24. Juli 2014
Sonne genießen und die Haut schützen

Schlauer sonnen

Endlich Sommer! Der goldene Schein beflügelt uns, schenkt Wohlbefinden und ein luftig-leichtes Gefühl auf der Haut. Genießen Sie die Sonne – ohne Reue.

Frau sonnt sich
© Thinkstock / iStock / Alliance
Frau sonnt sich

Nun ist es wohl amtlich. Eine vergangenes Jahr veröffentlichte Studie hat zum ersten Mal eindrucksvoll nachgewiesen, dass konsequenter, täglich aufgetragener Lichtschutz mit Faktor 15 den Hautalterungsprozess verlangsamt - um 24 Prozent! Was Dermatologen seit Jahren empfehlen, gilt erst jetzt als bewiesen, weil diese Untersuchung mit 900 Teilnehmern über viele Jahre lief und wirklich belastbare Daten lieferte. Gleichzeitig mehren sich allerdings auch die Hinweise, dass wir uns durch ständigen Sonnenschutz zwei neue Probleme einhandeln könnten. Stichwort: Vitamin-D-Mangel und Infrarot-Überdosis. Letzteres lässt sich folgendermaßen erklären: Weil die UV-Filter in den Sonnencremes inzwischen so effektiv sind, besteht die Gefahr, dass wir uns zu sicher fühlen, zu lange in der Sonne bleiben und uns so einer riskanten Dosis Infrarotlicht (Wärmestrahlung) aussetzen. In der Tat ist erst seit Kurzem erwiesen (weil es sich technisch messen lässt), dass Infrarotstrahlung tiefer in die Haut eindringen kann als UV-A- und UV-B-Licht und dort große Schäden anrichten kann. Noch konnten Forscher kein Molekül finden, keinen speziellen Filter, der Infrarotstrahlung abblockt oder absorbiert. Aber es gibt Technologien, die die Auswirkungen eindämmen – vor allem mit Antioxidantien. Die gute und entscheidende Nachricht: Wie immer und bei allem macht die Dosis den Unterschied. Und wer von uns würde tatsächlich stundenlang in der prallen Sonne braten?

Zweites großes Thema: Vitamin D. Studien weisen darauf hin, dass täglich verwendeter Lichtschutz zu Vitamin-D-Mangel führt. „Das ist tatsächlich so und ein Problem, aber ein lösbares“, erläutert Dr. Christiane Schulze aus Köln. „Als Dermatologin sehe ich das Risiko der UV-Dosis aber als relevanter an und finde eine Vitamin-D- Gabe über Tabletten oder Öle bei Mangel wichtig.“ Vitamin-D-Mangel trifft vor allem Menschen, die sich fast ausschließlich drinnen aufhalten und/oder sehr hohen (über LSF 30) täglichen Lichtschutz auftragen. Ob Sie unter einem Vitamin-D-Mangel leiden, können Sie von Ihrem Arzt prüfen lassen.
Damit wir diesen Sommer unbeschwert genießen können, haben Kosmetikexperten am Wohlfühlfaktor gearbeitet. Denn effektive UV-Filter gibt es genug – rund 20 zugelassene, hautverträgliche decken das Strahlenspektrum bestmöglich ab. Viel wichtiger: leichte Texturen, die wir mit größtem Vergnügen an unsere immer anspruchsvollere Haut lassen. Ob Sonnenöle, die sofort einziehen, vegane und koschere Cremes oder Fluids, die für gleichmäßige Bräune sorgen. Einige Produkte lassen sich sogar individualisieren: Nach 17 zu beantwortenden Fragen zeigt z. B. „Muticare“ (www.mutisun.com) Ihre perfekte Sonnenpflege online an. Sogar Psychologie spielt für Sonnenschutzentwickler eine Rolle: Denn wer schon leicht gebräunt an den Strand geht, setzt sich weniger der prallen Sonne aus. Deshalb erleben getönte Sonnencremes, Make-ups und BB-Cremes ein ausgedehntes und stabiles Hoch im Sommer 2014. Klug bräunt eben gesünder.

Die Menge macht´s

Klingt unglaublich, stimmt aber. Rund 60 ml Sonnenprodukt ( entspricht ungefähr sechs Esslöffeln) brauchen Sie für einen einzigen Strandtag. Nur dann erreichen Sie den auf der Flasche angegebenen Schutzfaktor tatsächlich auf ihrer Haut. Denn mit dieser Menge wird der Faktor im Labor auf der Haut von Testpersonen ermittelt und dann deklariert. Der Tagesbedarf einer vierköpfigen Familie bei nur zweimaliger Anwendung summiert sich somit auf 200 bis 250 ml. Die Realität sieht aber noch immer anders aus: Durchschnittlich benutzen wir nur ein Viertel der nötigen Menge. Das bedeutet, dass auch nur 25 Prozent des Faktors wirken können. Bei LSF 30 wäre das gerade mal LSF 7,5! Noch problematischer wird es bei Sprühprodukten: Rund 150-mal sollten Sie den Zerstäuber betätigen, um die Menge zu erreichen, die Ihre Haut zuverlässig mit dem LSF schützt.

So viel brauchen Sie

2 Wochen Sardinien
Strandleben rund um die Uhr! Die ersten Tage mit hohem Schutz (LSF 50) ans Meer, danach glänzen Sie mit LSF 30. Für den Körper ist Öl zum Sprühen ideal. Insgesamt 14 Tage à 60 ml = 840 ml
1 Woche Schnorcheln auf den Malediven
Nichts als extrem wasserfeste Produkte mit höchstem Schutz (LSF 50+), die extra für den Sport im und auf dem Wasser konzipiert wurden, sind hier sinnvoll. Insgesamt 7 Tage à 60 ml = 420 ml
3 Tage Bergwandern in Südtirol
Volle Aufmerksamkeit auf Gesicht, Dekolleté und Arme – die Höhe verstärkt die UV-Wirkung (Faustregel: 10 Prozent je 1000 Höhenmeter). Am besten alle 2 Stunden cremen, weil durchs Schwitzen der Schutz verloren geht – und Anti-Aging-Produkte verwenden! Insgesamt 3 Tage à 2 x 40ml =240ml

Reichlich und regelmäßig

vital: Frau Dr. Schulze, was legen Sie Ihren Patienten beim Sonnenschutz dringend ans Herz?
Dr. Christiane Schulze: Ich erinnere immer wieder an die drei „Rs“: rechtzeitig, reichlich und regelmäßig! Die vielzitierten 20 bis 30 Minuten vor Sonnenkontakt sind sinnvoll, damit die entsprechend große Menge genug Zeit hat, einzuziehen. Wir wissen heute: Die Menge macht’s.
Das gilt aber doch so nur für den vollen Strandtag im Urlaub?
Das gilt eigentlich immer. Die Sonne interessiert es nicht, ob Sie sich am Strand oder in der Stadt in der Mittagspause befinden. Sogar der Mitteleuropäer sollte sich von März bis Oktober täglich vor der Sonne schützen. Oder besser noch das ganze Jahr. Es geht ja nicht nur um den Sonnenbrand, sondern um die kumulative UV-Dosis. Ihr UV-Konto füllt sich täglich, immer.
Vor allem UV-A-Strahlen sind hier das Problem ...
Richtig. Die sind das ganze Jahr aktiv, auch bei bewölktem Himmel, und sie dringen fast vollständig durch Glas, zum Beispiel durch Autofenster. Auch ohne jemals einen Sonnenbrand gehabt zu haben, besteht das Risiko, an weißem Hautkrebs zu erkranken. In diesem Zusammenhang ist die Gesamtdosis des UV-B-Lichts bedeutsam, aber auch die UV-A-Strahlung ist an der Entwicklung heller Hautkrebse beteiligt.
Dr. med. Christiane Schulze ist Fachärztin für Dermatologie in Köln und plädiert leidenschaftlich für Lichtschutz - täglich und sogar durchgehend im Jahr.
Woran erkennen wir ein gutes Licht- schutz-Produkt?
Das Wichtigste ist, dass Sie es gern und in großen Mengen benutzen. Es sollte zu Ihrem Hauttyp passen, nicht zu fettig sein, wenig Duft-, Konservierungsstoffe und Emulgatoren enthalten und dabei vor einem breiten Spektrum an Strahlen haut- verträglich schützen.
Neuerdings gilt auch Infrarotstrahlung als Risikofaktor. Wie schätzen Sie das ein?
Das ist ein Riesenthema! Das Infrarotlicht kann mit seiner deutlich größeren Wellenlänge viel tiefer in die Haut eindringen. Ob und wie viel Schaden es anrichtet, können wir heute noch gar nicht sicher sagen.
Ist das denn überhaupt für einen Sonnentag relevant?
Ja, weil wir glauben, mit extrem hohem Schutz könnte uns nichts mehr passieren. Sunblocker ist da ein irreführender Begriff. Selbst mit LSF 50+ sollten wir keinesfalls 50-mal länger als ungeschützt in der Sonne bleiben. Es bedeutet grundsätzlich, dass UV-B-Strahlen zu 99 Prozent und UV-A- Strahlen ebenfalls zu einem hohen Anteil abgefiltert werden. Infrarotlicht kann aber ungehindert eindringen. Das ist bei kurzem Sonnen nicht problematisch, aber je länger wir uns ohne Pause tagelang in der Sonne aalen, desto mehr Wärmestrahlung dringt tief ins Gewebe ein.

Mit IQ an den Strand

5 Dos

1. Selbst bei „wasserfesten“ Produkten nach dem Baden und Abtrocknen sofort wieder eincremen. Wasserfest bedeutet lediglich: Selbst nach dem Schwimmen besteht noch 50 Prozent des Schutzes.
2. Zwischen 12 und 15 Uhr aus der Sonne in den Schatten wechseln – das spart Ihrer Haut rund 70 Prozent der UV-B-Dosis.
3. Schwarz am Strand: Häufiger mal ein T-Shirt anziehen – je dunkler und eng gewebter der Stoff, desto stärker der Schutz.
4. Make-up in der Sonne! Foundation besteht aus Pigmenten, die Strahlen abblocken. Wer empfindliche Haut hat, sollte ein spezielles Sun-Make- up verwenden (z. B. Kompakt-Creme „An- thelios XL LSF 50+“ von La Roche-Posay, ca. 20 Euro).
5.Pausen einlegen! Die Symptome (Rötungen, Brennen, Bläschen) der Überdosis erreichen erst nach 24 Stunden ihren Höhepunkt. Das heißt auch am nächsten Tag kühlen, der Haut jede Menge Feuchtigkeit zuführen und besser mal strandfrei nehmen.

5 Don’ts

1. Unter Bäumen und Sonnenschirmen auf Sonnencreme verzichten. Die schattenspendenden Blätter- bzw. Stoffdächer bringen es gerade mal auf einen vergleichbaren Faktor von 5 bis maximal 12!
2. Nach zwei Wochen Urlaub und schöner, dunkler Bräune ohne Schutz in die Sonne gehen. Selbst stark gebräunt entwickelt die Haut nur einen Schutzfaktor von 6.
3. Die Creme mit Faktor 50+ nach den ersten Tagen ausmustern. Benutzen Sie sie weiter. Wenn Sie sich an die empfohlene Menge halten, ist sie bald leer!
4. An der (Pool-)Bar Milkshakes trinken. Milch kann Entzündungsreaktionen in den Zellen verursachen, wie UV-Licht. Verstärkt den Schaden nur!
5. Sonnencreme im Alltag – stattdessen besser Tagescremes mit Lichtschutzfaktor verwenden.
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