16. April 2013
Hämorrhoiden: Symptome, Ursachen und Behandlung

Hämorrhoiden: Symptome, Ursachen und Behandlung

Zugegeben, niemand behauptet, das sei sein Lieblingsthema. Dabei fänden sich genug Gesprächspartner: Immerhin betreffen Hämorrhoidalleiden jeden Zweiten in Deutschland. Drei Experten sprechen, wo andere gern schweigen.

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Die typischen Symptome

Dr. Schönenberg: "Zunächst einmal: Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Diese ringförmigen Gefäßpolster im Ausgangsbereich des Enddarms haben eine wichtige Funktion. Sie dienen der Abdichtung, um den Stuhl zu halten. Und sind verantwortlich für das Empfinden, den Darm komplett entleert zu haben oder nicht. Beim Stuhlgang werden die mit Blut gefüllten Polster kleiner, damit der Stuhl passieren kann. Erst wenn dieser natürliche Reflex gestört ist, wenn sich die Hämorrhoiden nicht mehr zurückziehen, kommt es zum Leiden mit Symptomen wie Blutungen, Juckreiz, Brennen, Nachschmieren, Nässen und Schmerzen. Ein weiteres Anzeichen ist das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleert zu haben."

Dr. Schönenberg
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Dr. Schönenberg:

Ursachen für Hämorrhoiden

VITAL: Was kann diesen harmonischen Prozess stören?

Bei Frauen spielen Schwangerschaft und Entbindung eine Rolle, auch gynäkologische Probleme durch einen schwachen Beckenboden. Häufigste Ursache: Sich nicht genug Zeit für den Toilettengang nehmen und stattdessen Druck ausüben, pressen. Genauso ungünstig ist stundenlanges Sitzen auf dem WC. Viele gehen gegen den natürlichen Impuls an. Das führt nicht sofort, aber über Jahre hinweg zu einem Hämorrhoidalleiden. Auch sitzende Tätigkeiten, Übergewicht, eine Ballaststoff arme Ernährung und mangelnde Bewegung fördern es.

Was tue ich, wenn ich Symptome bei mir beobachte?

Gehen Sie zu einem Arzt mit der Zusatzbezeichnung Proktologe. Er wird Sie untersuchen und dann entscheiden, welche Art der Therapie sinnvoll ist. Bei Blut im Stuhl sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, denn die Beschwerden können weitere Ursachen haben, hinter denen andere Krankheiten stecken, schlimmstenfalls Krebs. Eine endgültige Diagnose kann allerdings immer erst nach ausführlicher Untersuchung gestellt werden.

Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Zunächst kann man die Krankheit von außen auf natürlichem Wege mit Salben und Zäpfchen mit abschwellender Wirkung behandeln. Diese können die Beschwerden des Hämorrhoidalleidens erheblich lindern. Im schlimmeren Stadium ist die nächste Stufe das Veröden. Dabei wird ein Medikament neben die Vergrößerung gespritzt, das führt zu einer Schrumpfung. Dann kann bei einer Enddarmspiegelung mit einem speziellen Instrument, das überflüssiges Gewebe einsaugt, die Hämorrhoide abgebunden werden. Das hört sich schlimmer an, als es ist. Denn die Hämorrhoiden liegen oberhalb vom schmerzempfindlichen Gewebe des Patienten. Als letzte Maßnahme kommt ein chirurgischer Eingriff, also das operative Entfernen infrage. Doch nach meiner Erfahrung ist das nur in zehn Prozent der Fälle nötig.

Arztbesuch nicht aufschieben

Diedrichs: "Aus psychologischer Sicht ist es völlig verständlich, dass Hämorrhoiden-Kranke den fälligen Arztbesuch ewig vor sich herschieben. Aber das nützt natürlich nichts, für den Einzelnen wird es immer unangenehmer. Das Gespräch und die Untersuchung beim Arzt empfinden viele als Horror."

Was hilft dagegen?

Am besten macht man sich bewusst, dass dieses Thema dem Arzt, und natürlich gerade einem Proktologen, täglich begegnet. Das Problem der Peinlichkeit liegt also nur bei mir, nicht bei ihm. Für ihn sind Erkrankungen wie Hämorrhoiden Routine.

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Juliane von Meding, Apothekerin:

Was ist, wenn ich mich bei dem Arzt nicht gut aufgehoben fühle?

Wenn ich mich bei einem Arzt nicht wohlfühle, würde ich die Praxis verlassen und mir einen anderen suchen. Das sollte grundsätzlich jeder tun, und es gehört dazu, selbstbewusst mit seinem Körper, Krankheiten, Schmerzen und eben insbesondere Hämorrhoidalleiden umzugehen.

Warum fällt das den meisten Menschen so schwer?

Kinder gehen mit allen Körperteilen ganz natürlich um. Erst im Laufe der Zeit lernen wir, Ausscheidungsorgane und Stuhlgang peinlich zu finden, sodass Hemmungen entstehen. Da wir diese Haltung lange eingeübt haben, brauchen wir Zeit und Unterstützung, um uns bewusst umzustellen.

So kann die Apotheke helfen

Von Meding: "Oft sind wir die Ersten, zu denen Betroffene gehen. Und wir merken, dass es nicht leichtfällt, über Hämorrhoidalleiden zu reden. Das fängt damit an, dass viele nicht wissen, wie sie sich ausdrücken sollen. Sie kennen die richtigen Begriffe nicht. Aber sobald ein Kunde seine Symptome und Beschwerden schildert, können wir die Erkrankung erkennen und ausführlich beraten."

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Annette Diedrichs:

Wie nehmen Sie die Schwellenangst?

Wir bieten Beratungskärtchen an, auf denen Kunden einfach ankreuzen: Ich habe ein Problem, über das ich unter vier Augen sprechen möchte. Meistens sind Apotheker gut vorbereitet, wenn sie schon in der Schaufensterdekoration Tabuthemen wie Hämorrhoidalleiden oder Scheideninfektionen aufgreifen.

Welche Mittel zur Selbstmedikation bieten Sie an?

Vor allem Salben, Cremes und Zäpfchen: schmerzstillende und juckreizlindernde mit Lidocain, entzündungshemmende und blutstillende mit Hamamelis. Und Zäpfchen, die aus der anthroposophischen Medizin kommen. Manche Salben wirken hautschützend und vorbeugend. Die Anwendung ist nicht immer einfach – da hilft die Beratung in der Apotheke. Es gibt auch spezielle Beratungsangebote, etwa Ernährungsempfehlungen bei Hämorrhoidalleiden.

Hier findet ihr eine Übersicht rezeptfreier Mittel gegen Hämorrhoiden >>

Was empfehlen Sie noch bei leichten Beschwerden und ersten Anzeichen?

Dann rate ich zu einer Anwendung pHneutraler und duftfreier, feuchter Analtücher. Auch Hausmittel wie Kamille und Eichenrinde lindern als Sitzbäder die Beschwerden. Darüberhinaus kann die Behandlung mit Flohsamen der Regulierung von Stuhlgang, Verstopfungen und sonstigen Darmbeschwerden dienen. Nichtsdestotrotz sollten Patienten auch auf ihre Ernährung achten. Manche Lebensmittel sind leichter verdaulich als andere. Bei allen Stuhl-Problemen ist aber in jedem Fall darauf zu achten, reichlich Wasser zu trinken.

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