15. August 2012
Schöne Zähne mit sanften Therapien

Schöne Zähne mit sanften Therapien

Schonend, fast schmerzfrei, trotzdem effektiv: Neuartige Therapien führen auf sanftem Weg zu schönen Zähnen.

Gesunde Zähne
© thinkstockphotos
Gesunde Zähne

Sie sind hart im Nehmen. Unsere Zähne beißen sich durch Hartes und Weiches, Saures und Süßes. Viele Jahrzehnte begleiten sie uns fest verankert im Kiefer. Und schenken uns unser schönstes, strahlendes Lächeln – im Idealfall. Voraussetzung dafür ist die richtige Pflege und eine gute zahnärztliche Betreuung. Beides sollte schon im Vorschulalter beginnen. Ausgerechnet daran hapert es aber. Das belegt der Zahnreport 2012 der Barmer GEK. Diese neuesten statistischen Daten zeigen, dass nur etwa jedes dritte Kind unter sechs Jahren bei der Früherkennungs-Untersuchung erscheint. Warum gerade diese Prophylaxe-Behandlung so wichtig ist, und wo die größten Zahnputzmuffel in Deutschland zu finden sind, erfahren Sie im Experten- Interview. Aber wir haben auch gute Nachrichten für Sie: Moderne Hightech-Verfahren und perfekt verträgliche Biomaterialien schenken Ihnen auch mit 65 Jahren und noch länger gesunde Zähne. Angstfrei, ohne Schmerzen. Unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – mehr Genuss mit 65 plus“ hat der diesjährige Tag der Zahngesundheit am 25. September übrigens gerade diese Zielgruppe im Fokus.

Adressen

Überblick: Wer bietet die neuen schonenden Verfahren an? Schauen Sie ins Internet-Portal unter www.gzfa.de (Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik). Auskunft geben auch die Landeszahnärztekammern. Ihre kostenlose Beratungs-Hotline: Tel. 08 00/823 32 83.

Die Natur steht Pate Wissenschaftler der Universität Jena haben das Biomaterial Chitosan entwickelt, das das robuste Chitin im Insektenpanzer imitiert. In der Zahnheilkunde soll das gut verträgliche und langlebige Chitosan als Kieferknochenersatz, Füllmaterial und fest verankernde Oberflächenvergütung von Implantaten zum Einsatz kommen (www.geistlich.de). Wer auch bei der Zahnpflege auf Natur pur setzt, erhält Infos unter www.ajona.de

Alles neu in ein paar Stunden

Zahnersatz to go? Klingt irgendwie unseriös. Tatsächlich setzen sich Sofortimplantate aber immer mehr durch. Der Vorteil: In einer Sitzung wird der kranke Zahn entfernt, ein Implantat gesetzt und mit einer Krone versehen. Verbesserte Verfahren schonen dabei die Knochensubstanz. Für die exakte Abbildung der anatomischen Verhältnisse sorgen 3-D-Aufnahmen. Wer möchte, kann sich während des Eingriffs in einen Dämmerschlaf versetzen lassen. „Wenn die Patienten aufwachen, denken viele, wir hätten noch gar nicht angefangen“, sagt Dr. Dr. Martin Kestel von der Musenhof-Zahnklinik, Deidesheim.

Zahnweh unter Strom gesetzt

Ein kleines Gerät am Ohr sendet Elektroimpulse ins vegetative Nervensystem und unterbricht so die Schmerzempfindung. Diese Sensation ist Forschern der Technischen Universität Wien geglückt. Bislang wird die Technik noch klinisch geprüft. Doch viele Ärzte arbeiten schon mit TENS, einer Akupunktur-ähnlichen Elektrostimulation, die den Zahnarztbesuch fast schmerzfrei macht.

Laser, Wasser und Ultraschall entfernen Zahnstein im Nu

Einmal im Jahr wird die professionelle Zahnstein-Entfernung von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Wie schmerzhaft das wird, hängt von der Methode ab. Üblich sind z. B. Schleifpapier und Ultraschall. Neu ist die schmerzfreie Behandlung mit einem Pulver- Wasserstrahl (Airflow). Und moderne Laser bieten den Vorteil, gleichzeitig schmerzempfindliche Zahnhälse zu versiegeln. Auch bei der täglichen Zahnpflege kann Ultraschall gezielt Plaque entfernen (z.B. die Schallzahnbürste „Oral-B Pulsonic“, ca. 130 Euro).

Proteine geben den Zähnen festen Halt

Wiederherstellen statt repa- rieren – so das wichtigste Motto des diesjährigen weltgrößten Parodontologie-Kongresses in Wien. Um dem Schwund des Zahnfleisches müssen sich immer mehr Experten kümmern, denn Parodontose nimmt in den westlichen Ländern zu. Sie ist die Hauptursache für Zahnverlust, noch vor Alterungsprozessen. Eines der vielversprechendsten neuen Heilmittel sind Proteine, die aus dem Zahnschmelz extrahiert werden. Das daraus gewonnene Produkt („Emdogain“) wird auf die Zahnwurzel aufgetragen und regt das Gewebe zum Wachstum an.

Lohnen sich Zusatzversicherungen?

Der Zahnarzt darf seit Januar 2012 deutlich mehr abrechnen, aber der Festzuschuss von der Krankenkasse steigt kaum. Konsequenz: Gerade für hochwertigen Zahnersatz müssen wir tiefer in die Tasche greifen. Deshalb kann sich eine Zusatzversicherung durchaus lohnen. Die Stiftung Warentest hat die besten benotet. Mit 1,0 wurden DFV (Deutsche Familienversicherung), Ergo Direkt und Neckermann bewertet. Der Preis liegt monatlich bei rund 30 Euro. Wichtig: In den ersten acht Monaten nach Abschluss gibt es bei den meisten Versicherungen kein Geld.

„Computer- Betäubung“ statt Spritze

Neben dem Bohrer ein Instrument des Schreckens: die Betäubungsspritze. Durch eine neue Computertechnik fließt Betäubungsmittel einer Kanüle voraus, Druck und Abgabe werden so gesteuert, dass das Spritzen nicht spürbar ist. Infos: www.portal-der-zahnmedizin.de, Stichwort „nadelfreie Injektion“. Neu ist auch die intradesmodontale Injektion, welche die Betäubung von einzelnen Zähnen ermöglicht und das unangenehm taube Gefühl im Mund nimmt.

Photodynamische Therapie: Wurzelentzündungen ganz sanft und sicher behandeln

Durch die Wurzelspitzen laufen feine Nervenbahnen. Deshalb tut es auch so unglaublich weh, wenn es dort zu einer Entzündung kommt. Bei einer herkömmlichen Wurzelbehandlung weitet und reinigt der Arzt die Wurzelkanäle und entfernt den entzündeten Nerv. Die photodynamische Therapie färbt mit blauem Licht Bakterien ein, darauf wird ein Laserlicht gerichtet, das die Bildung von aktivem Sauerstoff anregt. Folge: Die Keime werden zerstört. Mehr Infos: www.helbo.de

"Viele Deutsche sind Zahnputz-Muffel"

Prof. Dr. Thomas Schäfer
© Thomas Schäfer
Prof. Dr. Thomas Schäfer, Sozialmediziner und Gesundheitsforscher aus Hannover.
Sie haben im Zahnreport 2012 erhoben, dass nur 31 Prozent der Kinder zwischen zwei und sechs Jahren zum Zahnarzt gehen. Was sagen Sie dazu?
Dieses Ergebnis ist in der Tat erschütternd, denn Schäden im Milchgebiss führen auch zu Schäden im bleibenden Gebiss. Das muss uns große Sorge machen.

Hat Sie noch ein Ergebnis des Zahnreports überrascht?
Ja. Städter gehen seltener zum Zahnarzt als die Landbevölkerung, obwohl die Praxisdichte bei ihnen höher ist. Und: Im Osten suchen die Menschen häufiger einen Zahnarzt auf als im Westen.

Wie engagiert sind wir denn bei der Zahnpflege?
Wir zeichnen uns nicht gerade durch besondere Hygiene aus. Im europäischen Vergleich liegen wir nur im Mittelfeld.

Gibt es typische Putzmuffel?
Ja, junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren vernachlässigen ihr Gebiss am stärksten. Frauen scheinen generell mehr Gesundheitsbewusstsein zu haben. Sie nehmen auch häufiger Prophylaxe- Untersuchungen wahr. Sie bekommen aber etwas öfter Karies als Männer. Das liegt vermutlich an den Schwangerschaften, die für die Zähne belastend sind – und ihrer Vorliebe für Süßigkeiten.

Wo liegen die größten Probleme im Gebiss selbst?
Eindeutig im Oberkiefer. Scheinbar werden die Zähne unten besser von dem antibakteriell wirkenden Speichel umspült. Also: oben besonders gut putzen.

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