25. Januar 2012
Vorsicht bei Medizin-Cocktails

Vorsicht bei Medizin-Cocktails

Milch und Antibiotika vertragen sich gar nicht. Auch Müsli gibt für einige Arzneien keinen guten Partner ab – ebenso wenig wie so manches pflanzliche Präparat oder Medizin-Kombinationen. Hinweise suchen wir in Beipackzetteln vergebens. Da passiert es schnell, dass wir Medikamente unwissentlich falsch anwenden. Mit  unserem Leitfaden passiert das nie wieder.

Tabletten
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Tabletten

Die Wirkung wird aufgegessen

Ballaststoffreiches Müsli ist gesund und senkt das Darmkrebsrisiko. Nachteil: Es quillt im Darm auf, bindet und blockiert die Wirkstoffe aus Schmerzmitteln, Antibiotika und Antidepressiva. Grünes Gemüse und Salate enthalten viel gesundes Vitamin K, das aber blutgerinnungs hemmende Medikamente schwächen kann. Koffein aus Kaffee, Tee oder Limonade führt zusammen mit Antibiotika und Asthmapräparaten mitunter zu Herzrasen und Schlafstörungen, und Lakritz in Kombination mit Entwässerungstabletten löst oftmals einen Kaliumverlust aus. Die Folgen: Muskelschwäche, Schläfrigkeit, erhöhter Blutdruck. Kalium- oder kalziumreiches Mineralwasser verbindet sich ebenfalls mit bestimmten Sub stanzen, hemmt dadurch ihre Aufnahme in den Blutkreislauf, macht sie unwirksam.

Gefährliches Doppel

ASS gegen Kopfschmerzen, Kalzium für die Knochen, Omeprazol gegen Sodbrennen – nicht nur ältere Menschen leiden unter vielen Beschwerden. Entsprechend viele Wirkstoffe treffen dann im Körper auf einander. Bei diesen Kombinationen ist Vorsicht geboten: ASS kann die Wirkung verschreibungspflichtiger Mittel gegen Diabetes oder Bluthochdruck schwächen. Brausetabletten mit Eisen, Zink, Magnesium oder Kalzium stören Antibiotika, Mittel für die Schilddrüse und gegen Osteoporose. Magensäurebinder hemmen einige Herzmedikamente (z. B. Digoxin). Abführmittel können die hormonelle Verhütung und die Wirkung von Entwässerungstabletten (Diuretika) beeinträchtigen. Besonders heikel ist die Paarung ASS plus Ibuprofen. Menschen mit erhöhtem Herzinfarktrisiko sollen oft täglich ASS nehmen, um die Blutgerinnung zu bremsen. Doch Ibuprofen hebt diese Wirkung wieder auf. Sagen Sie Ihrem Arzt oder Apotheker also unbedingt, welche Mittel Sie bereits nehmen.

Pflanzlich gleich harmlos?

Viele Patienten greifen lieber zu Wirkstoffen aus der Natur als zur „chemischen Keule“. Doch auch dann finden sich problematische Duos. So kann Johanniskraut, oft zum Aufhellen der Stimmung eingesetzt, einige Antibiotika, Verhütungsmittel und Asthmapräparate außer Kraft setzen. Auch der Erfolg von Herzmedikamenten schwindet unter seinem Einfluss. Pflanzliche Präparate mit Knoblauch, Ginkgo oder Ginseng können dagegen den Effekt von Blutverdünnern erheblich verstärken und erhöhen so das Blutungsrisiko.

Achtung, Vitalstoff-Räuber

Gegen Entzündungen in der Speiseröhre oder Magengeschwüre verordnen Ärzte häufig sogenannte Protonenpumpen-Inhibitoren, kurz PPI. Sie wirken rasch, können aber einen Vitamin-B12-Mangel auslösen, der sich durch Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Infektanfälligkeit äußert. Tipp: Vitamin B12 steckt vor allem in tierischen Lebensmitteln (z. B. Fleisch, Käse oder Eier). Cholesterinsenker können eine verminderte Aufnahme von Vitamin A, K und B12 zur Folge haben. Antibiotika dagegen erhöhen den Bedarf an Vitamin C und K und Kalzium. Wer Schmerzmittel nimmt, sollte seine Eisenwerte kontrollieren lassen, wenn unerklärliche Müdigkeit auftritt.

Einnahmetipps von Experten

Vital hat nachgehakt, wie Sie aus jedem Wirkstoff das beste für Ihre Gesundheit herausholen. Ursula Sellerberg, Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin, gibt Ratschläge.

Gegen viele Beschwerden bekommt man in der Apotheke ohne Rezept sogenannte OTC-Präparate (von „over the counter“, über den Tresen). Wann helfen solche Mittel allein nicht mehr?

Dr. Ursula Sellerberg: Gehen Sie immer dann zum Arzt, wenn sich die Beschwerden trotz Einnahme eines frei verkäuflichen Medikaments nicht bessern. Der Zeitpunkt hängt von der Erkrankung ab: Durchfall sollte nach zwei Tagen verschwinden, eine Schlafstörung etwa nach vier Wochen. Fragen Sie Ihre Apothekerin schon beim Kauf des Präparats, wann die Symptome nachlassen bzw. weg sein sollten.

Kann eine Selbstbehandlung das Gegenteil bewirken und die Krankheit verschlimmern?

Dr. Ursula Sellerberg: Ja, manche Medikamente können die Beschwerden verstärken, wenn man sie zu lange einnimmt – beispielsweise führen dann Schmerzmittel zu Kopfschmerzen. Und Patienten, die chemische Abführmittel nehmen, interpretieren manchmal die Symptome falsch: Wenn nach der erwünschten Darmentleerung der Stuhl wieder für einige Tage ausbleibt, deuten sie das als erneute Verstopfung und nehmen wieder das Abführmittel. Das kann zu Durchfall führen. Grundsätzlich sollte man Medikamente nie gedankenlos verwenden, sondern genau auf seinen Körper hören.

Was ist ein Alarmsignal?

Dr. Ursula Sellerberg: Sichtbares Blut. Im Auswurf beim Husten, im Stuhl oder im Urin. Das sollten Sie nie ignorieren, sondern sofort telefonisch Ihrem Hausarzt schildern. Beschreiben Sie die Symptome und lassen Sie sich den nächstmöglichen Termin geben.

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