Schutz vor Heiserkeit

Schutz vor Heiserkeit

Als Erwachsener erscheint uns kaum etwas so selbstverständlich wie das Sprechen. Bis uns Überanstrengung oder eine Erkältung die Wörter im Hals ersterben lässt. Doch das muss nicht sein, denn vor Heiserkeit können Sie sich schützen.

Stimme
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Stimme

Mal ganz ehrlich: Wann haben Sie sich zuletzt über die Pflege Ihrer Stimme Gedanken gemacht? Noch nie? Dann befinden Sie sich in bester Gesellschaft.

Obwohl 86 Prozent der Deutschen eine kräftige Stimme für sehr wichtig halten, kommt fast niemand auf die Idee, etwas dafür zu tun. Und das, obwohl wir unsere Sprechorgane ständig fordern: Immerhin reden oder singen 66 Prozent der Bundesbürger jeden Tag mehr als sechs Stunden. Wie oft wir unsere Stimme gebrauchen, merken wir aber meist erst, wenn sie versagt und statt melodischer Worte nur noch heiseres Gekrächze aus unserem Mund kommt.

Das nimmt uns die Stimme

„Stimme entsteht durch Vibration der Stimmlippen, also durch Schwingungen“, erklärt Dr. Matthias Weikert, HNO-Arzt aus Regensburg. „Während sich die Stimmlippen schnell öffnen und schließen, werden kleine Luftimpulse abgegeben. Die nehmen wir als Klang wahr.“ Funktionieren die Stimmlippen nicht mehr richtig, hören wir uns heiser an. Die Ursache kann eine Entzündung sein, eine Verletzung oder schlichtweg Überforderung. „Am häufigsten führt eine Kehlkopferkältung zu Heiserkeit und Stimmverlust“, so der Experte für Stimm- und Sprachheilkunde.Bei Heiserkeit herrscht Flüsterverbot. Dann heißt es: Bitte nicht sprechen!

Was tun bei Stimmverlust

Bei schwerer Stimmschädigung sollte man mindestens drei Tage lang schweigen. „Vor allem das gespannte Flüstern, zu dem wir dann neigen, ist schlecht“, warnt Dr. Weikert. Der Heisere verständigt sich am besten durch sogenanntes „Pseudoflüstern“. Dabei bildet er Laute, die sich ohne Stimmbänder, allein mit Lippen und Zunge – gleichsam als stille Artikulation – im Mundraum erzeugen lassen.
Doch es gibt noch mehr zu beachten: Auch ständiges Räuspern schadet, weil es zu mikroskopisch kleinen Verletzungen der Stimmlippen führen kann. Die wichtigsten Tipps für diese Krankheitsphase lauten: viel trinken und regelmäßig inhalieren, damit Hals und Rachenraum immer gut befeuchtet sind.

Dann kehrt die Stimme in der Regel bald wieder zurück. Gleichzeitig wird einer erneuten Heiserkeit vorgebeugt.
Zu den wirksamen Hausmitteln zählen auch feuchtwarme Wickel mit Quark oder Salzwasser und Halsbonbons. Dr. Weikert: „Sie aktivieren den Speichelfluss, sodass beim Schlucken die Schleimhäute benetzt, der Kehlkopf und der Schlund entspannt werden.“

Chronische Mundatmung trocknet die Stimmlippen aus

Wenn sich die Heiserkeit mehr als zwei Wochen hält oder starker Husten hinzukommt, sollten die Betroffenen einen HNO-Arzt aufsuchen. Er spürt selbst verborgene Übeltäter schnell auf. So kann z. B. ein nervöser Magen für Stimmverlust verantwortlich sein, wenn die beim Sodbrennen aufsteigende Magensäure ständig den Kehlkopf reizt.
In so einem Fall muss parallel zur Heiserkeit auch dieses Problem behandelt werden. „Wer ständig durch den Mund atmet und oft heiser ist, sollte ebenfalls einen HNO-Arzt aufsuchen“, rät der Stimmexperte. Denn eine chronische Mundatmung kann die Stimmlippen austrocknen. Möglicherweise ist die Nasenatmung ja durch eine Nasenhöhlenverengung gestört.

Beugen Sie der Heiserkeit vor

Liegt z. B. eine Nasenscheidewandverkrümmung vor, sind die Nasenmuscheln dick geschwollen oder leidet der Betroffene unter einer Allergie, sollte an diesem Punkt angesetzt werden, um die Nasenatmung zu verbessern. „Bei chronischer Stimmstörung, Überlastung oder wenn Stimmansatz und Atmung nicht richtig funktionieren, kann auch eine Therapie beim Logopäden weiterhelfen“, weiß Dr. Weikert. Sie wird bei entsprechender Verordnung von den Krankenkassen übernommen. Im Regelfall genügt aber schon ein wenig Stimmhygiene, um sich vor erneuter Sprachlosigkeit zu schützen.

Nicht nur Sprech-Profis sollten ihre Stimme pflegen

Das Austrian Voice Institut empfiehlt, die Stimme mit kleinen Sing- und Sprechübungen am Morgen aufzuwärmen. Im Alltag selbst ist eine präzise Artikulation mit den richtigen Pausen nicht nur gesünder, sondern auch effektiver als lautes Sprechen,urteilen die Experten. Zudem raten sie dazu, den Konsum von Kaffee, Nikotin oder Alkohol zu reduzieren, denn die Genussmittel trocknen die Schleimhäute aus.
Außerdem gilt für Vielredner wie Lehrer oder Callcenter- Mitarbeiter: täglich zwei bis zweieinhalb Liter Wasser trinken. Übrigens freut sich die Stimme auch über ein bisschen Erholung. Mal ganz still sein, nicht ans Handy gehen … Herrlich!

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