bzw. Progesteron baut die Gebärmutterschleimhaut auf und bereitet sie auf eine Einnistung vor. Es wird in den Eierstöcken, aber auch in den Nebennieren und in der Plazenta gebildet. Progesteron ist vor der Periode und während einer Schwangerschaft dafür verantwortlich, dass Frauen vermehrt Wasser einlagern und es dadurch zu Gewichtsschwankungen kommen kann.

Testosteron

Es ist das Sexualhormon der Männer und wird in den Hoden und der Nebenierenrinde produziert. Bei Frauen in geringen Mengen in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde. Bei Männern sorgt Testosteron für das Wachstum der Geschlechtsorgane, die Reifung der Spermien und das männliche Erscheinungsbild (Kehlkopf, breitere Schultern, Behaarung, tiefe Stimme, gröbere Gesichtszüge). Bei Frauen kann ein zu hoher Testosteronwert für vermehrte Körperbehaarung, Vertiefung der Stimme und Wachstum der Klitoris sorgen. Testosteron steigert bei Frauen und Männern das sexuelle Verlangen, beeinflusst den Muskelaufbau, die Muskelkraft, die Knochendichte und -reife, sowie den Zucker- und Fettstoffwechsel.

© ChesiireCat / iStock

Schilddrüsenhormone

Thyroxin & Triiodthyronin

Thyroxin (T4) ist das Schilddrüsenhormon und die Vorstufe von Triiodthyronin (T3). Es steigert den Energieumsatz des Körpers, regt die Wärmebildung an, hat Einfluss auf Muskeln, den Fettabbau, Leber, Herz und Wachstum bei Kindern. Zudem hat es Einfluss auf die Psyche, sowie den Energie- und Vitaminstoffwechsel. Die Schilddrüse kann auch gestört sein, sodass die Hormone zugeführt werden müssen. Mehr zur Schilddrüsenunterfunktion hier!

Mann und Frau mit aufgemalten Verdauungstrakt auf dem Bauch
© SolStock / iStock
Mann und Frau mit aufgemalten Verdauungstrakt auf dem Bauch

Stoffwechselhormone

Insulin

Insulin ist das wichtigste Hormon, wenn es um die Energiebereitstellung im Körper geht. Es wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Der Dünndarm nimmt Glukose und Fructose auf und gibt den gespaltenen Zucker ins Blut ab. Dieser steht dem Körper als Energie zur Verfügung. Insulin bewirkt, dass der Zucker aus dem Blut in die Zellen (Muskeln, Leber, Niere und Fettgewebe) gelangt, wodurch der Blutzuckerspiegel sinkt. Insulin reguliert auch den Fett- und Eiweißstoffwechsel.

Glukagon

Das Hormon Glukagon wird wie Insuln in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es erhöht den Blutzuckerspiegel, indem es Glykogen (Zuckerreserven) aus der Leber mobilisiert und die Zuckerneubildung (Glukoneogenese) anregt. Anschließend wird der Zucker in die Blutgefäße abegeben, sodass der Blutzuckerspigel steigt. Das Zusammenspiel von Glukagon und Insulin hält den Blutzuckerspiegel im Lot, um zu hohe und zu tiefe Werte zu vermeiden.

Leptin

Das Hormon Leptin wird in den Fettzellen, im Knochenmark, in der Skelettmuskulatur, Magenschleimhaut, den Brusthautzellen und im Gehirn hergestellt. Es ist ein natürlicher Appetitzügler und signalisiert dem Körper nach einer Mahlzeit "Ich bin satt". Leptin führt zu einer Blutdruckerhöhung, Herzfrequenzsteigerung und kurbelt die Wärmeentwicklung im Körper an. Außerdem spielt das Hormon eine wichtige Rolle beim Abnehmen: Mit verminderter Kalorienaufnahme und abnehmenden Gewicht sinkt auch der Kalorienverbrauch und der Leptinspiegel. Die Folge: mehr Hunger. Dagegen hilft es, regelmäßig eine Diät-Pause einzulegen und ein paar Tage auf Erhalt zu essen. Der Gegenspieler zu Leptin ist Ghrelin.

Ghrelin

Ghrelin wird in der Magenschleimhaut und in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Das Hormon verstärkt das Hungergefühl, verführt zum Essen und beeinflusst den Schlaf und die Stimmung. Wer wenig schläft, hat daher auch meist einen hohen Ghrelinwert. Gemeinsam mit Leptin und Cortisol steuert Ghrelin das Hunger- und Sättigungsgefühl.

Lade weitere Inhalte ...