3. März 2010
Risikofaktor Blutdruck

Risikofaktor Blutdruck

Er ist der größte Risikofaktor für Herz und Nieren. Doch nur die wenigsten wissen über ihren Blutdruck wirklich Bescheid. VITAL beantwortet für Sie die zehn wichtigsten Fragen

Buchtipp: Ruhig Blut bewahren! Im GU Ratgeber "Bluthochdruck senken" werden maßgeschneiderte Therapieprogramme vorgestellt.

Es gibt diese beneidenswerten Menschen, die selbst bei klirrender Kälte nicht frieren. Wer denkt da schon an Bluthochdruck? Und diese Tage, an denen man das Gefühl hat, irgendwie nicht richtig wach zu sein – steckt da immer zu niedriger Blutdruck dahinter? Ist das ungesund? Was da – je nach Höhe – dem einen die Purpurröte, dem anderen die Kreidebleiche ins Gesicht treibt, scheint eine große Unbekannte zu sein. Gerade mal 29 Prozent der Deutschen, so eine Umfrage der DAK, kennen ihre aktuellen Blutdruckdaten. Dabei gilt schon ein Wert über 120/80 mmHg (sprich: „120 zu 80“) als ein Hochrisikofaktor. Die Einheit mmHg ist dabei ein historisches Überbleibsel und bedeutet: 1 mmHg ist der Druck, den ein Millimeter (mm) einer Quecksilbersäule (Hg) ausübt. Umgerechnet entsprechen 1 mmHg genau 0,00133 bar.

Zahlenspielereien, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass 44 Prozent aller deutschen Frauen innerlich „auf 180“ sind – ohne es zu wissen. „Nur etwa die Hälfte aller Hochdruckfälle wird entdeckt“, schätzt der Kardiologe Prof. Michael Böhm vom Uniklinikum des Saarlandes. Ähnlich sieht es beim zu niedrigen Blutdruck (Hypotonie) aus. „Damit leben rund vier Prozent der Bevölkerung“, sagt Prof. Dieter Klaus von der Deutschen Herzstiftung. Sehr häufig trifft er junge, schlanke Frauen. Aber ab wann ist hoch zu hoch, wann niedrig zu niedrig? VITAL beantwortet die wichtigsten Fragen und präsentiert neue Forschungsergebnisse.

© Beurer

Welche Blutdruckwerte sind gefährlich?

Welche Blutdruckwerte sind gefährlich?

Genau genommen, sind es zwei Werte: der obere, systolische Wert, der gemessen wird, wenn unser Herz Blut in die Gefäße pumpt, und der untere, diastolische Wert, wenn das Herz erschlafft. Liegen diese Werte dauerhaft über 140/90 mmHg, sprechen Mediziner von arterieller Hypertonie, also Bluthochdruck. Steigen sie nur selten über 100/60 mmHg, ist der Druck zu niedrig. Dahinter kann eine Schilddrüsenunterfunktion stecken!

Welche Folgen kann das für meine Gesundheit haben?

Bei Bluthochdruck muss das Herz Akkordarbeit leisten. Die Blutgefäße verengen, verhärten, werden poröser. Es kommt zu Durchblutungsstörungen in Augen, Gehirn und Nieren oder zu einem Herzinfarkt. Auch zwei Drittel aller Schlaganfälle gehen ursächlich auf einen erhöhten Blutdruck zurück. Zu niedriger Blutdruck führt dagegen zu Müdigkeit, Lustlosigkeit oder Schwindel. Die Betroffenen können sich nur schlecht konzentrieren.

Kann Bluthochdruck vererbt werden?

Der Blutdruck wird zu 30 bis 40 Prozent vererbt, zu 60 bis 70 Prozent durch Umwelteinflüsse bestimmt, schätzt das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Übergewicht ist für circa 30, Alkohol für 15 Prozent der Hochdruckfälle verantwortlich. Zu viel Kochsalz lässt bei 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung den Druck steigen. Menschen, die täglich mehr als 74 Gramm Fruktose (z.B. in Softdrinks) zu sich nehmen, haben um 87 Prozent häufiger Bluthochdruck (US-Studie).

Blutdruck Test
© DragonImages/iStock
Blutdruck Test

Wie messe ich richtig?

Wie messe ich richtig?

Messen Sie morgens und immer zur gleichen Zeit. Meiden Sie 60 Minuten davor körperliche Arbeit oder Sport. Verzichten Sie 30 Minuten davor auf Kaffee, Tee und Nikotin. Legen Sie allen Schmuck ab. Handgelenkgeräte möglichst auf Herzhöhe halten. Probieren Sie aus, an welchem Arm der Druck höher ist. An diesem sollten Sie zukünftig messen.

Gibt es Blutdruck-Typen?

Ja. Die körperliche und seelische Konstitution wirkt sich auf den Blutdruck aus. Etwa 20 Prozent der Hochdruckpatienten sind Stress-Typen, die immer unter Druck stehen. Bauch-Typen neigen zu Übergewicht und sind oft Sportmuffel. Sie machen etwa drei Viertel der Patienten aus. Chaos-Typen verlieren oft den Überblick und neigen dann zu Hochdruckkrisen mit Werten um 230 zu 120 mmHg.

Kann ich meinen Blutdruck positiv beeinflussen?

Um den Blutdruck aus dem Keller zu jagen, reicht es häufig, ausreichend zu trinken, mehr Kochsalz zu verwenden und den Körper durch Wechselduschen, Ausdauer- und Krafttraining zu fordern. Auch bei Hochdruck helfen ein paar kleine Änderungen im Alltag. Prof. Peter Dominiak von der Uniklinik Lübeck: „Mit jedem Kilo Übergewicht, das Sie abbauen, sinkt Ihr Blutdruck um 1,5 mmHg. Täglich 20 Minuten Sport senkt ihn um weitere 5 mmHg. Täglich 20 Gramm Alkohol weniger, also circa ein Viertel Liter Wein, bringen noch einmal 5 mmHg.“ Produkte aus Sojabohnen können Bluthochdruck ebenfalls entgegenwirken, da sie besondere Fette enthalten, die Hypertonikern oft fehlen, ergab eine Studie der Uni Dresden.

Knoblauch gegen Blähungen
© fatihhoca/iStock
Knoblauch gegen Blähungen

Gibt es pflanzliche Mittel gegen Blutdruckprobleme?

Bei Knoblauch und Weißdorn wird eine blutdrucksenkende Wirkung vermutet. Regelmäßige Senf-Fußbäder können leicht erhöhte Blutdruckwerte ebenfalls normalisieren.

Adressen & Tipps

Jeder vierte Erwachsene weltweit hat einen zu hohen Blutdruck

Buchtipp: „Bluthochdruck senken – Das 3-Typen-Konzept“, Anette Bopp, Thomas Breitkreuz, GU, 127 Seiten, 12,90 Euro

Infos: „Deutsche Hochdruckliga e. V.“, Berliner Str. 46, 69120 Heidelberg. Tel. 0 62 21/58 85 5-0, E-Mail: Hochdruckliga@t-online.de. Internet: www.hochdruckliga.de

Wann geht es nicht mehr ohne Medikamente?

Wenn Lebensstilveränderungen nicht helfen und bei extrem hohen Werten. Durch Diuretika scheiden die Nieren verstärkt Wasser aus. Sie erhöhen jedoch das Thromboserisiko. Die sogenannten Betablocker stoppen Hormone, die den Blutdruck ansteigen lassen. Kalziumantagonisten weiten die Gefäße, müssen aber oft mit anderen Blutdrucksenkern kombiniert werden. ACE-Hemmer verhindern, dass das Hormon Angiotensin die Gefäße verengt. Sie sind vor allem sinnvoll, wenn gleichzeitig ein Diabetes besteht. Sartane wirken ähnlich und gelten als gut verträglich.

Gibt es einen Schrittmacher, der den Blutdruck senkt?

Ja, der Baroflex-Stimulator wird in die Halsschlagader eingepflanzt und zwingt das Gehirn durch elektrische Impulse, den Blutdruck zu regulieren. Vorläufige Ergebnisse klinischer Studien zeigen, dass er bei jedem zweiten Patienten deutlich sinkt.

Kann man Bluthochdruck einfach wegoperieren?

Es sieht so aus. An der Uniklinik Düsseldorf behandelt Prof. Lars Christian Rump Patienten mit schwer einstellbarem Blutdruck mit der neuartigen Katheter-Methode. Dabei werden bestimmte Nierennerven mithilfe eines Hitzeimpulses verödet, die für einen fehlgesteuerten Blutdruck mitverantwortlich sind. Prof. Rump: „Die Wirksamkeit hält nach bisherigen Erkenntnissen dauerhaft an.“

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