21. Juli 2021
Long-Covid und Post-Covid: Symptome und Unterscheidung

Long-Covid und Post-Covid: Das ist der Unterschied

Long-Covid und Post-Covid betreffen fast jeden siebten an Covid-19 Erkrankten – sie haben länger als vier Wochen mit Symptomen und Beschwerden zu kämpfen. Wir zeigen Ihnen, welche Spätfolgen auftreten können und was genau der Unterschied zwischen Long-Covid und Post-Covid ist.

Dass Covid-19 eine ernste Erkrankung ist und selbst bei jüngeren und fitten Menschen schwere Verläufe annehmen kann, ist mittlerweile den meisten klar. Leichte Verläufe sind meist nach zwei Wochen mit milden Symptomen wie Husten, Fieber und Geruchsstörungen überstanden. Allerdings gibt es auch viele Fälle, in denen Betroffene noch Wochen oder gar Monate unter schweren Symptomen leiden, die einen normalen Alltag unmöglich machen. Doch wann spricht man von Long-Covid und wann von Post-Covid?

Long-Covid und Post-Covid: Das ist der Unterschied

Bis vor Kurzem wurden die beiden Begriffe vermischt und zum Teil synonym verwendet. Nun hat jedoch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) in einer neuen Leitlinie den Unterschied eindeutig definiert. Long-Covid bezeichnet alle Verläufe einer Covid-19-Erkrankung, die über das akute Maß von vier Wochen hinausgehen und mit andauernden oder neu hinzukommenden Symptomen (s.u.) einhergehen. Bestehen die Beschwerden sogar länger als 12 Wochen und sind nicht durch eine andere Diagnose erklärbar, spricht man zusätzlich vom Post-Covid-19-Syndrom

Doch wie viele Personen sind überhaupt von solch einem längeren Verlauf betroffen? In einer britischen Studie mit über 4.000 Covid-19-Patienten klagten nach vier Wochen noch 13,3 Prozent der Probanden über Symptome, nach acht Wochen noch 4,5 Prozent und nach 12 Wochen (Post-Covid) immerhin noch 2,3 Prozent. Beschwerden rund um Long-Covid und das Post-Covid-Syndrom können somit unter Umständen noch monatelang nach der Infektion anhalten. Schätzungen zufolge leiden derzeit etwa 550.000 Genesene in Deutschland an Long-Covid oder Post-Covid.

Long-Covid und Post-Covid: Diese Symptome treten auf

Die Symptome von Long-Covid sind individuell sehr unterschiedlich und können in Form von Post-Covid noch über 12 Wochen nach einer Infektion auftreten. Als häufigste Symptome wurden bisher die folgenden erfasst:

  • Fatigue (ungewöhnliche Erschöpfung)
  • Müdigkeit
  • Gedächtnisprobleme
  • Wortfindungsstörungen
  • Kurzatmigkeit
  • Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns
  • Anhaltender Husten
  • Brustschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Halsschmerzen
  • Schwindel
  • plötzliches Erbrechen

Neben dem Auftreten dieser Symptome können auch verschiedene Organe langfristig durch Long-Covid geschädigt werden. 

Wer leidet am häufigsten unter Long-Covid?

Verläuft die akute Covid-19-Erkrankung schwer, ist auch das Risiko für Long-Covid erhöht. Daten aus England zeigen, dass etwa 40 Prozent der an Covid-19 Erkrankten, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, auch über längerfristige Symptome klagten. Doch auch andere Faktoren machen die Langzeitfolgen von Corona wahrscheinlicher.

Als Hauptrisikofaktoren gelten demnach:

  • höheres Alter,
  • höherer Body-Mass-Index (BMI),
  • weibliches Geschlecht.

Studie: Impfung könnte bei Long-Covid helfen

Vorsichtigen Optimismus für an Long-Covid Leidende bietet eine neue britische Preprint-Studie. In dieser wurden 900 Long-Covid-Patienten mit einem Corona-Impfstoff geimpft und anschließend zum weiteren Verlauf befragt. Immerhin gaben 57 Prozent der Probanden an, dass sich ihre Symptome nach der Impfung besserten. 24 Prozent stellten keinen Unterschied fest, 19 Prozent gaben jedoch eine Verschlechterung ihres Krankheitsverlaufs an. Der Autor der Studie, Professor Dr. David Strain von der Universität Exeter, schätzt dennoch anhand der Ergebnisse vorsichtig ein, „dass die Impfung bei den Betroffenen wahrscheinlich keine Verschlechterung verursacht und bei Long Covid möglicherweise von Vorteil sein kann.“

Im Video: Das schwere Leben mit Long-Covid

Studien zeigen: Schlafstörungen bei Long-Covid sehr häufig

Mittlerweile liegen mehrere wissenschaftliche Studien vor, in denen Patienten mit Long-Covid von Schlafstörungen berichteten. In einer groß angelegten Untersuchung in einem Krankenhaus in Wuhan gaben 26 Prozent der 1733 Patienten an, sechs Monate nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus an Schlafstörungen zu leiden. In einer italienischen Studie mit 402 Patienten litten sogar 40 Prozent der Fälle unter Insomnie. Besonders häufig traten die Schlafstörungen bei jüngeren Patienten, Frauen und Menschen mit psychiatrischen Vorerkrankungen auf. Ursächlich für die durch Long-Covid ausgelöste Insomnie könnten direkte Effekte des Coronavirus auf das zentrale Nervensystem sein. Ebenso könnte die Antwort des Immunsystems auf die Virusinfektion neurologische Veränderungen hervorrufen und den Tag-Nacht-Rhythmus stören.

Geruchs- und Geschmacksverlust kann monatelang andauern

Eines der auffälligsten und typischsten Symptome für Covid-19 und Long-Covid ist der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. Betroffene können zum Teil sogar Schärfe nicht mehr auf ihrer Zunge wahrnehmen. In verschiedenen Untersuchungen klagten zwischen 40 und 80 Prozent der Covid-Patienten über den Verlust ihrer Geruchs- oder Geschmackssinne. Bis zu 38 Prozent der Betroffenen berichten auch noch nach fünf Monaten, dass Ihr Geruchs- oder Geschmackssinn noch vollständig oder teilweise gestört ist.

Die Ursachen hierfür sind zwar noch nicht vollständig geklärt. Als wahrscheinlichste Erklärung sehen Wissenschaftler jedoch neurologische Schäden in der Nase an. Eine Hypothese ist, dass das Coronavirus Nervenzellen in der Nase befällt und damit untauglich macht. Ein Befall der olfaktorischen Riechkolben im Gehirn gilt als unwahrscheinlich, da das Virus nur in seltenen Fällen bis ins Gehirn vordringt.

Lässt sich Long-Covid vorhersagen?

Neben Geschlecht, Alter und Gewicht hat nun eine neue Studie weitere Faktoren identifiziert, die Spätfolgen wahrscheinlicher machen. Darin heißt es: 

Die Patienten, die in der ersten Woche mehr als fünf Symptome dokumentierten, hatten ein signifikant größeres Risiko, auch nach mehr als einem Monat noch unter Beschwerden zu leiden.

Am höchsten sei demnach das Risiko für Spätfolgen bei den Symptomen:

  • Erschöpfung,
  • Kopfschmerzen,
  • Schlafstörungen,
  • Heiserkeit,
  • Muskelschwäche.

Ein organübergreifender Verlauf, der mehrere Teile des Körpers betrifft, scheint somit besonders oft zu Spätfolgen zu führen. Die folgenden Symptome können generell bei Long-Covid auftreten.

Im Video zusammengefasst: Der Unterschied zwischen Long-Covid und Post-Covid

Quellen: rki.de, aerzteblatt.de, nature.com, awmf.org

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