19. März 2013
Pillen aus dem Netz - aber sicher

Pillen aus dem Netz - aber sicher

Es scheint so einfach: Nach ein paar Klicks kommen Hustensaft, Vitamintabletten oder Abnehmpulver bequem ins Haus. Doch nicht immer steckt drin, was draufsteht.

Frau kauft Tabletten
© Silja Götz
Frau kauft Tabletten

Sie benötigen ein Medikament? Dann können Sie entweder zur nächstgelegenen Apotheke gehen oder Sie bestellen im Internet. Über die Hälfte der Deutschen hat die zweite Möglichkeit bereits genutzt. Vor allem weil rezeptfreie Arzneimittel, die selbst bezahlt werden müssen, online oft weniger kosten. Wer stark eingespannt ist, freut sich außerdem, dass ein lästiger Gang entfällt. Und falls Fragen auftreten, sind die Internet-Anbieter meist telefonisch oder per E-Mail erreichbar. Klingt gut – gäbe es nicht auch einige schwarze Schafe.
Schätzungen zufolge sind 10 bis 20 Prozent der über das Internet verschickten Medikamente minderwertig oder gefälscht. Die Pillen oder Tropfen solcher Mogelpackungen werden oft unter unhygienischen Bedingungen hergestellt und sind entsprechend verunreinigt. Mitunter enthalten sie unter- oder überdosierte Wirkstoffe – oder überhaupt keine. Wenn Sie unsere Regeln beachten, können Sie die unseriösen Anbieter aussortieren und die Vorteile der Internet-Apotheken wie günstige Preise und bequemen Versand nutzen.

Drei Regeln für den Online-Kauf

1. Nur registrierte Apotheken nutzen:
Auf den ersten Blick sind unseriöse Anbieter nicht unbedingt zu erkennen. Deshalb wurde am staatlichen Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) ein Siegel entwickelt, das alle behördlich registrierten Versand- Apotheken auf ihrer Homepage tragen dürfen. Auf www.dimdi.de sehen Sie unter „Versandapothekenregister“ das Siegel. Zusätzlich listet das Register des DIMDI alle zugelassenen Online-Apotheken auf.
Auch ein Blick auf das Impressum der Apotheken-Homepage verrät einiges. Es sollte enthalten: Name und Anschrift der Apotheke, Name des Apothekers (hinter jedem Internet- Anbieter muss eine reale Apotheke stecken) und die zuständige Aufsichtsbehörde sowie deren Anschrift. Dort können Sie sich bei Problemen beschweren.
Suchen Sie sich lieber einen anderen Anbieter aus, wenn Angaben fehlen und keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme besteht. Und: Vor dem Kauf immer die AGBs, die allgemeinen Geschäftsbedingungen, durchlesen.

pillen medikamente
© Thinkstock
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Vorsicht mit Internet-Pillen

2. Die Rezeptpflicht nicht umgehen:
Angebote wie „bei uns auch ohne Rezept“ sollten Sie skeptisch machen. Denn verschreibungspflichtige Medikamente dürfen – auch von Online- Apotheken – nicht ohne Rezept abgegeben werden. Wer das tut, handelt illegal. Käufer von verschreibungspflichtigen Präparaten müssen deshalb immer ein Original-Rezept per Post einschicken. Auch Schnäppchen à la „drei zum Preis von zwei“ können Sie nicht erwarten, denn für alle rezeptpflichtigen Produkte gilt in Deutschland die Preisbindung. Nur geringe Rabatte, Geschenke oder Gutscheine sind erlaubt. Die Grenze liegt dabei zwischen einem und fünf Euro pro Verschreibung.
Wichtig: Auch ausländische Anbieter dürfen Ihnen nur Medikamente verkaufen, die in Deutschland zugelassen sind. Tipp: Viele Krankenkassen haben Kooperationsverträge mit deutschen oder europäischen Online-Apotheken abgeschlossen, die Rabatte bei den Zuzahlungen ermöglichen. Ihre Kasse kann Ihnen seriöse Anbieter nennen und Sie informieren, wie und wann über das Internet bezogene Medikamente erstattet werden.

3. Auf verschlüsselte Verbindung achten:
Gehen Sie mit Daten, die Ihre Gesundheit betreffen, äußerst vorsichtig um – besonders im World Wide Web. Prüfen Sie bei allen Angaben, die Sie in Online-Formularen machen, ob sie verschlüsselt per SSL-Verbindung übertragen werden. Das erkennen Sie am verriegelten Schloss-Symbol in der Browser-Leiste (etwa Explorer, Firefox, Safari). So geraten sensible Informationen nicht in falsche Hände. Seriöse Apotheken nutzen dieses Verfahren selbstverständlich.

So erkennen Sie gefälschte Medikamente

Lieferung ohne Verpackung Fehlen Umkarton oder Beipackzettel – er ist in Deutschland vorgeschrieben – schicken Sie die Lieferung zurück. Dasselbe gilt bei Beipackzetteln auf Russisch oder Chinesisch. Anderes Aussehen Kommt Ihnen das Medikament irgendwie komisch vor? Wirken Farbe oder Schrift nicht wie sonst? Fehlen typische Siegel oder Hologramme? Als deutliches Warnzeichen gelten Schreibfehler auf Produkt oder Verpackung. Leider gleichen viele Fälschungen dem Original optisch nahezu perfekt. Ungewohnte Wirkung Unbekannte Reaktionen auf ein vertrautes Arzneimittel deuten auf veränderte oder verunreinigte Inhaltsstoffe hin – Alarmstufe Rot! Wer glaubt, eine Fälschung eingenommen zu haben, sollte sofort einen Arzt oder Apotheker um Rat fragen.

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