17. Januar 2018
Rotaviren-Infektion bei Säuglingen und Kindern

Rotaviren: Ursachen, Symptome und Behandlung

Häufig erkranken Säuglinge und Kleinkinder an der Rotaviren-Infektion. Wie die Viren übertragen werden, welche Krankheitszeichen auftreten und was ihr dagegen tun könnt, lest ihr hier.

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Was sind Rotaviren?

Wie werden die Rotaviren übertragen?

Welche Symptome können bei der Darminfektion auftreten?

Wie lange ist die Inkubationszeit und wie lange seid ihr ansteckend?

Welche Personen sind besonders anfällig für die Infektion?

Wie werden die fiesen Erreger behandelt?

Meldepflicht

Wie könnt ihr euch vor dem Rotavirus schützen?

Was sind Rotaviren?

Rotaviren sind die häufigste Ursache für Magen-Darm-Erkrankungen, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Viren sind hoch ansteckend, weshalb schon viele Kinder im Alter von bis zu 5 Jahren an der Infektion erkranken. In den ersten Lebensjahren entwickelt sich ein Schutz gegen den Erreger, ein Leben lang hält dieser jedoch nicht. Eine mehrfache Ansteckung ist deshalb nicht auszuschließen. In den Monaten zwischen Februar und April nimmt die Zahl der Rotaviren-Erkrankungen zu. Wie ihr euch und eure Kinder vor der Darminfektion schützen könnt, lest ihr auf den nachfolgenden Seiten.

Wie werden die Rotaviren übertragen?

Die Übertragung der Rotaviren erfolgt auf zwei Wegen. Zum einen können die Viren von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, dies erfolgt meist über eine Schmierinfektion. Betroffene leiden unter einem massiven Durchfall, wodurch die Erreger ausgeschieden werden. Bereits die kleinsten Spuren vom Stuhlgang können an den Händen weitergegeben werden. Die Viren gelangen über die Hände in den Mund des Menschen und weiter in den Verdauungstrakt.

Die Rotaviren können aber auch an verunreinigten Gegenständen wie Türgriffen, Toiletten, Handläufen und Armaturen haften. Auch auf diese Weise gelangen die Erreger über die Hände in den Mund und weiter in den Verdauungstrakt. Ebenfalls möglich, dennoch eher selten, ist eine Ansteckung über verunreinigtes Wasser oder vom Erreger infizierte Lebensmittel. Im Wasser haben die Viren eine Überlebenschance von mehreren Wochen, im eingetrockneten Stuhl sind sie über mehrere Tage ansteckend.

Kinder- und Jugendarzt Dr. Michael Horn beantwortet die wichtigsten Fragen zu Rotaviren

Im Interview erklärt Kinderarzt Dr. Michael Horn, was eine Rotavirus-Infektion bedeutet und weshalb eine Impfung sinnvoll sein kann.

DE/ROT/0028/17b; 01/18 Mit freundlicher Unterstützung von GSK

Welche Symptome können bei der Darminfektion auftreten?

Seid ihr an Rotaviren erkrankt, kann es plötzlich zu wässrigem Durchfall, Bauchschmerzen und Erbrechen kommen. Eventuell können auch Schleimspuren im Stuhlgang erkennbar sein. Neben den typischen Symptomen einer Magen-Darm-Erkrankung sind Schnupfen, Husten und leichtes Fieber ebenfalls möglich. Die Beschwerden klingen in der Regel von selbst nach zwei bis sechs Tagen wieder ab.

Bei Babys und Kleinkindern verläuft die Erkrankung meist schwerer. Durch den starken Durchfall und das unangenehme Erbrechen verlieren sie schnell viel Körperflüssigkeit. Kreislaufprobleme, Schwindel und Dehydrierung sind meist die Folge. Wird der Flüssigkeitsverlust bei ihnen nicht ausgeglichen, kann der Zustand schnell lebensbedrohlich werden. Typische Anzeichen einer Dehydrierung bei Babys und Kleinkindern sind u.a.: hohes Fieber, ein trockener Mund und Zunge, trockene Windeln für drei Stunden oder länger und dass sich die Haut, wenn man sie vorsichtig kneift und dann wieder loslässt, nicht in den Normalzustand glättet. Vermutet ihr eine Dehydrierung bei eurem Kind, solltet ihr dringend einen Arzt aufsuchen. Den Elektrolythaushalt könnt ihr beispielsweise durch Brühen oder Suppen, die Natrium enthalten, weiches Obst oder kaliumhaltiges Gemüse und Fruchtsäfte wiederherstellen.

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Wie lange ist die Inkubationszeit und wie lange seid ihr ansteckend?

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel ein bis drei Tage. Anstecken kann sich jeder, mit dem ihr während des akuten Krankheitsstadiums und auch noch nach Abklingen der Beschwerden in Kontakt tretet. Solange ihr den Erreger im Stuhlgang ausscheidet, kann der Virus auf andere übertragen werden. Im Normalfall dauert diese Phase ca. acht Tage. Ausnahmefälle bilden Frühgeborene und Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem, bei denen kann die Virusausscheidung länger andauern.

Welche Personen sind besonders anfällig für die Infektion?

Eine Infektion mit Rotaviren kann jeden treffen. Die Symptome der Krankheit und ihre Ausprägung und Intensität sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Säuglinge und Kleinkinder im Alter von bis zu zwei Jahren erkranken besonders häufig an der Infektion. Ein schwerer Krankheitsverlauf tritt zusätzlich vermehrt bei den ganz Kleinen auf, da sie auf den Salz- und Flüssigkeitsverlust besonders empfindlich reagieren. Oftmals werden sie deshalb bei einer Infektion mit Rotaviren im Krankenhaus behandelt.

Senioren und Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem sind ebenfalls besonders gefährdet, sich mit Rotaviren zu infizieren. In den meisten Fällen verläuft die Krankheit jedoch bei Erwachsenen deutlich milder als bei Säuglingen, Kleinkindern, Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem oder Senioren. Der Grund hierfür liegt an den bereits durchgemachten Infektionen, wodurch sich bei Erwachsenen ein gewisser natürlicher Immunschutz gebildet hat.

Wie werden die fiesen Erreger behandelt?

Hat der Arzt die Diagnose Rotaviren gestellt, sind die folgenden Punkte für eine erfolgreiche Behandlung von Bedeutung:

  • Eine ursächliche Behandlung gegen Rotaviren gibt es so nicht. Antibiotika sind unwirksam gegen die von Viren verursachte Krankheit. Von stopfenden Medikamenten ist ebenfalls abzusehen, sie können die Erkrankung sogar verlängern, statt sie zu heilen.
  • Bettruhe ist jetzt das Wichtigste, woran ihr euch halten solltet. Das ist nicht nur für euch das Beste, sondern auch für eure Mitmenschen, so steckt ihr auch niemanden an.
  • Trinkt viel Leistungswasser oder Tee, um eine Dehydrierung zu vermeiden. Erwachsene können eine Dehydrierung mit einer sogenannten Elektrolyt-Ersatzlösung aus der Apotheke probieren. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind verdünnte Kräutertees geeignet. Ist der Wasserverlust zu hoch, sollte euer Kind besser im Krankenhaus behandelt werden. Solltet Ihr euren Säugling noch stillen, könnt ihr dies beruhigt weiterhin machen.
  • Leicht verdauliche Nahrung mit ausreichender Salzzufuhr steht ab jetzt auf dem Speiseplan. Dazu zählen u.a. Brühe und klare Suppen. Bereitet keine Mahlzeiten für Freunde und Familie zu, wenn ihr selbst erkrankt seid.
  • Sollten Durchfälle oder Erbrechen sowie Fieber länger als zwei bis drei Tage andauern, empfiehlt sich bei geschwächten oder älteren Menschen, Schwangeren und Kleinkindern der Besuch eines Arztes.
  • Achtet während des gesamten Krankheitsverlaufs besonders auf die Sanitär- und Handhygiene. Die Hygiene sollte auch nach Abklingen der Symptome nicht vernachlässigt werden, denn die Erreger werden noch Tage später beim Stuhlgang ausgeschieden.
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Meldepflicht

Generell gelten die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes. Die Darminfektion muss spätestens 24 Stunden nach der Diagnose beim Gesundheitsamt gemeldet werden. Arbeitet die betroffene Person mit Lebensmitteln oder in Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung ist der oder die Erkrankte meldepflichtig. Ist der Betroffene gleich von zwei oder mehreren ähnlichen Krankheiten betroffen, muss ebenfalls eine Meldepflicht in Erwägung gezogen werden. Arbeiten darf der Erkrankte frühestens zwei Tage nach Abklingen der Beschwerden. Über einen genauen Zeitpunkt entscheidet der behandelnde Arzt oder das zuständige Gesundheitsamt.

Sind Kinder unter sechs Jahren an der ansteckenden Infektion erkrankt oder besteht der Verdacht auf die Darminfektion, dürfen sie frühestens zwei Tage nach Abklingen der Beschwerden wieder in den Kindergarten oder die Schule. Auch hier entscheidet der zuständige Arzt oder das Gesundheitsamt. Es ist die Pflicht der Eltern, die Gemeinschaftseinrichtung über die Erkrankung zu informieren. Ein ärztliches Attest ist hierfür meist nicht erforderlich.

Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen, die Kinder bis zum 6. Lebensjahr betreuen, sind dazu verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt direkt zu benachrichtigen, sobald Rotaviren in der Einrichtung vermutet werden oder im Umlauf sind.​ Die Gefahr, dass Kleinkinder an Rotaviren schwer erkranken, ist enorm hoch. Prophylaktisches Handeln kann schützen.

Wie könnt ihr euch vor dem Rotavirus schützen?

So könnt ihr der Infektion vorbeugen:

  • Impfung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) befürwortet eine Schluckimpfung für Säuglinge gegen Rotaviren. Diese soll ab Vollendung der 6. Lebenswoche und spätestens bis zur 12. Lebenswoche erfolgen. Um den vollständigen Schutz gewähren zu können, sind je nach Impfstoff zwei oder drei Dosen in einem Abstand von mindestens vier Wochen vorgesehen. In einem Säuglingsalter zwischen 16 und 22 Wochen, allerspätestens bis zum Alter von 32 Wochen, sollte die Rotaviren-Impfung beendet sein.
  • Nach der ersten Impfdosis kann es sein, dass ein Darmabschnitt in einen anderen einstülpt - auch bekannt als Invagination. Dies tritt jedoch nur in sehr seltenen Fällen auf. Bei Säuglingen nimmt die Gefahr einer Einstülpung des Darmabschnitts mit höherem Alter zu, eine rechtzeitige Impfung ist daher von Vorteil. Kommt es bei eurem geimpften Säugling zu Nebenwirkungen wie Erbrechen, schrillem Schreien mit Anziehen der Beine oder Bauchschmerzen, solltet ihr einen Kinderarzt aufsuchen und euer Kind untersuchen lassen.
  • Handhygiene: Achtet darauf, dass sowohl die Hände der Kleinen als auch eure Hände besonders regelmäßig mit Wasser und Seife gewaschen werden. Besonders vor der Zubereitung von Essen, nach dem Windelwechseln und nach jedem Toilettengang solltet ihr euch gründlich die Hände waschen. Je eher eure Kinder lernen, sich regelmäßig die Hände zu waschen, desto besser ist es für ihre Gesundheit.
  • Zusätzlich ist es wichtig, dass jeder seine eigenen Handtücher und Pflegeprodukte verwendet.
  • Handtücher, Waschlappen und Bettwäsche sollten in regelmäßigen Abständen gewechselt und bei mindestens 70° gewaschen werden.
  • Gegenstände, mit denen ihr täglich in Berührung kommt, wie Türgriffe oder Armaturen, sollten täglich gereinigt werden, damit mögliche Bakterien und Viren keine Überlebenschance haben.
  • Wichtig ist zudem ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln. Rotaviren mögen im Vergleich zu Bakterien keine Hitze, sie werden bei mindestens 70°C getötet.
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